Unwetter im Kopf – Mein Leben mit Migräne (eBook)
185 Seiten
Goldmann Verlag
978-3-641-31760-7 (ISBN)
Migräne ist laut WHO eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen des Menschen und wird gleichzeitig in vielen Teilen der Gesellschaft nicht ernst genommen. »Kopfschmerzen? Die hat doch schließlich jeder mal!«
Sabrina Wolf lebt seit über 10 Jahren mit den chronischen Schmerzattacken und hat ihren eigenen Weg gefunden, damit umzugehen und Symptome zu lindern. In ihrem Buch teilt die Mentaltrainerin ihre Geschichte sowie Strategien für den Akutfall und die Vorbeugung von Migräneschüben. Ihr ganzheitlicher Ansatz bietet Hilfestellung und macht Betroffenen Mut.
Sabrina Wolf, Jahrgang 1994, hat Migräne seit ihrer Pubertät. Die Krankheit begleitet sie durch ihr Leben, mit 26 Jahren wurde sie chronisch. 2018 hat Sabrina Wolf den ersten deutschen Migräne Podcast »Unwetter im Kopf« gegründet und 2019 den dazugehörigen Instagram-Account @unwetterimkopf, der inzwischen einer der größten Migräne-Accounts in der DACH-Region ist. Sie arbeitet als Personalreferentin und gibt nebenberuflich Kurse als Entspannungstrainerin und Yoga-Lehrerin. Seit 2022 ist sie Vizepräsidentin der MigräneLiga e.V. Deutschland.
Kapitel 1
Migräne - die Krankheit
Die wahrscheinlich älteste Beschreibung einer Migräneattacke findet sich auf einer ägyptischen Papyrusrolle, die aus dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts v. Chr. stammt.[2] Migräne ist demnach keine Erkrankung, die sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat – es gibt sie schon sehr lange. Aktuell leiden in Deutschland fast 18 Millionen Menschen darunter. Dabei sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer und auch Kinder können Migräne haben.[3]
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, deren Ursache komplex ist. Meist zeichnet sie sich durch wiederkehrende Attacken aus, die zwischen vier und 72 Stunden andauern. Dabei treten pulsierende oder pochende starke Kopfschmerzen auf, die meist halbseitig sind. Diese Kopfschmerzen können sich schon durch moderate körperliche Anstrengung, wie beispielsweise Treppensteigen, verschlimmern.
Eine Migräneattacke wird häufig von weiteren Symptomen begleitet, die zusätzlich zu den normalerweise starken Kopfschmerzen auftreten: Übelkeit, Erbrechen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit, aber auch Geruchsempfindlichkeit, Durchfall oder Schwindel. Die Kombination all dieser Symptome zeigt, dass Migräne weit mehr ist als »nur« Kopfschmerzen. Und: Migräneattacken können sogar ganz ohne Kopfschmerzen auftreten.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt schwere Migräne zu einer der Krankheiten, die am meisten behindern.[4] Sie kann die Lebensqualität enorm einschränken und die alltägliche Lebensführung behindern. Aber nicht nur für die Menschen mit Migräne bringt die Krankheit große Herausforderungen mit sich, sondern auch für deren Umfeld.
In diesem Kapitel erzähle ich dir meine persönliche Migränegeschichte und wir werfen gemeinsam einen Blick auf die Grundlagen rund um die Migräneerkrankung.
Mein Unwetter im Kopf
Meine erste Migräneattacke hatte ich mit ungefähr 16 Jahren und ich erinnere mich noch genau, wie ich morgens aufwachte und sofort wusste, worum es sich handelte. Schon während des Aufwachens bohrte sich der beinahe unerträgliche Kopfschmerz wie mit einem Messer in meine linke Schläfe. Zusätzlich war mir furchtbar übel. Das Tageslicht, das mein Zimmer durchflutete, konnte ich nicht ertragen, ich wollte einfach nur in Dunkelheit und Stille in meinem Bett liegen. Selbst der Gesang der Vögel draußen im Garten, den ich durch das geschlossene Fenster nur leise wahrnahm, war mir zu laut.
