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Experten für Humankapital - Ruth Rosenberger

Experten für Humankapital

Die Entdeckung des Personalmanagements in der Bundesrepublik Deutschland
Buch | Hardcover
482 Seiten
2008
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-58620-6 (ISBN)
CHF 159,95 inkl. MwSt
Im Zeitraum zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der ersten Hälfte der 1970er Jahre entstand in der Bundesrepublik Deutschland eine neue, unternehmensbezogene und humanwissenschaftlich gestützte Expertenkultur, diejenige der betrieblichen Humanexperten. Ihre Vertreter haben es sich zum Ziel gesetzt, mittels personalpolitischer Maßnahmen sowohl dem einzelnen Arbeitnehmer bei seiner individuellen Persönlichkeitsentwicklung behilflich zu sein, als auch im Sinne der beschäftigenden Organisation mehr Leistung und Effizienz zu sichern. Anhand einer vielschichtigen Analyse zeigt Ruth Rosenberger, wie und unter welchen Bedingungen es zum Aufstieg dieser neuen Profession kam. Sie untersucht die wechselseitigen Zusammenhänge zwischen ideellen Neuorientierungen zentraler Akteursgruppen der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, strukturellen Veränderungen der Unternehmensorganisation und neuen, von den Humanexperten entwickelten Maßnahmen zur Integration des Arbeitnehmers in das Unternehmen. Damit leistet die Arbeit einen zentralen Beitrag zur Erforschung der bundesrepublikanischen Zeitgeschichte als Vorgeschichte gegenwärtiger gesellschaftlicher (Problem-)Konstellationen.

Ruth Rosenberger ist Historikerin sowie Sprecherin und Koordinatorin der Initiative "geistesblitze": Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsverbünde an der Universität Trier.

1;Inhalt;62;Vorwort;83;Einleitung: Experten für Humankapital;124;Voraussetzungen;404.1;1. Betriebliche Sozialpolitik Unternehmerische Kompensationsstrategie ohne humanwissenschaftlich gestützte Expertise, 1900 1945;424.2;2. Zwischen Konfrontation und Kooperation Arbeitsbeziehungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit;925;Der Mensch im Mittelpunkt? Die Entstehung des personalpolitischen Felds, 1945 1955;1145.1;3. Soziale Betriebsgestaltung Initialzündung des personalpolitischen Felds;1185.2;4. Soziale Rationalisierung Die anthropozentrische ( Re-) Formierung technisch orientierter Experten;1705.3;5. Unternehmerische Neuorientierungen Von der Experten- Debatte zum unternehmerischen Diskurs;2285.4;6. Die Praxis wissenschaftsgestützter Personalpolitik in Unternehmen Drei Fallbeispiele;2665.5;7. Zwischenresümee: Das personalpolitische Feld als Ort der Neuorientierungen nach 1945;3246;Führung statt Partnerschaft Das personalpolitische Feld in Unternehmen, 1955 1977;3346.1;8. Vom Neuen Betrieb zur Deutschen Gesellschaft für Personalführung : Der Aufstieg der Personalexperten, 1955 1968;3366.2;9. Die Einrichtung ausdifferenzierter Personalabteilungen und ihre Auswirkungen auf die Sozialordnung westdeutscher Unternehmen, 1965 1977;3727;Experten für Humankapital Zentralakteure einer liberal- demokratisch und kapitalistisch geprägten Gesellschaft;4228;Anhang;4389;Quellen- und Literaturverzeichnis;44810;Register;478

Eine "überzeugende, spannende und lesenswerte Arbeit". Timo Luks in Archiv für Sozialgeschichte "Ein lesenswertes Buch, das eine Bereicherung für jeden darstellen kann, der sich für die Entwicklung moderner Personalarbeit in Praxis und Theorie interessiert." Hartmut Wächter, Zeitschrift für Personalforschung, Jg. 24, Heft 3/ 2010

