Bildungsbeteiligung: Wachstumsmuster und Chancenstrukturen 1800 - 2000 (eBook)
IV, 149 Seiten
VS Verlag für Sozialwissenschaften
978-3-531-90630-0 (ISBN)
Dr. Peter Lundgreen ist Professor am Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen und seit vielen Jahren an dem wissenschaftshistorischen Großprojekt 'Datenhandbücher zur deutschen Bildungsgeschichte' beteiligt.
Dr. Peter Lundgreen ist Professor am Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen und seit vielen Jahren an dem wissenschaftshistorischen Großprojekt "Datenhandbücher zur deutschen Bildungsgeschichte" beteiligt.
Inhaltsverzeichnis 4
Historische Bildungsforschung auf statistischer Grundlage 5
Datenhandbücher zur deutschen Bildungsgeschichte 5
Anhang Datenhandbücher zur deutschen Bildungsgeschichte 13
„Lange Wellen“ im deutschen Bildungswachstum? 14
1 Einleitung 15
2 Der Befund 16
3 Konjunkturzyklen und Wachstumsphasen 20
4 Ergebnisse 32
5 Fazit und Ausblick 46
Lange Wellen des Bildungswachstums, Generationen und Zeitpräferenz 1800- 2000 51
1 Einleitung 51
2 Die Langen Wellen im Bildungssystem 54
3 Die Langen Wellen der historischen Deutungsmuster 60
4 Generationen und Zeitpräferenz 65
5 Ausblick 69
Wachstum und Austausch akademischer Karrieren 1850-1940 71
1 Fragestellung und Daten 71
2 Die verschiedenen Arten des Wachstums und ihre Ursachen 74
3 Begrenzungen des Karrierewachstums: Bildungssystem und akademische Karrieren 86
4 Der Verlauf des Karrierewachstums: Ausdifferenzierung der Karrieren 90
5 Austausch der Karrieren 95
6 Zusammenfassung und Folgerungen 99
Schulische Berufsbildung für die weibliche Jugend 1900- 1938 103
1 Fragestellung 104
2 Bestandsaufnahme 1901 105
3 „Kaufmännische Tagesschulen“ 110
4 „Haushaltungsschulen“ 114
5 Bilanz 120
Geschlechtsspezifische Berufsbildung und Arbeitsmarktchancen 1950- 2000 124
1 Bildungschancen 125
2 Arbeitsmarktchancen 135
1 Fragestellung (S. 106-107)
Im historischen Kontext der Entstehung der Frauenerwerbstätigkeit und des Ausbaus von berufsfachlichen Arbeitsmärkten für Frauen nimmt der folgende Beitrag die Institutionalisierung der schulisch organisierten Berufsbildung für die weibliche Jugend in Preußen nach 1900 in den Blick. Der Ausdifferenzierungsprozess schulischer Berufsbildung für Mädchen war mit einer spezifischen Problematik behaftet: Der historische Bezugspunkt der Ausbildungsberuflichkeit über den Industrie- und Handwerkskorporatismus fehlte. Im Zuge der Institutionalisierung von berufsbildenden Schulangeboten für die weibliche Jugend entstand insofern ein Substitutionsbereich (MAYER 1999, S. 39f., 46, 49).
Dessen Aufgabenfeld changierte zwischen der berufsfachlichen Ausbildungsfunktion selbst, der Bereitstellung von Unterrichtsangeboten zur Förderung der allgemeinen Bildung sowie der Vorbereitung der Mädchen auf familiale Funktionen. Ein solches Funktionsspektrum konnte nur von schulischen Institutionen bearbeitet werden. Aufgrund ihrer engen Ausrichtung auf die betriebliche Lehre und das Prinzip der Ausbildungsberuflichkeit boten sich hierfür weder Fortbildungsschulen und Berufsschulen noch Fachschulen an. Der Ausgestaltungsprozess schulischer Berufsbildungsinstitutionen für Mädchen erfolgte daher in erheblichem Umfang durch berufsfachschulisch organisierte Bildungsgänge.