Es war ein Samstagmorgen und meine Mama musste für mich an diesem Tag meinen Reitunterricht absagen, weil ich nicht einmal aufstehen konnte. Es war tatsächlich meine erste »richtige« Migräneattacke, sie liegt heute über zehn Jahre zurück. Ich konnte damals recht schnell kombinieren, worum es sich bei diesen Symptomen handelte. Es waren nämlich genau die gleichen, die meine Mama mir beschrieb, wenn sie sich bei einer ihrer eher selten auftretenden Migräneattacken in ihr dunkles Schlafzimmer zurückzog.
Schon als Kleinkind hatte ich oft mit Übelkeit und Bauchschmerzen zu kämpfen und als Schulkind quälten mich später häufig Kopfschmerzen. Ich erinnere mich an einen Moment, als meine Oma mir über dem Waschbecken in ihrer Küche die Haare wusch und sagte: »Diese Haare sind so schwer. Wären meine Haare so schwer, dann hätte ich auch Kopfschmerzen.« Es war demnach nicht erst seit meiner Pubertät ein Thema, sondern schon Jahre früher. Eine Diagnose wurde jedoch nie gestellt.
Da mich die Attacken mit den Eigenschaften, wie sie als Migräneattacken beschrieben werden, von diesem Zeitpunkt an regelmäßig heimsuchten, setzte sich meine Mama eines Tages mit mir an den Küchentisch und gemeinsam beantworteten wir sämtliche Fragen irgendwelcher Kopfschmerztests aus dem Internet. Auch wenn die Symptome ziemlich eindeutig waren, versuchten wir noch einmal zu recherchieren und herauszufinden, ob es sich tatsächlich um Migräne handelte.
Die meisten dieser Tests unterschieden zwischen Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen – aber natürlich wurde hier nur eine kleine Auswahl der 367 Kopfschmerzarten abgedeckt. Da jedoch Spannungskopfschmerzen und Migräne die Kopfschmerzarten dominieren, ist diese Auswahl für mich auch sehr gut nachzuvollziehen. Dennoch tut es mir für all die Menschen leid, die unter einer weniger verbreiteten Kopfschmerzform leiden und damit noch mehr Schwierigkeiten mit der Diagnose haben. Für mich war das Ergebnis bei den Tests jedenfalls eindeutig: Migräne.
Es folgte der Gang zu einer Neurologin, die bei mir dann schlussendlich Migräne auch »offiziell« diagnostizierte, mich zum MRT sowie EEG schickte und mir ein Kopfschmerztagebuch in die Hand drückte. Sie erklärte mir, dass Ausdauersport und Entspannungstraining vorbeugend wirken können, und empfahl mir ein Präparat, das hoch dosiertes Magnesium kombiniert mit Riboflavin (Vitamin B2) und Coenzym Q10 enthielt. Da ich mit Übelkeit und Erbrechen während der Attacken zu kämpfen hatte, schrieb sie mir darüber hinaus ein Triptan in Form eines Nasensprays auf, das ich im Akutfall nehmen konnte und das – im Gegensatz zu den Tabletten – auch drinblieb. Jedoch hatte ich davon recht starke Nebenwirkungen und konnte dem Schulunterricht nach der Einnahme genauso wenig folgen wie während einer Migräneattacke.
Relativ schnell war ich frustriert, denn Ausdauersport machte mir überhaupt keinen Spaß, Entspannungstraining war für mich damals als Jugendliche alles andere als »cool« und von dem hoch dosierten Magnesium bekam ich Magen- und Darmprobleme.
