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Die Schatten von Knechtsteden -  Adrian Rodenburg

Die Schatten von Knechtsteden (eBook)

Der Inquisitor von Knechtsteden, Band 1
eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
220 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-4719-9 (ISBN)
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7,99 inkl. MwSt
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Im Jahr 1348, als die Pest wie ein dunkler Schatten über Europa liegt, erschüttert ein grausamer Mord das Land entlang des Rheins. In einem Dorf in der Nähe des Klosters Knechtsteden wird eine junge Frau namens Aleid der Hexerei beschuldigt, nachdem Vieh stirbt und Kinder erkranken. Die Wut der Bevölkerung wächst, und der Abt des Klosters, Severinus, verlangt ein schnelles Urteil. Doch der Inquisitor des Klosters, Bruder Gerlach, glaubt nicht an Hexerei. Er ist überzeugt, dass hinter der Angst ein menschliches Verbrechen steckt. Gegen den Widerstand seines Abtes beginnt er zu ermitteln und stößt bald auf Hinweise, die in die Reihen der Mächtigen führen. Heinrich von Lintorf, Vogt und Verwalter des Klosters, scheint alles zu gewinnen, wenn Aleid verschwindet: Land, Einfluss, Frieden. Doch sein frommes Auftreten und seine Position machen ihn unantastbar. Während die Dorfbewohner nichts lieber sähen, als die "Hexe" auf dem Scheiterhaufen verbrannt, betrachtet Gerlach Aleid nicht als Sünderin, sondern als eine Frau, die mehr weiß, als sie preisgibt. Ihre geheimnisvollen Worte führen ihn tiefer in die Intrigen um Macht, Besitz und alte Rechnungen. Im Kreuzgang von Knechtsteden, zwischen den Fresken und der Pietà "Not Gottes" (Pietà der Gottesmisere), muss Gerlach einen Weg finden: Die Wahrheit ans Licht bringen, ohne selbst in Ketzerei zu verfallen. Das unschuldige Mädchen retten, bevor der Pöbel über sie richtet. Und beweisen, dass die größte Gefahr nicht von Hexen ausgeht, sondern von Menschen. Am Ende steht er zwischen Abt Severinus, der Gehorsam und Bestrafung fordert, und Heinrich von Lintorf, der vor nichts zurückschreckt, um sein Ziel zu erreichen. Nur Gerlachs Mut, sein scharfer Verstand und sein Glaube an die Vernunft können entscheiden, ob Gerechtigkeit siegt oder Aberglaube triumphiert.

Der Name Adrian Rodenburg ist ein Pseudonym, unter dem ich meine Leidenschaft für die Welt der Belletristik auslebe. Ich wurde 1958 in einer Kleinstadt nahe Düsseldorf geboren. Schon in meiner Kindheit faszinierte mich der Sternenhimmel und die unergründlichen Geheimnisse des Universums. Inspiriert von den Science-Fiction-Klassikern der 1960er und 1970er Jahre begann ich früh, meine eigenen Geschichten zu schreiben zuerst auf der Rückseite von Schulheften, später in Form von umfangreichen Kurzgeschichten, die ich mit Freunden und Familie teilte. Doch nicht nur ferne Galaxien und zukünftige Welten haben mich als Autor geprägt. Auch die menschlichen Geschichten, die sich über Generationen hinweg entfalten, faszinieren mich. So entwickelte sich meine Leidenschaft für die Belletristik, insbesondere für Familien- und historische Romane. In meinen Werken tauche ich tief in die Vergangenheit ein, erforsche das Schicksal von Menschen in verschiedenen Epochen und erzähle von ihren Herausforderungen, Hoffnungen und Wendepunkten des Lebens. Ich liebe es, historische Begebenheiten mit fiktiven Charakteren zu verweben und so lebendige, emotionale Erzählungen zu schaffen, die den Leser mit auf eine Reise nehmen sei es in die Wirren vergangener Jahrhunderte oder in die Schicksale einzelner Familien, die im Schatten großer historischer Ereignisse ihre eigenen Geschichten schreiben. Die Recherche spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die erzählerische Gestaltung, denn ich lege großen Wert darauf, authentische, detailreiche und bewegende Geschichten zu erzählen.

