Wer schön sein will, lässt leiden (eBook)
137 Seiten
neobooks Self-Publishing (Verlag)
978-3-7549-9660-7 (ISBN)
Laetitia Barnick war Lokal-Reporterin in der süddeutschen Tagespresse und veröffentlichte zwei Kinderbücher und das Anti-Botox-Sachbuch 'Wer schön sein will, lässt leiden' (epubli / Neobooks 2023).
Laetitia Barnick war viele Jahre Lokal-Reporterin und veröffentlichte die Kinderbücher – "Anastasias Phantom" (Langen Müller 1992); "Grit, Jens und die Frau im 13. Stock" (Esslinger Schreiber 1993), "Die unglaubliche Geschichte von den Pfefferminzbuben" (Schatzkiste 2006); auch "Das erste Kinderbuch für Erwachsene" (BoD 2013) und das Sachbuch "Generation Forever Young" (AAVAA 2017). Ihre Replik von Picassos GUERNICA (2,20mX5m) ist dauerhaft in einer UNESCO-Projektschule bei Hamburg zu sehen.
Die Geschichte des Botulinumtoxins
Botulinumtoxin (BTX) – oder auch Botulinum-Neurotoxin (BoNT),Botulismustoxin, Botulinustoxin oder Botulin -ist zwar unter dem Namen „Botox“ heute in aller Munde, aber dennoch wissen viele Menschen nicht, woher es kommt und wie es wirkt. Botox® war das erste Fertigpräparat einiger ähnlich wirkender sogenannter neurotoxischer Proteine und ist auch deren Sammelbegriff und Handelsname. Bei dem Begriff „neurotoxische Proteine“ wird auch schon klar, was Botulinumtoxin ist und wie es wirkt, nämlich neurotoxisch, also nervenschädigend, und das bereits in einer extrem geringen Dosis.
Die Geschichte des Botulinumtoxins begann im Grunde bereits vor über 200 Jahren, als der württembergische Arzt und Dichter Justinus Kerner (1786-1862) im Februar 1815 die Krankheit Botulismus zum ersten Mal wissenschaftlich darstellte. Kerner fand nämlich heraus, dass der Botulismus (von lat. botulus ‚Wurst‘) durch eine Fleisch- oder Wurstvergiftung ausgelöst wurde, das heißt, durch den Verzehr von verdorbenem Fleisch, Fisch, oder verdorbenen Fleischerzeugnissen. Ungefähr gleichzeitig mit dem Arzt und Mathematiker Johann Georg Steinbuch, der ebenfalls seine Forschungsergebnisse in Bezug auf das „Wurstgift“ publizierte, veröffentlichte Kerner im Jahre 1817 in der Fachzeitschrift Tübinger Blätter für Medizin und Arzneykunde die erste genaue Beschreibung der Symptome des Botulismus. Auf diese Symptome war Kerner gestoßen, da er in seiner Eigenschaft als Amtsarzt bei seinen Hausbesuchen auch die Ursachen von Lebensmittelvergiftungen untersuchen musste, die zu damaligen Zeiten viel häufiger auftraten als heutzutage. Das erste klinisch und epidemiologisch untersuchte Ausbruchsgeschehen des Botulismus wurde im Jahre 1793 in dem württembergischen Ort Wildbad dokumentiert, in dem 13 Personen nach dem Verzehr von hausgemachter Blutwurst an den typischen Symptomen erkrankten, sechs davon mit Todesfolge. Weitere schwere Ausbrüche in ländlichen Gegenden vor allem in Württemberg, aber auch in Bayern folgten infolge der mangelhaften hygienischen Zustände bei der Lebensmittelherstellung. Durch die in Süddeutschland verbreitete Armut nach den napoleonischen Kriegen und die für diese Gegenden traditionelle Herstellung von Kochwurstwaren (Blut- und Leberwurst) tauchten immer wieder schwere Erkrankungsfälle auf, für die es zunächst keine Erklärung gab. Dem perfektionistisch arbeitenden Kerner fiel jedoch bei seinen Hausbesuchen auf, dass die Erkrankungen ausnahmslos nach dem gemeinsamen Genuss von Kochwurstwaren auftauchten und weiter, dass von den in Gefäßen aufbewahrten Fleischstücken oder Würsten nur diejenigen giftig wurden, die zuunterst am Topfboden lagen und speziell