Virtuosen
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Richard Osborne, geboren 1943 in Yorkshire, ist einer der bekanntesten Schriftsteller und Journalisten auf dem Gebiet der klassischen Musik. Er schrieb zahlreiche Bücher (u.a. über Rossini) und gestaltete Sendungen für die BBC. Richard Osborne lebt in Berkshire.
Martin Warnke, geboren 1937, ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte an der Universität Hamburg.
"Nur wenige Gestalten der Musikgeschichte, und nur eine kleine Handvoll Interpreten, haben außerhalb der Musikwelt eine derart reiche und schillernde Reputation wie der kanadische Pianist, Komponist und Intellektuelle Glenn Gould, der 1982 im Alter von fünfzig Jahren an einem Schlaganfall starb. Diese geringe Zahl mag etwas mit einer wachsenden Kluft zwischen der Musikwelt (ausgenommen natürlich das Musikgeschäft) und dem weiteren kulturellen Umfeld zu tun haben; eine Kluft, die ungleich breiter ist als etwa zwischen der Welt der Literatur und jener von Malerei, Film, Photographie und Tanz, zwischen denen recht enge Beziehungen bestehen. Der Literat oder Intellektuelle von heute weiß in der Praxis wenig von der Musik als Kunstform, hat kaum Erfahrung mit dem Spielen eines Instruments oder dem Studium von Tonleitern und Theorie und verfügt, abgesehen vom Kauf von Schallplatten oder dem Sammeln einiger weniger Namen wie Karajan oder Callas, in aller Regel nicht einmal über ein gefestigtes Grundwissen in konkreten musikalischen Belangen - ob es nun um die Fähigkeit geht, Aufführung, Interpretation und Stil miteinander in Zusammenhang zu bringen, oder um das Erkennen des Unterschieds zwischen harmonischen und rhythmischen Charakteristika bei Mozart, Berg und Messiaen. Diese Kluft ist vermutlich das Ergebnis vieler Faktoren, des Umstands, daß Musik in den Lehrplänen der bürgerlichen Erziehung immer weniger vorkommt, des Niedergangs der Hausmusik (wozu einstmals Klavier- oder Geigenstunden als selbstverständlicher Teil der Kindererziehung gehörten), außer als etwas höchst Kompliziertes und Professionelles, sowie des schwierigen Zugangs zur Welt der zeitgenössischen Musik. In Anbetracht von alledem fallen einem doch ein paar wichtige geläufige Namen ein: Beethoven natürlich, Mozart (wohl hauptsächlich als Folge von Salzburg und Amadeus), Rubinstein (teils durch den Film, teils wegen seiner Hände und Haartracht), Liszt und Paganini, Wagner selbstverständlich, und in jüngerer Zeit Herbert von Karajan, Pierre Boulez und Leonard Bernstein. Mag sein, daß es noch ein paar andere gibt, wie etwa die "Drei Tenöre", die von den meisten mit Oper und Publicity in Zusammenhang gebracht werden.Doch selbst so bemerkenswerte und zentrale musikalische Größen unserer Zeit wie Elliott Carter, Daniel Barenboim, Maurizio Pollini, Harrison Birtwistle, György Ligeti oder Oliver Knussen sind eher als geläufige Ausnahmen, die die Regel bestätigen, denn als im Zentrum des Kulturlebens stehend zu finden.Das Besondere an Gould ist, daß er allem Anschein nach die allgemeine Phantasie beschäftigt und sich bis heute, zwei Jahrzehnte nach seinem Tod, darin gehalten hat. Er war beispielsweise Thema eines intelligenten Spielfilms und schien öfter auf ungewöhnliche Weise in Essays und literarischen Texten auf, wie in Joy Williams' Hawk und Thomas Bernhards Der Untergeher. Platten und Videos von ihm und über ihn werden nach wie vor herausgegeben und gut verkauft; seine erste Einspielung der Goldberg-Variationen wurde unlängst von der Zeitschrift Gramophone in die Liste der zehn besten Aufnahmen des Jahrhunderts aufgenommen, und es erscheinen ständig Biographien, Studien, Analysen über ihn als Pianisten, Komponisten und Theoretiker, die in den Publikumsmedien, anders als in den Fachmedien, bemerkenswert viel Beachtung finden. Für viele Leute ist er der Inbegriff von Bach, mehr noch als so außergewöhnliche Gestalten wie Casals, Schweitzer, Landowska, Karl Richter und Ton Koopmans..."
| Erscheint lt. Verlag | 3.4.2001 |
|---|---|
| Co-Autor | Albrecht Betz, Richard Osborne, Albrecht Riethmüller, Edward W. Said, Martin Warnke |
| Verlagsort | Wien |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 132 x 210 mm |
| Gewicht | 238 g |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Musik ► Allgemeines / Lexika |
| Schlagworte | Kulturgeschichte • Kunst • Künstler • Musik • Virtuose |
| ISBN-10 | 3-552-05157-0 / 3552051570 |
| ISBN-13 | 978-3-552-05157-7 / 9783552051577 |
| Zustand | Neuware |
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