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Dreaming Big -  Marco Lügge

Dreaming Big (eBook)

Mein Traum von Big Island

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
196 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7543-2044-0 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Mit Träumen ist es wie mit Wünschen. Nicht alle gehen in Erfüllung. Trotzdem ist es schön, welche zu haben und über diese eine Leidenschaft für den Sport zu entwickeln, die man sich so nie hätte vorstellen können. Dabei kann auch der Weg das Ziel sein, denn im Triathlon und speziell beim Ironman sind die Qualifikationsmöglichkeiten um den Globus verteilt. Das ermöglicht einen völlig neuen Blick auf die Welt - auch wenn die Weltmeisterschaft auf Hawaii wie das einzige und ultimative Ziel scheint. Wichtig ist dabei, nicht rücksichtlos mit sich selbst und seiner Gesundheit zu sein. Eine etwas andere Triathlon-Story, die meine Jagd nach einem Startplatz zur Erfüllung eines Lebenstraumes erzählt.

Marco Lügge, geboren 1981 in Berlin, ist Kaufmann und war passionierter Triathlet. 2004 hat er die Leidenschaft am Ausdauersport für sich entdeckt, der sein Leben nachhaltig geprägt hat. Seit 2018 übernimmt er die Aufgaben als Prokurist in einem Berliner Handwerksbetrieb.

KAPITEL 2

ITU-LANGDISTANZ-WM ALMERE 2008

Völlig ungeplant und vielleicht gerade deshalb so besonders bleibt meine erste Erfahrung auf der Langdistanz. Noch kein Ironman ging über die klassische Langdistanz der Internationalen Triathlon Union (ITU) mit 4 Kilometern Schwimmen, 120 Kilometern Rad und 30 Kilometern Laufen. Schon von Beginn an im Verein ließ ich mir immer wieder mal einen Floh ins Ohr setzen, um an einigen außergewöhnlichen Trainingseinheiten und Wettkämpfen teilzunehmen. Kurz nach meinem Eintritt in den Verein bestand dieser Floh darin, sich gemeinsam für jene ITU-Langdistanz-Weltmeisterschaft in Almere anzumelden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht mal einen Start über die Mitteldistanz auf der Habenseite. Meine bisherige Sportkarriere war ganz weit weg von »strukturiertem Training« und dennoch war das Thema für mich unwiderstehlich, da ich für verrückte Ideen immer zu haben war. Also meldete ich mich eine Woche später bei der Deutschen Triathlon Union für die WM in den Niederlanden. Zu meiner Überraschung bekam ich nur ein paar Wochen später tatsächlich die Rückmeldung, dass ich nunmehr gemeldet sei und somit Ende August wirklich zur WM fahren konnte. Ich hatte nie damit gerechnet, wirklich angenommen zu werden und so wuchs auch ein bisschen die Verunsicherung, da ich natürlich auch nicht Letzter werden wollte. Kaum hatte ich die frohe Botschaft erhalten, fragte ich bei den anderen nach, ob die auch schon eine Antwort bekommen hatten. Und da kam die eigentliche Überraschung – ich war offensichtlich der Einzige, der sich wirklich angemeldet hatte, denn bei den anderen passte es terminlich nicht und sie hatten »nur« vergessen, mir Bescheid zu geben. Ich war stinksauer, denn jetzt sollte ich allein nach Holland fahren, um da am Ende vielleicht mit Pauken und Trompeten unterzugehen?! Der Gedanke verpuffte glücklicherweise schnell wieder, da sich mit Nils doch noch ein weiterer aus dem Verein gemeldet hatte und angenommen wurde.

