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Papa (un)erwünscht (eBook)

Kindersoldaten im Scheidungskrieg

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
176 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-98579-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Papa (un)erwünscht -  Niklas Holbe
Systemvoraussetzungen
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Ein Tatsachenbericht der sich mit der Thematik der Eltern-Kind-Entfremdung (EKE) nach einer Scheidung befasst. Dargestellt aus der Sicht eines Vaters, der sieben Jahre versuchte, den Kontakt zu seinem Kind aufrecht zu erhalten und dramatisch beschreibt, wie kaum sozialpädagogische und rechtliche Möglichkeiten bestehen, dieser entgegenzuwirken.

Als junger Autor bringe ich dem Leser und der Leserin Erlebnisse und Schicksale nahe. Durch meinen direkten Kontakt mit dem Erlebten, kann ich Emotionen und Gefühle authentisch transpotieren. Mit viel Gefühl und Empathie lasse ich den Leser und die Leserin tief in Situationen eintauchen.

Als junger Autor bringe ich dem Leser und der Leserin Erlebnisse und Schicksale nahe. Durch meinen direkten Kontakt mit dem Erlebten, kann ich Emotionen und Gefühle authentisch transpotieren. Mit viel Gefühl und Empathie lasse ich den Leser und die Leserin tief in Situationen eintauchen.

Kapitel 3  Alles pendelt sich ein

Als du noch bei mir wohntest, bist du gerne immer mitgefahren im LKW. Ich sehe dich immer noch auf dem Beifahrersitz sitzen. Du hattest den Laptop auf deinem Schoß, die Beine auf der Ablage und die dicken Kopfhörer auf deinen Ohren, und schautest YouTube.

Irgendwelche komischen Prank Videos. Zwischendurch warst du einfach nur so unglaublich herzlich am Lachen. Ich musste jedes Mal mitlachen, wenn du mir dann erklärtest, was du gerade geschaut hattest und was da passiert ist. Dabei hattest du die Kopfhörer immer nur halb auf. Und ich konnte deine glücklichen strahlenden blauen Augen sehen. Deine Stimme überschlug sich, weil du immer wieder selber loslachen musstest. Ich weiß manchmal gar nicht, warum ich mit am Lachen war. Ich glaube, es war mehr deinetwegen, zu sehen, wie gut es dir ging und wegen der Zeit, die wir miteinander hatten.

Dann schautest du mich an und wir waren einfach glücklich. Am liebsten bin ich mit dir die Ferntouren gefahren. Ich erinnere mich da an Offenburg. Mein Gott war das eine lustige Tour.

Wir hatten zwischendurch Kennzeichen lesen gemacht. Ich habe sie dir immer vorgelesen. Musste immer so machen, als ob ich einen Knoten in der Zunge hätte. Und du hast jedes Mal dich halb totgelacht, wenn da ein Wirrwarr herauskam. Als ob ein Yeti anfängt, Deutsch zu lernen.

„HU TZ 234“ wurde dann schnell zu „Hutzzweidreivier“. Wir hatten dann beide Spaß gehabt und waren uns so unendlich nah.

Und wenn der kleine Hunger kam, hast du uns die Brote geschmiert, oder hast während der Fahrt die Mikrowelle angeworfen. Wenn die Leute wüssten, wie manche LKWs ausgestattet sind. Hatten ja wie immer mehr als genug dabei. Der Kühlschrank war immer voll. Aber mehr zu trinken als zu essen.

Und du hast Müllermilch gesuchtet. Viermal Vanille war für dich kein Problem. In vier Stunden! Manchmal hörte man in deinem Bauch das Gluckern, so viel hattest du getrunken. Vor allem, wenn die Straße uneben war, und du auf dem Sitz durchgeschüttelt wurdest.

Da wir meistens nachts gefahren sind, warst du dann irgendwann müde und hast dich ins Bett gelegt. Ich habe den Rausfallschutz eingehängt und du hast nur noch ein „Gute Nacht, Papa“ geflüstert und warst auch schon eingeschlafen. Dann fuhren wir durch die Nacht. Als Team!

