Das Blau der Hyazinthe
Größenwahn Verlag
978-3-942223-84-3 (ISBN)
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Iosif Alygizakis, einer der ersten neugriechischen Autoren, der in seinen Romanen offen über homoerotische Themen schreibt, vermittelt in poetischer Sprache die Gefühlswelt eines Mannes, der gefangen ist in der moralischen Verurteilung der Gesellschaft. Die Hafenstadt Chania bildet die Hintergrundkulisse für den hilflos seinen Ängsten ausgelieferten Protagonisten, einen einsamen und träumerischen Lehrer, der zum Zentrum des sexuellen Erwachens seines jungen Schülers wird. Das neue Spiel wird Liebe genannt. Aber wie lange dauert eine jugendliche Liebe? Wie lange dauert eine Liebe mit dem Makel eines gleichgeschlechtlichen Partners, die von einem zum anderen Augenblick eine andere Wendung nehmen kann?
Iosif Alygizakis wurde 1967 in der kretischen Hafenstadt Chania geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend. Während seiner Schulzeit wurde er in klassischer Gitarre unterrichtet. Später studierte er in Belgrad, Cambridge und Athen. An der Athener Universität schloss er sein Studium in Anglistik ab. Nach dem Studium eröffnete er in seiner Heimatstadt ein Fremdspracheninstitut und unterrichtete auch Englisch an der Akademie der Handelsmarine auf Kreta. Neben Englisch beherrscht Alygizakis auch Serbisch, Kroatisch und Italienisch. Er hielt sich 18 Monate in Kopenhagen auf und erlernte dort in speziellen Intensivkursen die dänische Sprache. In dem Zeitraum von 2013–2014 erteilt er Unterricht in Kreativem Schreiben im Auftrag des staatlichen Kulturamtes in Chania. Seit 1994 ist Alygizakis schriftstellerisch tätig und gehört zu den ersten griechischen Autoren, die in ihren Romanen offen über homoerotische Themen schreiben. Bisher hat er sechs Romane veröffentlicht, einer davon wurde ins Englische übersetzt. Alygizakis hat zahlreiche Artikel in Zeitschriften veröffentlicht und für das Athener Theater 'Athinaiki Skini' Theaterstücke dramaturgisch bearbeitet. In seiner Freizeit ist er sportlich aktiv; er schwimmt, macht Aerobic und fährt Fahrrad, früher machte er auch Karate und lief Rollerskates. Ein besonderes Interesse hat er auch für das Kino und die Fotografie.
›Griechischlehrer mit Prädikatsexamen und Berufserfahrung in Nachhilfe übernimmt Privatunterricht.‹ So lautete der Schluss eines Beginns oder der Anfang eines Endes … ich wusste es selbst nicht mehr. Eigentlich war ich noch recht jung und hatte die besten Aussichten auf eine sichere Berufslaufbahn, aber mein Leben hatte eine verhängnisvolle Entwicklung genommen. Tief war ich gesunken und hatte den Boden unter meinen Füßen verloren. Meine verzweifelte Lage erlöste mich nicht aus den Fängen der Vergangenheit, sondern schuf zusätzlich zukünftigen Schmerz und Leid, denn ohne ihn war mein Leben nicht mehr so wie zuvor. Ich stand neben dem Telefon, in der trügerischen Vorfreude, seine Stimme zu vernehmen, wenn ich den Hörer abhob; eine leise Stimme, die sagte, er respektiere mich und brauche mich, wobei er sich bemühte, mit zahlreichen pubertären Ablenkungsmanövern seine Gefühle für mich zu verbergen. Aber das Telefon klingelte nicht ein einziges Mal. Niemand zeigte Interesse für meine besonderen didaktischen Fähigkeiten, für die ich einst gelobt wurde. Die Menschen lassen sich leicht beeinflussen und passen sich in ihren Äußerungen schnell der vorherrschenden