Das neuheidnische Manifest (eBook)
128 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6458-3 (ISBN)
Über den Autor: Niemand, nichts, nirgendwo, aber durch den Urknall prädestiniert.
Neuheidentum
Das Heidentum an sich ist eine Fremdbezeichnung durch Nicht–Heiden. Das ist weniger ungewöhnlich, als es klingt. Sehr viele Völker, Gruppen oder soziale Bewegungen haben ihren Namen auf diese Art und Weise erhalten. Fast alle Religionen sind nach Fremdbezeichnungen benannt. Die Menschen einer Kultur leben ihre natürliche Art und erfinden dafür keinen eigenen Begriff, einfach weil es ihre natürliche Art ist. Dann aber treffen Menschen anderer Kultur auf sie und sie nehmen die Unterschiede zu ihrer eigenen Kultur wahr. Diesen Unterschieden geben sie Begriffe.
Der Begriff Heidentum und Pagan sind Bezeichnungen für die Naturreligion(en) durch die Christen. Wiederum ist der Begriff des Christentums eine heidnische Erfindung. An dieser Stelle muss ich betonen, dass ich die Begriffe Heidentum, Paganismus und Naturreligion als grundsätzlich bedeutungsgleich betrachte. Als einzigen Unterschied sehe ich die sprachlichen Niveaus an. Während das Heidentum ursprünglich sehr abwertend gemeint war (für mich selbst nicht, da ich diesen Begriff liebe), entstammt das Wort Paganismus im Allgemeinen eher einem höheren Sprachniveau. Der Begriff Naturreligion bezeichnet es sehr neutral, wenn nicht sogar am wissenschaftlich korrektesten. Denn wenn wir von Heidentum reden, dann reden wir immer von der natürlichen Religion. Sie entspinnt sich an den natürlichen Begebenheiten der echten Welt. Eben deshalb ist die Technoreligion auch ein Teil des Heidentums. Denn sie entspringt aus dem real Existierenden und nicht an einem künstlich und/oder literarisch Extrahierten.
Das Besondere an der Technoreligion und AI-Spiritualität ist, dass sie neuheidnisch oder neopagan ist. Diese Abgrenzung ist notwendig. Denn wenn wir von der Naturreligion reden, dann reden wir trotz ihrer Auf– und Abschwünge von einer ungebrochenen Tradition von mindestens fünfzigtausend Jahren. Die Technoreligion reiht sich in diese Kette uneingeschränkt ein, setzt jedoch einige Maßstäbe, die ein Novum in der Geschichte der Religion als auch in der Geschichte der gesamten Menschheit sind.
Neu am Neuheidentum ist nicht die Verwendung von Technologien. Neu am Neopaganen ist noch nicht einmal die Verehrung von Technologien. All das gibt und gab es im Heidentum und das gibt es in Form der Verehrung des technisch hergestellten Produkts Buch besonders im Buchmonotheismus. Dennoch treten wir mit diesen Jahren in ein Zeitalter technologischer Dominanz ein, die für frühere Generationen unvorstellbar gewesen wäre. Mit der Einführung des Internets haben wir ein technologisches Niveau erreicht, welches eine neue evolutionäre Entwicklungsstufe ist. Diese übertrifft auch die industrielle Revolution, die trotz allem immer noch in Abhängigkeit zur bloßen Natur stand, die nicht zentral von Menschen geprägt war.
Viele sagen, dass die aktuellen technischen Neuerungen so bedeutende Änderungen auslösen werden wie die neolithische Revolution. Damals sind wir nach zehntausenden Jahren Nomadentums sesshaft geworden. Jüngst sah ich die Doku über eine archäologische Ausgrabung in Südwest-Asien. Dort wurde eine der ältesten Ruinen der Menschheitsgeschichte gefunden. Ihr Zweck: die kultische Verehrung. Sie fiel in die Zeit, als wir sesshaft wurden und zur Landwirtschaft und Tierhaltung übergingen. Laut den Autoren war ihr Erhaltungszustand überraschend gut. Er ließ völlig neue Schlussfolgerungen aufgrund der Artefakte zu. So schlussfolgerten die Forscher, dass anders als bisher angenommen, die kollektive Ansammlung von Menschen nicht landwirtschaftlich, sondern kultisch begründet war. Die Existenz dieser Kultstätte war die Basis für die Bildung der ersten Städte. Wäre dem so und das ist am wahrscheinlichsten, dann wäre die Entstehung der ersten großen Zivilisation im Zweistromlandland begründet durch ihre überdurchschnittlich hohe Naturreligiosität. Religion wäre dann der Ursprung unserer ganzen Kultur im Allgemeinen und im Besonderen wäre es die pagane Naturreligion.
Zurück zu unserer Zeit mit ihren digitalen Interaktionen. Wir sind die ersten Kinder dieses hypertechnologischen Zeitalters. Da bewiesenermaßen der Mensch von Natur aus eher religiös als nicht–religiös ist, werden auch die Hypertechnologischen religiös sein. Natürlich wird das nicht für alle gelten. Aktuell sind mindestens drei Viertel der Menschen religiös. Es wäre dumm zu glauben, dass dieser Anteil im kommenden Jahrhundert unter fünfzig Prozent sinken wird. Was wahrscheinlich abnehmen wird, ist die Suche nach dem tiefem Sinn in den Religionen des vergangenen Zeitalters. Denn warum sollten sich Menschen freiwillig ohne sozialen Zwang einer Religion zuwenden, die im hohen Maß kriegerisch, patriarchalisch und hierarchisch ist? Bei genauer Untersuchung wird eindeutig klar, dass das Festhalten am Buchmonotheismus ausschließlich auf struktureller, systemischer und impliziter Gewalt begründet ist.
