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Politische Profile (eBook)

Biographische Porträts von Lenin, Luxemburg, Stalin, Kautsky, Plechanow, Radek und vielen anderen
eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
587 Seiten
Manifest Verlag
978-3-7521-4084-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Politische Profile -  Leo Trotzki,  Wolfram Klein
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Bereits als junger Mann entfaltete Leo Trotzki eine rege Tätigkeit als politischer Schriftsteller innerhalb der revolutionären Arbeiterbewegung. Sein Talent, Analysen deutlich darzustellen und Sachverhalte ansprechend und treffend zuzuspitzen, brachte ihm bald den Beinamen »Die Feder« ein. Bis zu seiner Ermordung im Jahr 1940 verfasste er ein literarisches Lebenswerk, das viele Regalmeter füllt. Während der Zeit seiner Verbannung im Zarenreich und der Emigration, aber auch danach, war sein Talent über politische Differenzen hinweg gefragt. So schrieb er nicht nur für die Presse seiner eigenen Organisation, sondern für zahlreiche sozialistische Zeitungen verschiedener Länder. Sehr gefragt waren unter anderem die pointierten Charakterisierungen politischer Persönlichkeiten, ob Freund*in oder Gegner*in. Die »politische Profile«, die er im Laufe der Jahre verfasste, halfen, eine Einschätzung zu bekommen, wen man bekämpfte. Doch genauso schrieb er in zahlreichen Nachrufen, welche Lehren und Errungenschaften Mitstreiter*innen der revolutionären Bewegung hinterließen. Dieses Buch ist viel mehr als eine Sammlung biographischer Texte. Wolfram Klein übersetzte viele von ihnen und verfasste die Einleitung sowie ein ausführliches Glossar mit Verzeichnissen über Personen und Periodika. So entstand ein Werk, das schon fast enzyklopädischen Charakter hat und sowohl zum Lesen, als auch zum Nachschlagen einlädt.

Russischer Revolutionär, nach der Oktoberrevolution Kopf der Roten Armee, bevor er von der Bürokratie unter Stalin vertrieben und in Mexiko ermordet wurde..

Russischer Revolutionär, nach der Oktoberrevolution Kopf der Roten Armee, bevor er von der Bürokratie unter Stalin vertrieben und in Mexiko ermordet wurde..

Victor Adler


[„Kijewskaja Mysl" Nr. 191, 13./26. Juli 1913, eigene Übersetzung nach dem russischen Text in Werke, Band 8, Politische Silhouetten, Moskau-Leningrad 1926 {Сочинения. Том 8. Политические силуэты. Москва-Ленинград, 1926}, S. 7-16]

Österreich gab der Arbeiterbewegung zwei bemerkenswerte und zur gleichen Zeit nach dem Inventar der eigenen Denkweise tief gegensätzliche Persönlichkeiten: Victor Adler und Karl Kautsky. Und das ist kein Zufall. Es ist kein Zufall, dass dieses ungereimte Land, in dem nicht nur das „Handwerk des politischen Propheten", sondern auch die Arbeit der politischen Verallgemeinerung überaus schwierig ist, zwei Sozialisten hervorbrachte, von welchen der eine ohnegleichen in seiner Fähigkeit ist, die empirischen, zeitweiligen und persönlichen Kombinationen der politischen Entwicklungen zu berücksichtigen und zum Ausgangsmoment seiner politischen Handlungen zu machen, während der andere keinen Ebenbürtigen in der Fähigkeit kennt, aus dem empirischen Chaos der Geschichte deren allgemeine, grundlegende Tendenzen auszusondern. Kautsky wird nicht selten des „Dogmatismus", der Vereinfachung der Wirklichkeit beschuldigt, wie Adler der übermäßigen Verehrung ihrer Details; der eine dessen, dass er in manchen Momenten im Wald die Bäume nicht sieht, der andere dessen, dass die Bäume zuweilen den Wald verdecken …

Indem er nach dem deutschen Ausdruck aus der Not eine Tugend machte, konnte Adler aus den unglückseligen österreichischen Bedingungen seinen politischen Vorteil ziehen: er entwickelte seine reiche politische Intuition bis zur Vollkommenheit, erarbeitete sich ein vorzügliches Augenmaß, machte taktische Improvisation zum wichtigsten Pfand des politischen Erfolgs … „Wer A sagt, muss auch B sagen" – bekräftigt die bekannt Formel der Aufeinanderfolge. „Nichts ist in der Politik fehlerhafter als dieser Gedanke" – erwidert Adler. Eine einzige und absolute Taktik, die man theoretisch hätte vorausbestimmen können, ist nicht vorhanden. Politik ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst. Sie lässt die Freiheit der Auswahl zwischen einigen Möglichkeiten, sie verlangt freie Erforschung der Wege, Findigkeit, Geschmeidigkeit, Schaffenskraft.