Meinung an. Was wollt ihr noch von mir? Ich wurde Opfer heftiger Angriffe, öffentlich wurde mir ein Vergehen vorgeworfen, das ich nicht begangen hatte, man drohte mir sogar, mich vor Gericht in dieser Sache anzuklagen. Und diese Leute wollten, dass ich diese strafbare Handlung wirklich begangen hätte. Wieder allein streifte ich unzählige Stunden um sein Haus herum in der Hoffnung, ihn nach meiner dreijährigen Abwesenheit wiederzusehen. Aristarchos hatte ich als einen Privatschüler kennengelernt, den mir eine Kollegin überlassen hatte, da sie keine Zeit hatte, ihn zu übernehmen. Damals war er dreizehneinhalb Jahre alt. Gerade hatte ich mein Studium an der Philosophischen Fakultät abgeschlossen und stand arbeitslos und ohne Geld da. Niemand kannte mich, ich besaß keine Empfehlungen und war entschlossen, alles anzunehmen, was mir angeboten wurde. Er war ein fröhlicher Junge, von Anfang an verstand er es, seine Schwächen, Bedenken oder die Furcht vor mir, dem 'gestandenen' Lehrer, wie seine Mutter mich genannt hatte, zu verbergen. Er musterte mich mit seinen schmalen, fast mandelförmigen dunklen Augen und verfolgte aufmerksam jede meiner Bewegungen. Nachdem wir uns begrüßt und ein Verlegenheitslächeln ausgetauscht hatten, setzte er sich neben mich. Auf einen kleinen Tisch, der nicht zur Möblierung des Wohnzimmers passte, hatte er ein Bündel Hefte und Schulbücher gelegt. Etwas fehlte in der Wohnung, die von einer Frau nicht überladen, sondern schlicht eingerichtet und gestaltet war. Meiner Aufmerksamkeit entging dieser Makel nicht. Natürlich waren wir beide, mein Schüler und ich, in der ersten Stunde unseres Unterrichts noch recht ängstlich und verlegen. Ich hob meine Kaffeetasse und blies in den heißen Kaffee nahe meiner Brille, die mir ein seriöses Aussehen verleihen sollte, aber ihre Gläser hatte der heiße Kaffeedampf vollständig beschlagen. 'Wer hat das Licht ausgeschaltet?', fragte ich mit einer Stim-me, als wollte ich sagen: 'Helft einem elenden Blinden!' Mein Schüler schaute mich verdutzt an. Das Eis war gebrochen. Er lachte kurz und heftig, wurde dann wieder ernst, und wir begannen mit dem Unterricht. Er warf mir ab und an einige verstohlene Blicke zu, die nicht so sehr meinen Ausführungen galten, sondern seine spontane Sympathie zu mir zum Ausdruck brachten. Ich hatte ihn gewonnen.
'Griechischlehrer mit Prädikatsexamen und Berufserfahrung in Nachhilfe übernimmt Privatunterricht.'
So lautete der Schluss eines Beginns oder der Anfang eines Endes ... ich wusste es selbst nicht mehr. Eigentlich war ich noch recht jung und hatte die besten Aussichten auf eine sichere Berufslaufbahn, aber mein Leben hatte eine verhängnisvolle Entwicklung genommen. Tief war ich gesunken und hatte den Boden unter meinen Füßen verloren. Meine verzweifelte Lage erlöste mich nicht aus den Fängen der Vergangenheit, sondern schuf zusätzlich zukünftigen Schmerz und Leid, denn ohne ihn war mein Leben nicht mehr so wie zuvor.
Ich stand neben dem Telefon, in der trügerischen Vorfreude, seine Stimme zu vernehmen, wenn ich den Hörer abhob; eine leise Stimme, die sagte, er respektiere mich und brauche mich, wobei er sich bemühte, mit zahlreichen pubertären Ablenkungsmanövern seine Gefühle für mich zu verbergen. Aber das Telefon klingelte nicht ein einziges Mal. Niemand zeigte Interesse für meine besonderen didaktischen Fähigkeiten, für die ich einst gelobt wurde.
