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Kindheitsdämmerung (eBook)

Historischer Krimi-Thriller im Herzen Münchens - Hauptkommissar Baum ermittelt
eBook Download: EPUB
2024 | 3. Auflage
314 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-9299-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Kindheitsdämmerung - Regine Freischlader
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Ein Vermisstenfall, der die Schatten einer dunklen Vergangenheit heraufbeschwört... München, 1982: Ein angesehener Chefarzt der Bundeswehrklinik kehrt nach einem Friedhofsbesuch nicht nach Hause zurück und bleibt spurlos verschwunden. Hauptkommissar Michael Baum von der Münchner Mordkommission übernimmt die Ermittlungen. Mit seiner Assistentin Maria Weidel sucht er nach Hinweisen, doch die Spuren führen vorerst ins Nichts. Als der Fall plötzlich eine dramatische Wendung nimmt, stößt das Ermittlerduo auf ein dunkles Geheimnis. Gibt es eine Verbindung zur dunklen Kriegsvergangenheit? War das Verschwinden kein Zufall, sondern Teil eines perfiden Plans? Während Baum unbeirrt nach der Wahrheit sucht, wird ihm klar: Manche Türen sollten besser verschlossen bleiben ...

Regine Freischlader, Jahrgang 1957, studierte Deutsche Philologie an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München. Der vorliegende Roman ist ein Erstlingswerk.

1


„Rosen! Was heißt hier Rosen?“ sagte sie laut und erschrak. Sie hatte ihre Stimme erhoben. Das durfte sie nicht in seinem Haus, aber er war nicht da, um sie zu maßregeln.

Von ihrem Schlafzimmerfenster blickte sie in den Garten. Ein viereckiges Rosenbeet nahm langweilig dem viel schöneren Unkraut den Platz weg. Auch dieses Jahr hatte ihr Mann sie bereits aufwändig zurückgeschnitten, dabei gab es nicht viel zu schneiden. Sie wurden nie höher als 30 cm und die kleinen roten Knospen, die schöne Blüten versprachen, ließen die vier Blätter kurz nach dem Öffnen auch schon fallen. Sicherlich waren das die billigsten Rosen, die er finden konnte, als er das Beet damals anlegte. Dafür wurden sie jedes Jahr unter lautem Getöse mit Pferdemist und frischem Stroh bedeckt. Den Mist holte er mit der Schubkarre aus der Reitschule. Dafür musste er fast bis zur Isar runter und wieder hoch. Das Auto zu nehmen kam nicht in Frage. Ächzend und stöhnend auf sicherlich 2 Kilometern prustete er durchs Dorf, um dieses Doppelbett aus stachelig spitzen hässlichen Rosenstöcken vor dem bayrischen Winter auch ins nächste Jahr zu retten.

Sie hätte lieber Kornblumen, Mohn und Margeriten gehabt, und sie würde dieses nächste Jahr lieber nicht mehr erleben, aber wer fragte danach? Wen interessierten ihre Wünsche? Wie viele ruhige, friedliche Tage hatte sie in diesem Haus seit ihrer Hochzeit verlebt? Zwei, vielleicht drei in jedem Jahr? Nein, allenfalls im ersten Jahr. Danach ließen die Erfahrungen kein weiteres Glück zu. Erinnern konnte sie kaum etwas Konkretes. Versuchte sie es, deckte ein dunkler Schleier ihre Gedanken zu. Sie konnte die Worte, die sie denken wollte nicht mehr sehen. Und sie musste sie lesen, um sie denken zu können, aber die Dunkelheit war fast immer da. Sie ging zurück zum Bett, aus dem sie gerade erst aufgestanden war. Etwas hilflos stand sie dort zwischen Schrank und Bettkante, öffnete die Schranktür, verharrte einen Moment reglos, schloss sie wieder und sank müde hinab. Dort saß sie mit geschlossenen Augen. Lange. Bevor der Schlaf kam legte sie sich zur Seite zog die Decke über den Rücken und versank.

Im Haus war es still. Bis auf das Ticken der großen Standuhr unten im Salon hörte man kein Geräusch.

Es klingelte an der Haustür. Einmal, zweimal, dreimal. Schrill zerschnitt das Geräusch die Stille und das ruhige Ticken der Standuhr. Jetzt wurde es immer länger, jmd. musste den Finger auf dem Klingelknopf gedrückt halten, es folgte ein scharfes Klopfen, wie mit einem Schlüssel am gelben Glas der Haustür. Aber nichts regte sich im Haus. Hätte man drinnen im Flur gelauscht, man hätte draußen Stimmengewirr gehört. Mehrere Personen also. Niemand von ihnen hatte einen Schlüssel. Der Versuch auf diese Weise Einlass zu bekommen dauerte noch ein paar Minuten an, aber oben störte es niemanden. Das Bett war warm und der Schlaf der einzig sicherer Ort.

