Der Goldschatz der Helvetier (eBook)
174 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-3068-7 (ISBN)
Max Kocan, Jahrgang 1949, geboren in Zürich, ehemals Hotelier EHL, verheiratet, Vater und Grossvater. Nach über zwei Jahrzehnten in Zürich mit Abstechern nach Lausanne, England, Holland und den USA, wohnte er und seine Familie während über 40 Jahren im Val-de-Ruz, Kanton Neuenburg, in nächster Nähe der Geschehnisse des Creux du Van. Dieser Roman entstand, nach mehrjährigen Recherchen in Büchern und Internet, bei Besuchen in Museen und ehemaligen keltischen Ausgrabungsorten im Inn und Ausland. Er ist gewidmet, in Liebe zu dieser Region Neuenburg und ihren herzlichen und freundlichen Bewohnern.
SAMSTAGMORGEN
Jasmine Jacotet wanderte an einem wundervollen Frühlingstag Ende Mai mit ihrem Golden Retriever-Weibchen Goldy durch das Naturschutzgebiet Creux du Van, unweit der Gaststätte «La Ferme Robert».
Es war samstagmorgens, 9 Uhr, und die Luft war trotz der frühen Stunde bereits angenehm warm. «Komm, Goldy,» sagte Jasmine zu ihrem Hund, während sie am Fusse der mächtigen, 120 Meter hohen Wand entlangspazierte, «schauen wir uns die Steinböcke an – vielleicht haben wir Glück und sehen die ersten Geissen, die mit ihren Kitzen herunterkommen, um frisches Gras zu fressen. Nein, nein, du musst an der Leine bleiben!» Mehrmals blieb sie stehen und blickte mit ihrem Feldstecher an den hohen Abhängen entlang – nichts war zu sehen. Auch ihre Hündin blieb merkwürdig ruhig und schnüffelte rechts und links des schmalen Pfades.
Archäologisch war diese Gegend uninteressant, bis auf wenige Ausnahmen im Bereich der ersten Jäger, die in Höhlen vor ca. 50'000 Jahren in dieser Region gelebt hatten.
Hier konnte sie sich daher gut entspannen – keine Burgen oder andere bekannte Fundorte aus der Steinzeit waren noch zu entdecken. Also tote Hose und somit eine Erholung ihres Geistes und ihrer angeborenen Neugier! Sie hatte sich schon die ganze Woche darauf gefreut, endlich wieder einmal ausspannen zu können.
Jasmine war müde von der langen und anstrengenden Arbeit der vergangenen Wochen, in denen sie auch die Arbeiten der Studenten zu prüfen und verschiedene Projekte für sie vorzubereiten gehabt hatte.
Als Assistentin am archäologischen Institut der Universität Neuenburg – bei Professor Dr. Nicolas de Montmollin – hatte sie das Umfeld gefunden, das genau auf sie zugeschnitten war. Ihre Tätigkeit erfüllte sie vollkommen, weshalb sie trotz des Stresses glücklich und zufrieden war.
Ihr Freund Marcus war für zwei Monate in Australien, um als zukünftiger Tierarzt seine Masterarbeit über Kängurus abzuschliessen. «Field studies» hatte er das genannt …
Sie vermisste ihn sehr, genoss seine Abwesenheit jedoch trotzdem in gewisser Weise. In dieser Zeit konnte Jasmine sich vielen anderen Dingen widmen, die sonst eher zu kurz kamen.
Zu dem kleinen Schmerz in ihrer Brust über das Fehlen ihres Freundes gesellte sich nun ein leichtes Hungergefühl. Jetzt war wohl der Moment gekommen, an die Felsen gelehnt ein Sandwich zu essen und geduldig auf die Steinböcke und deren Kitze zu hoffen. Gesagt, getan, ging sie in Richtung einer kleinen, von trockenem Moos überwachsenen Erhöhung in der Nähe der Wand, warf jedoch einen Sicherheitsblick nach oben. Die Wand war überhängend und stellte somit für Jasmine und ihren Hund keine direkte Steinschlaggefahr dar. Oben angekommen, liess sie sich auf ihrer Jacke nieder und begann das Picknick kunstgerecht auf einem mitgebrachten Küchentuch auszubreiten. Sie hielt inne, um sich ihre langen brünetten Haare zu einem Pferdeschwanz zu binden, der bei jeder ihrer Bewegungen hin und her wippte und die Jugendlichkeit ihres zarten Alters von 26 Jahren unterstrich. Ihr langer Hals verlieh ihr ein edles Aussehen, und manch ein Mann drehte sich ungewollt um, wann immer sie in der Nähe weilte.
