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Beifang (eBook)

Eine Kindheit wie ein Roman
eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
384 Seiten
Berlin Verlag
978-3-8270-7959-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Beifang -  Lisa Brennan-Jobs
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»Achtundzwanzig Prozent der männlichen Bevölkerung der USA könnten der Vater sein.«  Das sagte Steve Jobs dem Time Magazine über seine Tochter Lisa. Für die Öffentlichkeit war er da schon ein Halbgott.  Was bedeutet es, einen Vater zu haben, der lange nichts von einem wissen wollte? Behutsam nähert Lisa Brennan-Job sich dieser für sie brennenden Frage und versucht mit ihren Kindheitserinnerungen Antworten zu finden. Aber, anders als von vielen erhofft, ist es keine gehässige Abrechnung mit dem Apple-Guru geworden, sondern ein kluges und berührendes Buch über die Liebe zwischen Eltern und Kindern - allen Widrigkeiten zum Trotz. Lisa war das Ergebnis einer schon im Ansatz gescheiterten Liebe. Als die Studentin Chrisann Brennan schwanger wurde, hatte Steve Jobs hatte gerade das College geschmissen und schraubte in der berühmten Garage im Silicon Valley komische Kästen zusammen. Chrisann wollte Künstlerin werden und verließ den 'Nerd' Steve. Diese Kränkung sollte er ihr - und auch Lisa - lange nicht verzeihen. Der Apple-Gründer bestritt die Vaterschaft, nannte aber gleichzeitig wohl einen seiner Computer nach ihr. Und das kleine Mädchen erlebte eine Kindheit der Extreme: Da war einerseits ihre Hippie-Mutter, die nicht einmal genug Geld für ein Sofa hatte, und andrerseits eben einer der reichsten und berühmtesten Männer der Welt ... Herzzerreißend und komisch - eine Kindheit, die man so nie erfinden könnte. »Ein zauberhaftes, berührend intimes Porträt, eine Geschichte aus der Sicht einer Tochter, deren Vater mit seinen eigenen Wurzeln zu kämpfen hatte - und der doch beinahe zu dem Vater wurde, den sie sich gewünscht hätte.« -Susan Cheever  

Lisa Nicole Brennan-Jobs ist eine amerikanische Autorin. Sie ist die Tochter von Apple-Gründer Steve Jobs und der Künstlerin Chrisann Brennan. Nachdem Jobs mehrere Jahre die Vaterschaft an Lisa auch gerichtlich bestritt, kam es später zur Versöhnung, und Lisa lebte einen Teil ihrer Teenagerjahre bei ihm und ihren Stiefgeschwistern.

Lisa Nicole Brennan-Jobs ist eine amerikanische Autorin. Sie ist die Tochter von Apple-Gründer Steve Jobs und der Künstlerin Chrisann Brennan. Nachdem Jobs mehrere Jahre die Vaterschaft an Lisa auch gerichtlich bestritt, kam es später zur Versöhnung, und Lisa lebte einen Teil ihrer Teenagerjahre bei ihm und ihren Stiefgeschwistern.

 

HIPPIES


Als ich sieben wurde, waren meine Mutter und ich schon dreizehnmal umgezogen.

Mal wohnten wir im möblierten Schlafzimmer einer Freundin, mal vorübergehend bei irgendwem zur Untermiete, immer inoffiziell. Die letzte Wohnsituation war ungeeignet geworden, als jemand ohne Vorwarnung den Kühlschrank verkauft hatte. Am nächsten Tag rief meine Mutter meinen Vater an, bat um mehr Geld, und er erhöhte die Unterhaltszahlungen um zweihundert Dollar pro Monat. Wir zogen erneut um, ins Erdgeschoss eines kleinen Gebäudes hinter einem Haus in der Channing Avenue in Palo Alto – es war das erste Mal, dass im Mietvertrag der Name meiner Mutter stand. Diese neue Wohnung war nur für uns.

Das vordere Haus war ein dunkelbraunes Craftsman mit staubbedecktem Efeu, wo Rasen hätte sein können, und zwei Buscheichen, die so krumm waren, dass ihre Zweige beinahe den Boden berührten. Zwischen den Bäumen und dem Efeu hingen Spinnennetze voller Pollen, die in der Sonne weiß leuchteten. Von der Straße aus war nicht zu sehen, dass sich hinter dem Haus ein Apartmentkomplex befand.

Vorher hatten wir in umliegenden Ortschaften gewohnt – Menlo Park, Los Altos, Portola Valley –, aber Palo Alto ist der Ort, den wir unser Zuhause nennen sollten.

Hier war der Boden schwarz, feucht und wohlriechend; unter den Steinen fand ich kleine rote Käfer, rosa- und aschefarbene Würmer, dünne Tausendfüßler und schieferfarbene Asseln, die sich zu gepanzerten Kugeln einrollten, wenn ich sie störte. Die Luft roch nach Eukalyptus und sonnenwarmer Erde, nach Feuchtigkeit und gemähtem Gras. Eisenbahngleise teilen die Stadt in zwei Hälften; nicht weit von ihnen liegt die Stanford University mit ihrem großen Rasenoval und der goldgeränderten Kapelle am Ende einer von Palmen gesäumten Straße.