Es dauerte nicht lange und das Telefon begann zu klingeln. Wieder regte sich nichts im Haus. Erst spät am Nachmittag kam endlich jemand mit einem Schlüssel.

„Mutter?“ Ein Blick in den großen Salon, ein Blick in die Küche, dann ging die junge Frau die Treppe hinauf, schaute in den kleinen Salon, ins Bad, in Minis Zimmer und schließlich ins Schlafzimmer. „Mutter?“ Sie begann die Schlafende vorsichtig an der Schulter wachzurütteln. „Was ist denn hier los, wo sind die anderen alle? Und was ist mit dir, wie lange liegst du hier schon?“ Sie nahm das kleine braune Glas in die Hand, das auf dem Nachtkästchen lag, öffnete den Deckel und schaute hinein. „Waren da letzte Woche nicht noch viel mehr drin? Was hast du denn gemacht? Vier Tage verschlafen? Warum denn um Gottes Willen? Es muss doch weiter gehen. Noch ist nichts klar. Wir wissen nicht, was passiert ist. Bitte Mutter, reiß dich zusammen, denk an Mini, du wirst gebraucht.“

Ächzend setzte sich die Schlafende auf, vergrub Ihr Gesicht in den Händen und stöhnte „Kannst du mich nicht einfach schlafen lassen, ich bin so müde und kann nicht mehr denken.“ Die Tochter blickt sie besorgt an „Das ist auch kein Wunder mit diesen Tabletten hier. Wie viele hast du genommen, weißt du das überhaupt noch?“ Jammernd wandt sich die Mutter aus dem Griff ihrer Tochter „Ach Clara lass mich doch!“ Aber Clara fasste sie an den Schultern und rüttelte sie sachte „Nein Mutter, ich lasse dich nicht, ich nehme jetzt auch die Tabletten mit. Du sollst Dich nicht so hängen lassen, das ist kein gutes Vorbild für uns alle. Morgen ist Donnerstag, wer soll denn Mini am Freitag abholen? Kannst Du überhaupt Auto fahren in dem Zustand? Bitte zieh dich jetzt an und komm runter in die Küche. Ich mache etwas zu Essen für uns.“

Energisch ging Clara nach unten. Sie schmierte zwei große Scheiben Pfister Brot mit Butter und Käse und brühte einen starken Kaffee dazu. Oben war kein Geräusch zu hören, keine Tür, kein Wasserrauschen. Zornig sprang sie die Treppe hoch, nahm zwei Stufen auf einmal und stürmte ins Schlafzimmer. Da lag die Mutter wieder hoch zugedeckt. Entweder schlief sie wirklich oder sie hoffte nur, sich mit der Decke ganz hoch über den Ohren vor der Wirklichkeit zu schützen. Clara war ärgerlich, zog mit einem Griff die Decke ganz weg, ging ins Bad, machte ein Handtuch nass und legte es der Schlafenden über den Oberkörper. Ein Wimmern war zu hören „Warum tust du das? Lass mich doch endlich in Ruhe.“ „Ich lasse dich nicht in Ruhe. Entweder du stehst jetzt auf, wäschst dich, ziehst dich an, kommst runter in die Küche, oder ich rufe bei den Barmherzigen Brüdern an und lasse dich abholen.“

Das wirkte. Ins Krankenhaus wollte die Mutter nicht. Schließlich war sie die Frau vom Chefarzt. Wenn sie sich dort einmal zeigte, dann nur, wenn es eine Einladung gab, wenn eine neue Station feierlich eröffnet, oder jemand in den Ruhestand verabschiedet wurde. Dann genoss sie es die gnädige Frau zu sein, der man die Hand küsste. Auf Smalltalk verstand sie sich bestens, Lachen konnte sie auf Befehl, und mit dem vornehmen Nippen an einem Glas Champagner konnte sie bestens verbergen, dass sie ganz gewöhnlichen Sekt gerne in rauen Mengen kippte, wenn man sie nur ließ.

Sie nahm die gleichen Kleidungsstücke, die seit ein paar Tagen nachlässig über dem Stuhl gelegen hatten. Wozu anstrengen? Sie war niemand mehr, sie brauchte sich nicht herauszuputzen. Der rechte Nylonstrumpf hatte ein Loch unter der Ferse, sie spürte es auf der kalten Marmortreppe. Egal. Jetzt freute sie sich sogar auf den Kaffee, und ein wenig Hunger hatte sie auch. Etwas wackelig setzte sie sich auf Ihren Platz am Tisch und schaute ängstlich auf den Stuhl, wo ihr Mann normalerweise thronte, und der jetzt leer war.