Rückblickend betrachtet machte die Neurologin mit ihren Empfehlungen dennoch vieles richtig, es war nur die grundsätzliche Aufklärung über die Erkrankung, die fehlte. Als sie mir dann bei einem der nächsten Termine den Wirkstoff Topiramat als medikamentöse vorbeugende Maßnahme verschrieb, setzte meine Mama sich an den Computer und googelte, um mehr über das Medikament herauszufinden. Ich stand zu diesem Zeitpunkt noch ganz am Anfang und hatte weder Ahnung, was Migräne für eine Erkrankung ist, noch wie man sie behandelt. Damals entschied ich mich zunächst gegen die medikamentöse Prophylaxe und für das Ausprobieren der nicht medikamentösen Maßnahmen. Und damit begann meine »Migräne-Reise« …
Auch wenn es mir keinen Spaß machte, versuchte ich es mit in Studien belegten Maßnahmen wie Ausdauersport und Entspannungstraining, das ich leider nicht besonders diszipliniert durchhielt. Zusätzlich suchte ich meinen Orthopäden, meine Zahnärztin, meinen Augenarzt und meine Frauenärztin auf. Ich wechselte zunächst mehrfach die Antibabypille, um sie dann schlussendlich ganz abzusetzen. Ich ging mehrmals zur Physiotherapie und bekam eine Schiene gegen mein nächtliches Zähneknirschen.
Durch Empfehlungen von Bekannten landete ich bei verschiedenen Heilpraktikerinnen, einem Osteopathen und später bei einer Osteopathin sowie einem traditionell chinesischen Mediziner. Ich nahm verschiedene Nahrungsergänzungsmittel ein, wechselte mein Kissen sowie meine Matratze im Bett, erprobte andere Ernährungsformen, ließ eine Atlaskorrektur (der Atlas ist der erste Wirbel der Halswirbelsäule und durch die Korrektur soll er in eine optimale Position gebracht werden) durchführen, ging zur Akupunktur, trank Unmengen an chinesischem Tee, verpasste mir Einläufe und Wechselduschen. Ich probierte somit viele der sogenannten »unkonventionellen Maßnahmen« aus, von denen mir versprochen wurde, dass sie Migräne heilen würden, deren Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch bisher nicht bestätigt ist. Meine letzte Maßnahme in dieser Richtung war ein Migräne-Piercing. Davon rät die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) allerdings ab[5] und auch der Verband professioneller Piercer (VPP) distanziert sich davon.[6] Da ich sowieso schon Piercings habe, trage ich jetzt ein schönes Schmuckstück mehr, das an meiner Migräne jedoch nichts geändert hat.
An irgendeinem Punkt habe ich dann eingesehen, dass ich selbst zur Expertin meiner Krankheit werden muss und nicht blind irgendwelchen Empfehlungen hinterherjagen kann. Andererseits stellte ich fest, dass es ohne die richtige medizinische Betreuung an meiner Seite nicht funktioniert. Mit dem Wissensstand, den ich heute habe, würde ich mit Sicherheit nicht mehr jeden Ratschlag annehmen und sämtliche Verfahren ausprobieren, die bei einer vernünftigen informierten Betrachtung der Sachlage überhaupt nicht wirksam sein können. Teilweise haben sie im Gegenteil nur Stress und Anstrengung mit sich gebracht.
Wie bereits erwähnt, ist Migräne nicht nur eine komplexe, sondern auch eine nach jetzigem Stand der Wissenschaft unheilbare Krankheit. Eine Tatsache, die für mich nicht einfach zu akzeptieren war – und das ist es mit Sicherheit für niemanden, der darunter leidet. Daher gibt es auch zu diesem Thema ein Extrakapitel in diesem Buch. Ich kann es sehr gut verstehen, dass man sich an jeden Strohhalm klammern...
| Erscheint lt. Verlag | 19.2.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie |
| Schlagworte | Bianca Leppert • bombenkopf • Chronische Erkrankung • Chronische Schmerzen • eBooks • Entspannung • Gesundheit • Kopfschmerzen • meike statkus • Mentaltraining • Migräne • Migräne Buch • Migränefrei • migräne frei endlich frieden im kopf • migräne mit aura • Migräne Prophylaxe • migräne symptome • migräne was hilft • migräne wetter • phia quantius • Ratgeber • Resilienz • Schmerz • Schmerzen loswerden • Selbsthilfe • Spannungskopfschmerzen • ständig migräne ich kann nicht mehr • superkraft migräne • sylvie gühmann |
| ISBN-10 | 3-641-31760-6 / 3641317606 |
| ISBN-13 | 978-3-641-31760-7 / 9783641317607 |
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