Ein Kinderarzt menstruiert - "Weil er das so will." (eBook)
286 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3526-2 (ISBN)
Ich wurde im unvergesslichen Jahr 1980 in den Weiten Thüringens geboren. Und ich sag Ihnen was, diese DDR-Kindheit war der absolute Wahnsinn! Nichts schweißt eine Gesellschaft besser zusammen als gemeinsames Warten auf Bananen und das Sammeln von West-Kaugummis wie Schätze aus einer vergessenen Zeit. Nachdem ich mich nach der Wende dann durch das legendäre Abitur des Jahres 1999 gekämpft hatte, dachte ich mir, warum nicht noch ein bisschen mehr Spaß haben und ein Jahrzehnt in der Welt der Medizin verbringen? Ach ja, die wilden Zweitausender voller Nächte mit Büchern, Nachtschichten und jeder Menge Gelegenheit, die Geheimnisse des menschlichen Körpers zu ergründen. Und auch wenn das Universum selbst nicht damit gerechnet hat, es beschloss mir den Titel "Kinderflüsterer" zu verleihen - aka Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin - ausgerechnet im Jahr der Maya-Apokalypse 2012. Ein Omen? Seit nunmehr einem ganzen Jahrzehnt, ja, Sie haben richtig gelesen, ein ganzes Jahrzehnt jongliere ich nun schon als niederlassender Pädiater mit Windeln, Teddybären und Fieberthermometern. Ich muss schon sagen, der Geruch von Babypuder ist einfach unwiderstehlich! Doch wer hätte gedacht, dass die Kinder am Ende eher mich zähmen würden, anstatt umgekehrt? Ich zumindest nicht. Immer wenn ich gefragt werde: "Sage mal, träumst du ab und zu?", dann muss ich immer gestehen: "Nein, ich träume so gut wie nie, ich lebe meinen Traum!" Das klingt jetzt verdammt schmalzig, damit meinte natürlich meinen Alptraum. Doch was ist über all die Zeit mein Ausgleich gewesen? Ich bin nicht nur 16 Jahre verheiratet, nein! Ich habe nicht nur ein, nicht zwei, sondern stolze drei Kinder! Ja, das ist genau das, was ich brauchte, um mein Leben auszugleichen - eine wundervolle Frau und drei wunderbare Kinder. Das Ganze ohne Patchwork. Aber wissen Sie, ich liebe diesen ganzen Zirkus. Wenn Sie also einen Therapeuten für Ihre Lachmuskeln brauchen, bin ich der Richtige - der Mediziner, der sich gerne in Windeln und Knete verliert und der beste Freund Ihrer kleinen Racker werden kann. Sie müssen es nur zulassen!
Weihe
Kling, kling, kling! Die Kuchengabel klirrt am Sektglas. Nun folgen die ersten Reden der Eltern, gerichtet an die Heranwachsenden. Es geht um die Feierlichkeiten, bei denen das Kind offiziell in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen wird.
Weltweit gibt es zahlreiche Rituale und Zeremonien, die diesen Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter markieren und feiern. Einige davon sind so kurios, dass man denken könnte, sie stammen direkt aus einer Reality-TV-Show. Hier ein paar Beispiele:
Im Judentum markiert die „Bar Mitzwa“ für Jungen und die „Bat Mitzwa“ für Mädchen den Zeitpunkt, an dem sie religiös mündig werden, eine Art „Fortgeschrittenes Anfänger-Level“ im himmlischen Videospiel. Es ist, als hätten sie gerade die Nutzungsbedingungen eines spirituellen Updates akzeptiert und alle religiösen Rechte und Pflichten erworben.
In vielen lateinamerikanischen Ländern wird der 15. Geburtstag eines Mädchens groß gefeiert, bekannt als „Quinceañera“. Diese Feier markiert den Übergang von der Kindheit zur jungen Frau, und die Veranstaltung ist oft so pompös, dass selbst Cinderella neidisch werden würde.
In den USA und Kanada ist der 16. Geburtstag für viele junge Mädchen ein großes Ereignis. Die sogenannte „Sweet Sixteen“-Party markiert den Moment, in dem das amerikanische Mädchen offiziell die „Lizenz zum Eyeliner“ erhält.
