Himmel über Ostpreußen (eBook)
364 Seiten
beHEARTBEAT (Verlag)
978-3-7325-8772-8 (ISBN)
Schicksalhafte Familiengeschichte vor historischer Kulisse
Ostpreußen, 1848: Unbeschwert wachsen die Cousinen Aglaia und Tanya auf dem prachtvollen Landgut Wallerstein auf: Sie unternehmen lange Ausritte, feiern rauschende Feste und verbringen fröhliche Nachmittage mit Bergen an Kuchen. Doch in Tanyas Vergangenheit gibt es ein dunkles Geheimnis. Es droht sie einzuholen, als ihr Verlobter Selbstmord begeht und sie mit ihrem ungeborenen Kind zurücklässt ...
Diese bewegende Familiengeschichte über drei Generationen ist eingebettet in die wunderschönen Landschaften Ostpreußens und spiegelt wunderbar die Gepflogenheiten, Sprache und regionalen Köstlichkeiten dieses Landstriches Ende des 19. Jahrhunderts wider.
Weitere Ostpreußen-Romane von Maja Schulze-Lackner bei beHEARTBEAT: 'Solang es Träume gibt' und 'Was Liebe vermag'.
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<p>Maja Schulze-Lackner wurde in Berlin geboren. Neben ihrer Tätigkeit als Designerin und Geschäftsfrau schrieb sie für "Bunte", "Die Welt" und "Elle". In ihren beliebten Ostpreußen-Romanen lässt sie die Gepflogenheiten, Sprache und Köstlichkeiten dieser besonderen Region bildhaft wieder auferstehen und schildert bewegte Zeiten vor dem Hintergrund der wunderschönen Landschaften. Maja Schulze-Lackner lebt mit ihrem Mann in München.</p> <p>Mehr über die Autorin auf <a href="http://www.schulze-lackner.de/" target="_blank">www.schulze-lackner.de</a>.</p> <p><br></p> <p><br></p>
Maja Schulze-Lackner wurde in Berlin geboren. Neben ihrer Tätigkeit als Designerin und Geschäftsfrau schrieb sie für "Bunte", "Die Welt" und "Elle". In ihren beliebten Ostpreußen-Romanen lässt sie die Gepflogenheiten, Sprache und Köstlichkeiten dieser besonderen Region bildhaft wieder auferstehen und schildert bewegte Zeiten vor dem Hintergrund der wunderschönen Landschaften. Maja Schulze-Lackner lebt mit ihrem Mann in München.Mehr über die Autorin auf www.schulze-lackner.de.
April 1849
Über Nacht war es Frühling geworden in Ostpreußen. Wilde Winde jagten über das Land und ließen den Schnee schmelzen. Die Störche und Zugvögel kamen bereits in Scharen zurück, und das Land roch nach feuchter Erde. Die Wege waren aufgeweicht, und die Überlandfahrten mit den Kutschen wurden zu einem Abenteuer. Aber das war man gewohnt, und niemand wäre auf die Idee gekommen, wegen solcher Unbill eine Einladung auf einem der Güter oder Schlösser zu verpassen.
Wilhelmine hatte zu einer Ostergesellschaft geladen, und schon in der Woche vor Ostern trafen die ersten Gäste auf Wallerstein ein. Gleichzeitig mit dem Legationsrat Hartmann kam die unvermeidliche Kommerzienrätin Heller mit ihrem pensionierten Ehegespons, einem kleinen dicken Mann, dessen glänzende Halbglatze von einem Kranz grauer Haare gesäumt war. Über seiner rotgeäderten Burgundernase blitzten kleine, in Fett eingebettete Schweinsäuglein, denen so leicht nichts entging. Kurz darauf erschienen Baron und Baronin von Eyersfeld, deren Gut Angerup in direkter Nachbarschaft zu Wallersteins lag, und Graf Dühnkern mit seiner Frau Philine, einer großen, schlanken Person, die obwohl bereits Mitte vierzig, eine jugendliche Ausstrahlung hatte. Trotz ihres herben Aussehens aber war sie eine lustige und sehr unterhaltsame Person. Die gräfliche Familie Kaulitz vervollständigte die österliche Gästeliste. Wilhelmine hatte strengste Anweisung gegeben, bei Fragen nach Tanyas Abwesenheit deren Aufenthalt in einem Sanatorium anzugeben.
»Ach Gott, das arme Kind«, sagte sie einmal mit trauriger Miene. »Sie war ja nur noch Haut und Knochen. Der Tod von Egbert hat sie furchtbar mitgenommen.« Und ein andermal: »Dr. Grüben hat eine starke Anämie diagnostiziert. Sie musste unbedingt in ärztliche Pflege, deshalb habe ich sie sofort in ein Sanatorium gebracht.« Dann tupfte sie sich die Augen mit ihrem Spitzentaschentuch, als wäre sie aus Sorge um Tanya den Tränen nah.