Sie hatte die Angewohnheit – auch draussen in der Natur –, ihr Essen mit Stil und Würde zu sich zu nehmen. Daher widmete sie sich ihren Mahlzeiten stets ohne Stress und ohne Hetze, ob allein oder in Begleitung. Ihre Kolleginnen meckerten gerne zu diesem Thema, bewunderten Jasmine jedoch im Stillen. Sie hatte eine gewisse Klasse und war doch bodenständig und standhaft in allen Belangen.
Goldy schwänzelte wie wild, während sie auf ihre Mahlzeit wartete, die natürlich nie fehlen durfte. Die Temperatur nahe am Felsen war für die Jahreszeit bereits äusserst angenehm und ein wohliges Gefühl breitete sich in Jasmine aus. Sichtlich glücklich suchte sie von Zeit zu Zeit weiter die gegenüberliegenden Hänge mithilfe ihres Feldstechers ab, um nach Tieren Ausschau zu halten.
Sie stellte fest, dass die kleine Mahlzeit hier oben weit besser als allein zu Hause schmeckte, und genoss diesen einmaligen Moment, umgeben von herrlicher, unberührter Natur.
«Na, Goldy, gönnen wir uns noch ein kleines Nickerchen hier in der wärmenden Sonne?» Es war der ideale Ort dazu – die Stille hier war eindrucksvoll und wohltuend. Sie streckte sich auf dem weichen, trockenen Moos aus, bis sie bequem lag, und stützte ihren Kopf auf einen zusammengerollten Pulli.
Doch bereits nach wenigen Sekunden änderte Jasmine nochmals die Position ihres Kopfes, da ihr ein Lüftchen ständig in den Nacken blies. Sie drehte sich und wickelte ihren Schal um ihren Hals. Doch in kürzester Zeit wurde ihr wieder zu warm und sie nahm ihn wieder ab. Jasmine fand keine Ruhe und wunderte sich über diesen kalten Luftzug. Er kam nicht von oben, nicht von der Wand her und auch nicht von der Seite. Plötzlich war sie wieder hellwach und suchte die störende Quelle kalter Luft mit der Hand rund um ihren Kopf zu eruieren. Gerade seitwärts unter ihrem Nacken kam die Kälte zwischen dem Moos hervor. Wie seltsam! Sie richtete sich auf und bohrte mit den Fingern im Moos, wobei sie diese feuchte Kälte an ihren Fingern spürte. Jasmine wäre nicht Jasmine gewesen, hätte dies nicht ihre Neugier geweckt, und sie begann die untere Schicht von kleinen und grösseren Steinen abzubauen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Plötzlich hielt sie inne, schüttelte den Kopf und murmelte: «Was soll das, bin ich schon so von Adrenalin vollgepumpt, dass ich jetzt Zugänge zu Felsspalten freilege? Bin ich Höhlenforscherin, oder was?»
Goldy hatte sich inzwischen ebenfalls erhoben und begann tatkräftig in dem kleinen Loch zu scharren. «Also gut», sagte sich Jasmine und schob den Hund ein wenig zur Seite, um ihre Grabung wieder aufzunehmen. Sie hatte Zeit, um dieser Sache auf den Grund zu gehen. Merkwürdig schien nur, dass die Erde und Steinchen sich bewegten und nach und nach ins Innere des kleinen, ausgebuddelten Lochs fielen, wo sie sozusagen vom dunklen Untergrund verschlungen wurden. Was befand sich wohl darunter? Ein kleiner Leerraum, eine Spalte oder sogar eine Höhle?
Kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gebracht, stürzte sie, ohne jegliche Anzeichen bemerkt zu haben, getragen durch eine grosse Ladung von Steinen und Geröll, in die Tiefe. Jasmine erschrak enorm und schrie kurz auf. Sie fiel steil ins kühle und feuchte Dunkel hinunter, schlug sich irgendwann ihren Kopf an und verlor ihr Bewusstsein.