Als Berufsfachschulen firmierten seit dem Erlass des Reichsministeriums vom 29. Oktober 1937 „zur Vereinheitlichung der Benennung der Berufs- und Fachschulen" offiziell solche Einrichtungen, die im Gegensatz zu den berufsbegleitenden Berufsschulen und den an eine Berufsausbildung anschließenden Fachschulen Aufgaben der Berufsvorbereitung und -ausbildung übernahmen (REM 1937, GRÜNER 1983, HARNEY u. a. 2006). Die nachfolgenden Ausführungen sollen zeigen, dass die Geschichte des vollzeitschulischen Berufsvorbildungs- und Berufsausbildungssystems, des Berufsfachschulsystems, nicht ohne die wesentlich im Typus der Berufsfachschule erfolgende Institutionalisierung schulischer Berufsbildung für die weibliche Jugend nach 1900 zu verstehen ist.
In der einleitenden Kommentierung zur 1924 veröffentlichten preußischen Schulstatistik von 1921 konstatierte das Statistische Landesamt in Berlin hinsichtlich der Frequentierung der Berufs- und Fortbildungsschulen, „daß der bei weitem größte Teil der jugendlichen Personen im Alter von 14-18 Jahren, die keine mittlere, höhere oder Fachschule besuchen, die also für eine Berufsschulpflicht in Frage kommen, gegenwärtig Berufsschulen noch nicht besucht" (Preußisches Statistisches Landesamt 1924, S. 58*). Nicht ohne Schätzwerte auskommenden Berechnungen zufolge lautete das überschlägige Ergebnis, „daß noch nicht einmal 30% aller Personen, die von der Berufsschulpflicht erfaßt werden müßten, tatsächlich Berufs- und Fortbildungsschulen besuchen" (ebd.). Neben einem beträchtlichen Stadt-Land-Gefälle und eklatanten Unterschieden zwischen den Berufsabteilungen stach die geschlechtsspezifische Diskrepanz hervor. „In der Tat besucht fast die Hälfte der männlichen Personen tatsächlich die Schule, während es von den weiblichen Personen noch nicht einmal ein Zehntel ist" (ebd.).
Nach überschlägigen Berechnungen des Statistischen Landesamts in Berlin für das Jahr 1926 hatte sich die Quote der die Berufsund Fortbildungsschulen besuchenden Mädchen der berufsschulpflichtigen Altersjahrgänge in Preußen auf etwa 23 Prozent erhöht. Für die Knaben errechnete das Landesamt einen Wert von inzwischen über 80 Prozent (Preußisches Statistisches Landesamt 1931, S. 63*). Nach eigenen Berechnungen dürfte der Prozentsatz für die Mädchen gegen Ende der 1930er Jahre in etwa dem Wert des Jahres 1926 entsprochen haben. Wie sehr sich der Entwicklungsstand des beruflichen Schulwesens in Preußen noch in der Weimarer Republik gegenüber einer systematischen Kategorisierung von Organisations- und Funktionsmustern und einer eindeutigen Typisierung der verschiedenen Schularten sperrte, deutete das Statistische Landesamt mit einer Fußnote an, in der es hieß: „Überhaupt ist die Grenze zwischen Berufs- und Fachschulen häufig fließend" (Preußisches Statistisches Landesamt 1924, S. 58*).
Für keinen anderen Sektor des beruflichen Schulwesens erscheint dieser Befund derart zutreffend und zugleich so lange gültig wie für jenes Schulangebot, das in der Etikettierungspraxis des preußischen Ministeriums für Handel und Gewerbe seit Anfang des 20. Jahrhunderts am häufigsten unter der Bezeichnung „Fach- und Fortbildungsschulen für die weibliche Jugend" firmierte und damit bereits terminologisch auf unscharfe Grenzziehungen verwies.
| Erscheint lt. Verlag | 20.9.2008 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Zeitschrift für Erziehungswissenschaft - Sonderheft | Zeitschrift für Erziehungswissenschaft - Sonderheft |
| Zusatzinfo | IV, 149 S. |
| Verlagsort | Wiesbaden |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften |
| Sozialwissenschaften ► Pädagogik ► Bildungstheorie | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | 1800 • akademische Karriere • Ausbildung • Bildung • Bildungsgeschichte • Bildungssystem • Bürgertum • Erziehung • Erziehungswissenschaft • Frauen • Geschichte • Historische Bildungsforschung • Hochschule • Wissenschaftsgeschichte • Zeitreihen |
| ISBN-10 | 3-531-90630-5 / 3531906305 |
| ISBN-13 | 978-3-531-90630-0 / 9783531906300 |
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