Die geheimen Pionierinnen der Wirtschaft (eBook)
336 Seiten
REDLINE Verlag
978-3-96267-338-3 (ISBN)
Dr. Jana Lucas studierte Kunstgeschichte, Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Philosophie in Leipzig und Bologna. Sie berät Unternehmen in Hinblick auf Innovation und Strategie, indem sie Prinzipien der bildenden Kunst für neue Perspektiven im Management nutzbar macht. Darüber hinaus ist sie Autorin und gern gesehene Rednerin zu visueller Kompetenz und Kreativität.
Dr. Jana Lucas studierte Kunstgeschichte, Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Philosophie in Leipzig und Bologna. Sie berät Unternehmen in Hinblick auf Innovation und Strategie, indem sie Prinzipien der bildenden Kunst für neue Perspektiven im Management nutzbar macht. Darüber hinaus ist sie Autorin und gern gesehene Rednerin zu visueller Kompetenz und Kreativität.
INNOVATIONS-MANAGEMENT
Was ist die DNA einer Innovatorin, eines Innovators? Was macht einen Menschen kreativer als einen anderen? Unter welchen Bedingungen entsteht Innovation?
Die Lebensgeschichten von Eliza Lucas Pinckney, Martha J. Coston und Kate Gleason zeigen, wann und wie neue Ideen entstehen und wie aus Ideen tragfähige Produkte werden.
Technische Innovation allein kann völlig nutzlos sein, wenn diese nicht bei potenziellen Kund*innen eine Wertinnovation darstellt. Martha J. Coston ist dies gelungen. Sie hat mit ihrer Erfindung von Leuchtsignalraketen für das Militär die Kommunikation von Schiffen in der Nacht revolutioniert.
Wertinnovation kann sich andererseits auch auf die Kosten beziehen, deren Reduzierung etwa den Bau von Einfamilienhäusern sowohl für Kund*innen als auch für die Bauherrin Kate Gleason in Rochester im Bundesstaat New York attraktiv machte. Innovation bezieht sich nicht allein auf Prozesse und Technologien, sondern kann sich ebenso auf den Vertrieb beziehen, wenn man neue Märkte erkennt und das eigene Unternehmen, wie Gleason, plötzlich in einen Global Player verwandelt.
Die erst 16 Jahre alte Eliza Lucas Pinckney verbindet ihre Kenntnisse von Märkten und Anbaubedingungen aus den drei Ländern, in denen sie gelebt hat: Antigua in der Karibik, South Carolina in den USA und das britische Mutterland. Durch die Zusammenführung von Know-how gelingt es ihr, zusammen mit anderen Plantagenbesitzenden die Indigopflanze sowohl zu kultivieren als auch zu vermarkten.
Einerseits lassen sich Innovationen nur entwickeln, wenn es gelingt, das Know-how von vielen zu bündeln und zu managen. Andererseits beginnt Innovation mit einer bestimmten Geisteshaltung. Neben einer Vision braucht es die positive Grundhaltung, dass etwas gelingen kann, und eine Offenheit im Denken, kontinuierlich Neues zu wagen, egal ob in der Produktentwicklung oder im Vertrieb.
