Herrschen und Verwalten
De Gruyter Oldenbourg (Verlag)
978-3-486-57906-2 (ISBN)
Andreas Eckert ist Professor für Afrikanische Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin. Er publizierte zahlreiche Veröffentlichungen zum Kolonialismus und zu Afrika im 19. und 20. Jahrhundert.
1;Inhalt;62;I. Einleitung: Auf der Suche nach "Good Governance";102.1;1. Das Thema;102.2;2. Herrschaft und Bürokratie;152.3;3. Kolonialer Staat und Kolonialismus;192.4;4. Akteure und Eliten;282.5;5. Tanzania;322.6;6. Die Quellen;352.7;7. Aufbau der Arbeit;373;II. Indirekte Herrschaft, 1920- 1940;403.1;1. Das "deutsche Erbe". Aspekte der deutschen Herrschaft in Ostafrika;403.2;2. Die Verwaltung der "imperialen Provinz";483.3;3. "Education for Adaptation". Koloniale Ordnungsvorstellungen und -strategien;723.4;4. Afrikanische Bürokraten;893.5;5. Zusammenfassung;1034;III. Koloniale Staatsbildung und Dekolonisation, 1940 - 1960;1064.1;1. Die zweite koloniale Besetzung;1064.2;2. Demokratie wagen. Versuche der administrativen und politischen Neuordnung;1204.3;3. Die Organisation des Sozialen;1474.4;4. "Education for Development";1634.5;5. Zusammenfassung;1745;IV. Kulturelle Makler. Afrikanische Bürokraten und das Ende der Kolonialherrschaft;1765.1;1. Staatsdiener im Zwischenraum;1765.2;2. Bürokraten als Chiefs. Thomas Marealle;1885.3;3. Bürokraten als Politiker. Julius Nyerere;2035.4;4. Bürokraten als Gewerk- und Genossenschaftler. Rashidi Kawawa und Paul Bomani;2135.5;5. Zusammenfassung;2246;V. Kontinuitäten. Tanzania als unabhängiger Staat, 1960- 1970;2266.1;1. Afrikanischer Sozialismus. Politik und Ideologie in Tanzania;2266.2;2. Who's Who? Zum Profil der Staats- und Verwaltungselite;2406.3;3. Versuche der Neuordnung;2526.4;4. Der Paternalismus der Verwalter. Ländliche "Entwicklungspolitik";2626.5;5. Zusammenfassung;2687;VI. Nachbetrachtung;2708;VII. Danksagung;2769;VIII. Anhang;2789.1;1. Abkürzungen;2789.2;2. Tabora-Absolventen in höheren Staats- und Verwaltungsämtern, 1963- 1964;2799.3;3. Quellen- und Literaturverzeichnis;2829.4;4. Verzeichnis der Karten, Schaubilder und Tabellen;3129.5;5. Verzeichnis der Abbildungen;31210;Register;31411;Studien zur Internationalen Geschichte;324
"Trotz eher ungünstiger Quellenlage gelingt es Eckert, ein differenziertes Bild zu zeichnen von sozialen Strukturen, Bildungsmöglichkeiten, agrarischer Kultur und städtischem Leben, Gewerkschaften und Parteienbildung der afrikanischen Gesellschaft unter dem Joch einer zumseist überheblichen europäischen Verwaltung." Hans Jochen Pretsch in: FAZ, 20.9.2007 "Das Ergebnis dieser gut geschriebenen und sehr plastischen Studie, die in vier großen Abschnitten die verschiedenen Phasen der Entwicklung des kolonialen und postkolonialen Tansanias und die unterschiedlichen Strategien politischer Herrschaft an Fallbeispielen untersucht, ist ernüchternd, denn im Grunde sind sowohl die Kolonialherren als auch ihre afrikanischen Nachfolger mit ihren Rezepten gescheitert. [...] Andreas Eckert hat diese Zusammenhänge mustergültig aufgezeigt." Michael Epkenhans in: Die Zeit, 15.11.2007 "Insgesamt versteht es Eckert über die politische Geschichte Tanzanias hinaus, innovativ kulturwissenschaftliche Fragestellungen und Methoden mit sozialhistorischen zu verknüpfen. Daher ist Eckerts "politische" Geschichte Tanzanias viel mehr als der Titel der Studie auf den ersten Blick vermittelt." Hubertus Büschel, H-Soz-u-Kult "...muß betont werden, daß Andreas Eckert sein Ziel einer Neuausrichtung der politischen Histographie des subsaharischen Afrikas vollauf erreicht, und das Buch eine höchst nützliche und analytisch hochwertige Betrachtung von Kontinuitäten darstellt. Es verdient eine ins Englische übersetzte Version, so daß die Überlegungen Eckerts (...) nicht im deutschsprachigen Raum versanden." Alexander Keese, Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte, Band 10(2011) "Der Autor erweist sich einmal mehr als profunder Kenner der Quellen, der Forschung und der neueren Theoriedebatten." Winfried Speitkamp, Neue Politische Literatur (2008) Jg. 53 "Eckert liefert uns hier ein pädagogisches und klar gegliedertes Buch, dass auch die Wurzeln der Entwicklungszusammenarbeitsmentalität erklärt. Eine profunde Kenntnis der Archive und der global history erlaubt ihm, ein Meisterwerk zustande zu bringen. Eine Übersetzung ins Englische und in Swahili ist mehr als überfällig, damit die Mehrheit der Akteure diese Geschichte erleben kann." Mamadou Diawara, sehepunkte
