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Mord in Sommières - Südfrankreichkrimi (eBook)

Die Schatten der Vergangenheit
eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
284 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-00250-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Mord in Sommières - Südfrankreichkrimi -  Doris Kneller
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Nur Lucas, ein junger Doktorand, konnte auf die Idee kommen, die geheimnisvollen Graffitis in der Kapelle von Ludwig IX., dem 'Heiligen', zu erforschen - die berühmten Graffitis im Schloss von Sommières. Doch dann liegt er tot im Schlosshof, über den geschichtsträchtigen Brunnen drapiert, Eigentlich kommen nur zwei Verdächtige infrage: Noémie, die Direktorin des Schlosses von Sommières, denn sie hat den Toten gehasst. Oder der Schlossführer, Pierrot, der in Sommières geboren wurde und seine Heimat nie verlassen hat. Und der sein Leben lang dem Schatz der Hugenotten nachjagte - überzeugt, ihn zu finden. Außer natürlich, jemand schnappt ihn ihm weg. Zum Beispiel Lucas, der Doktorand. Aber da ist auch noch seine Frau, Anne, die nach dem Sinn ihres Hausfrauendaseins sucht. Hat sie Lucas getötet? - Oder, logischerweise, der große Unbekannte, mit dem keiner rechnen konnte ... ... und die Geister der qualvoll Verstorbenen. Hat die Gestalt, die Noémie im Traum erscheint, etwas mit dem Mord zu tun? Eigentlich völlig unmöglich. Und doch ... Werden die Schatten der Vergangenheit je verbleichen? Wie lange gilt ein Racheschwur?

Doris Kneller ist Journalistin und Fotografin. Bisher schrieb sie drei Romane in Französisch, einen in Katalanisch und etliche in Deutsch. Sie lebt seit fast vierzig Jahren in Südfrankreich, ein Gebiet, das ihr zur Heimat wurde und das sie kennt und liebt. Sie begeistert sich für Geschichte und Architektur, aber auch für die Natur und die Schönheit natürlicher Landschaften. Diese Schönheit fängt sie in ihren Fotos ein, damit auch Andere sie bewundern können.

Doris Kneller ist Journalistin und Fotografin. Bisher schrieb sie drei Romane in Französisch, einen in Katalanisch und etliche in Deutsch. Sie lebt seit fast vierzig Jahren in Südfrankreich, ein Gebiet, das ihr zur Heimat wurde und das sie kennt und liebt. Sie begeistert sich für Geschichte und Architektur, aber auch für die Natur und die Schönheit natürlicher Landschaften. Diese Schönheit fängt sie in ihren Fotos ein, damit auch Andere sie bewundern können.

1

Am Tag, als Lucas starb

Die Polizistin sah ganz anders aus als ihre Kollegen im Fernsehen. Außerdem hatte Pierrot nicht mit einer Frau gerechnet. Natürlich war er für Gleichberechtigung, auch im Beruf. Schließlich hatte er ja auch eine Chefin, also eine weibliche Vorgesetzte, und die verstand eigentlich was von ihrer Arbeit. Aber um einen Mord aufzuklären, hätte er es doch lieber mit einem Mann zu tun gehabt. Wie in den Krimis, die er am Abend guckte.

Wenn es jedoch unbedingt eine Frau sein musste, dann hätte er doch eher auf eine Sexbombe gehofft. Denn in den Filmen, in denen eine Polizistin das Sagen hatte, handelte es sich eigentlich immer um eine Sexbombe. Zumindest in den Filmen, die ihn interessierten.

Maryline About – so stellte sie sich vor – war nicht nur keine Sexbombe, sondern eine richtig graue Maus. So was war bisher in keinem Film vorgekommen. Aber das passte zu ihrem Namen: Wie konnte man nur „About“ heißen und dann noch Polizistin werden? Pierrot musste sich das Lachen verbeißen. Wenn sie jetzt schon A bout war, also am Ende mit ihrer Weisheit, brauchte sie die Ermittlungen doch eigentlich gar nicht erst aufzunehmen, oder?

Nein, seine Gedanken waren alles andere als angemessen. Er schüttelte sich. Der Tod ihres Praktikanten hatte wirklich nichts Komisches an sich. Noch dazu ein Mord. Denn auch wenn die Polizistin ihn gleich belehrt hatte, dass man zunächst alle Fakten sammeln müsse, war es doch offensichtlich ein gewaltsamer Tod. Noémie, seine Chefin, meinte zwar, er könnte auch gefallen und mit dem Kopf an einen Stein gestoßen sein – aber das schien ihm doch absurd. Wie sollte der Körper dann auf den Brunnenrand gekommen sein? Es war doch unmöglich, dass er nach einem solchen Sturz noch selbstständig da hoch gekrabbelt wäre.