01 NEBEL ÜBER KNECHTSTEDEN


Die tote Stunde vor den Laudes: Er stand am Rand des Kreuzgangs und kauerte sich gegen das erste Licht der Morgendämmerung. Bruder Gerlach, der Größte unter den verhüllten Seelen von Knechtsteden, ließ seine Sandalen über die kalten Steine kratzen, als wolle er die Welt vor seinem Vergehen warnen. Die Bögen wölbten sich über ihm, warfen Schatten entlang ihrer Rippen, und durch die Luft schlängelten sich Nebelbänder, schlau wie Schlangen, und versilberten, was die Nacht nicht preisgeben wollte. Selbst die Krähen schwiegen.

Seine Hände, die er in den weiten Ärmeln seiner Kutte gefaltet hatte, verrieten ihn. Sie zitterten nicht vor Kälte, obwohl der Flussnebel durch Leinen und Haut drang, sondern vor Erinnerung. In seiner Brust zitterten noch immer Schreie, klebrig wie Eiweiß, zu dick, um sie hinunterzuschlucken. Er sah wieder die Lichtung hinter Zons, das nasse, schwarz getretene Moos, den zersplitterten Scheiterhaufen, den Haken des Henkers. Schreie, dann Stille. Der Geschmack von Asche im Mund. Er presste Luft durch die Zähne. Sie hinterließ einen Hauch in der Kälte.

Er schritt die Länge des Kreuzgangs auf und ab zwei Schritte, drei, Pause, seine Schritte gebremst durch Unentschlossenheit, durch eine Angst, die sich in seinem Mark festgesetzt hatte. Über ihm hallten seine Schritte dumpf von der Gewölbedecke wider, als würde der Stein selbst ihn verurteilen. Er presste seine Handfläche gegen eine Säule: knochenweiß, von Jahrhunderten zerfressen, kälter, als Fleisch ertragen konnte. Die Welt war in dem Augenblick vor Sonnenaufgang erstarrt.

Es war nicht erlaubt, zu verweilen. Die Glocke, die schief in dem gedrungenen romanischen Turm hing, schlug mit eiserner Zunge die Stunde. Einmal, zweimal, dreimal: Zeit zum Beten, Zeit zum Rechenschaft ablegen, Zeit zum Bericht. Gerlach atmete scharf aus, beschwor die Stille eines Schädels herauf und begann den langsamen Gang zum Kapitelsaal.

Im Durchgang verdichtete sich der Nebel und verwandelte die Bögen in bucklige Gestalten. Er erinnerte sich an ein Gesicht, oder vielmehr an eine Maske aus Knochen, deren Augenhöhlen mit Ruß verkrustet waren und deren Zähne in einem letzten Anfall von Schrecken entblößt waren. Den Namen hatte er vergessen. Die Sünde jedoch blieb. Er zählte seine Schritte: sechsundzwanzig bis zum Türsturz. Jeder Schritt war ein widerwilliges Geständnis.

Auf halbem Weg blieb er stehen. Etwas bewegte sich im Nebel. Eine Gruppe Novizen in weißen Gewändern schritt schweigend vorbei wie ein Schwarm blinder Tauben. Der jüngste Junge ein blasser, sommersprossiger Geist blickte zu ihm auf. Nicht vorwurfsvoll. Nicht einmal ängstlich. Nur eine leere, unverfälschte Neugier, die Gerlach am liebsten hätte verschwinden lassen wollen. Er neigte den Kopf und segnete das Kind im alten Dialekt „Deus geleit di, min lüttje“ und der Junge huschte davon, die Last von Gerlachs Segen mit sich tragend.