Elvira schüttelte bei diesen Reden nur den Kopf, und einmal konnte sie sich nicht verkneifen, ihrer Freundin ins Ohr zu zischen: »Hör auf mit dem Theater, Wilhelmine. Jeder hier weiß doch, wie du zu Tanya stehst.«
Auch Aglaia konnte kaum glauben, was sie da hörte. Hatte ihre Mutter den Verstand verloren? Warum redete sie so? Sie begann plötzlich, ihre Mutter in einem anderen Licht zu sehen. Und was sie da sah, tat ihr weh. Sehnlichst wartete sie auf die Rückkehr ihres Vaters. Der liebte Tanya wirklich, das wusste sie. Er würde mit Sicherheit wissen, was man für sie tun könnte. Wann kam er denn bloß? Er sollte eigentlich schon längst da sein.
Es war Karfreitag. Die Gesellschaft saß beim zweiten Frühstück. Der Tisch bog sich unter Platten mit Schinken, Leberwürsten, Pasteten und Geselchtem und natürlich Schüsseln voll mit weich gekochten Eiern. Es roch nach frisch gebackenem Brot, und der Geruch von Kaffee und auch ein Hauch von Korn wehten durch die Luft. Wie immer herrschte eine heitere Stimmung. Die Damen hatten gerade beschlossen, nach dem Kirchgang einen Spaziergang im Park zu machen, wogegen die Herren erst ein Stündchen ruhen wollten, um dann eine Partie Whist zu spielen, als Kurt meldete: »Graf von Wallerstein ist soeben eingetroffen.«
Mit lauten Rufen: »Na, da bist du ja endlich, alter Lorbass« – »Was hat dich denn so lange in Berlin gehalten?« – »Wie war deine Reise?« wurde Horst empfangen.
»Nun lasst mich zuerst mal die Damen begrüßen«, lachte er, »und dann etwas essen. Ich habe einen Mordshunger.« Plötzlich sagte er: »Ich vermisse Tanya. Ist sie krank?«
Die angeregte Unterhaltung erstarb. »Ich habe sie in ein Sanatorium gebracht«, sagte Wilhelmine in die Stille. »Du wirst dich erinnern, dass du Dr. Grüben hergebeten hast, um sie zu untersuchen, und er hat eine schwere Anämie festgestellt.«
»Nun, hätte man die nicht auch hier auskurieren können, und warum hast du mich davon nicht unterrichtet?« Auf seiner Stirn schwoll wieder eine Ader an. Er holte tief Luft. Dann sagte er: »Wir reden später darüber. Jetzt muss ich etwas essen. Seit Tagen träume ich von Helmas Osterpastete und unseren frischen Eiern.« Die Unterhaltung kam zunächst nur zögerlich wieder in Gang, doch nach ein paar Minuten war die angespannte Stimmung verflogen wie ein böser Spuk.
Als Wilhelmine die Tafel aufhob, sagte Horst: »Wilhelmine, auf ein Wort. Ich erwarte dich in der Bibliothek.«
Elvira sagte zur Ursula von Eyersfeld: »In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Horst kocht ja regelrecht vor Wut.«
Die schüttelte den Kopf. »Ich begreife Wilhelmine aber auch wirklich nicht. Wegen einer Anämie muss man doch nicht gleich in ein Sanatorium.«
»Ach, was geht uns das an«, lenkte Elvira schnell wieder von dem heiklen Thema ab, »komm, ich brauche dringend etwas frische Luft.«
»Also, was soll die Geschichte mit dem Sanatorium?« Mit einem vollen Cognacglas in der Hand ging Horst erregt in der Bibliothek auf und ab. »Was ist nun wirklich passiert?«
Wilhelmine ließ sich schwer atmend in einen Sessel fallen. »Ich habe eine reizende Überraschung für dich. Deine geliebte Tanya ist schwanger. Inzwischen muss sie im fünften Monat sein, wie Dr. Grüben mir glaubwürdig versichert hat.«
Entsetzt starrte ihr Mann sie an. »Wie ist das denn möglich? Ich meine, wann kann das denn passiert sein? Mein Gott, das ist ja schrecklich!« Er wandte seiner Frau den Rücken zu und blickte aus dem Fenster. Für einen Moment schien er wie gelähmt.
»Ich habe dir immer gesagt, dass sich so etwas vererbt«, lachte Wilhelmine böse. »Aber du wolltest mir ja nicht glauben.«
»Rede nicht so einen hanebüchenen Unsinn!«, schrie er. »Vielleicht erinnerst du dich daran, dass Aglaia auch etwas zu früh auf die Welt gekommen ist!« Wilhelmine schoss das Blut ins Gesicht. Ohne darauf zu achten, fuhr er fort: »Tanya war heimlich verlobt – ach, es ist müßig, darüber zu reden.« Er hatte sich wieder in der Gewalt. »Wo hast du sie hingebracht? Sag mir die Wahrheit!«
»Sie ist bis nach der Geburt in einem Kloster in Hinterpommern. Du weißt, meine Cousine Christine von Lerchenfeld ist dort Äbtissin. Gott sei Dank hat sie sie sofort aufgenommen.«
»Ich werde gleich nach Ostern zu ihr fahren und sie besuchen.« Seine Hand zitterte, als er sich einen Cognac nachschenkte.