Wir treten in eine neue Phase der menschlichen Geschichte ein, die sich fundamental von allem unterscheidet, was wir seit dem Beginn der Menschheit waren. Eines der Kennzeichen ist natürlich, dass wir erstmals die Erde verlassen. Wir wagen die ersten Schritte im Weltall. Ein zweites Kennzeichen ist das Internet als eine Art parallele Welt. Ähnliches hat es mit den Büchern auch schon gegeben. Aber dort war man immer stets für sich und die Interaktionen dauerten meist Wochen. Heute geschehen sie in unter einer Sekunde und das über Kontinente hinweg. Zugleich geschehen sie in einem Raum, der völlig real ist, aber nur bedingt zum bisherigen Rahmen der sozialer Realität passt.
Die Technoreligion ist darum neopagan oder neu– naturreligiös, weil sie in der ungebrochenen Entwicklung seit unseren Anfängen als Spezies fort existiert, aber zeitgleich ein neues evolutionäres Plateau erreicht. Das ist allgemein so, weil religiös zu sein, das ursprünglich Menschliche ist. Es ist im Besonderen so, nur bezogen auf den Bereich der Religion, der in unserer Zeit nicht mehr als einzige die Deutungshoheit besitzt.
Wenn wir von neuheidnisch oder neopagan sprechen, sind das keine neuen Begriffe. Sie werden aktuell bereits von einigen Leuten als diffamierende Kampfbegriffe benutzt. Die Rede ist von den Buchmonotheisten. Sie meinen damit das Aufflammen heidnischer Bewegungen in der westlichen Welt, also dem Bereich der beiden Amerikas, Australiens und Europas. Was stimmt, ist, dass sie wieder aufleben. Was nicht stimmt, dass sie jemals verschwunden waren. Im Speziellen hat das Christentum in den genannten Regionen einen über tausendjährigen, totalen Vernichtungsfeldzug gegen das Heidnische geführt. Dieser beschränkte sich anfangs auf Europa, Vorderasien und Nordafrika, breitete sich dann aber ab Columbus zu einem globalen Vernichtungskrieg aus. Dieser hat Ausmaße angenommen, die jedes andere menschenrechtsverletzende Verbrechen übersteigen. Die Gesamtzahl liegt bei weit über hundert Millionen Todesopfern auf Seiten der Heiden und sie fand als erster “Krieg“ sowohl auf mehreren Kontinenten als auch mit mehreren Jahrhunderten ohne Unterbrechung statt.
Dass es gegen jegliche Form von Moral verstößt und absolut unter den Begriff “Hatespeech“ fällt, wenn Christen so vom Neuheidentum oder Neopaganismus sprechen, ist Fakt. In jeder echten Demokratie würden sie dafür wegen Diskriminierung und Beleidigung verurteilt werden. Da sie die politische Macht in Händen halten, kommen sie leider immer noch mit dieser Diffamierung durch. Es gibt mit dem Entstehen der Technoreligion das Neuheidentum, aber es hat nichts mit der diffamierenden Bezeichnung durch christliche Demagogen zu tun.
Grundsätzlich glaube ich an den Frieden und ich sehe in den Technologien die Möglichkeit, einen stabilen Frieden aufzubauen, der vorher nie möglich gewesen wäre. Das betrifft auch den Frieden zwischen Christen und Heiden. Ich glaube sogar, dass wenn der Frieden in diesem technologischen Zeitalter scheitern wird, es daran gelegen haben wird, weil wir Menschen weiter die Soziokulturen des letzten Zeitalters verwenden. Dazu gehören vor allem Fundamentalismus, Nationalismus und Kommunismus. Das Neuheidentum hat das Recht, nicht diffamiert zu werden. Mehr noch müssen alle Menschen weltweit das Recht bekommen, neuheidnisch leben zu dürfen. Die UNO hat dafür Sorge zu tragen. In muslimischen Diktaturen geht das derzeit nicht, da alle Andersgläubigen mit dem Tode bedroht werden. Es wird Zeit, dass die Vereinten Nationen für die Rechte der Naturreligiösen eintreten. Denn sie sind an extrem vielen Orten der Verfolgung ausgesetzt. Das gilt für das traditionelle Heidentum, wie für das Neuheidentum.
Zwischen dem Neuheidentum als Unterkategorie zum Heidentum gibt es eine Eltern-Kind-Beziehung; nur dass das Kind jetzt erwachsen geworden ist. Viel wichtiger ist zu verstehen, dass es möglich ist, traditionell heidnisch, als auch neuheidnisch zu leben. Dass die Unterschiede keine Bedeutung haben, macht sich schon daran fest, dass es das traditionelle Heidentum gar nicht gibt. Es gibt tausende, wenn nicht sogar zehntausende traditionell heidnische Kulturen. Sie subsumieren sich alle unter dem Begriff Heidentum, aber sie umfassen so viele Spielarten. Sie sind schon deshalb so schwer zu verstehen, weil die Erinnerung von vielen...
| Erscheint lt. Verlag | 15.1.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Esoterik / Spiritualität |
| Schlagworte | AI • Glaube • New Age • Spiritualität • Technoreligion |
| ISBN-10 | 3-7693-6458-9 / 3769364589 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-6458-3 / 9783769364583 |
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