dickere Würste nur im innersten Teil übelriechend faulig wurden. Dies ließ den ununterbrochen forschenden Arzt vermuten, dass sich das Gift vor allem unter Luftabschluss entwickelte. Speziell nach dem Ausbruchsgeschehen in Wildbad befasste sich Kerner näher mit dem Botulismus-Geschehen. Zeitgleich mit J. G. Steinbuch, ebenfalls Amtsarzt in Württemberg, der 1817 einen Fallbericht über einen Botulismus-Ausbruch nach dem Verzehr von Leberwurst mit sieben Erkrankten und drei Todesfällen verfasste, beschrieb J. Kerner ebenfalls ein tödlich endendes Botulismus-Geschehen aus seinem Amtsbezirk. Allerdings befasste sich Steinbuch danach nicht weiter mit dem Botulismus-Phänomen und Kerner forschte im Gegensatz dazu unbeirrt weiter, bis er schließlich im Jahre 1820 aufgrund seiner Untersuchungen das klinische Bild der Vergiftungserscheinungen durch das „Wurstgift“ oder „Fettgift“ in den Tübinger Blättern für Naturwissenschaften und Arzneykunde publizierte. Dieses klinische Bild hat aber heute noch Gültigkeit. So beschrieb er, dass sich das Gift, nachdem es über die verdorbene oder sogar verfaulte Nahrung in den Magen gelangt ist, nach vier bis zwanzig Stunden seine Wirkung zeigt, indem der Patient zunächst unter Sodbrennen leidet und eine „blutartige Flüssigkeit“ erbricht. Danach breite sich das Gift, so Kerner, in den sympathischen Nerven aus, vor allem das Herz und die Augen betreffend. Hierbei würden die Muskeln – insbesondere die äußeren geraden Muskeln - um die Augen bewegungsunfähig, sodass „die Augendeckel“ wie gelähmt über den „starren Augen“ hängen. Weiterhin erweitere sich die Pupille und reagiere nicht mehr auf Lichtreize, auch verschwinde die Tränenfeuchtigkeit, wie auch die „Haut vertrockne“. Abgesehen von der mechanischen Beeinträchtigung des Sehvermögens blieben aber wohl der Geruchs-, Seh- und Hörsinn unbeeinträchtigt, ebenso wie das Gehirn und das Rückenmark. Der Patient leide aber plötzlich außerdem unter einer heiseren Stimme oder sie bliebe ganz weg. Massiv beeinträchtigt werde aber das Schlucken – oder, wie Kerner es ausdrückte - trete die größte Hemmung im Schlingen ein, die zunächst im Bereich des Kehlkopfs, später dann etwa vier Zoll tiefer in der Speiseröhre empfunden werde, sodass diese zu einer todten und bewegungslosen Röhre werde. Kerner schilderte diese unangenehme Begleiterscheinung sehr detailliert weiter: So würden die flüssigen Nahrungsmittel eher mechanisch zum Magen fließen, da sich die Speiseröhre durch den fehlenden Schluckmechanismus ja nicht mehr zusammenziehen könne. Dies wiederum habe zur Folge, dass die Speisen bei der geringsten Körperbewegung wieder nach oben befördert würden. Festere Nahrung aber bliebe im Speisekanal hängen, was panische Angstzustände auslösen könne. Von der allgemeinen Austrocknung betroffen sei auch die Produktion des Mukus der Schleimdrüsen, der normalerweise als ein visköses, organisches Sekret die Schleimhäute wie ein feiner Film überzieht. In allen Schleimhöhlen der menschlichen Maschine, so führte der Dichterarzt aus, stehe die Absonderung dieses Mukus still, angefangen von der größten, des Magens, über die Speicheldrüsen und der Nase, des Gehörgangs mit der Eustachischen Röhre und so wie im Speisekanal auch in den Gedärmen. Getränke, die wieder aufwärts befördert würden, gerieten in die Luftröhre und wiederum in den Nasenkanal und die sogenannte Gaumensegellähmung stelle sich ein. Dies alles würde als äußerst schmerzhaft empfunden, besonders, wenn der Patient versuche, etwas zu trinken, da er unter