Um eine ansatzweise vergleichbare sportliche Belastung zu erleben, hatte ich mich für ein Rennen über die Mitteldistanz angemeldet. Erneut im Spreewald ging es diesmal über 2,2 Kilometer Schwimmen, 84 Kilometer Rad und 20 Kilometer Laufen. Erschwerend zur körperlichen Belastung kamen noch äußere Faktoren hinzu. Der Wetterbericht prognostizierte einen regnerischen Tag mit niedrigen Temperaturen. Nach einem guten Schwimmen lag ich auf Platz 50 und schwang mich auf mein neues Cervélo-Zeitfahrrad, das ich mir aus Einzelteilen selbst aufgebaut hatte. Kaum 100 Meter auf dem Rad unterwegs hatte ich einen Platten. Wie vorhergesagt hat es zu diesem Zeitpunkt in Strömen geregnet und es standen lediglich 17 °C auf dem Thermometer. Ich brauchte ewig, um mit meinen zittrigen Händen den Schlauch zu wechseln. Die bemitleidenden Sprüche der vorbeifahrenden Athleten machten es nicht wirklich besser. Für mich lag der Fokus jedoch darauf, Wettkampfkilometer über eine längere Distanz zu sammeln, also ging es darum, durchzuziehen. Ganze zehn Minuten brauchte ich für den Wechsel und nahm deprimierende 84 Kilometer in Angriff. Völlig durchgefroren ging es zum abschließenden Lauf, bei dem ich nur noch die Strecke hinter mich bringen wollte. Die Leistung beim Lauf war okay, aber irgendwie nur noch zweitrangig. 20 Kilometer später, immer noch im Regen, stand ich zitternd und mit blauen Lippen im Ziel.

Manchmal muss man einfach nur mal eine Nacht drüber schlafen, denn am nächsten Tag sah ich das Rennen aus einem völlig anderen Blickwinkel. Sicherlich ist es nicht optimal gelaufen, aber vor allem fühlte ich mich mental nach diesem harten Rennen deutlich gestärkt – ich hatte es durchgezogen.

Zeiten1
SWIM 0:40 Stunden
BIKE 2:51 Stunden
RUN 1:38 Stunde
Gesamt 5:11 Stunden

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Vorbereitung war mein erstes richtiges Trainingslager. In Thüringen sammelte ich mit Nils, Robert und meinem Namensvetter Marco wichtige Kilometer in Richtung Weltmeisterschaft. Alle drei waren Liga-Starter in der Zweiten Triathlon-Bundesliga, aber ich mochte es von Anfang an, mit stärkeren Athleten zu trainieren. Mein erster »epischer« Anstieg war eine 20-prozentige Rampe in Schweinbach, die sich so stark in mein Gedächtnis eingebrannt hat, dass wir diese einige Jahre später noch mal ins Programm mit aufgenommen hatten.

So anstrengend das Training war, so schön war das Wetter. Für mich jedoch am wichtigsten war der spürbare Leistungssprung, der sich einstellte, obwohl wir nur ein paar Tage vor Ort waren. Das half mir, meine Ängste in den Hintergrund zu rücken und mit positivem Blick in Richtung Saison-Highlight zu schauen.

Nach weiteren drei Wochen war es endlich so weit. Die Anreise Richtung Niederlande mit dem Auto war zwar lang, aber entspannt, da man alles bequem mitnehmen konnte. Wir hatten uns etwas außerhalb von Almere eine Hütte auf einem Campingplatz gemietet, die alles bot, was wir brauchten. Bei der Abholung der Unterlagen gab es das erste Treffen mit dem Betreuer der deutschen Delegation, der uns die Wochen zuvor mit sämtlichen Informationen per Mail versorgt hatte. Leider lag die DTU zu dieser Zeit im Clinch mit dem Ausstatter der deutschen Nationalmannschaft, wodurch man in diesem Jahr keine Deutschland-Einteiler bestellen konnte. Man hatte nun zwei Optionen, wie man starten konnte: Entweder man trägt eine zweite Startnummer mit »GER«-Aufdruck oder einen Deutschland-Einteiler aus einem anderen Jahr. Glücklicherweise konnte ich zwei Wochen vor Abfahrt noch einen Vorjahreseinteiler bei eBay ergattern und Nils hatte seinen noch vom WM-Rennen in Hamburg, ebenfalls aus dem Vorjahr. Ich wollte das volle WM-Erlebnis und da gehörte für mich der Start in einem Einteiler mit GER-Aufdruck einfach dazu. Die restliche Zeit vor dem Rennen nutzten wir für ein bisschen Sightseeing in Amsterdam und eine kurze Schwimm- und Laufeinheit.

