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Der Ruf des Geckos (eBook)

18 erlebnisreiche Jahre in Indonesien
eBook Download: EPUB
2025
436 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-0326-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Ruf des Geckos - Horst H. Geerken
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Die Rufe des großen Mauergeckos, Tokek, sind den Indonesiern bedeutungsvoll. Wenn das "Toké" durch die Nacht hallt, wird in der Stadt und auf dem Dorf gezählt, wie oft sein Ruf erklingt. Eine ungerade Anzahl ist glückverheißend, sieben Rufe bedeuten schon viel Glück, aber der neunmalige Ruf des Tokeks verheißt den Gipfel an Erfolg und Glück. Der Autor hat 18 Jahre in Indonesien am Aufbau des jungen, unabhängigen Landes auf den Gebieten der Telekommunikation, Elektrotechnik und Solarenergie mitgewirkt. Er läßt uns teilhaben an vielen Erlebnissen, Begebenheiten und Erinnerungen, beruflich und privat. Viele Fakten und amüsante Begebenheiten aus seinem Werdegang, über den Befreiungskampf der Indonesier aus der kolonialen Umklammerung sowie die politischen Wirren und den miterlebten Putsch zum Sturz des 1. Präsidenten Sukarno sind in seinem Buch beschrieben. Sowohl zu Hause in Jakarta wie auch im Wochenendhaus in Carita waren Tokeks zu hören. Oft hallte der neunmalige Ruf, und die Verheißung erfüllte sich. Indonesien hat dem Autor Glück gebracht.

Horst Geerken, Jahrgang 1933, wuchs in einer kosmopolitischen Familie auf, die sich über Europa und Amerika bis nach Japan ausgebreitet hat. Schon in seiner frühen Jugend nahm er über sein Hobby Amateurfunk Kontakte in alle Welt auf. Nicht verwunderlich, dass er Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Telekommunikation wählte, die sich damals schnell weiterentwickelte und in viele Anwendungsbereiche Einzug fand. Während des Studiums Aufenthalte in der Türkei; dann Aufbaustudium in den USA. Erst zwei Jahre lang in amerikanischem Regierungsauftrag tätig, danach als Resident und General Manager für die Firma AEG-TELEFUNKEN in Indonesien. Ursprünglich für drei Jahre geplant dauerte dieser Aufenthalt schließlich 18 Jahre. Er bereiste fast alle Länder Asiens und ist ein Kenner dieser Region.

Vorbemerkung


Wenn man seine berufliche Tätigkeit in einem fremden Land ausübt, verbringt man oft nur einige Jahre in diesem Land. Auch bei mir sollten es nur drei bis maximal vier Jahre sein, die ich beruflich in Indonesien bleiben wollte, schließlich wurden es aber achtzehn Jahre – von 1963 bis 1981 –, die ich in diesem wunderschönen Archipel verbrachte. Durch häufige geschäftliche und private Reisen lernte ich Indonesien und seine Menschen durch viele persönliche Kontakte, die sich oft auch aus den geschäftlichen entwickelt hatten, ganz besonders schätzen. Ich möchte hier meine persönlichen Erlebnisse in diesem Land zu einer Zeit der politischen Wirren und des wirtschaftlichen Aufbaus darlegen sowie auch Erzählungen von Einheimischen, die mir historisch interessant und wichtig zum Verständnis des Landes und seiner Menschen erscheinen.