In Japan feiern junge Erwachsene den „Seijin no Hi“, das Erreichen der Volljährigkeit, mit traditioneller Kleidung und Zeremonien. An diesem Tag sind sie endlich alt genug, um in Animes als Hauptfiguren aufzutreten.
Auf den Philippinen gibt es ein ähnliches Fest wie die Quinceañera, allerdings zum 18. Geburtstag, das „Debüt“. Es ist wie eine Quinceañera, nur mit mehr Reife, und dem Wunsch, dass die Verwandten statt Geschenken doch lieber Geld in einem Umschlag überreichen.
Bei den Amischen gibt es das Phänomen der „Rumspringa“, bei dem Jugendliche die Welt außerhalb ihrer Gemeinschaft erkunden dürfen, bevor sie sich entscheiden, ob sie sich taufen lassen wollen. Es ist wie eine Probefahrt im Leben, nur eben ohne Auto.
Im Hinduismus markiert die „Upanayana-Zeremonie“ die spirituelle Geburt eines Jungen, bei der er das heilige Gewand und den heiligen Gürtel erhält. Im Grunde eine Art religiöser Superhelden-Umhang, der spirituelle Kräfte verleiht.
Alle diese Rituale sind in ihren Bräuchen und Bedeutungen unterschiedlich, doch sie alle reflektieren den Übergang ins Erwachsenenalter. Sie zeigen, dass das Erwachsenwerden überall auf der Welt eine Mischung aus Freude, Erwartung und einer Prise „Was zum Henker mache ich hier eigentlich?“ ist.
In Deutschland sind am häufigsten die „Firmung“ und „Konfirmation“ bei christlich geprägten Familien verbreitet, sowie die „Jugendweihe“ bei den meisten anderen. Viele Jugendliche stellen sich dabei die Frage, ob sie weiterhin den kirchlichen Weg gehen oder eher einen atheistischen Weg einschlagen wollen. Auch das gehört zur Identitätsfindung, so haben wir es zumindest gehandhabt.
Entscheidet man sich für die Firmung oder Konfirmation, stellt dies eine Art Erneuerung des Glaubensbekenntnisses dar, sowohl bei der katholischen als auch bei der evangelischen Kirche. Die Firmung hat ihre Wurzeln im frühen Christentum, während die Konfirmation nach der Reformation im 16. Jahrhundert eingeführt wurde.
Die Jugendweihe hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert als säkulare Alternative zu religiösen Feiern. In der DDR entwickelte sich die Jugendweihe zu einer staatlich geförderten Zeremonie, die sozialistische Werte und staatsbürgerliches Engagement betonte. Nach dem Fall der DDR verlor sie ihren politischen Charakter und wird heute als weltanschaulich neutrale Feier des Erwachsenwerdens angesehen.
Und nun, für die aufmerksamen Leser, kommt die erwartete Kuriosität! Natürlich braucht es neben den etablierten Zeremonien auch Alternativen für Menschen mit weitaus diverseren Ansprüchen. Voilà: Für Mädchen gibt es die „Drachinzeit“, für Jungen die „Phoenixzeit“.
Die Drachinzeit ist ein modernes Übergangsritual in Deutschland, das Mädchen auf dem Weg zur jungen Frau begleitet. Sie sollen sich bewusst von ihrer Kindheit verabschieden und ihre neue Identität als junge Frauen erforschen und festigen. Über einen Zeitraum von Frühling bis Herbst treffen sich die Mädchen regelmäßig in der Gemeinschaft, um über die tiefsten Fragen ihrer Identität zu reflektieren. Das Ritual, das vom Körper und der Naturerfahrung ausgeht, symbolisiert den Wandel von der Raupe zum Schmetterling.
Die Phoenixzeit ist ein ähnliches Übergangsritual für Jungen, das den Weg vom Kind zum jungen Mann begleitet. Es bietet Raum für persönliche Entwicklung und gibt den Jungen die Möglichkeit, sich über mehrere Jahre hinweg mit den wichtigen Lebensfragen auseinanderzusetzen. Die Phoenixzeit wurde 2003 ins Leben gerufen, um Jungen langfristige Unterstützung auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben zu bieten.
Diese modernen Rituale mögen außergewöhnlich erscheinen, doch sie zeigen nur eines: Der Übergang ins Erwachsenenalter, sei es in religiöser oder weltlicher Form, bleibt ein entscheidender Moment im Leben eines jeden Menschen, und ein Anlass, der, mal ernsthaft, mal mit einem Augenzwinkern, gefeiert werden will.