Der Mensch im Mittelpunkt?Die Entstehung des personalpolitischen Felds, 1945 1955 (S. 113-116)Auf der Suche nach einer neuen betrieblichen SozialordnungIn der vom Mangel einer gültigen Ordnung und daher maßgeblich von Ungewissheit geprägten Nachkriegssituation versuchten nicht nur Gewerkschaften und Unternehmer Abhilfe zu schaffen. Während ihre Bemühungen in erster Linie auf übergeordnete ordnungspolitische Strukturen abzielten und so den betrieblichen Sozialraum zwar indirekt, aber nicht intentional prägten, gab es gleichzeitig auch Akteure, deren Ansätze konkret auf den betrieblichen Sozialraum ausgerichtet waren. Dabei handelte es sich großteils um akademisch ausgebildete Experten, die auf der Basis (human-)wissenschaftlichen Wissens Lösungen zu entwickeln versuchten. Diese Experten müssen als zentrale Akteure von sozialem Wandel nach 1945 in westdeutschen Unternehmen in den Blick genommen werden.Das neue Feld betrieblicher Humanexpertise unterlag in der unmittelbaren Nachkriegszeit einer ungeheuren Dynamik. Zunächst gelang es nämlich Rationalisierungsingenieuren relativ schnell und problemlos, sich trotz der Auflösung ihrer bisherigen Verbände und Organisationen durch die Alliierten wieder zu etablieren. Sie schienen somit weiterhin die Experten zu sein, die auch aus den Unternehmen heraus nachgefragt wurden. Von Rationalisierungsingenieuren erwartete man traditionsgemäß vermittels technisch und ökonomisch optimierter Produktionsverfahren und Organisationsformen wissenschaftlich fundierte Hilfe beim möglichst schnellen und effizienten Wiederaufbau der (west-)deutschen Wirtschaft, der in der Rangskala anstehender Probleme höchste Priorität einnahm. Neben den Ingenieuren gab es aber auch noch eine zweite, wenn auch zunächst noch kleine Gruppe von Experten, die ebenfalls ausgehend von wissenschaftlichem Wissen betrieblichen Sozialraum gestalten wollten. Diese neuen Experten waren weder technisch orientiert, noch wurden sie aus den Unternehmen heraus nachgefragt. Einzelne Praktiker aus betrieblichen Personal- und Sozialabteilungen, die ich als Personalexperten bezeichne, und Psychologen waren die wichtigsten dieser neuen Experten. Wenn auch unterschiedlich in der jeweiligen Argumentation, so hielten es diese beiden Gruppen im Ergebnis übereinstimmend für notwendig, den neuen Bedingungen der Arbeitsbeziehungen auch im Unternehmen Rechnung zu tragen. Mit Verweis auf die spezifische Kriegs- und Nachkriegserfahrung kritisierten sie die herkömmliche Praxis betrieblicher Sozialbeziehungen und forderten dazu auf, mit Hilfe wissenschaftlichen Wissens neue angemessene Formen und Maßnahmen zu entwickeln.Im Unterschied zu Rationalisierungsingenieuren bezogen sich Personalexperten und Psychologen auf humanwissenschaftliches Wissen und beanspruchten, es zum Ausgangspunkt betriebspraktisch relevanter Verfahren, respektive Ordnungsvorstellungen zu machen. Betriebliche Humanexperten traten nach 1945 in Westdeutschland erstmals nachhaltig in Erscheinung. Nicht nur der technische Denkstil der Rationalisierungsexperten erhielt dadurch unignorierbare Konkurrenz. Gleichzeitig gerieten damit auch Grundfesten der herkömmlichen betrieblichen Sozialordnung unter Druck. Die daraus resultierenden Auseinandersetzungen wurden von unterschiedlichen Akteuren auf verschiedenen Ebenen, aber mit zahlreichen Wechselwirkungen geführt. Im Ergebnis entstand so ein neues Handlungsfeld: das personalpolitische Feld.

Erscheint lt. Verlag 6.10.2008
Reihe/Serie Ordnungssysteme ; 26
Zusatzinfo 19 b/w ill., 10 b/w tbl.
Verlagsort Berlin/München/Boston
Sprache deutsch
Maße 142 x 224 mm
Gewicht 727 g
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte Zeitgeschichte
Geisteswissenschaften Geschichte Regional- / Ländergeschichte
Wirtschaft Betriebswirtschaft / Management Personalwesen
Schlagworte Bundesrepublik Deutschland • Bundesrepublik Deutschland (1949-1990); Politik/Zeitgeschichte • Bundesrepublik Deutschland (1949-1990); Wirtschaft • Geschichte • Ideengeschichte • Personalmanagement • Personalpolitik • Sozial- und Wirtschaftsgeschichte • Unternehmensgeschichte • Zeitgeschichte • Zeitgeschichte nach 1945
ISBN-10 3-486-58620-3 / 3486586203
ISBN-13 978-3-486-58620-6 / 9783486586206
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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