Er ging weiter. Die Glocke läutete erneut, die Luft zitterte um ihren Klang herum. Gerlachs Finger umklammerten die Perlen an seinem Gürtel, jede einzelne glänzend von den Ölen vergangener Verzweiflung. Er erinnerte sich an die Gesichter der Angeklagten: meist Frauen, manchmal Männer, niemals Kinder, immer Ausgestoßene. Er erinnerte sich, wie sie gefleht hatten, wie sie geflucht hatten, wie sie gestorben waren. Er sah sie in jedem vorbeigehenden Mönch, hörte ihre Bitten im Gemurmel der Matutin und der Prim.

Vor dem Kapitelsaal hielt Gerlach noch einmal inne. Die große Eichentür ragte schwarz vor Alter und Eisen vor ihm auf. Licht drang durch die Ritzen darunter. Er holte tief Luft, hielt den Atem an und zwang seine Hände, still zu bleiben. Er presste die Kiefer aufeinander nicht aus Wut, nicht aus Entschlossenheit, sondern um die alte Angst daran zu hindern, aus seinem Mund zu entweichen.

Hinter ihm lag das Kloster still, ein Nest voller Geheimnisse. Vor ihm wartete der Tagesablauf, streng wie der Stab des Abtes, kalt wie die Knochen unter dem Kreuzgang.

Er klopfte, und der Klang hallte wider, ein einziger Schlag wie das Schließen eines Grabes.

Die Tür gab nach, und Gerlach trat aus der Friedhofskälte in eine Gruft anderer Art. Der Kapitelsaal war ein dunkler Raum ohne Fenster, bis auf einen kleinen Schlitz hoch oben in der Apsis, der jedoch kaum Licht hereinließ. Die Luft roch schwach nach altem Talg und Schimmel. Stille, dick wie Wolle, lag zwischen den Wänden.

Am anderen Ende des Raumes saß Abt Severinus auf seinem Thron, seine Kutte makellos vor dem ruinenhaften schwarzen Holz seines Sitzes. Das Gesicht des Abtes, flach und blass, blickte unter einer silbernen Haarkrone hervor, die Tonsur an der Krone eine offene Wunde. Seine Hände, die er über den Kopf eines gekrümmten Stabes gefaltet hatte, verrieten kein Zittern, nur eine bis zur Bosheit gereichte Geduld.

„Bruder Gerlach.“ Die Stimme war wie eine Klinge: leise, kalt, ohne die Gnade eines Echos. „Du bist pünktlich. Gut.“

Gerlach verbeugte sich, die formelle Neigung knapp unterhalb der Unterwürfigkeit. Er senkte demonstrativ den Blick, wie es sich für einen Mann unter Beobachtung gehörte.

Der Blick des Abtes durchdrang die Dunkelheit und ließ Gerlach bis auf die Knochen erschauern. „Das Kapitel ist noch nicht versammelt. Setz dich.“ Er deutete mit zwei Fingern auf eine Bank nicht mehr, als man einen Hund rufen würde.

Gerlach gehorchte. Das Holz war härter als jede Buße. Er verschränkte die Hände vor der Hüfte und umklammerte die Gebetsperlen, als könnten sie ihn im Hier und Jetzt verankern.

Severinus wartete und ließ die Stille wirken, bis die Sekunden über Gerlachs Haut krochen. Endlich: „Es gibt ... Berichte.“ Der Abt verdrehte das Wort, als wäre es ein Fluch. „Unsere Brüder in Straberg berichten von Unruhen.“ Er ließ das Wort hängen wie ein Ketzer am Strick.

Gerlach sagte nichts.

„Vieh ist verendet. Kinder haben Fieber. Kreuze wurden aus Gräbern gerissen. Das ist nicht das Werk Gottes.“

„Oder des Teufels“, sagte Gerlach, bevor er den Gedanken unterdrücken konnte.