Auch für Max war langsam die Zeit gekommen, das Tor zur Erwachsenenwelt zu durchschreiten. Doch auf welche Weise? Darüber waren sich Tine und Mario, wie üblich, uneinig. Das Damoklesschwert hing förmlich über den Meier-Grützmachers bei dieser Entscheidung. Tine, streng katholisch erzogen, wollte Max natürlich zur Firmung anmelden. Für Mario, der waschechte Ossi, kam aber nur die Jugendweihe in Frage. „Wenn wir uns mal wieder nicht einigen können, dann finde ich eben eine Alternative!“, sagte Tine schließlich und machte sich auf die Suche.
Eines Tages, während Max gerade dabei war, seine neueste Technik des Augenrollens zu perfektionieren, verkündete Tine triumphierend, dass sie den ultimativen Plan habe, um ihn auf das Erwachsenenleben vorzubereiten: die „Drachinzeit“. Max, dessen Verwirrung ihm ins Gesicht geschrieben stand, erfuhr, dass dies ein Übergangsritual für Mädchen sei. „Aber Mutter, ich bin ein Junge!“, protestierte er. Doch Tine ließ sich nicht beirren und erinnerte Max erneut daran, dass Geschlechterrollen so veraltet seien wie Marios Schallplattensammlung. Dies sei der perfekte Weg, um seine „weibliche Seite“ zu entdecken. „Papa, sag doch auch mal was!“ Mario erwiderte augenzwinkernd: „Tja Kumpel, Pech gehabt!“
Der Tag des Rituals kam, und Max fand sich in einem Kreis von Mädchen wieder, die über ihre Träume und Ängste sprachen. Zuerst wurde der Gesprächsstein herumgereicht und sich vorgestellt. Unter den Anwesenden waren Arianrhod, Arwen, Rhiannon, Nimue, Morwen und Angharad, quasi das „Who is Who“ der keltischen und nordischen Mythologie. Max, dessen größte Sorge in diesem Moment der Blumenkranz auf seinem Kopf war, nickte nur stumm. Als die Mädchen dann symbolisch ihre Kindheit in einem Lagerfeuer verbrannten, warf Max in Gedanken einen imaginären USB-Stick hinein, auf dem „Mamas Überwachungsdaten“ stand.
Die nächsten Tage im Wald, umgeben von Mädchen, die über das Für und Wider von Tampons und Binden philosophierten, fühlten sich für Max an wie ein Smartphone im Flugmodus, isoliert und von der Außenwelt abgeschnitten. Er verstand bei den Gesprächen nie, worum es ging. Mal redeten sie von der „Erdbeerwoche“, mal von der „roten Welle“ oder „Tante Rosa“. Ein anderes Mal war die Rede vom „Einmarsch der roten Armee“. Max staunte, wie kosmopolitisch und geschichtsbewusst die Mädchen zu sein schienen.
Doch eines Abends, während die Gespräche um „Haifischwochen“ und „rote Flaggen“ wieder mal am Lagerfeuer stattfanden, geschah etwas Unerwartetes, das in keinem Drachinzeit-Lehrbuch stand. Die Mädchen hatten bereits ihre Transformation begonnen, und Östrogen lag in der Luft, als Max plötzlich spürte, wie das Testosteron in ihm aufwallte. Alles begann mit einem unschuldigen Flirt, ein Austausch von Blicken mit Nimue, die sich, genau wie er, nicht ganz in die Gruppe einfügte. Ehe er sich versah, wurden aus Blicken Worte, aus Worten Berührungen, und… nun ja, die Art von Aktivitäten, die Tine sicher als „alternativen Teil des Erwachsenwerdens“ deklarieren würde. Nimue, die ihrem Namen alle Ehre machte, zeigte Max, wo der Hammer hängt, und der „Sohn Asgards“ lernte, wie man ihn schwingt.
Die Verantwortlichen der Drachinzeit, selbst ernannte Hüterinnen der Unschuld, waren schockiert über diesen Bruch des heiligen Protokolls. Max wurde kurzerhand nach Hause geschickt, begleitet von einer vagen Entschuldigung über...
| Erscheint lt. Verlag | 15.1.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-7693-3526-0 / 3769335260 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3526-2 / 9783769335262 |
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