So lag sie da, am Grunde einer Art Höhle in ca. 10 Metern Tiefe, zum Teil noch mit Geröll zugeschüttet. Sie bekam von all dem nichts mit, atmete jedoch tief und fest.
Nach kurzer Zeit schaffte es Goldy, auf der steil abfallenden Geröllhalde zu ihr zu gelangen und begann intensiv ihr Gesicht zu lecken. Bereits nach wenigen Sekunden kam Jasmine zu sich und erblickte im schwachen Licht ihren lieben Hund. Mit einiger Anstrengung konnte sie sich einigermassen vom Geröll befreien und begann kurz darauf, all ihre Gliedmassen zu kontrollieren. Zum Glück war nichts gebrochen, verstaucht oder gequetscht, sie konnte sich sogar komplett aufrichten. Ihr Kopf dröhnte zwar noch etwas, jedoch war sie froh, diesen Sturz ohne grösseren Schaden überstanden zu haben. Sie sah sich um und fröstelte. Zum Glück lag wenige Meter neben ihr der Rucksack, aus dem sie die Taschenlampe, die sie immer mit sich führte, und ihren Pulli zog. Auch die Jacke lag ein wenig weiter oben, und mit etwas Anstrengung erwischte sie diese ebenfalls und streifte sie über. Das Mobiltelefon war auch noch intakt, doch in diesem Loch hatte sie keinen Empfang. Jasmine steckte es wieder zurück in ihren Rucksack und erschauerte. Für wenige Augenblicke spürte sie ein Kribbeln in ihrem ganzen Körper und die Härchen an ihren Armen stellten sich auf. Wenige Zentimeter neben ihr lag ein menschlicher Schädel! Jede andere Frau wäre nun zu Tode erschrocken und hätte geschrien. Doch für Jasmine war dies als Archäologie-Assistentin «Daily Business», und sie war jetzt hellwach! Vor lauter Neugier vergass sie alles um sich herum und leuchtete mit ihrer Taschenlampe in alle Richtungen der Höhle. Sie schaute nach oben und erblickte das etwa einen Meter breite Loch und darüber den blauen Himmel. Die Halde von Geröll, Erde und Schutt hatte eine Neigung von etwa 35 Grad. Somit schien es kein Problem zu sein, später wieder zurück ans Tageslicht zu steigen. Dies erleichterte Jasmine ungemein und sie begann sich weiter umzusehen.
Ihr Blick schweifte wieder zurück zum Schädel und sie nahm ihn in die Hände, um mit einem fachmännischen Blick festzustellen, dass dieser sehr alt war. Am Boden, unter viel Schutt und feinem Sand, lagen weitere Knochen und Schädelfragmente. Es schien sich dabei, um über ein Dutzend menschliche Schädel zu handeln, und unmittelbar daneben erblickte Jasmine ein fast vollständiges Skelett. Es hätte im Moment keinen Sinn ergeben, wissenschaftlich analytisch vorzugehen oder gar eine Inventur der Fundstellen der Knochenfragmente vorzunehmen. Viel wichtiger war jetzt, dass nichts mehr berührt oder durch Unvorsichtigkeit verschoben oder...
| Erscheint lt. Verlag | 19.11.2024 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Historische Kriminalromane | |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller | |
| Schlagworte | Abenteuerromane Archäologie & Entdeckungen • Abenteuerroman mit archäologischem Hintergrund • Ancient Secrets Uralte Geheimnisse la Tène • Archäologie Thriller Schweiz • Archäologie und Verbrechen • Creux-du-Van • Creux-du-Van Historischer Kriminalroman • Druide • Geheimnisvolle Entdeckungsreise • Helvetia Legende Buch • Historischer Krimi Helvetier • History Mystery Krimi Kelten Druiden • Kelten • Krimithriller Dual Timeline Zwei Zeitebenen • La Tène • Lost Civilization Verlorene Kultur La Tène Kultur • Mystery & Übersinnliches • Oppidum • Schatzsuche Keltischer Schatz • Zeitübergreifende Spannung |
| ISBN-10 | 3-7693-3068-4 / 3769330684 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-3068-7 / 9783769330687 |
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