Die Schauspieler/Mütter/Wezel/ Berlin - ein Meer des Friedens (eBook)
224 Seiten
Suhrkamp (Verlag)
978-3-518-74152-8 (ISBN)
<p>Einar Schleef wurde am 17. Januar 1944 in Sangerhausen geboren und starb am 21. Juli 2001 in Berlin. Er ist heute hauptsächlich als Dramatiker und Regisseur bekannt, arbeitete aber auch als Bühnenbildner, Maler und Schauspieler. Zu seinen zentralen Werken zählen der Roman <em>Gertrud</em> und das Theaterstück <em>Nietzsche Trilogie</em>. Er wurde mit seinen Stücken mehrfach zum Theatertreffen eingeladen und erhielt neben zahlreichen anderen Preisen auch den Mülheimer Dramatikerpreis 1995.</p>
Personen
Schauspieler 1
Schauspieler 2
Schauspieler 3
Schauspielerin 1
Schauspielerin 2
Mann 1
Mann 2
Mann 3
Mann 4
Frau
Hausvater
Ort und Zeit
Ein Asyl. Nacht
Der Hausvater geleitet die Schauspieler herein. Der Mann 1 kommt ihnen entgegen. Die Männer 2 und 3 schlafen, weiter hinten liegt die Frau, sie weint. Der Mann 4 hat sich verkrochen, ab und zu hört man ihn stöhnen. Die Schauspieler tragen einen großen Eßkorb.
MANN 1 Kommen Sie rein. Hier bitte. Vorsicht die Stufe.
SCHAUSPIELER 1 Wir kommen Ihnen ungelegen. Hat man uns nicht angemeldet.
MANN 1 zu Mann 2 Wach auf, dreh dich rum, du liegst im Weg.
SCHAUSPIELER 1 Machen Sie sich keine Umstände. Wenn wir ungelegen kommen.
MANN 1 Es war vorhin etwas wild hier. Die Polizei hat aber nichts gefunden.
SCHAUSPIELER 1 Das kann ich mir auch denken.
SCHAUSPIELER 2 Darf ich das hier abstellen.
SCHAUSPIELERIN 1 Ich habe Ihnen einige Blumen mitgebracht. Zur Frau Ist etwas passiert. Sind Sie krank.
MANN 1 Wo sollen wir eine Vase hernehmen. Die gibt es hier nicht. Mann 2 reicht eine leere Flasche.
SCHAUSPIELERIN 2 Das ist nicht nötig. Danke. Es sind trockene Blumen, wir haben sie heute früh auf dem Weg ins Theater auf dem Markt gekauft. Gefallen sie Ihnen.
MANN 1 zu Mann 3 Ja schon. Aufwachen. Mach Platz. Die haben alles umgestülpt und sind raus. Hier können sie ja nichts finden.
SCHAUSPIELER 3 Man belästigt Sie also. Das finde ich unerhört.
SCHAUSPIELER 2 zu Schauspielerin 2 Sie haben sich den Mantel schmutzig gemacht Kollegin.
MANN 1 zu Schauspieler 3 Das war ein kleiner Zwischenfall, weiter nichts.
SCHAUSPIELER 1 Wir wollten uns bedanken.
MANN 1 Was
SCHAUSPIELER 1 Wir bewundern alle Ihre Schrift, eine so ausgesprochen schöne Schrift.
SCHAUSPIELERIN 2 zur Frau Beruhigen Sie sich.
SCHAUSPIELERIN 1 Ich hebe jedes Textbuch auf. Sie können sich gar nicht vorstellen, was ein handgeschriebener Text heute bedeutet. Wenn wir Ihnen eine kleine Freude machen dürfen.
MANN 1 zu Mann 2 Bitte. Such wenigstens deine Fetzen zusammen. Rumschmeißen. Wenn keine Ordnung ist. Man macht mich hier für alles verantwortlich.
