Mein abenteuerliches Leben (eBook)
394 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-8732-9 (ISBN)
James Pierson Beckwith (nach 1856 Beckwourth) wurde um 1800 als Sohn eines weißen Plantagenbesitzers und einer schwarzen Sklavin gebohren. Als Erwachsener erhielt er die Freiheit und zog in den Westen. Als »harter Hund« mit großem Selbstwertgefühl bekannt, fand er vor allem bei den indigenen Stämmen Respekt. Jahrelang lebte er unter den Crows. 1850 entdeckte er den nach ihm benannten Beckwourth Pass und baute ihn aus. 1864 führte er als Scout Soldaten ins Territorium der Arapaho und Cheyenne und musste das Sand-Creek-Massaker miterleben. Vor dem Untersuchungsausschuss bezeugte er als einer der Wenigen die völlige Friedfertigkeit der angegriffenen indigenen Gruppe. Im Red-Cloud-Krieg wieder als Scout und Dolmetscher angeheuert, verstand Beckwourth es, seinen ehemaligen Stamm, die Crows, zu überzeugen, nicht gegen die Weißen Krieg zu führen. Kurz nach der Verhandlung verstarb er im Oktober 1866, schon längere Zeit gesundheitlich angeschlagen, im Zelt des Häuptlings und erhielt ein indianisches Begräbnis. Ein Kreis hatte sich geschlossen.
Kapitel 1
Am 26. April 1798 wurde ich in Fredericksburg, Virginia, geboren. Die Familie meines Vaters bestand aus dreizehn Kindern, sieben Söhnen und sechs Töchtern. Ich war das dritte Kind und hatte eine ältere Schwester und älteren Bruder.
Mein Vater war Offizier im Unabhängigkeitskrieg und hatte einen Majorsrang inne. Er diente während jenes glorreichen Kampfes, der »die Würde des Menschen erhob und ihn lehrte, frei zu sein.«
Ich erinnere mich noch gut an die häufigen Treffen der alten Patrioten im Haus meines Vaters, als ich ein kleiner Junge war. Sie setzten sich zusammen und erzählten von den verschiedenen Schlachten, an denen sie während »dieser Tage, die die Seelen der Menschen auf die Probe stellten« teilgenommen hatten. Gemäß der Sitte jener Tage wurden ihre Treffen gelegentlich mit gutem alten Pfirsichbrandy belebt; dieselbe Art, nehme ich an, wie die, mit der der alte Tory McDonald behandelte, als er ihm sein prächtiges Schlachtross »Selim« zur Übergabe an Colonel Tarleton übergab, ein Umstand, von dem die alten Soldaten sehr oft sprachen.
Während dieser Erinnerungen trübten sich oft alle Augen und Tränen liefen den alten Veteranen über die Wangen, wenn sie ihre Schlachten noch einmal kämpften und sich an ihre Leiden während der Kämpfe erinnerten, die sie durchgemacht hatten.
Von den bewegenden Szenen, die diese alten Soldaten schilderten, war mein jugendlicher Geist lebhaft beeindruckt. Allerdings hat die Zeit und die darauffolgenden Strapazen die meisten ihrer Erzählungen aus meinem Gedächtnis gelöscht. Ich erinnere mich jedoch an einen Vorfall, den mein Vater erzählte, wie er bei dem Angriff auf Stony Point unter General Wayne zu einer Sturmgruppe gehörte.
Ich war erst etwa sieben oder acht Jahre alt, da zog mein Vater nach St. Louis, Missouri, und nahm seine ganze Familie samt 22 Schwarzen mit. Er wählte einen Landstrich zwischen den Flussgabeln des Mississippi und des Missouri, zwölf Meilen unterhalb von St. Charles. Bis heute ist er als »Beckwourths Siedlung« bekannt.
In dieser frühen Periode unserer Geschichte (1805–1806) war die gesamte umliegende Gegend eine »trostlose Wildnis«, die nur von wilden Tieren und gnadenlosen Wilden bewohnt wurde. St. Louis war damals nur eine kleine Stadt, deren Einwohner fast ausschließlich aus französischen und spanischen Siedlern bestanden, die mit den Indianern Handelsgüter der sogenannten Zivilisation wie Feuerwasser,1 Perlen, Decken, Waffen, Munition usw. für Pelze handelten.