»I have the business of 3 plantations to transact.«
Eliza Lucas Pinckney
(1722–1793)
Plantagenbesitzerin und landwirtschaftliche
Unternehmerin
Familie Pinckney verpasst eine Chance
London, Sommer 1753. Eliza Lucas Pinckney fährt hinaus zum Palast in Kew. Ihr Ehemann Charles Pinckney und ihre fast fünfjährige Tochter Harriott begleiten sie. Außerdem transportiert sie in ihrer Kutsche drei exotische Vögel: eine Indigoammer, einen Papstfinken und einen amerikanischen Goldzeisig. Es ist kurz nach elf Uhr, als die Familie am White House in Kew eintrifft. Doch sie sind zu spät, die Bedienstete lässt sie nicht mehr eintreten. Prinzessin Augusta von Sachsen-GothaAltenburg (1719–1772), die Witwe des Prinzen von Wales, die zu dieser Zeit für ihren noch unmündigen Sohn Georg III. regiert, ist bereits zum Spaziergang mit ihrer Tochter aufgebrochen. Eliza Lucas Pinckney überlegt, was zu tun ist, wie sie später in einem Brief beschreibt. So entschließt sich die Familie, eine handschriftliche Nachricht der kleinen Harriott zusammen mit den drei ungewöhnlichen Vögeln als Geschenk für die königliche Hoheit abzugeben. Auf der Karte stand, wie sich Pinckney erinnert, dass Miss Harriott Pinckney, Tochter von Charles Pinckney Esqr., einem Mitglied des Councils Ihrer Majestät in Carolina, Ihrer Hoheit ihre Aufwartung erweise und demütig darum bitte, ihr einen Indigovogel, einen Non-Parreil und einen gelben Vogel zu schenken, welche sie für Ihre Hoheit aus Carolina mitgebracht habe.1
Frustriert über den missglückten Besuch fährt die Familie zurück zu ihrem Haus in der Southampton Street. Zumindest hatte Eliza Lucas Pinckney die Vögel lebendig abgeben können. Diese hatten wie die gesamte Familie eine lange Reise hinter sich, und es war ein Wunder, dass sich die Tiere in so guter Verfassung befanden. Die Vögel stammten aus der Kolonie South Carolina, wo Eliza und Charles Pinckney am 4. April 1753 zusammen mit ihren drei Kindern und zwei Söhnen eines befreundeten Ehepaares in Charles Town das Schiff »Edinburgh« bestiegen hatten.2 Knapp vier Wochen segelten sie über den Atlantik, bis sie am 29. April 1753 in England eintrafen, wo die beiden Söhne Charles Cotesworth und Thomas ein Internat besuchen sollten. Auch Eliza Lucas Pinckney hatte ab dem Alter von zehn Jahren von 1732 bis 1737 diese Eliteausbildung durchlaufen, bei der sie Botanik und Buchhaltung gelernt und lateinische Klassiker wie Vergil und Plutarch, aber auch Milton gelesen hatte.
In South Carolina mit Reisanbau neu beginnen
Nachdem die junge Eliza Lucas ihren Schulaufenthalt in England beendet hatte, reiste sie zurück auf die Westindischen Inseln nach Antigua. Hier war sie am 28. Dezember 1722 als Erstgeborene von vier Geschwistern zur Welt gekommen. Ihre Familie betrieb auf dieser kleinen Antilleninsel seit drei Generationen die Zuckerrohrplantage »Cabbage Tree«. Wie alle anderen Zuckerrohrplantagen der Karibik versorgte das 150 Hektar große Anwesen das britische Weltreich mit Zucker – ein Luxusgut, das durch die menschenunwürdige Arbeit von Sklaven produziert wurde.
In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts wurde es jedoch weniger lukrativ, Zuckerrohr anzubauen, sodass sich die Lebensumstände der Oberschichtfamilien Antiguas wie die der Lucas’ zusehends verschlechterten. Auch hatten Hurrikans und Erdbeben die Insel verwüstet, und die versklavte Bevölkerung begann zu rebellieren. Eliza Lucas’ Vater, Oberstleutnant der königlichen englischen Armee, später auch Mitglied des königlichen Rats der Kolonie sowie Vize-Gouverneur, war verschuldet und entschloss sich daher, seine Geschäfte in einer anderen britischen Kolonie fortzuführen: in South Carolina. Dort hatte sein Vater John Lucas bereits im Jahr 1714 die kleine Plantage »Wappoo« sowie weitere Ländereien erworben, um seine Zuckerrohrplantage auf Antigua mit Holz und anderen Rohstoffen zu versorgen.
So erkundete Elizas Vater im Winter 1738/39 die familiären Besitzungen in South Carolina, brachte sodann seine beiden Söhne nach England auf ein Internat, bevor er zusammen mit seiner Frau Ann Mildrum, den beiden Töchtern Eliza und Polly sowie einer Cousine Elizas im Sommer 1739 nach South Carolina übersiedelte.
Die Plantagen der Familie Lucas befanden sich in der Küstenregion South Carolinas nahe Charles Town. Geprägt von weitläufigen Sümpfen und zahlreichen mäandernden, vom Hub der Gezeiten gestalteten Flussmündungen bot der flache Küstenstreifen ideale Voraussetzungen für den Reisanbau, weshalb sich South Carolina zum größten Reisproduzenten im kolonialen Amerika entwickelte.