Es sind schon viele Bücher über Indonesien, besonders über Bali geschrieben worden. Aber die Schönheit seiner Landschaft und den Liebreizseiner Menschen kann man nicht in Worte fassen. Man muss es erlebt haben. Diese Aufzeichnungen sollen eine Mischung aus Unterhaltung, aber auch aus Informationen sein, die ich zum größten Teil damals, aber auch noch in neuerer Zeit, über den letzten Unabhängigkeitskampf der Indonesier gegen die Kolonialmacht Niederlande, sammeln konnte. Dieser Unabhängigkeitskampf, der letztendlich zum Erfolg führte, dauerte fast fünf Jahre lang, von 1945 bis Ende 1949. Natürlich haben die Unabhängigkeitsbestrebungen durch die Organisationen Budi Utomo, Muhamadia oder Sarekat Islam schon in früheren Jahren begonnen. Hans Bräker beschreibt diese ausführlich in seinem Buch „Kommunismus und Weltreligionen Asiens“. Da ich jedoch Anfang der 1960er Jahre noch tagtäglich mit Erzählungen aus diesem schrecklichen Krieg konfrontiert wurde, kann ich über diese letzten fünf Jahre des Unabhängigkeitskampfes bis Ende 1949 authentisch berichtet. Über diesen Themenkomplex habe ich viele glaubwürdige Zeitzeugen, die zum großen Teil noch selbst am Unabhängigkeitskampf teilgenommen hatten und die aus allen Schichten der Bevölkerung kamen, befragt. Zu meiner Zeit in Indonesien gab es noch über eine halbe Million ehemaliger Freiheitskämpfer, die sich in verschiedenen Veteranenverbänden zusammengeschlossen hatten. Es gab also noch genügend Gesprächspartner, die Zeitzeugen waren und durch die ich von dem nicht mehr einzudämmenden und zu eliminierenden Freiheitswillen der Indonesier erfuhr. Da dieses Buch nicht den Anspruch erheben will, ein historisches Werk zu sein, habe ich den fast fünfjährigen Unabhängigkeitskampf der Indonesier nur in groben Zügen dargestellt, basierend auf den Informationen der Zeitzeugen. Ausführlich bis in alle Einzelheiten wurden diese Ereignisse von Louis Fischer in seinem Werk „Indonesien“ erläutert.

Das Ausmaß der durch die Kolonialmacht begangenen Gräueltaten, von denen dieser Unabhängigkeitskampf begleitet wurde, ist bei uns kaum bekannt geworden. Hier möchte ich einige historische Begebenheiten aus Sicht der Indonesier darstellen, die aus diesem Blickwinkel natürlich eine ganz andere Färbung erhalten, als sie von der ehemaligen niederländischen Kolonialmacht in ihrer Vergangenheitsbewältigung bis heute dargestellt werden. Mir gegenüber haben die Indonesier die Gräueltaten ungeschönt und ohne die ihnen angeborene höfliche Zurückhaltung erzählt, wie sie es gegenüber einem Holländer in dieser Deutlichkeit nie tun würden. Die indonesische Sichtweise ist somit eine völlig andere als die holländische und je mehr man mit indonesischen Zeitzeugen redet, je tiefer das Vertrauensverhältnis ist, desto klarer wird, dass es für die Indonesier während der fast 350jährigen Kolonialzeit wenig Gutes und viel Schlechtes gab. Keine Frage, alle Kolonialmächte haben Schuld auf sich geladen, aber in den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges sind viele Gräueltaten unter den Teppich gekehrt worden, die während der holländischen Herrschaft in Indonesien und beim Versuch der Fortsetzung ihrer Herrschaft begangen worden sind. Aber im Gegensatz zu den Engländern haben die Holländer den Erhalt ihrer Herrschaft gegen alle weltpolitischen Vereinbarungen durchzusetzen versucht und dabei weiteres unerhörtes Leid unter der einheimischen Bevölkerung verbreitet.

Meine Erlebnisse fallen besonders in den ersten Jahren in eine Zeit, in der man noch fast wie ein Einheimischer leben musste. Für unser Leben und Überleben und damit für das Nachgehen der täglichen Pflichten bestanden ganz andere Prioritäten, die aus heutiger Sicht manchen Lesern sicher bedeutungslos erscheinen. Aber mir hinterließen sie einen tiefen und bleibenden Eindruck. Zum Beispiel löste ein kleines Stückchen Schwarzbrot oder eine schon halb verdorbene Dose Rollmöpse aus der Heimat bereits große Glücksgefühle aus. Was ich berichte entspricht der damaligen Wirklichkeit.

Um den Bericht nicht allzu technisch und langatmig werden zu lassen, habe ich aus der Vielzahl von Projekten, die während meiner Tätigkeit als Resident Engineer für AEG-TELEFUNKEN in Indonesien abgewickelt wurden, nur einige besonders interessante herausgegriffen.

Die Hintergründe des Putsches vom 30. September 1965 sind bis heute nie ganz aufgeklärt worden. Aber es gibt viele Theorien. Ich schließe mich keiner an und berichte nur meine eigenen Erlebnisse. Dies soll also kein historisches Dokument sein. Allerdings wurde durch die im Laufe der vergangenen Jahre veröffentlichen Dokumente über den Putsch immer klarer, dass der Einfluss der kommunistische Partei PKI doch erheblich geringer gewesen ist, der Einfluss des amerikanischen Geheimdienstes CIA dagegen erheblich größer, als ursprünglich angenommen.

