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Mein Leben - Teil zwei - 2 - Band 231 in der gelben Buchreihe - bei Jürgen Ruszkowski (eBook)

Band 231 in der gelben Buchreihe
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
288 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7565-6013-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Mein Leben -  Teil zwei - 2 -  Band 231 in der gelben Buchreihe - bei Jürgen Ruszkowski -  Richard Wagner
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Der von 1813 bis 1883 lebende Oper-Komponist Richard Wagner erzählt in diesem Buch aus seinem interessanten Leben. In Leipzig geboren, studierte er auch dort Musik. Er lebte und arbeitete danach in Würzburg, Magdeburg, Königsberg und Riga. Über eine dramatische Seereise kam er nach London und von dort nach Paris, wo er von 1839, total verarmt und verschuldet in elenden Verhältnissen vegetierte. Die triumphale Uraufführung des 'Rienzi' am 20. Oktober 1842 in Dresden legte den Grundstein zu seinem Ruhm. 1843 wird er zum königlich-sächsischen Hofkapellmeister ernannt. 1849 kämpfte er beim Dresdner Maiaufstand auf der Seite der Aufständischen und musste anschließend in die Schweiz flüchten. Bis 1858 wohnte er in Zürich, die nächsten Jahre verbrachte er mit kurzen Aufenthalten an verschiedenen Orten: Venedig, Luzern, Wien, Paris, Biebrich (bei Wiesbaden), Berlin. 1864 errang er die Gunst des bayrischen Königs Ludwig II., der seine Schulden bezahlte und ihn auch weiterhin unterstützte. Da Wagner versuchte, sich in die bayrische Politik einzumischen, wurde er zeitweise aus München verbannt und zog nach Genf, dann nach Tribschen (bei Luzern). 1872 ging er nach Bayreuth und legte den Grundstein für das Festspielhaus, das 1876 eingeweiht wurde. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zog Wagner 1882 nach Venedig, wo er 1883 starb. - Rezession: Ich bin immer wieder begeistert von der 'Gelben Buchreihe'. Die Bände reißen einen einfach mit. Inzwischen habe ich ca. 20 Bände erworben und freue mich immer wieder, wenn ein neues Buch erscheint. oder: Sämtliche von Jürgen Ruszkowski aus Hamburg herausgegebene Bücher sind absolute Highlights. Dieser Band macht da keine Ausnahme. Sehr interessante und abwechslungsreiche Themen aus verschiedenen Zeit-Epochen, die mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt haben! Man kann nur staunen, was der Mann in seinem Ruhestand schon veröffentlicht hat. Alle Achtung!

Richard Wagner, geboren am 22. Mai.1813 in Leipzig; gestorben am 13. Februar 1883 in Venedig, war ein bedeutender Opern-Komponist, der durch ganz Europa reiste und ständig in finanziellen Schwierigkeiten war, bis er endlich in dem König Ludwig II. von Bayern einen Gönner fand.

Richard Wagner, geboren am 22. Mai.1813 in Leipzig; gestorben am 13. Februar 1883 in Venedig, war ein bedeutender Opern-Komponist, der durch ganz Europa reiste und ständig in finanziellen Schwierigkeiten war, bis er endlich in dem König Ludwig II. von Bayern einen Gönner fand.

Dritter Teil – 2 – 1850 – 1861


Dritter Teil – 2 – 1850 – 1861

Mit dem Neujahr 1860 trat jetzt eine sehr unerwartete Wendung für die Möglichkeit des Gelingens meiner Unternehmungen ein. Der Kapellmeister Esser in Wien vermittelte an mich den Wunsch des Musikhändlers Schott in Mainz, eine neue Oper von mir für seinen Verlag zu erwerben. Hierfür hatte ich jetzt nichts anderes als das „Rheingold“ anzubieten; die eigentümliche Beschaffenheit dieses nur als Vorspiel zu der großen Nibelungen-Trilogie gedachten Werkes machte es mir schwierig, ohne weitere Andeutungen in diesem Bezug, es einfach nur als „Oper“ anzubieten. Dennoch erschien der Eifer Schotts, jedenfalls ein neues Werk von mir seinem Verlagskatalog einzureihen, so groß, dass ich endlich alle Bedenken überwand und, ohne Verhehlung der Schwierigkeiten für die Verbreitung dieses Werkes, es ihm zur Verfügung stellte, sobald er mir 10.000 Franken dafür zahlen wollte, wogegen ich ihm allerdings die Erwerbung der nachfolgenden drei Hauptstücke, zu dem gleichen Preis für ein jedes derselben, zusicherte. Sogleich fasste ich den Plan, falls Schott auf meine Forderung einginge, die hieraus sich ergebende so unerwartete Einnahme zur Betreibung meiner Pariser Unternehmung zu verwenden. Durch das hartnäckige Schweigen des kaiserlichen Kabinetts ermüdet, gab ich jetzt an meine Agenten den Auftrag, mit Signor Calzado für das italienische Opernhaus zu drei Konzerten abzuschließen, sowie das nötige Orchester und die erforderlichen Gesangskräfte anzuwerben. Als dies im Gange war, ward ich wiederum durch zögernde Gegenanerbietungen von Schott geängstigt; um ihn mir nicht abwendig zu machen, trug ich bereits dem Musikdirektor Schmidt in Frankfurt brieflich auf, die Unterhandlungen mit Schott auf Grund einer bedeutend ermäßigten Forderung meinerseits fortzusetzen. Kaum war dieser Brief abgesandt, als Schotts Schreiben eintraf, in welchem er mir schließlich seine Bereitwilligkeit auf meine Forderung von 10.000 Franken einzugehen, kundgab. Dies veranlasste meinerseits ein Telegramm an Schmidt, durch welches ich den ihm gegebenen Auftrag angelegentlichst zurücknahm.