Am Tag unseres Einzugs parkte meine Mutter den Wagen vor dem Haus, und wir trugen unsere Sachen hinein: Küchenutensilien, einen Futon, einen Schreibtisch, einen Schaukelstuhl, Lampen, Bücher. »Deshalb kriegen Nomaden nie was zustande«, sagte sie, als sie eine Kiste über die Schwelle schleppte. Ihre Haare waren zerzaust, ihre Hände mit weißer Grundierungsfarbe gesprenkelt. »Sie bleiben nicht lange genug an einem Ort, um irgendetwas Dauerhaftes aufzubauen.«

Das Wohnzimmer hatte Glasschiebetüren, durch die man auf eine kleine Terrasse trat. Hinter der Terrasse waren ein Stück Rasen aus trockenem Gras und Disteln, eine weitere Buscheiche und ein Feigenbaum – beide spindeldürr – sowie eine Reihe Bambus, den man, wie meine Mutter sagte, schwer wieder loswurde, wenn er erst einmal Wurzeln geschlagen hatte.

Als wir mit dem Ausladen fertig waren, stand sie mit den Händen in den Hüften da, und gemeinsam blickten wir uns im Zimmer um: Mit all unseren Habseligkeiten darin sah es immer noch leer aus.

Am nächsten Tag rief sie meinen Vater in seinem Büro an und bat ihn um Hilfe.

»Elaine kommt mit dem Transporter – wir fahren zum Haus deines Vaters und holen ein Sofa ab«, sagte meine Mutter ein paar Tage später. Mein Vater wohnte in Monte Sereno, einem Vorort von Saratoga, etwa eine halbe Stunde von uns entfernt. Ich war noch nie in seinem Haus gewesen und hatte auch noch nie von dem Ort gehört, wo er wohnte – ich war ihm erst ein paarmal begegnet.

Meine Mutter sagte, mein Vater habe ihr dieses Sofa angeboten, als sie ihn angerufen habe. Aber wenn wir es uns nicht bald holten, würde er es wegwerfen oder das Angebot zurückziehen, das sei ihr klar. Und wer wusste, wann wir das nächste Mal Zugriff auf Elaines Transporter hätten.

Ich ging in dieselbe Klasse wie Elaines Zwillinge, ein Junge und ein Mädchen. Elaine war älter als meine Mutter und hatte welliges schwarzes Haar mit losen Strähnen, die bei gewissem Licht einen Heiligenschein um ihren Kopf herum schufen. Meine Mutter war jung, sensibel und schillernd, ohne Ehemann, Haus und Familie, die Vorzüge über die Elaine verfügte. Dafür hatte sie mich, und ich hatte zwei Aufgaben: erstens, sie zu beschützen, damit sie mich beschützen konnte; zweitens, sie zu formen und aufzurauen, damit sie mit der Welt zurechtkam, so wie man eine Oberfläche mit Sandpapier bearbeitet, damit die Farbe hält.

»Links oder rechts?«, fragte Elaine andauernd. Sie war in Eile, weil sie einen Arzttermin hatte. Meine Mutter ist Legasthenikerin, behauptete aber, das sei nicht der Grund, warum sie Landkarten scheue. Vielmehr trage sie die Karten in sich selbst und könne den Weg zu jedem Ort finden, wo sie je gewesen sei, selbst wenn ein paar Umwege nötig seien, bis sie sich orientiert habe. Aber wir verirrten uns oft.

»Links«, sagte sie. »Nein, rechts. Warte. Doch links.«

Elaine war leicht gereizt, aber meine Mutter entschuldigte sich nicht. Sie benahm sich, als wäre man auf Augenhöhe mit denen, die einen retten.

Die Sonne zeichnete mir Spitze auf die Beine. Die Luft war feucht und dick und kitzelte mich mit dem Geruch nach Gewürzlorbeer und Erde in der Nase.

Die Hügel in den Städten rund um Palo Alto waren durch Verschiebungen unter der Erde entstanden, dadurch, dass Platten sich aneinander rieben. »Wir müssen in der Nähe des Grabenbruchs sein«, sagte meine Mutter. »Wenn es jetzt ein Erdbeben gäbe, würden wir verschluckt werden.«

Wir fanden die richtige Straße und dann die baumbestandene Auffahrt mit einem Rasen am Ende – einem Kreis aus leuchtendem Gras, dessen dünne Halme aussahen, als würden sie sich weich unter meinen Füßen anfühlen. Das Haus war zwei Stockwerke hoch und hatte ein Giebeldach, dunkle Schindeln auf weißem Gipsverputz. Lange Fenster verbogen das Licht. So sahen die Häuser aus, die ich auf leere Seiten zeichnete.