Als die Familie in South Carolina eingetroffen war, vermerkte Eliza Lucas, die Region sei »allgemein fruchtbar und reich an Wild und Wildgeflügel«.3 Das Klima sei im Winter angenehm, allerdings seien »drei bis vier Monate im Sommer unverhältnismäßig heiß«.4 Jedoch nur wenige Monate, nachdem die Familie umgezogen war, wurde George Lucas Ende des Jahres 1739 aufgrund seiner militärischen und politischen Ämter nach Antigua zurückberufen. England hatte Spanien den Krieg erklärt, der als »War of Jenkins’ Ear« (1739–1742) in die Geschichte eingehen sollte.
Eine junge Frau bewirtschaftet tausende Hektar Land
Nachdem der Vater abgereist war, übernahm Eliza Lucas die Führung. Als Plantagenbesitzerin sollte sie eine Ausnahmekarriere hinlegen. Mit 16 Jahren. Plötzlich war sie Herrin über drei Plantagen: über die 97 Hektar umfassende Plantage von Wappoo, über 600 Hektar der Garden Hill Plantage, die Teer, Pech und Fleisch produzierte, sowie über 1.200 Hektar der Reisplantage Waccamaw. Ihrer kranken Mutter fehlte die Kraft, sich selbst um die Plantagen zu kümmern.5 Daher managte Eliza Lucas nicht nur die landwirtschaftlichen Großbetriebe, sondern kümmerte sich zudem um ihre fünfjährige Schwester Polly, ihre Mutter sowie um die Cousine Fanny Fayerweather, die anfangs noch bei der Familie lebte.
Ihre Eltern hatten es Eliza überlassen, ihren Wohnsitz zu wählen: entweder direkt in der zentralen Hafenstadt Charles Town, wo George Lucas ebenfalls Häuser besaß, oder auf dem Land. Eliza entschied sich für Wappoo, die am Wappoo Creek gelegene kleinste Plantage der Familie, welche 27 Kilometer über Land und 10 Kilometer auf dem Wasserweg von Charles Town entfernt lag.6 Charles Town hatte mit dem bedeutenden Überseehafen und dem Sklavenmarkt eine Scharnierfunktion im Handel zwischen Europa, Afrika und der Neuen Welt inne. Von hier ließ Eliza Lucas die auf ihren Plantagen produzierten Güter nach Antigua und Europa verschiffen.
Sklavinnen und Sklaven bewirtschaften die Plantagen unter fragwürdigen Bedingungen
Auf Wappoo befehligte die jugendliche Eliza Lucas 20 Sklaven – zwölf Männer und acht Frauen –, kontrollierte die Buchhaltung, handelte mit Waren und steuerte die anderen beiden Plantagen Garden Hill und Waccamaw strategisch aus der Ferne, indem sie den Vorsteher...
| Erscheint lt. Verlag | 12.9.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Schlagworte | Angela Merkel • Angelika Kauffmann • Autorin • Bankerin • Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin • Biografien • Catharina van Hemessen • Christine de Pizan • Christine Englerth • Clara Peeters • Die geheimen Pionierinnen der Wirtschaft • Elizabeth Lucas Pinckney • Entrepreneurship • Erfinderinnen • Feminismus • Frauen • Frauen in Führungspositionen • Frauenrechte • Führungsfrauen • Führungskräfte • Gender • Gesellschaft • Giovanna Garzoni • Glikl bas Judah Leib • händlern • Helene Amalie Krupp • Herzogin Isabella von Portugal • Inspiration • Inspririerende Persönlichkeiten • Isabella Bird • Jana Lucas • Kanzlerin • Karrierestrategien • Karrieretipps für Frauen • Kate Gleason • Krupp • Leaderin • Leaderinnen • Lydia E. Pinkham • Madame Kaulla • Management • Managerinnen • Margaret Hardenbrook Philipse • Martha Jane Coston • Martha Matilda Harper • Mary Parker Follet • Poltik • Rebecca Lukens • Reisen • Sarah Sophia Child Villiers • Sophie von La Roche • Unternehmerinnen • Unternehmernslenkerin • Verena Pausder • Vordenkerin • Vorreiterin • Wirtschaft |
| ISBN-10 | 3-96267-338-5 / 3962673385 |
| ISBN-13 | 978-3-96267-338-3 / 9783962673383 |
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