Mit gutem Mut verfolgten ich und meine Agenten nun die eingeleitete Konzert-Unternehmung, deren Vorbereitung meine ganze Tätigkeit vollauf in Beschlag nahm. Ich hatte für einen Gesangchor zu sorgen und glaubte hierfür das teuer zu bezahlende Personal der italienischen Oper durch einen deutschen Gesangverein verstärken zu müssen, welcher mir unter der Leitung eines gewissen Herrn Ehmant nachgewiesen wurde. Um mir die Mitglieder desselben geneigt zu machen, hatte ich eines Abends ihr Vereinslokal in der rue du Temple aufzusuchen und mich mit guter Laune an den Bierdunst und Tabaksdampf zu gewöhnen, in welchem hier biedere deutsche Kunstbestrebungen sich mir offenbaren sollten. Außerdem wurde ich aber auch mit Herrn Chevé, dem Lehrer und Dirigenten eines französischen Volksgesangsvereins, dessen Übungen in der Ecole de médecine vor sich gingen, in Verbindung gesetzt und traf hier auf einen wunderlichen Enthusiasten, welcher von seiner Methode, Leute ohne Noten Musik singen zu lassen, die Regeneration des französischen Volks-Geistes erwartete. Die peinlichsten Beschwerden verursachte mir aber die Nötigung, den größten Teil der Orchesterstimmen der von mir auszuführenden Fragmente erst kopieren zu lassen. Ich nahm hierfür mehrere arme deutsche Musiker in Sold, welche sich nun von früh bis in die Nacht in meiner Wohnung niederließen, um unter meiner Anleitung und Aufsicht die oft schwierigen Einrichtungen vorzunehmen.

In diesen mit Leidenschaftlichkeit betriebenen Besorgungen traf mich jetzt Hans von Bülow an, welcher, wie es sich namentlich in dem Erfolg erwies, fast weniger um der Betreibung seiner eigenen Angelegenheiten als Konzert-gebender Virtuos, sondern um sich meinen Unternehmungen hilfreich zu erweisen, für längere Zeit in Paris eingetroffen war. Er wohnte bei Liszts Mutter, verbrachte aber die größte Tageszeit bei mir, um überall, wo es Not tat, so jetzt zunächst bei der Anfertigung der Kopien zu helfen. Nach jeder Seite hin war seine Mittätigkeit außerordentlich; namentlich aber schien er es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, seine, bei einem vorjährigen Besuch von Paris unter der Anleitung seiner Frau angeknüpften, gesellschaftlichen Verbindungen für meine Unternehmung nützlich zu machen. Der Erfolg hiervon ergab sich mit der Zeit; für jetzt half er bei der Ausführung der Konzerte selbst, zu welchen nun die Proben begannen.