Du warst eingerollt in deinem grünen Schlafsack. Bis an die Ohren eingepackt, sodass man dich nur noch erahnen konnte. Die rote Nachtfahrbeleuchtung konnte nur noch Schemen erkennen lassen. Oft habe ich dann einfach nur hinter mich gegriffen und einfach deinen Fuß gehalten. Ich habe ihn Kilometer für Kilometer nicht losgelassen. Einfach nur um dir nahe zu sein.

Zwischendurch war ich auf eine Raststätte gefahren, um eine Zigarette zu rauchen. Ich stand dann vor dem LKW, schaute durch die Scheibe und sah, dass du manchmal wach wurdest. Du hast dich aufgerichtet und ich konnte dein Gesicht sehen. Du hast mich kurz angegrinst und hast dich wieder hingelegt. Manchmal hast du aber auch den Moment genutzt, um auf Toilette zu gehen.

Du bist dann aus dem LKW geklettert, und ich schaute dir hinterher, bis du in der Raststätte verschwunden warst.

Ich war in diesen Augenblicken so unendlich stolz auf dich, wenn du zurückgeschlendert kamst und am Grinsen warst.

Du hast mich kurz in den Arm genommen und warst auch schon wieder verschwunden. In deinem grünen Schlafsack, hinter dem Rausfallschutz.

Es war immer was Besonderes und unglaublich Schönes. Ich war ein glücklicher Papa, und du warst auch glücklich.

Nachdem du eingezogen warst, haben wir uns sehr viel Zeit füreinander genommen. Wir haben viel geredet, und noch viel mehr unternommen.

Das Wetter war traumhaft, sodass wir jede freie Minute für das Schwimmbad genutzt hatten. Wir haben herumgealbert, uns nass gemacht oder haben den „Arschbombenwettbewerb“ gestartet. Dabei war es das Ziel, den Bademeister nass zu machen, ohne dass er merkt, dass es extra war.

Manchmal haben wir uns einfach durch das Schwimmbad gejagt und versteckt. Der andere musste dann suchen. Du hattest dein Lieblingsversteck im Durchgang zwischen den Schwimmbecken. Ganz oft, bin ich vorbeigelaufen, ohne mir anmerken zu lassen, dass ich dich längst entdeckt hatte. Ich habe es genossen, zu sehen, wie viel Spaß du hattest.

Du wolltest, so einiges richtigstellen. Nicht bei mir, sondern auch beim Jugendamt und Gericht.

Wir gingen einfach am 01.07.72 zum Jugendamt und fragten nach Herrn Fuchs.

Dieser hatte allerdings noch Urlaub, sodass wir mit seiner Vertretung ein Gespräch bekamen. Die Dame war sehr freundlich und fragte uns, warum wir da wären. Ich brauchte gar nichts zu sagen. Du hast direkt die Wortinitiative ergriffen, und ich saß wieder da, mit meinem Notizbuch und schrieb mit.

Die Sachbearbeiterin konnte teilweise gar nicht so schnell mitschreiben, wie es aus dir herausgeschossen kam.

Sie schaute dich an und hörte mit rotem Kopf zu, was du sagtest, um anschließend wieder auf ihr Protokoll zu schauen und aufzuschreiben. Du erzähltest, dass du keinen Bock mehr auf die Schauspielerei hättest. Dich immer verstellen müsstest und deine Mutter auch immer wusste, wo du dich aufhältst. Auch zu den Zeiten, wo wir denn mal unsere Wocheneden hatten. Auch dass deine Mutter dich schon mehrfach beleidigt hätte und mit dem Verbringen ins Heim gedroht hat.

Der Sachbearbeiterin stockt der Atem und schaut auf. Sie schaut dich mit großen Augen an und vergewissert sich gerade, richtig gehört zu haben. Du sitzt vor ihr und erwiderst ihren Blick. Während du langsam am Nicken bist.

Ich kann mir gerade gar nicht vorstellen, was in dir vorgeht. Ich kann es nur erahnen, denn du hattest es mir bereits erzählt, am Tag deines Einzugs. Und wiederholtest auch, dass deine Mutter behauptet, ich sei ein Narzisst, und es auch vor dir mehrfach wiederholt hat.