Die Augen des Abtes verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Du hast zu viel in den alten Schriften gelesen, Bruder. Unser Feind ist nicht so subtil.“ Er schlug einmal mit seinem Stab gegen den Stein. „Es gibt Gerüchte ...“ (und hier wandte er den Blick ab, als wolle er Gerlach die Sünde ersparen) „... dass sich Frauen im Wald versammeln. Von Schatten an den Türschwellen. Von Flüchen und Schlimmerem.“

Gerlach rollte die Perlen zwischen Daumen und Fingerknöchel. „Wer hat diese Anschuldigungen erhoben?“

Severinus antwortete nicht. Stattdessen sagte er: „Du wirst nach Straberg gehen. Du wirst Nachforschungen anstellen. Du wirst alles ausmerzen, was dort gärt.“ Der Ton seiner Stimme war unnachgiebig; Gerlach konnte darunter das Knirschen der Räder der Macht und der Erwartungen hören. „Und du wirst die Angelegenheit zu einem Ende bringen.“

Gerlach blickte auf und begegnete dem Blick des Abtes für den Bruchteil einer Sekunde. „Ich werde mit der Sorgfalt ermitteln, die Sie von mir erwarten, Vater.“

Severinus presste die Lippen zusammen, als seien die Worte selbst ein Versagen. „Du wirst die Weisheit der Kirche in dieser Angelegenheit nicht in Frage stellen. Ich kenne deine Zweifel, Bruder. Ich bete, dass du den Verstand hast, sie für dich zu behalten.“

Gerlachs Kiefer schmerzte. Er zwang sich zur Ruhe. „Natürlich.“

Der Abt musterte ihn, als suche er nach der Ketzerei, die er vermutete, nach dem Verfall unter der Oberfläche. „Du wurdest wegen deiner Intelligenz ausgewählt, Bruder. Nicht wegen deiner Meinung.“ Seine Stimme wurde sanfter, was sie nur noch gefährlicher machte. „Unser Herr liebt nicht die Klugen. Er liebt die Gehorsamen.“

Dann herrschte Stille. Nicht einmal der Wind draußen wagte sich herein.

„Du brichst zur Prim auf“, sagte Severinus und erhob sich von seinem Sitz mit der Anmut eines Mannes, der sich noch nie vor jemandem oder etwas verbeugt hatte. „Der Prior wird dir die Unterlagen und Vorräte geben. Der Rest ist deine Sache.“ Er kam so nah, dass Gerlach seinen Atem riechen konnte: würzig, rein und doch irgendwie faul, als würde etwas in ihm alle Süße vergären.

„Wenn du versagst“, sagte der Abt, „werde ich es erfahren.“

Gerlach nickte. Er traute seiner Zunge nicht.

Severinus kehrte zu seinem Thron zurück, richtete seine Robe und entließ Gerlach mit einer Handbewegung. „Geh. Bete. Und vergiss nicht, wer dich beobachtet.“

Die Tür fiel hinter ihm mit einem Knall zu, der laut genug war, um Tote zu wecken.

Seine Zelle war eine Zelle im wahrsten Sinne des Wortes: eine karge Pritsche, ein Kruzifix, ein Holzschreibtisch, der von jahrelanger stiller Buße zerkratzt war. Durch den Spalt in der Wand drang lichtloses, trübes Licht herein, kaum genug, um die Staubkörner zu zählen, die über dem Steinboden schwebten. Gerlach bewegte...

Erscheint lt. Verlag 10.10.2025
Reihe/Serie Der Inquisitor von Knechtsteden
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Krimi / Thriller / Horror Historische Kriminalromane
Schlagworte Hexenprozesse • Inquisition • Intrige • Krimi • Mittelalter
ISBN-10 3-6951-4719-9 / 3695147199
ISBN-13 978-3-6951-4719-9 / 9783695147199
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