SCHAUSPIELER 1 Aber bezahlen müssen wir doch.
MANN 1 Das ist schon passiert. Eine Quittung darf ich Ihnen nicht ausstellen. Sonst verlieren wir hier das letzte bißchen Kredit.
SCHAUSPIELER 2 Das kann ich mir denken.
SCHAUSPIELER 3 Wohnen Sie hier immer.
MANN 2 Guten Abend, ich war nicht vorbereitet, darf ich mich vorstellen.
MANN 1 Steh nicht rum, wisch den Damen ihre Plätze sauber. Wie oft habe ich dir das gesagt. Entschuldigen Sie bitte, aber wir sind keinen Besuch gewohnt.
MANN 2 Früher
MANN 1 Halt die Schnauze.
SCHAUSPIELER 1 Sollen wir ein andermal wiederkommen. Man hat Ihnen doch Bescheid gesagt.
MANN 2 Natürlich und selbstverständlich wurde bezahlt. Ich habe die Textseiten numeriert, ich muß die niedrigen Arbeiten machen.
SCHAUSPIELERIN 1 Wo sollen die Blumen hin. Zuhause stecke ich sie einfach hinter den Spiegel, da sehe ich sie jeden Morgen und freue mich daran. Auch mein Mann. Vielleicht hier. Oder da drüben. Was hat die Frau.
MANN 2 Flennen, den ganzen Tag flennen. Du heulst dir noch die Augen aus.
SCHAUSPIELER 3 Dürfen Sie hier gemeinsam wohnen.
MANN 2 Wenn man verheiratet ist, aber die hat keinen Mann mehr, jedenfalls jetzt.
MANN 1 Sei nicht gehässig. Setzen Sie sich.
DIE SCHAUSPIELER Danke. Keine Umstände. Sehr bequem.
SCHAUSPIELERIN 2 Sie haben es eigentlich sehr gemütlich, wenn man zusammenwohnt. Als Kind war ich bei einer Bauernfamilie, ich führte jeden Morgen die Kühe aus. Und die frische Milch. An die Stadt konnte ich mich nur schwer gewöhnen.
MANN 3 Mir ging es ebenso. Ich habe mich noch nicht vorgestellt. Gestatten Sie.
MANN 1 Ist das so wichtig. Hier heißt jeder anders. Aber das interessiert nicht. Wasch dir die Hände, geh raus und wasch dir die Hände. Läuft hier rum und verpestet die Luft. Bitte entschuldigen Sie, aber wenn man auf die Tonne angewiesen ist. Mann 3 ab.
SCHAUSPIELER 3 Der Hausvater hat uns gesagt, daß die sanitären Anlagen verbessert werden.
MANN 1 Stimmt. Nächstes Jahr, in 5 Jahren, er weiß es selber nicht und redet sich so raus.
MANN 2 Die Zustände sind katastrophal, überzeugen Sie sich.
SCHAUSPIELER 1 Warum wir eigentlich gekommen sind.
MANN 3 herein Meine Hände sind sauber. Die Handtücher sind naß.
SCHAUSPIELERIN 1 Darf ich Ihnen meine Serviette anbieten.
MANN 1 Behalten Sie die für nachher. Wer weiß, wann er sich wieder die Hände waschen will.
SCHAUSPIELER 2 Darf ich auspacken. Wir haben Ihnen etwas mitgebracht. Wenn man einen Tee machen könnte.
MANN 1 zu Mann 3 Mach Tee. Aber spül die Kanne vorher gründlich aus, laß dir beim Hausvater warmes Wasser geben.
SCHAUSPIELERIN 2 Ich habe unsere Kanne aus dem Theater mitgebracht, die Kollegin und ich haben eine gemeinsame Garderobe.
MANN 3 Da trinken Sie Tee.
SCHAUSPIELERIN 1 Ist das unanständig.
MANN 1 Mitnichten. Bloß.