Wir klingelten und warteten, aber niemand kam. Meine Mutter versuchte, die Tür zu öffnen.

»Abgeschlossen«, sagte sie. »Mist. Ich wette, er lässt sich nicht blicken.«

Sie ging ums Haus herum, prüfte die Fenster, die Hintertür. »Abgeschlossen!«, rief sie immer wieder. Ich war mir nicht so sicher, ob es wirklich sein Haus war.

Sie kam wieder nach vorne und sah zu den Schiebefenstern hinauf, zu hoch für sie. »Ich versuch’s mal mit denen«, sagte sie. Sie stieg auf einen Sprinklerkopf, dann auf ein Regenrohr, bekam die Kante eines Fenstersimses zu fassen und drückte sich flach an die Wand. Sie fand neue Tritte und Griffe, blickte hinauf, zog sich höher.

Elaine und ich sahen zu. Ich hatte panische Angst, dass sie abstürzen würde.

Mein Vater sollte eigentlich an die Tür kommen und uns hereinbitten. Vielleicht würde er uns noch weitere Möbel zeigen, die er nicht brauchte, und uns einladen wiederzukommen.

Stattdessen kletterte meine Mutter wie ein Dieb am Haus hoch.

»Lass uns lieber wegfahren«, rief ich. »Ich glaube, wir dürfen nicht hier sein.«

»Ich hoffe, es gibt keine Alarmanlage«, sagte sie.

Sie erreichte das Sims. Ich hielt die Luft an, wartete darauf, dass eine Sirene losheulen würde, doch der Tag blieb so still wie zuvor. Sie entriegelte das Fenster, das sich scharrend hoch- und aufschieben ließ, verschwand, Bein für Bein, drinnen und trat ein paar Sekunden später aus der Haustür in den Sonnenschein.

»Wir sind drinnen!«, sagte sie. Ich schaute durch die Tür: Holzböden, die das Licht reflektierten, hohe Zimmerdecken. Kühle, leere Räume. Ich verband ihn an dem Tag – und später – mit Lichtlachen, die durch große Fenster fielen, Schatten in der Tiefe von Räumen, den muffigen, süßen Gerüchen von Schimmel und Weihrauch.

Meine Mutter und Elaine trugen das Sofa, manövrierten es durch die Tür und die Treppe hinunter. »Es wiegt nicht viel«, sagte meine Mutter und bat mich, aus dem Weg zu gehen. Ein dickes geflochtenes Bastgestell mit Polstern aus grob gewebtem Leinen. Die Kissen waren cremefarben und mit leuchtenden Chintzblumen in Rot, Orange und Blau gesprenkelt, und jahrelang zupfte ich an den Rändern der Blütenblätter und versuchte, mit den Fingernägeln unter ihre gemalten Spitzen zu gelangen.

Elaine und meine Mutter bewegten sich schnell und ernst, so als wären sie wütend; meiner Mutter fiel eine Haarlocke aus dem Reif. Nachdem sie es hinten in den Transporter geschoben hatten, gingen sie wieder hinein und holten noch einen Sessel und einen Schemel heraus, beides passend zum Sofa.

»Okay, fahren wir«, sagte meine Mutter.

Hinten war der Wagen voll, also saß ich vorne auf ihrem Schoß.

Meine Mutter und Elaine waren aufgedreht. Sie hatten ihre Möbel, und Elaine würde nicht zu spät zu ihrem Termin kommen. Das war der Grund für meine Wachsamkeit und Besorgnis: Ich wollte, dass meine Mutter fröhlich und zufrieden war.

Elaine bog aus der Einfahrt auf eine zweispurige Straße ein. Einen Augenblick später fegten zwei Polizeiwagen aus der entgegengesetzten Richtung an uns vorbei.

»Vielleicht sind sie hinter uns her!«, sagte Elaine.

»Vielleicht müssen wir ins Gefängnis!«, sagte meine Mutter lachend.

Ich verstand ihren übermütigen Ton nicht. Wenn wir ins Gefängnis kämen, wären wir getrennt. Soweit ich wusste, wurden Kinder und Erwachsene nicht in denselben Zellen untergebracht.

Am nächsten Tag rief mein Vater an. »He, seid ihr bei mir eingebrochen und habt das Sofa mitgenommen?«, fragte er. Er lachte. Er habe einen stillen Alarm. Der sei auf der örtlichen Polizeiwache losgegangen, und daraufhin seien vier Polizeiwagen zum Haus gerast und hätten uns knapp verpasst.

»Ja, sind wir«, sagte sie, etwas Prahlerisches in der Stimme.

Jahrelang verfolgte mich die Idee eines stillen Alarms und wie...

Erscheint lt. Verlag 4.9.2018
Übersetzer Bettina Abarbanell
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Apple • Computer • Hippie-Eltern • Silicon Valley • Steve Jobs • Tochter • Vaterschaft
ISBN-10 3-8270-7959-4 / 3827079594
ISBN-13 978-3-8270-7959-6 / 9783827079596
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