Zum Schutz vor den damals sehr lästigen und heimtückischen Indianern, mussten die Weißen in regelmäßigen Abständen Blockhäuser errichten. Diese Blockhäuser wurden durch die vereinten Anstrengungen der Siedler gebaut, die seit dem »Jefferson Purchase«2 durch die französische Regierung aus allen Richtungen zusammenkamen. Die Siedler von vier aneinandergrenzenden Gebieten schlossen sich zusammen und bauten je ein Blockhaus in der Mitte ihres Besitzes, so dass sie im Alarmfall alle dorthin gehen konnten, um sich vor den Wilden zu schützen.
Es war notwendig, die Plantagen ständig zu bewachen, und während ein Teil der Männer arbeitete, hielten die anderen mit ihren Waffen Ausschau nach den schlauen Indianern. Diese Tage sind mir noch frisch in Erinnerung. Und so jung ich auch damals war, so erhielt ich hier die Grundlagen meines Wissens über den Charakter der Indianer, was mir bei meinen späteren Abenteuern unter ihnen von unschätzbarem Wert war.
In der Nähe einiger Blockhäuser herrschte ständig Alarm, und es verging kaum ein Tag, ohne dass die Bewohner gezwungen waren, sie zum Schutz aufzusuchen. Als Beispiel für unsere Lebensweise möchte ich einen Vorfall erzählen, der mir etwa im Alter von neun Jahren passierte.
Eines Tages rief mich mein Vater zu sich und fragte mich, ob ich mich für Manns genug hielt, einen Sack Korn zur Mühle zu tragen. Der Gedanke, auf einem Pferd zu reiten und die Stadt zu besuchen, übte einen Reiz aus, dem ich nicht widerstehen konnte. Ich bejahte also diese Frage mit Nachdruck. So wurde ein Sack Mais auf den Rücken eines sanftmütigen Pferdes gelegt, das für diesen Zweck ausgewählt worden war. Man hob »Young Jim« (wie man mich nannte) auf den Sack und ich machte mich auf den Weg zur zwei Meilen entfernten Mühle. Ungefähr auf halbem Weg zur Mühle wohnte ein Nachbar mit einer großen Familie von Kindern, mit denen ich oft zusammen Sport trieb. Auf dem Weg dorthin ritt ich freudig bis zu dem kleinen Zaun, der das Anwesen von der Straße trennte. Vielleicht könnte ich mit meinem kleinen Spielkameraden ein paar Worte wechseln, dachte ich. Wie groß war mein Entsetzen, als ich alle Kinder, acht an der Zahl, im Alter von einem bis vierzehn Jahren, in verschiedenen Stellungen auf dem Hof vor der Tür liegen sah, mit aufgeschnittener Kehle, abgerissener Kopfhaut und dem warmen Lebenssaft, der noch aus den klaffenden Wunden sickerte! In der Tür lagen ihr Vater und daneben ihre Mutter in demselben Zustand; sie alle hatten dasselbe Schicksal erlitten. Ich fand mich bald im Haus meines Vaters wieder, aber ohne den Sack Mais – wie ich ihn abbekommen hatte, habe ich nie herausgefunden – und berichtete meinem Vater die Umstände. Er schlug sofort in der ganzen Siedlung Alarm, und eine Gruppe von Männern machte sich auf die Suche nach den Wilden, die diese schreckliche Tragödie begangen hatten. Mein Vater begleitete sie mit zehn seiner Männer. Nach zwei Tagen kehrte die Gruppe zurück und brachte achtzehn indianische Skalpe mit; denn der Hinterwäldler kämpfte gegen den Wilden auf indianische Art und Weise. Zwischen ihnen ging es um Kopf und Kragen.