»Man wird dich nicht vorlassen.« Wilhelmine begann wieder heftig zu schwitzen. »Außer Priestern haben Männer keinen Zutritt zum Kloster, und Christine wünscht ohnehin weder Besucher noch Post.«
»Das hast du ja fein eingefädelt«, sagte er kalt. »Endlich hast du deine Rache, nach der du seit siebzehn Jahren dürstest.«
Wilhelmine erhob sich. »Ich habe sie nicht geschwängert, vergiss das bitte nicht. Und nun entschuldige mich. Die Damen erwarten mich in der Halle zu unserem Spaziergang.« Kurz darauf gab der Graf Kurt die Anweisung, ihm ein Schlafzimmer im Seitenflügel des Schlosses einzurichten.
Am nächsten Morgen, im Schloss herrschte noch völlige Ruhe, saßen Kurt, die Zofe Gerda und die Mamsell gemeinsam beim Frühstück. In der Gesindestube nebenan hörte man die Stimmen der Lakaien, Stuben- und Küchenmädchen. Niemals hätten die drei sich mit dem restlichen Personal an einen Tisch gesetzt. Auch bei den Bediensteten herrschte eine strenge Hierarchie. Kurt war noch in Hemdsärmeln, die gestreifte Weste seiner Tagesuniform hing über der Stuhllehne. »Noch nie nich hab ich unsern Gjnädijen so boossig erlebt«, sagte er. »Wo ich doch man fast dreißig Jahre hier im Schloss gjedient hab. Ich war dabei, wie er Hochzeit gjehalten hat mit der Gjnädijen … Ach, und wat is nu daraus gjeworden?« Betrübt schüttelte er den Kopf. »Schlafen tut er nu alleinich im Seitenflüjel. ›Für immer, Kurt‹ hat er mir angjetragen.«
»Jaja, wenn ich mir man so recht erinnern tu, hat dat gjanze Elend schon angjefangen, als dat Baronesschen ins Schloss kam«, sagte die Mamsell.
»Und nu isse weg«, meinte Gerda versonnen, »und allet is man noch viel schlimmer. Ich sag man bloßig, seit die Gjnädije im Wechsel und das Baronesschen immer hübscher gjeworden is, hat se ihr schon so verändert, immer boossiger und gnosiger wurde se.«
»Na und wie se sich ehrpusselig hat verlautbaren lassen bei den Gjästen, von wegen wie dat arme Baronesschen ihr am Herzen liegen tut …« Kurt schüttelte ungläubig den Kopf, »im Sanatorium wär sie wejen ’ner Anomie …«
»Was is dat denn nu eijentlich?«, fragte Gerda. »Soll dat schwanger auf gjebildet heißen?« Das Wort hatte sie noch nie gehört. Aber dass Tanya schwanger war, wusste natürlich jeder im Schloss.
»So wat wie Blutarmut is dat«, erklärte Kurt und knöpfte sorgfältig seine Weste zu. »Jedenfalls hat der Dr. Gjrüben dat so verlautbaren lassen.« Er nahm noch einen Schluck von seiner Milch, dann erhob er sich. »Na ja, von uns kann sich ja nu keiner nich beschweren. Wir alle wissen, wat wir an Wallerstein haben. Im Gjrunde jeht et uns nu man nüscht nix an, wat die Herrschaften so mit sich zu tun habn.« Er öffnete die Tür zum Gesinderaum. »Nu man los, Leute«, rief er, »an die Arbeit, los los!« Das Schloss erwachte langsam zum Leben.
Die folgenden Wochen vergingen wie im Flug. Aglaia kam kaum zum Denken. Das Brautkleid verlangte mehrere Anproben bei der Schneiderin in Königsberg, die Frisur mit dem Myrtenkranz und dem daran befestigten Schleier musste probiert, das Placement für das Hochzeitsessen besprochen werden und und und …
Das Menü hatte Wilhelmine schon mit Helma festgelegt. Als Aglaia Einwände machte,...
| Erscheint lt. Verlag | 28.1.2020 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Schicksalsromane aus Ostpreußen |
| Schicksalsromane aus Ostpreußen | |
| Schicksalsromane aus Ostpreußen | Schicksalsromane aus Ostpreußen |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Bernstein • Bernsteintränen • Die Sterne über Falkensee • ehemaliges Deutschland • Erinnerungen • Familiengeschichte • Familiensaga • früher • Gräfin Dönhoff • Gute alte Zeit • Jokehnen • Kindheit • Kindheit in Ostpreußen • Königsberg • Leben damals • Leben früher • Luisa von Kamecke • Mücke • Nora Berger • Nora Elias • Nostalgie • Ostpreussen • Ostpreußen • Ostpreußen Roman • Ostpreußen Saga • Petra Reski • Saga • Ulrike Renk • Und Wunder gibt es doch • Vertrieben • Weites Land • Westpreußen • Wilde Rosen • Wilde Rosen, weites Land |
| ISBN-10 | 3-7325-8772-X / 373258772X |
| ISBN-13 | 978-3-7325-8772-8 / 9783732587728 |
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