Du wirkst total entspannt und ruhig. Die Sachbearbeiterin ist immer noch mit Schreiben beschäftigt und dadurch entsteht eine Pause. Du schaust mich an, und fragst mich, ob du etwas vergessen hättest. Ich schaue auf und dir ins Gesicht.

„Du erzählst, was du erzählen möchtest, Schatz!“

Entgegne ich dir, und schaue wieder auf mein Notizbuch. Ich möchte nicht, dass du irgendwas erzählst, was ich gerne hören möchte. Denn es geht gerade um dich, nicht um mich.

Du wendest dich wieder der Sachbearbeiterin zu und diese fragt dich nochmals, warum du in der Vergangenheit geschauspielert hättest. Du erklärst ihr, dass du dazu gezwungen warst. Deine Mutter hatte ja noch mit dem Zerstören von deinem PC gedroht. Die Sachbearbeiterin erklärt dir, dass sie jetzt gar nichts dazu sagen könne, da sie ja die Problematik der letzten Jahre und unsere Familie nicht kennen würde. Du sitzt ruhig vor ihr und hörst ihr zu. Du schaust sie an und sie erwidert nun deinen Blick. Allerdings mit hochrotem Kopf.

Plötzlich, kommst du auf das Familienpsychologische Gutachten zu sprechen.

Die Sachbearbeiterin unterbricht dich und schaut dich verwundert an. Du holst tief Luft, und beginnst zu erzählen. Deine Mutter hatte dir vorgesagt, was du da ankreuzen sollst. Sie hat dir eine Anweisung dafür gegeben, wo du welche Kreuze machen sollst. Damit es nicht auffallen würde. Und ich als dein Vater schlecht dastehe, aber deine Mutter als die Gute. Denn deine Mutter soll, gemäß deiner Aussage, auch Unterlagen fälschen, um dich zu manipulieren. Nur um sie dir dann zu zeigen. Die Sachbearbeiterin wollte noch von dir wissen, ob du zu Gericht möchtest.

Du bejahtest es, und die Sachbearbeiterin sagte, sie würde eine Nachricht ans Gericht machen, damit du vor dem Termin gehört werden würdest.

Wir verabschiedeten uns freundlich und du gingst schon einmal raus.

Ich nutzte den Moment, um die Sachbearbeiterin zu fragen, wie wir es nun mit dem Aufenthalt von dir lösen würden. Sie meinte nur, dass alles kein Problem wäre, solange du bei mir bleiben wolltest. Ich bedankte mich und verließ nach dir die Räume des Jugendamtes. Ich kam die Treppe runter, und du warst schon im Auto. Alle Fenster waren geöffnet. Du warst auf dem Beifahrersitz und spieltest mit deinem Handy. Ich öffnete die Tür und ließ mich auf dem Fahrersitz nieder. Du schautest mich an und warst am Grinsen. Sichtlich erleichtert, legtest du die Füße aufs Armaturenbrett und schautest wieder auf dein Spiel. Der Motor brummte leise, während ich aus der Parklücke rollte und wir nach Hause fuhren.

An unseren ruhigeren Tagen hattest du Playstation gespielt.

Oft habe ich mich dazu gestellt und geschaut, was du machtest. Dann stand ich da mit meinem Kaffee. Ich hatte dir dann einen Obstteller auf den Schreibtisch gestellt. Ein buntes Allerlei aus Orangen, Äpfeln und Trauben. Ich sehe dich immer noch dort sitzen. Den Controller in der Hand, und mit vollgestopften Backen, sodass jeder Hamster vor Neid erblassen würde.

Zwischendurch, hatten wir auch noch für dein Sommercamp in Österreich eingekauft.

Da deine Mutter lediglich zwei Jeans, drei T-Shirts,...

Erscheint lt. Verlag 31.10.2023
Mitarbeit Sonstige Mitarbeit: Ulla Buthe
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Briefe / Tagebücher
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte bindungstoleranz • Depressionen • Eltern-Kind-Beziehung • Eltern-Kind-Entfremdung (EKE) • Familiengericht • Familienrecht • Jugendamt • Rechtsbeistand • Rechtspsychologen • Scheidung • Scheidungskinder • Selbstmordgedanken
ISBN-10 3-347-98579-6 / 3347985796
ISBN-13 978-3-347-98579-7 / 9783347985797
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