Die Menschen lassen sich leicht beeinflussen und passen sich in ihren Äußerungen schnell der vorherrschenden Meinung an. Was wollt ihr noch von mir? Ich wurde Opfer heftiger Angriffe, öffentlich wurde mir ein Vergehen vorgeworfen, das ich nicht begangen hatte, man drohte mir sogar, mich vor Gericht in dieser Sache anzuklagen. Und diese Leute wollten, dass ich diese strafbare Handlung wirklich begangen hätte.
Wieder allein streifte ich unzählige Stunden um sein Haus herum in der Hoffnung, ihn nach meiner dreijährigen Abwesenheit wiederzusehen.
Aristarchos hatte ich als einen Privatschüler kennengelernt, den mir eine Kollegin überlassen hatte, da sie keine Zeit hatte, ihn zu übernehmen. Damals war er dreizehneinhalb Jahre alt. Gerade hatte ich mein Studium an der Philosophischen Fakultät abgeschlossen und stand arbeitslos und ohne Geld da. Niemand kannte mich, ich besaß keine Empfehlungen und war entschlossen, alles anzunehmen, was mir angeboten wurde.
Er war ein fröhlicher Junge, von Anfang an verstand er es, seine Schwächen, Bedenken oder die Furcht vor mir, dem 'gestandenen' Lehrer, wie seine Mutter mich genannt hatte, zu verbergen. Er musterte mich mit seinen schmalen, fast mandelförmigen dunklen Augen und verfolgte aufmerksam jede meiner Bewegungen. Nachdem wir uns begrüßt und ein Verlegenheitslächeln ausgetauscht hatten, setzte er sich neben mich. Auf einen kleinen Tisch, der nicht zur Möblierung des Wohnzimmers passte, hatte er ein Bündel Hefte und Schulbücher gelegt. Etwas fehlte in der Wohnung, die von einer Frau nicht überladen, sondern schlicht eingerichtet und gestaltet war. Meiner Aufmerksamkeit entging dieser Makel nicht. Natürlich waren wir beide, mein Schüler und ich, in der ersten Stunde unseres Unterrichts noch recht ängstlich und verlegen. Ich hob meine Kaffeetasse und blies in den heißen Kaffee nahe meiner Brille, die mir ein seriöses Aussehen verleihen sollte, aber ihre Gläser hatte der heiße Kaffeedampf vollständig beschlagen.
'Wer hat das Licht ausgeschaltet?', fragte ich mit einer Stim-me, als wollte ich sagen: 'Helft einem elenden Blinden!'
Mein Schüler schaute mich verdutzt an. Das Eis war gebrochen. Er lachte kurz und heftig, wurde dann wieder ernst, und wir begannen mit dem Unterricht. Er warf mir ab und an einige verstohlene Blicke zu, die nicht so sehr meinen Ausführungen galten, sondern seine spontane Sympathie zu mir zum Ausdruck brachten. Ich hatte ihn gewonnen.
| Erscheint lt. Verlag | 1.8.2014 |
|---|---|
| Übersetzer | Hans-Bernhard Schlumm |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 154 x 216 mm |
| Gewicht | 285 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Literatur |
| Sozialwissenschaften ► Soziologie ► Gender Studies | |
| Schlagworte | Beziehung • Gesellschaft • Griechenland • Homosexualität • Jugendliche • Lehrer • Lehrer, Nachhilfe, Pubertät, Schwul, Konservativ, Chania, Kreta, Liebe, Männer, Frauen, Apoll, Olymp • Missverständnisse • Pubertät • Scham • Schwul |
| ISBN-10 | 3-942223-84-8 / 3942223848 |
| ISBN-13 | 978-3-942223-84-3 / 9783942223843 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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