Um in diesem Österreich, wo sich die Politik so lange im verzauberten Kreis der sich wiederholenden nationalen Konflikte drehte, weit vorwärts schauen zu lernen, war es notwendig, mit einer beinahe physischen Anstrengung des Denkens aus dem eigenen Sichtfeld alles Partielle, Untergeordnete, Zufällige, sich Wiederholende zu entfernen, alles, was die Nahrung für das politische Heute bildet, die Fähigkeit der Abstraktion in beständiger Anspannung zu halten. Auf diesem Wege ging die Entwicklung Kautskys, und es ist wiederum kein Zufall, dass Adler in allen seinen Wurzeln mit Österreich verwachsen war, das er nicht müde wird zu verfluchen, aber der halbe Tscheche, halbe Deutsche Kautsky sich gezwungen erwies, sich von seiner Heimat loszureißen und nach Deutschland mit seinem kräftigen Automatismus der sozialen Entwicklung weiterzuziehen.

Adler betrat in der ersten Hälfte der 80er Jahre aktiv den Weg der Parteipolitik, als die Arbeiterbewegung in den Schraubstock des Ausnahmegesetzes gepresst, im Kampf zweier Fraktionen – der „radikalen" und „gemäßigten" – zerfleischt war. Dieser Kampf spiegelte die Schwierigkeiten der Anpassung der sozial unversöhnlichen Klasse an die politisch-rechtlichen Normen des pseudokonstitutionellen Staats wider. Die eine Fraktion – die „radikale" – verschmähte das „Spiel mit dem Parlamentarismus", den Kampf um Reformen, die Ausnutzung „legaler" Methoden des Zusammenschlusses und Handelns vollkommen. Die Radikalen verwandelten die Klassenunversöhnlichkeit des Proletariats in nackte anarchistische Phrasen über den künftigen „großen Tag" und gerieten in ihrer „Vorbereitungs-"Arbeit in die Verwirrung einer Praxis von Fabrikterror und Expropriationen. Die andere Gruppe widerspiegelte das Bedürfnis der Anpassung der noch schwachen fortschrittlichen Arbeiterschicht an die Bedingungen des damaligen österreichischen Rechts oder der Rechtlosigkeit. Diese waren Legalisten und Reformisten, was auch immer es kosten möge. Ihre grundlegende Linie war ein Opportunismus der Schwäche. Sie strebten, sich an jede „wohlwollende" Kraft anzulehnen: an die Nationaldemokraten wie auch an das „sozialreformerische" Kabinett. Adler riss sich von den deutschen Demokraten los, in deren Reihen er erstmals den politischen Weg betrat, und stellte im Jahre 1886 die legale Zeitung „Gleichheit"1, die erste sozialdemokratische Zeitung auf dem Boden Österreichs, auf die Beine. Trotz der Herrschaft der Ausnahmegesetze, nahm die Zeitung sofort einen Kampfton an. Die „radikalen" Arbeiter verhielt sich zu ihr in der ersten Zeit misstrauisch: sie war legal, auf ihr prangte der Stempel des Teufels. Die Regierung witterte in Adler einen größeren politischen Meister und gefährlichsten Feind und ließ die Zeitung gewähren in dem Wunsch, auf diesem Wege sie und ihren Redakteur in den Augen der Arbeiter abschließend zu kompromittieren. Adler nahm einen noch entschlosseneren Ton an. Die Regierung duldete das mit pfiffiger Miene. Mit jener Findigkeit, welche Adler immer erlaubte, alle Seiten einer Lage einzuschätzen und aus ihr alles herausziehen, was sie geben kann, unternahm er einen auf seine Art beeindruckenden Zweikampf mit der Polizei: von Nummer zu Nummer nahm er in seiner Zeitung einen immer entschlossener Ton an, prüfte bewusst das Ausmaß der Geduld der Wiener Machiavellis und das Ausmaß ihrer Torheit. Indessen war das Eis des Misstrauens der Arbeiter gebrochen. Der Instinkt flüsterte ihnen zu, dass sich in dieser legalen Zeitungshülle ein Teilchen ihrer eigenen Seele verbarg. Die fanatische Feindschaft der Radikalen und Gemäßigten war beseitigt, die Extreme beider Strömungen überwunden, der Boden für eine Vereinigung vorbereitet. An Weihnachten des Jahres 1888 tagte der Parteitag in Hainfeld, der das von Adler ausgearbeitete Programm annahm und abschließend beide Flügel versöhnte. Die vorgeschichtliche Periode der österreichischen Arbeiterbewegung endete, die Geschichte begann. Im Jahre 1889 besann sich schließlich die Regierung und schloss die „Gleichheit". Aber es war bereits spät, – eine Arbeiterzeitung war eine Notwendigkeit geworden. Adler gründet die „Arbeiter-Zeitung", die bis zum heutigen Tag existiert. Diese zwei Zeitungen, merken wir beiläufig an, absorbierten vollständig das sehr beträchtliche persönliche Vermögen Adlers.

