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Mein Vater ist nicht gestorben

Erzählung | Über die sanfte Beziehung eines Sohns zu seinem Vater
Buch | Hardcover
160 Seiten
2025 | 1.
marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
978-3-7374-1248-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Mein Vater ist nicht gestorben - Christian Kortmann
CHF 33,90 inkl. MwSt
In seinem neuen Buch gelingt Christian Kortmann ein vielstimmiges Selbstgespräch über erinnertes Leben und den Verlust eines geliebten Menschen. Die Nachricht vom bevorstehenden Sterben seines Vaters erreicht den Autor mitten im beruflichen Hochbetrieb. Er eilt zu ihm, erreicht ihn, verabschiedet sich – und sieht sich dennoch außerstande, loszulassen, nun, nachdem sein Vater gestorben ist. In einer intimen Betrachtung beginnt der Autor über Monate hinweg, umsichtig, geduldig und feinfühlig über die Beziehung zu seinem Vater zu schreiben und über die Verpflichtung, ohne einen Menschen weiterzuleben, ohne den das Weiterleben eigentlich nicht möglich ist. Doch auf dem Papier nimmt die sanfte Liebe zwischen Vater und Sohn wieder Gestalt an. Kortmann entdeckt die unerschütterliche Lebenskunst seines Vaters, der Optiker war, neu, und erfährt die Kraft einer optimistischen Weltsicht. Seine Erzählung lässt ahnen, wie bemerkenswert und einzigartig dieses Leben und jede menschliche Bindung ist.

Christian Kortmann arbeitete als Journalist u. a. für Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung und die taz und war Chefredakteur verschiedener Magazine. Er veröffentlichte neben Essays und Reportagen mehrere Romane, zuletzt Einhandsegeln (2021) und Happy Hour Schopenhauer (2022), sowie den Gedichtband Als ließen die Dinge noch mit sich reden (2024). Christian Kortmann lebt in Hamburg.

»Kortmann vollzieht unverkrampft eine Selbstbestimmung im Hier und Jetzt und beschwört eine
Existenz, die sich nicht begrenzt.« Jörn Münkner über Als ließen die Dinge noch mit sich reden,
literaturkritik.de

Mein Vater ist nicht gestorben. Er ist in einen Raumzeitwirbel geraten. Dann wurde er am Rand einer Lichtung ganz hinten im menschenleeren Moor, dort, wo in der Stille des mächtigen Mischwalds und der nebelverhangenen Wiesen das Wild äst und die Wildschweine den Boden aufwühlen, wieder ausgeworfen. Wenn ich beim Laufen in der Dämmerung dort ankomme, am knorrig-expressiven toten Baum, den ich für mich Joshua Tree nenne, erkenne ich ihn schon von weitem. Wir winken uns zu, er hebt den Stock in der linken Hand, ich gehe ihm entgegen. »Das ist ja eine Überraschung«, sage ich beim ersten Wiedersehen zu ihm, so, wie er es früher zu mir gesagt hat, als ich meine Eltern ohne Vorankündigung in Halver besuchte und einfach durch die Ladentür in sein Geschäft kam. Wir begrüßen uns französisch, mit Küssen auf die Wangen. »Mein Junge!«, sagt er. So etwas hätte er auch noch nicht erlebt, fährt er fort, plötzlich sei er dort hinten, am anderen Ende der Lichtung, gewesen. Dann nickt er anerkennend, ich hätte es hier im Norden Hamburgs in dieser ursprünglichen Natur »gut angetroffen«. Er trägt seine runde dunkle Hornbrille, seine Haare sind leicht verschwitzt, das Gehen mit dem Stock im weichen Boden strengt ihn an. Seit dem Schlaganfall vor fünf Jahren ist seine rechte Körperhälfte teilgelähmt, er hinkt mit dem rechten Bein, den rechten Arm kann er kaum bewegen. Er trägt seinen Schal mit Burberry-Muster und eine warme Jacke, die über die Hüften reicht. »Du machst ja Sachen«, sage ich, »komm, dann gehen wir jetzt nach Hause! Du hast uns allen einen ganz schönen Schreck eingejagt.« Mein Vater schüttelt immer noch erstaunt den Kopf. Auf dem schmalen, matschigen Weg stütze ich ihn von rechts. Wir gehen langsam, die letzten Vögel singen zur einbrechenden Nacht. Wegen der Dunkelheit müsse er sich keine Sorgen machen, sage ich, denn ich habe eine Stirnlampe dabei. Zu Hause angekommen, dusche zuerst ich, darauf besteht er, weil ich in der schweißnassen Sportkleidung ganz durchgefroren bin. Dann helfe ich meinem Vater, sich zu waschen, weil er nicht in die Badewanne steigen kann. Wir essen Nudeln zu Abend, ich koche eine schnelle Tomatensauce, die ihm wie immer hervorragend schmeckt. […] Als ich am nächsten Morgen ins Westzimmer gehe, um ihn zu wecken und mit ihm den Zug nach Halver zu meiner Mutter zu nehmen, ist das schwere Schrankbett hochgeklappt und mein Vater nicht mehr da. Doch ich weiß ja jetzt, wo ich ihn finde.

Erscheinungsdatum
Verlagsort Wiesbaden
Sprache deutsch
Maße 125 x 200 mm
Gewicht 272 g
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Autobiografisch • Chedron • Ehrgeiz • Einsamkeit • Eltern • Endlichkeit • Erinnerung • Familie • Imagination • intellektuell • Man kann auch in die Höhe fallen • Meyerhoff • Paris • Sanftheit • Schreiben • Tod • Trauer • Vater und Sohn • Verlust
ISBN-10 3-7374-1248-0 / 3737412480
ISBN-13 978-3-7374-1248-3 / 9783737412483
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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