Niemand wusste, wo er war. Seit Samstag hatte niemand etwas von ihm gehört. Hatte er sie verlassen? War sie ihm nun doch so widerlich geworden? Gesagt hatte er es in den vergangenen zweieinhalb Jahren oft. Es bereitete ihm Vergnügen, sie zu erniedrigen, aber da er blieb, hatte sie nicht mehr daran geglaubt, dass er eines Tages wirklich gehen würde. Sie dachte, es sei nur eine von unzähligen Kränkungen und Beleidigungen, die ihren Alltag ausmachten, und denen niemals diese eine Tat des Verlassens folgte, so sehr sie es manchmal auch hoffte. Aber hoffte sie es wirklich?

Claras Blick sprach Bände „Mutter, hallo, träumst du schon wieder? Jetzt iss endlich etwas und trink deinen Kaffee. Wir müssen besprechen, wie es weiter geht. Hat sich die Polizei schon bei dir gemeldet?“

„Nein, es hat mal geklingelt, aber ich konnte nicht aufmachen. Vielleicht war das die Polizei. Ich will aber nicht allein sein, wenn die kommen. Bitte mach einen Termin, damit ihr alle dabei seid.“

Stoisch biss sie dreimal hinter einander ins Brot, kaute mit übervollem Mund und bemerkte den sorgenvollen Blick ihrer Tochter nicht, der auf ihr ruhte.

„Tja, das ist für uns alle eine neue Situation. Kommen die beiden aus der Schweiz an diesem Wochenende, oder ist Mini alleine da?“

„Nein, Günter und Sabine kommen nicht her, sie werden von den Saarbrückern aus dem Internat abgeholt. Ihre Tante meint, es sei besser, wenn sie erst einmal nicht zu mir nach Hause kämen. ‚Erst einmal‘ hat sie gesagt, so lange, bis sich alles geklärt hat, und ihr Vater wieder da sei.“

„Was ist mit Mini, könnte sie denn im Internat bleiben? Du scheinst mir im Augenblick keine gute Gesellschaft für sie zu sein. Wir drei Großen bleiben jetzt erst einmal ein paar Tage bei dir. Aber Bedingung wird sein: keine Tabletten! Nicht zur Beruhigung und nicht zum Schlafen. Du brauchst einen klaren Kopf. Unsere Aussagen werden für die Polizei wenig hilfreich sein, du bist diejenige, die wichtig ist.“

„Mini kann nicht im Internat bleiben, es wird eine Woche geschlossen, weil die sanitären Anlagen erneuert werden müssen. Nach Allerheiligen gibt es noch einen Tag Herbstferien“

„Na gut, dann ist es umso dringender, dass wir drei großen ein paar Tage hier sind. Ich fahre heute Abend nach Hause, um ein paar Sachen zu packen und mit Clemens und...

Erscheint lt. Verlag 11.12.2024
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Krimi / Thriller / Horror Historische Kriminalromane
Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Drama • Dramatischer Bayern-Krimi • Ein etwas anderer Krimi • Emotionalität • Entführungen & Vermisste • Ermittler-Duo Krimithriller • Ermittler-Duo Thriller • Ermittler-Krimi für Polizei-Fans • Geheimnisse und Mordfälle entdecken • historische Kriminalgeschichten • Historischer Kriminalroman Deutschland • Kommissare & Wachtmeister • Krimi für Fans von historischen Fällen • Krimi mit Kommissaren und Ermittlern • Kriminalroman alte Ermittlungsakten • Krimis Kommissare & Wachtmeister • Mord und Geheimnisse • München 1982 Vermisstenfall • München Krimi mit Spannung • Münchner Raum • Packender Detektivkrimi • Polizei-Krimi mit historischen Bezügen • Polizei-Krimi München 1980er • Spannung • Spuren aus der Vergangenheit • Tatort Deutschland • Thriller aus den 80er Jahren • Thriller dunkle Geheimnisse • Thriller dunkles geheimnis • Thriller über vermisste Personen • True Crime Mord und Geheimnisse • verschwundene Personen Krimi • verschwundene Personen Mordkommission • Verschwundene Personen Thriller • Vertuschung und Machtmissbrauch • Was sind die besten Polizei-Krimis aus Deutschland? • Welche Krimis handeln von Vermisstenfällen? • Welcher historische Krimi spielt in München?
ISBN-10 3-7693-9299-X / 376939299X
ISBN-13 978-3-7693-9299-9 / 9783769392999
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