Mit dem Ende der 80er Jahre war Adler der anerkannte und unstreitige Führer der österreichischen Sozialdemokratie. Führer ist ein zweideutiges Wort. Führer „führen" nicht nur die Massen hinter sich, sondern gehen auch selbst hinter ihnen. „Seit eh und je“ – sagte Adler auf einem der Parteitage, – „konzentrierte ich meine Aufmerksamkeit nicht nur auf die Gedanken, sondern auch auf die Stimmungen der Massen". Hinter den Massen gehen ist auch ebenso schwer, wie sie zu führen. Letztendlich ist es dasselbe. Man muss nicht nur die Gabe besitzen, die Massen zu belauschen, sondern auch ihre vagen Ansprüche in die Sprache des politischen Bewusstseins und deutlicher Forderungen umsetzen können. Eine tiefe und allseitige Verbindung mit den Massen ist die Hauptkraft Adlers, und diese sittliche Verbindung schätzte er auf seinem ganzen politischen Weg mehr als alles. „Ich wäre eher bereit“, – sagt er, – zusammen mit den Arbeitern einen Fehler zu machen, als gegen sie Recht zu haben".

Ein Führer einer zeitgenössischen europäischen Arbeiterpartei ist der Mittelpunkt eines mächtigen organisatorischen Apparats. Wie jeder Mechanismus ist dieser letztere von alleine träge: er schafft nicht Energie, sondern gibt ihr bloß eine zweckmäßige Anwendung. Und zur gleichen Zeit stellt er nicht selten Behinderungen für sie dar. In allen größeren historischen Aktionen wird die Aktivität der Massen zuallererst die tote Trägheit der sozialdemokratischen Organisation überwinden müssen. So müssen die lebenden Kräfte des Dampfes den Konservatismus der Maschine selbst überwinden, bevor das Schwungrad in Bewegung kommen wird.

Der Apparat bindet die Führer mit den Massen zusammen und trennt sie zur gleichen Zeit von ihnen ab. Er bricht ihre Stimmungen, dämmt ihre Impulse ein und splittert zur gleichen Zeit die leitenden Ideen der Führer auf. In ihm nehmen neben lebendigen Verkörperungen der Energie und des Idealismus der junge Klasse Elemente einen nicht geringen Platz ein, welche auf der einen Seite selbst zu weit von den Massen entfernt sind, als dass sie deren Pulsschlag unmittelbar empfinden, aber auf der anderen eine unzureichend reiche historische Aneignung der Gedanken haben, um die Bewegung in ihrer Gänze zu überblicken. Zu ihm gehören neben wunderschönen Edelmetallklumpen nicht wenige Bürokraten, nicht nur im technischen, sondern auch im intellektuellen Sinne, nicht wenige beschränkte Räsoneure und Zimmer-Besserwisser, die geneigt sind, ihre kleinen Ideen den „Vorurteilen" der historischen Entwicklungen gegenüberzustellen.

In der Kunst des Überwindens der zentrifugalen Tendenzen und des Haltens der verschiedenen Meinungen, Sympathien, Fertigkeiten, Temperamente in lebendige Verbindung kennt Adler niemand sich ebenbürtigen. Er handelt nicht nur unter dem Druck der Massen, sondern auch durch die Kraft der persönlichem Überlegenheit, mit den Mitteln der innerlichen Diplomatie, des psychologischen Einfangens der Menschen. Er setzt nicht nur Weichheit in Gang, sondern auch Härte; er ermahnt nicht nur und erobert mit Charme, sondern tötet auch mit Ironie. Junge österreichische...

Erscheint lt. Verlag 9.4.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Schlagworte Biographie • Oktoberrevolution • Sowjetunion • Sozialismus • Trotzki
ISBN-10 3-7521-4084-4 / 3752140844
ISBN-13 978-3-7521-4084-2 / 9783752140842
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