" V. Kontinuitäten Tanzania als unabhängiger Staat, 1960- 1970 (S. 217-218)1. Afrikanischer Sozialismus. Politik und Ideologie in Tanzaniaa) Rauhe Realitäten. Tanzania in der internationalen OrdnungIn den zwei Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit verfolgte die Regierung Tanzanias unter Nyerere eine Politik, die unter internationalen Beobachtern wegen des nachhaltigen Engagements für Selbständigkeit und das Vertrauen auf die eigenen Kräfte und Ressourcen self reliance) gepriesen wurde.1 Andere lobten zudem die Anstrengungen, einen spezi.schen afrikanischen Sozialismus"" zu kreieren und zu praktizieren. Nyerere selbst wurde eine weltweit bekannte Persönlichkeit, ein Fürspreche der Ärmsten der Armen"".Er verlangte eine neue internationale Wirtschaftsordnung, die den .nanzschwachen Staaten der so genannten Dritten Welt einen größeren Anteil am globalen Reichtu verscha.en würde. Er versuchte, die blockfreien Staaten so zu organisieren, dass sie ihre Interessen in einem gemeinsamen Programm vertreten würden. Seine langfristigen Visionen klangen in den Ohren vieler westlicher Sozialisten vertraut. Denn Nyereres Perspektive schöpfte aus den Konzepten des Fabier-Sozialismus: Der Staat besitzt die Mehrzahl der Produktionsmittel, gleicht die Einkommen an und bietet ein breites Spektrumsozialer Dienste.Tanzania wurde zu einem der bevorzugten Empfängerländer von Entwicklungshilfegeldern. Diese Rolle verdankte es nicht zuletzt der Tatsache, dass westliche Regierungen schon aus Imagegründen darauf bedacht waren, nicht ihre gesamte Hilfe rechten, konservativen Regimen zukommen zu lassen.3 Das vergleichsweise moderat sozialistische Tanzania bot ein nützliches Korrektiv. Der tanzanische Weg"" war jedoch voller Widersprüche: Die eingeschränkte Meinungsfreiheit, politische Gefangene, die wachsende Macht der staatlichen Bürokratie, die mit Zwangsumsiedlungen größeren Ausmaßes verbundene Agrarpolitik und die zahlreichen ökonomischen Misserfolge standen für die dunkle Seite der Entwicklung des Landes nach der Unabhängigkeit.Nyerere genoss jedoch nicht zuletzt aufgrund seines umfangreichen Schrifttums, seiner ostentativ zur Schau getragenen Bescheidenheit und seiner für afrikanische Staatsoberhäupter eher ungewöhnlichen Fähigkeit zur Selbstkritik großen Respekt, zuweilen Bewunderung unter westlichen Intellektuellen. Er war unter Linken und Dritte-Welt-Begeisterten eine Art Kult.gur. 4 Doch bereits 1967 218 V. Kontinuitäten spottete der kenianische Politologe Ali Mazrui über die weit verbreitete Tanzaphilie"", die oft die Form einer Nyererephilie"" annahm. Mazrui zufolge schätzten die Intellektuellen Nyerere so sehr, weil sie in ihm einen fellow intellectual im Besitz politischer Macht sahen.5 Er bot einen Untersuchungsgegenstand, der attraktiv erschien, weil sich die Forscher aus Europa und den USA in ihm selbst begegneten, aber doch in idealer Verfremdung.6Das folgende Kapitel über die erste Dekade des unabhängigen Tanzania will sich jedoch nicht allein auf seine Person konzentrieren, wenngleich er aufgrund seiner großen Bedeutung (und seiner außerordentlich großen Präsenz in der Literatur) immer wieder ins Blickfeld rücken wird. Im Mittelpunkt steht aber generell die Gruppe der afrikanischen Bürokraten und ihre Rolle in der staatlichen Ordnung, wobei die enge Verknüpfung von Verwaltung und Politik besondere Aufmerksamkeit verdient. Ein spezielles Augenmerk gilt zudem den Kontinuitäten zwischen der britischen Kolonialpolitik und den Strategien und Aktivitäten de politischen Führung und bürokratischen Elite.Zunächst soll jedoch knapp die Position Tanzanias im Rahmen der von Kaltem Krieg und Systemauseinandersetzung charakterisierten internationalen Beziehungen skizziert werden.7 In den ersten Jahren seiner Existenz orientierte Tanzania seine Außenpolitik deutlich in Richtung Westen.8 Die politischen Führungspersonen bemühten
| Erscheint lt. Verlag | 19.2.2007 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Studien zur Internationalen Geschichte ; 16 |
| Zusatzinfo | 5 b/w ill., 4 b/w tbl.1 Karte |
| Verlagsort | Berlin/München/Boston |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 160 x 240 mm |
| Gewicht | 620 g |
| Themenwelt | Geschichte ► Allgemeine Geschichte ► Zeitgeschichte |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Außereuropäische Geschichte • Entkolonisierung • Geschichte • Hardcover, Softcover / Geschichte/Zeitgeschichte (1945 bis 1989) • HC/Geschichte/Zeitgeschichte (1945 bis 1989) • Postkolonialismus • Tansania, Geschichte • Tansania; Politik/Zeitgesch. • Tansania / Tanzania, Geschichte • Tansania / Tanzania; Politik/Zeitgesch. • Zeitgeschichte • Zeitgeschichte allgemein |
| ISBN-10 | 3-486-57906-1 / 3486579061 |
| ISBN-13 | 978-3-486-57906-2 / 9783486579062 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
aus dem Bereich