Um festzustellen, dass es sich um einen kaltblütigen, brutalen Mord handelte, dazu brauchte man jedenfalls kein Polizist zu sein. Der Täter musste ihn beim Kaffeetrinken erwischt haben. Die Kaffeetasse lag ja noch am Boden, nicht weit von der Leiche entfernt.

Wenn man ihnen wenigstens so ein richtig hohes Tier geschickt hätte. Also zumindest einen Lieutenant-Colonel, wenn schon keinen Colonel. Aber diese Frau hatte gerade mal den Rang eines Commissaire divisionnaire. Auch wenn sie extra aus Nîmes gekommen war, um die Untersuchungen durchzuführen. Doch das bewies lediglich, dass es auch in der Hauptstadt ihres Departements nicht nur hohe Tiere gab. Man hatte ihnen nicht mal einen Commissaire principal zugeteilt, was ja wohl das Mindeste gewesen wäre.

Dabei hätte sie doch schon Zeit gehabt, Karriere zu machen, in ihrem Alter. Pierrot schätzte sie auf … na, sagen wir mal gute vierzig. Wenn man höflich sein will. Ansonsten, ohne höflich zu sein, eher schon Ende vierzig oder gar Anfang fünfzig. Oder Ende fünfzig? Eigentlich hatte er keine Ahnung.

Natürlich war Madame About nicht allein. Polizisten treten ja stets nur im Doppel auf, das weiß jeder Krimi-Fan. Und ihr „Doppel“ war sogar ein Mann. Na ja, Pierrot brüstete sich ja eigentlich, keine Vorurteile zu haben, aber unter einem richtigen Mann stellte er sich schon etwas anderes vor. Greg war klein und zierlich, was allein schon komisch war für einen Polizisten, und ziemlich jung. Vermutlich sogar noch unter dreißig. Das war zwar an sich nicht schlimm. Aber was wirklich störte, das war, dass er überhaupt keine eigene Meinung hatte. Da hieß es immer nur „oui, patronne“ und „bien sûr, patronne“ und wenn er den Mund mal für etwas anderes öffnete, dann nur, um ihre Befehle zu wiederholen.

Umso beleidigender fand er es, dass sie es nicht einmal für nötig befand, ihn selbst zu verhören, sondern ihren Untergebenen dazu verdonnerte, mit dem „obersten Fremdenführer“ ein Protokoll aufzunehmen. Ein Untergebener, wie Pierrot bald erfahren sollte, der gerade mal den Rang eines Brigadiers bekleidete.

Mit undurchdringlichem Gesicht fragte Greg nach Pierrots Namen, Vornamen, Adresse, Geburtsdatum … das Übliche halt. Der Führer sagte sich, dass der Polizist wie ein Roboter klang. Nur dass ein echter Roboter das schneller, genauer und vor allem freundlicher hinbekommen hätte. Er ließ sich jedoch nichts anmerken. Eigentlich wollte er das Ganze nur noch so schnell wie möglich beenden.

„Sie sind dreiundsechzig?“

Pierrot glaubte, Bewunderung in seinen Augen zu lesen. Merkwürdigerweise fand er ihn gleich ein ganz klein wenig sympathischer als zuvor. Er lächelte.

„Ja, ich weiß, das sieht man mir nicht an.“

Der Polizist winkte ab.

„Nein, darum geht er nicht“, meinte er plump. „Sie sind dreiundsechzig Jahre alt und arbeiten unter einer Frau, die gerade mal zweiunddreißig ist. Finden Sie das normal?“

Der Führer starrte ihn böse an.

„Ich meine ja nur“, grummelte Greg jetzt ein wenig kleinlauter. Offenbar hatte er kapiert, dass er ins Fettnäpfchen getreten war. „Normalerweise hätten Sie als Mann und in Ihrem Alter doch längst über ihr stehen müssen.“

Als Pierrot nicht antwortete, kam er zum Thema zurück. Da konnte er wenigstens nichts falsch machen.