Der Tag, an dem ich das grauenhafte Schauspiel meiner kleinen ermordeten Spielkameraden sah, ist noch genauso frisch in meiner Erinnerung wie damals. Ich werde ihn nie vergessen. Es war die erste Szene indianischer Grausamkeit, die meine jungen Augen je gesehen hatten, und ich fragte mich, wie selbst Wilde so unerbittlich sein konnten, dass sie ihre Hände im Blut kleiner Unschuldiger baden konnten, gegen die sie keinen Grund zum Streiten hatten. Aber meine späteren Erfahrungen haben mich mit dem Charakter der Indianer besser vertraut gemacht. Der Leser wird das im Laufe der folgenden Seiten erfahren.
Ich erinnere mich auch an eine große Gruppe von Indianern in ihrer Kriegskleidung, die sich auf der anderen Seite des Mississippi, im heutigen Bundesstaat Illinois, versammelte. Dies geschah in Portage de Soix, 25 Meilen oberhalb von St. Louis und etwa zwei Meilen vom Haus meines Vaters entfernt. Ihre Absicht war es, alle weißen Bewohner des umliegenden Landes auszurotten. Es wurde Alarm geschlagen; eine große Gruppe von Siedlern versammelte sich, überquerte den Fluss und besiegte die Indianer nach einem heftigen Gefecht mit großen Verlusten und vereitelte ihre blutigen Pläne.
Drei Tage nach dieser Schlacht kam eine Frau in die Siedlung, die drei Jahre lang unter den Indianern gefangen gewesen war. Sie war während der Wirren, die ihre Niederlage begleitete, geflohen und hatte ihre Freunde sicher erreicht. Lange hatte man sie für tot gehalten. Den Namen dieser Frau erinnere ich nicht, aber ich bin sicher, dass es in dieser Region alte Siedler gibt, die sich noch an die Umstände und die allgemeine Freude erinnern, mit der ihre Flucht gefeiert wurde.
Die Nachrichten, die sie brachte, waren höchst alarmierender Natur. Sie erzählte, wie mehrere Indianerstämme eine große Ratsversammlung abgehalten und einen Generalangriff auf St. Louis und das gesamte umliegende Land beschlossen hätten, mit dem Ziel, alle Weißen, Franzosen und Spanier ausgenommen, wahllos niederzumetzeln. Diese Nachricht löste bei den Einwohnern größte Beunruhigung aus, und es wurden alle Vorbereitungen getroffen, um den Angriff abzuwehren. Neue Blockhäuser wurden errichtet, alte repariert und alles in die beste Verteidigungsposition gebracht. Bald darauf tauchte auf der anderen Flußseite eine große Anzahl Indianer vor St. Louis auf. Blondo, ein Dolmetscher, wurde zu ihnen über den Fluss geschickt, um sie über die Vorbereitungen zu ihren Empfang zu informieren. Er teilte ihnen die Nachricht mit, die die aus ihrem Lager geflüchtete Frau übermittelt hatte. Auch erklärte er ihnen, dass die Menschen von St. Louis mit zahlreichen »großen, auf Wagen montierten Kanonen« ausgestattet seien, die im Falle eines Angriffs alle ihre Krieger vernichten würden. Sie glaubten Blondos Geschichte und zogen ihre Truppen zurück.
Zu der Zeit, von der ich spreche, lebten meisten Franzosen und Spanier in St. Louis. Diese standen mit allen Indianerstämmen auf freundschaftlichem Fuß und wollten ihren seit langem bestehenden Handel mit den Roten auf sich beschränken. Aus diesem Grund missbilligten sie die Ansiedlung von Amerikanern unter ihnen, da sie dies als Eingriff in ihr Monopol des Handels mit den Indianern betrachteten. Und da St. Louis als großes Handelszentrum für die Regionen des Westens und Nordwestens diente, waren die aus dem Verkehr gezogenen Gewinne enorm. Auch die Indianer dachten, dass sie bei den Franzosen und Spaniern besser aufgehoben seien, und schlossen sich letzteren in ihrer Feindseligkeit...
| Erscheint lt. Verlag | 8.5.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-8192-8732-9 / 3819287329 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-8732-9 / 9783819287329 |
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