starkem Durst leide, aber auch unter Hunger. Bezüglich der Dauer aller dieser Lähmungserscheinungen bestehe die Lähmung der Gedärme am längsten, die Gallensekretion bliebe aus, die Blase funktioniere nicht mehr, bis zuletzt eine Lähmung der peripheren motorischen Muskulatur, der Nervenleitungen, besonders die der Hirnnerven, eintrete. Ferner schilderte Justinus Kerner ein durch die Lähmungen verursachtes weiteres sehr beängstigendes Symptom, nämlich das plötzliche Eintreten einer Herzschwäche, so dass der Patient oftmals gar keinen Herzschlag mehr fühlen könne, ebenso berichtete er vom Stillstand der Lungenfunktion. Damit hatte er lange vor der Entdeckung des Bakteriums die Symptome und den Verlauf dieser gefährlichen Krankheit äußerst präzise beschrieben. Zusätzlich zu den Untersuchungen an seinen Patienten führte Kerner jedoch auch recht riskante Experimente an sich selbst (sowie an Tieren) durch, um die Wirkung des Giftes zu testen. Aufgrund all dieser Erkenntnisse schlug der Dichterarzt fünf Jahre später vor, dieses Gift, das er als Fettgift, Wurstgift und Fettsäure bezeichnete, in extrem niedrigen Dosen als Medizin oder Arzneistoff für verschiedene nervöse Störungen einzusetzen. Kerner beschrieb auch weiterhin die Abhängigkeit der Giftwirkung von der Dosis, die lange Halbwertzeit des Gifts und überhaupt die lange Wirkungszeit, was ihn spekulieren ließ: Wenn man verstünde, das Wurstgift als Arzneymittel anzuwenden, hätte man vielleicht ein gutes Mittel.
Mit dieser Vermutung hatte der Dichterarzt mit den vielen Fähigkeiten beinahe auch eine Begabung zum Hellsehen bewiesen. Überhaupt sollte man der Person Justinus Kerners an dieser Stelle unbedingt noch weitere Beachtung zollen. Bereits in jungen Jahren zeigte sich Kerners Talent zur Dichtkunst, nachdem er als Ausgleich zu der stumpfsinnigen Kaufmannslehre, in die ihn seine Mutter nach dem Tode des Vaters gesteckt hatte, begonnen hatte, Gedichte zu schreiben. Die Tatsache, dass er die Kranken des im selben Gebäude untergebrachten „Irrenhauses“ durch sein Spiel auf der Maultrommel unterhielt, zeugt von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Deshalb war es nur gut für ihn, dass sein ehemaliger Pfarrer und Lehrer Karl Philip Conz - inzwischen Professor für alte Sprachen an der Universität Tübingen - bei Kerners Mutter durchsetzte, dass der junge Kerner studieren durfte. So studierte Justinus von 1804 bis zu seiner Promotion 1808 Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen. Während der Studienzeit war Kerner schon mit Ludwig Uhland, Karl Mayer, Gustav Schwab und Karl Heinrich Gotthilf von Köstlin befreundet. Aus diesem Kreis entstand später die Schwäbische Dichterschule, zu deren namhaftesten Vertretern auch Justinus Kerner zählte. Seine Tochter Marie und sein Sohn Theobald – beide Schriftsteller – berichteten später nach dem Tode des Vaters in ihren Büchern von den illustren Treffen der Dichter und Künstler im Kernerschen „Geisterturm“ in Weinsberg. Mit seinen schlichten und innigen Gedichten wurde Kerner, der im Jahr seiner Pensionierung 1850...
| Erscheint lt. Verlag | 27.5.2023 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Recht / Steuern ► Allgemeines / Lexika |
| Schlagworte | Antiaging • Beauty-Industrie • Botox • Botulinum-Neurotoxin • Mäuse-LD50-Tests • Pharma-Konzerne • Schönheitssucht • Tierleid • Tierquälerei • Tierschutz |
| ISBN-10 | 3-7549-9660-6 / 3754996606 |
| ISBN-13 | 978-3-7549-9660-7 / 9783754996607 |
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