„Wer hat die Leiche gefunden?“, erkundigte er sich mit seiner mechanischen Stimme. Selbst seine Art zu sprechen erinnerte an einen Roboter, wobei die modernen Maschinen inzwischen sogar angenehmer klingen. Er erinnerte eher an einen Roboter der ersten Generation, den man längst schon hätte ausrangieren sollen.

Pierrot stöhnte.

„Aber das wissen Sie doch längst“, rief er aus. Langsam gingen doch die Nerven mit ihm durch.

„Sie haben die Chefin gehört: Wir müssen ein Protokoll erstellen. Was ich persönlich weiß, spielt dabei keine Rolle.“ Und als er Pierrots ungeduldig hochgezogene Augenbrauen bemerkte, fügte seine mechanische Stimme hinzu: „Bitte bleiben Sie sachlich.“

„Ich. Ich habe die Leiche entdeckt. Das habe ich doch alles schon erzählt.“ Gregs Miene blieb unbeweglich.

„Welche Rolle bekleiden Sie im Schloss?“

„Auch das wissen Sie. Ich bin hier der oberste Fremdenführer. Der Chef-Fremdenführer, wenn Sie so wollen. In der Hierarchie steht nur meine Bossin über mir, Noémie, die Direktorin des Schlossmuseums. In der Saison, das heißt im Sommer, unterstehen mir mehrere Aushilfen. Führer, die ich ausbilde und deren Einsatz ich organisiere.“

Der Polizist schrieb einen Augenblick vor sich hin. Von einem Aufzeichnungsgerät haben die wohl noch nichts gehört, ging es Pierrot durch den Kopf. Oder von einem Smartphone. Geduldig wartete er, bis Greg sich seine Antwort notiert hatte. Das heißt, geduldig war er eigentlich nicht, aber seine Ungeduld zu zeigen hätte ja auch nichts geändert.

„Und welche Rolle hatte der Tote?“

„Praktikant“, grummelte der Führer. „Ein Doktorand, der für drei Monate hierhergekommen war, um Material für seine Doktorarbeit in französischer Geschichte zu sammeln. Er hatte beschlossen, die Inschriften in der Kapelle zu behandeln.“ Greg schaute unsicher auf.

„Die Inschriften? Welche Inschriften?“

Pierrot grinste.

„Die Inschriften der Gefangenen.“

Dem Polizisten blieb buchstäblich der Mund offen.

„Sie haben hier Gefangene? Ja, dürfen Sie das denn?“

Jetzt konnte sich Pierrot nicht mehr zurückhalten. Er prustete einfach los. Madame About, die sich am Nachbartisch mit Noémie unterhielt, schaute auf. Aber sie stellte keine Fragen. Der Führer und der Praktikant hatten sich ein Büro geteilt. In diesem Büro saßen sie jetzt, Pierrot und Greg an Pierrots Schreibtisch, Noémie und Madame About an einer Art Behelfsschreibtisch, den Lucas benutzt hatte.

„Natürlich dürfen wir das“, antwortete der Führer in verschwörerischem Ton, als er sich wieder im Griff hatte. „Oder zumindest durften wir das. Vom König genehmigt. Im sechzehnten Jahrhundert.“

Greg schüttelte den Kopf und schaute ihn streng an.

„Ich hoffe, Sie machen sich nicht lustig über mich …“ Er zögerte. „Was soll das also mit den Inschriften?“

Pierrot holte tief Luft.

„Die Inschriften, die von den Gefangenen im sechzehnten Jahrhundert hinterlassen wurden. Für einen Geschichtswissenschaftler sind sie von großer Bedeutung.“

Der Polizist begann wieder zu schreiben.

„Aha“, brummte er vor sich hin.

„Der Tote war also Praktikant“, begann er schließlich wieder. „Wie lange war er schon hier?“

„Gerade mal acht Tage.“

„Und wie gut kannten Sie ihn?“

Der Führer zuckte die Schultern.

„Mon Dieu, wie man jemanden halt kennt, nach acht Tagen. Wir haben zusammengearbeitet, ich meine, wir waren im gleichen...

Erscheint lt. Verlag 8.8.2023
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Literatur Krimi / Thriller / Horror Historische Kriminalromane
Schlagworte Frankreich • Geschichte • historischer Krimi • Mittelmeer • Sommières • Südfrankreich • Südfrankreichkrimi • Wohlfühlkrimi
ISBN-10 3-384-00250-4 / 3384002504
ISBN-13 978-3-384-00250-1 / 9783384002501
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