Die erste dieser Proben fand im Herzschen Saal statt und führte zu einer Aufregung der Musiker gegen mich, welche fast einer Emeute glich. Ich hatte mich beständig mit ihnen zu streiten über Gewohnheiten ihrerseits, welchen nicht nachgeben zu dürfen ich mich meinerseits durch Vernunftgründe zu erweisen bemühte. Besonders empörte sie mein Sechsachtel-Takt, welchen ich ihnen nach dem Schema des Vier-Viertel-Taktes schlug, während sie unter tumultuarischen Protestationen behaupteten, er müsse nach dem des Alla-breve-Taktes geschlagen werden. Infolge eines scharfen Appells meinerseits an die Disziplin eines wohlgeordneten Orchesters, erklärte man mir, man sei keine preußischen Soldaten, sondern freie Männer. Endlich sah ich wohl ein, dass eines der Hauptgebrechen diesmal in der fehlerhaften Aufstellung des Orchesters lag und entwarf nun meinen Plan für die nächste zweite Probe. Nach einer Beratung mit meinen Freunden fand ich mich hierzu am frühesten Morgen im Konzertsaal ein, ordnete selbst eine zweckmäßige Aufstellung der Pulte an und bestellte vor allem ein für alle Musiker ausreichendes Frühstück, zu welchem ich beim Beginn der Probe in folgender Weise einlud: ich sagte den Musikern, dass von dem Erfolg unserer heutigen Zusammenkunft das Zustandekommen meiner Konzerte abhänge; wir dürften den Saal nicht verlassen, ehe wir hierüber nicht ganz im Klaren seien; deshalb ersuchte ich die Herren, zunächst eine Probe von zwei Stunden zu machen, sodann ein im anliegenden Salon bereitetes fraktales Frühstück zu sich zu nehmen, worauf wir dann sofort eine zweite Probe, welche ich ihnen als solche auch bezahlen würde, abhalten sollten. Die Wirkung dieser Proposition war ganz außerordentlich: die vorteilhafte Orchesteraufstellung erleichterte die Unterhaltung der guten Stimmung; der günstige Eindruck, welchen das nun gespielte Vorspiel zu „Lohengrin“ auf alle machte, ließ endlich den Enthusiasmus ausbrechen und bereits am Schluss der ersten Probe war alles, Spieler und Zuhörer, unter denen sich auch Gaspérini befand, zur höchsten Gunst für mich hingerissen. Wahrhaft erfreulich äußerte sich nun dieser gute Geist bei der auf der Bühne der italienischen Oper selbst abgehaltenen Hauptprobe; hier war es mir bereits möglich, einen nachlässigen Trompeter mit harten Ausdrücken aus dem Orchester fortzuweisen, ohne hierbei durch den Geist der Kameraderie im Mindesten behindert zu werden.

Das erste Konzert ging endlich am 25. Januar (1860); die Aufnahme aller Stücke, welche ich aus meinen verschiedenen Opern, bis zu „Tristan und Isolde“, gewählt hatte, war vonseiten des Publikums eine vollständig günstige, ja enthusiastische. Ich erlebte es hier, dass ein Stück, der Marsch aus „Tannhäuser“, durch stürmischen Applaus unterbrochen wurde, und zwar, wie es schien, aus Freude an der Überraschung davon, dass meine Musik, von der man so viel Gegenteiliges behauptet hatte, so lang zusammenhängende Melodien aufwies.

Sehr befriedigt, sowohl von der Ausführung des Konzertes, als der Aufnahme, die es gefunden, hatte ich an den folgenden Tagen die entgegengesetzten Eindrücke zu überwinden, welche durch die Auslassungen der Presse hierüber in mir hervorgerufen wurden. Es zeigte sich jetzt, dass Belloni sehr richtig gesehen hatte und dass gerade unsere durch seine Voraussehungen veranlasste Nicht-Einladung der Presse die Wut der Gegner nur noch verstärkt hatte. Da bei der ganzen Unternehmung es jedoch mehr auf eine Anregung für energische Freunde, als auf das Lob der Rezensenten abgesehen war, so beunruhigte mich das Toben dieser Herren bei weitem weniger, als das Ausbleiben günstiger Anzeichen von jener Seite her. Vor allem beängstigte es mich aber, dass das vollständig gefüllt erscheinende Haus keine größere Einnahme, als es sich fand, abgeworfen hatte. Wir hatten zwischen fünf- und sechstausend Franken eingenommen, aber über 11.000 Franken Unkosten gehabt. Die letzteren hätten nun zum Teil ersetzt werden können, sobald bei dem zweiten, weniger kostbaren Konzert eine möglichst gesteigerte Einnahme erwartet werden durfte.  Belloni und Giacomelli hingen aber die Köpfe; sie glaubten sich der Einsicht nicht verschließen zu dürfen, dass das Konzert nicht der Genre des Franzosen sei, welcher durchaus das dramatische Element, d. h. Kostüme, Dekorationen, Ballett und dergleichen verlange, um sich befriedigt zu fühlen. Die geringen Bestellungen zum zweiten Konzert, welches am 1. Februar gegeben wurde, hatten meine Agenten sogar in die Nötigung versetzt, für eine künstliche Anfüllung des Saales Sorge zu tragen, um wenigstens den Anschein zu retten; ich musste sie hierin vollkommen gewähren lassen und war späterhin verwundert zu erfahren, wie sie es angefangen hatten, die ersten Ränge dieses aristokratischen Theaters in einer Weise zu bevölkern, dass alle Welt, selbst unsere Feinde, hierdurch getäuscht wurden. Die wirkliche Einnahme betrug dagegen wenig über 2.000 Franken und nun bedurfte es allerdings meiner Hartnäckigkeit und meiner Verachtung aller Nöten, die mir hieraus entstehen konnten, um das für den 8. Februar angesagte dritte Konzert nicht...

Erscheint lt. Verlag 8.7.2023
Reihe/Serie gelbe Buchreihe
gelbe Buchreihe
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte 1813-1883 • Bayreuth • Dirigent • franz_liszt • Kapellmeister • Komponist • Musik • Oper • richard_wagner • Tannhäuser
ISBN-10 3-7565-6013-9 / 3756560139
ISBN-13 978-3-7565-6013-4 / 9783756560134
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