Reisen, die man in jungen Jahren gemacht hat, erscheinen in der Erinnerung immer etwas verändert. Aber ich versuche, mich so gut wie möglich, an die tatsächlichen und erlebten Ereignisse zu halten. Ich habe die Briefe meiner Frau und mir aus diesen Jahren an unsere Eltern in Deutschland, mit unseren aktuellen Eindrücken und Erlebnissen, nochmals gelesen. Diese Briefe haben viele Umzüge mitgemacht, aber sie wurden bis heute in Ehren gehalten und gut aufbewahrt. Neben meinem Gedächtnis waren diese Briefe, sowie auch dienstliche Berichte an mein Stammhaus, eine gute Stütze, um mich an die Tempo Dulu, die gute alte Zeit und mein Leben in Indonesien zurück zu erinnern.

Die Provinzen Nord- und Südholland sind ein Teil des Königreichs der Niederlande, in denen sich die großen Städte wie Den Haag, Rotterdam und Amsterdam befinden. Holland war schon immer der kulturelle, politische und gesellschaftliche Schwerpunkt der Niederlande. Daher wird im umgangssprachlichen Gebrauch, seit dem 16. Jahrhundert bis heute, der Begriff „Holland“ für den ganzen Staat der Niederlande verallgemeinert, wie zum Beispiel beim Fußball, bei dem immer gegen Holland und nicht gegen die Niederlande gespielt wird. Ebenso in Indonesien wird auf Bahasa Indonesia der Begriff Negri Belanda (= holländisches Land) für die Niederlande verwendet. Der Einfachheit halber bleibe auch ich, wenn ich die Kolonialherrschaft der Niederländer und den Unabhängigkeitskampf der Indonesier beschreibe – wenn möglich – bei der Bezeichnung Holland.

Das heutige Indonesien wurde während der holländischen Kolonialzeit als „Niederländisch-Indien“, „Ostindien“, auch „Holländisch-Indien“ und auf Englisch „Dutch-East-Indies“ bezeichnet. Ende des 19. Jahrhunderts prägte der deutsche Arzt, Zoologe, Biologe, Philosoph und Maler Ernst Haeckel anlässlich seiner Reisen auf Java und Sumatra den Begriff „Insulinde“. In allen seinen Büchern benutzt er dieses schöne Wort für den indonesischen Archipel. Leider hat sich dieser Begriff international nicht durchsetzen können. Die Holländer selbst nannten ihr Kolonialreich, in der damaligen Literatur und umgangssprachlich bis heute meist nur „Indien“, was oft zu Verwechslungen mit dem indischen Subkontinent, damals „Britisch-Indien“ genannt, führte. Ich bleibe, wenn ich Begebenheiten aus der Kolonialzeit beschreibe, bei dem während der Kolonialzeit von den Holländern verbotenen Begriff „Indonesien“. Dieser Begriff wurde ursprünglich von Adolf Bastian (einem Deutschen) kreiert, auf den ich an späterer Stelle zurück kommen werde.

Der erste Präsident Indonesiens, Sukarno, wird in westlichen Medien oft mit dem Namen Ahmed Sukarno bezeichnet, manchmal auch mit Ahmad. Beide Vornamen sind falsch! Er hatte, wie viele Javaner, nur einen Namen, nämlich Sukarno. Eine amerikanische Redaktion hatte, trotz des Widerstandes ihres Korrespondenten in Jakarta, diesen im islamischen Indonesien geläufigen Vornamen „Achmed“ einfach erfunden, da nach den Regeln dieser Agentur ein Name prinzipiell nur mit Vornamen gedruckt werden durfte. Bis heute hat sich dieser Fehler in der westlichen Presse gehalten. In Indonesien ist der Vorname Achmed in Verbindung mit Sukarno allerdings vollkommen unbekannt. Ich bleibe also bei der korrekten Schreibweise und dem einen Namen...

Erscheint lt. Verlag 30.6.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte Indonesien • Java • Niederländisch-Indien • Sukarono • Unabhängigkeitskrieg
ISBN-10 3-8192-0326-5 / 3819203265
ISBN-13 978-3-8192-0326-8 / 9783819203268
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