Am Vortag hatten wir vor dem Check-in noch die Chance, die Athleten über die Ironman-Distanz zu sehen. Hierbei erblickte ich zum ersten Mal ein Rad der Marke ARGON 18, die ich bis dahin noch nie gesehen hatte. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick, die mich nachhaltig beeinflussen sollte. Wir konnten uns allerdings auch nicht ausruhen. Der Checkin stand an und lief anders als bei anderen Rennen. Die Wettkampfrichter überprüften die Räder intensiver und es gab klare Cut-off-Zeiten, bis wann man diese einzuchecken hatte. Jeder Athlet hatte seine blaue Box, in die sämtliches Wechselequipment gelegt werden musste. Sollte etwas im Rennen außerhalb der Box landen, würde es eine Zeitstrafe geben. Beim Anblick der Plätze neben mir konnte ich mit Freude erkennen, dass die Weltmeisterschaft doch deutlich internationaler war, als von mir vermutet. Ich hatte damit gerechnet, dass das Teilnehmerfeld hauptsächlich aus Europäern bestehen würde, aber schon meine direkten Kontrahenten kamen von allen Kontinenten. Beim Verlassen der Wechselzone sahen wir, wie zwei andere Athleten abgewiesen wurden, weil sie ein paar Minuten zu spät für den Check-in waren. Ich musste daran denken, wie es mir gehen würde, wenn ich von einem anderen Kontinent angereist wäre, ein Jahr Vorbereitung in den Knochen hätte und alles wegen fünf Minuten Verspätung versaut hätte. Unvorstellbar!

Am Rennmorgen war ich nach einer recht kurzen Nacht erwartungsgemäß extrem aufgeregt. Die Wetterprognose sagte über 30 °C voraus sowie starken Wind, der uns im flachen Holland nicht nur auf dem Rad zu schaffen machen sollte. Bei der Vorbereitung des Rads war ich spürbar nervöser als sonst. Durch die heißen Temperaturen sollte schon die Wahl des Luftdrucks nicht unbedacht sein und die Erinnerungen an das Pannen-Rennen im Spreewald kamen in mir hoch. Das Gefühl, im Deutschland-Trikot starten zu dürfen, war für mich unbeschreiblich. Vor dem Rennen gab es noch ein kurzes Foto von uns beiden und dann war auch schon jeder für sich. Die meisten haben ihre Rituale – manch ein anderer schwimmt sich exzessiv ein, andere wirken, als wären sie kein Stück nervös und wieder andere sind im Tunnel. Ich zählte bei den meisten Rennen zur letzten Gruppe.

Beim Schwimmen waren zwei Runden zu absolvieren, mit einer kurzen ersten und einer längeren zweiten Runde. Als der Startschuss ertönte, ging es im Neopren mit der klassischen Prügelei eines Massenstartrennens ins Wasser. Da es sich um eine Weltmeisterschaft handelte, wurde spürbar mehr ausgeteilt als bei anderen Rennen. Die erste Runde verging wie im Flug, denn ich war permanent damit beschäftigt, nicht ständigen »Feindkontakt« zu haben. Beim Landgang und dem obligatorischen Blick nach hinten hatte ich ein gutes Gefühl, allerdings war der Wellengang bereits auf dem ersten kurzen Stück nicht ganz ohne. In der zweiten Runde sollte ich beim Schwimmen an meine Grenzen kommen. Mit hohen Wellen, starker Strömung und dem direkten Blick in die aufgehende Sonne kam alles...

Erscheint lt. Verlag 9.6.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-7543-2044-0 / 3754320440
ISBN-13 978-3-7543-2044-0 / 9783754320440
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