SCHAUSPIELER 2 Wenn ich Sie vorhin richtig verstanden habe, sind Sie jetzt unterbelegt.
MANN 2 Wir kriegen hier einmal Kaffee, dünnen Kaffee am Morgen und den ganzen Tag müssen wir uns behelfen. Man hat uns hochundheilig versprochen.
FRAU Könnt ihr nicht ruhig sein.
MANN 2 Steh endlich auf. Den ganzen Tag pennen. Ist doch klar, daß du die Nacht kein Auge zukriegst.
FRAU versucht zu schlafen Fresse
SCHAUSPIELER 2 Es gibt Schnaps.
MANN 1 Sie werden gleich sehen, da werden Tote lebendig. Willst du nicht aufstehen.
MANN 3 Laßt die in Ruhe, die hat für heute genug.
MANN 2 Wer nicht will der hat wer nicht ißt ist satt.
FRAU Das mußt du mir nicht dreimal sagen, guck lieber dich an. Meine Herrschaften, wenn Sie etwas für mich übriglassen, wäre ich Ihnen sehr dankbar, ich habe Temperatur und fühle mich schwach, hier sollte geheizt werden, aber es ist anscheinend nicht möglich.
SCHAUSPIELER 2 Danke, das verstehe ich sehr gut, und meine Kollegen sind ganz meiner Meinung.
SCHAUSPIELERIN 2 Darf ich Ihnen mein Tuch anbieten. Etwas Pastete ist auch dabei. Wissen Sie, was ich mir für eine Mühe mit den Spargelröllchen gegeben habe, sicher sind sie durchgeweicht, ich konnte den Schinken erst in der letzten Minute erstehen. Wenn man den ganzen Tag Probe hat und keine Hilfsperson, ich muß mich entschuldigen, aber unter diesen Umständen werden sie Ihnen hoffentlich doch schmecken. Sie deckt die Frau zu.
SCHAUSPIELER 1 Das Messer bitte. Er verteilt Brot, man beginnt zu essen.
MANN 1 Wir Kinder schrien: Piep piep guten Appetit.
ALLE Piep piep guten Appetit.
SCHAUSPIELER 3 Mutter betet.
MANN 3 Ich erinnere mich, daß wir in der Kellnerschule den Gästen ausdrücklich erst nach dem Gebet auflegen durften.
SCHAUSPIELER 2 Sie haben eine Schule besucht. Erzählen Sie das bitte.
MANN 2 zur Schauspielerin 2 Es riecht köstlich. Wo haben Sie den gekauft. Ich ahne es, verraten Sie es nicht. Ich habe ein Geheimnis mit dieser Dame.
SCHAUSPIELER 2 Ist er nicht etwas zäh.
MANN 3 Heute verwendet man überall Farbe. Müßte das nicht verboten werden.
SCHAUSPIELER 1 Es gibt gesetzliche Regelungen, aber weiter sind wir eben noch nicht. Sie bietet zu essen an.
MANN 3 Fühlen Sie sich wohl bei uns.
SCHAUSPIELER 3 Mir schmeckt es.
SCHAUSPIELERIN 1 Ist das Teewasser vergessen worden.
MANN 1 Suffkopp. Wir warten. Hast du beim Hausvater heißes Wasser bestellt, friß jetzt nicht, kochendes Wasser. Mach schon. Er tritt den Mann 3.
SCHAUSPIELERIN 2 zu Mann 3 Darf ich Sie begleiten. Ich bin noch nicht hungrig. Die Aufregung des heutigen Tages. Wir haben das...
| Erscheint lt. Verlag | 11.5.2015 |
|---|---|
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Dramatik / Theater |
| Schlagworte | Deutschland • Gorki • Mitteleuropa • Nachtasyl • Theaterstück |
| ISBN-10 | 3-518-74152-7 / 3518741527 |
| ISBN-13 | 978-3-518-74152-8 / 9783518741528 |
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