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Julia Timoschenko (eBook)

Die autorisierte Biographie
eBook Download: EPUB
2012 | 1. Auflage
256 Seiten
REDLINE Verlag
978-3-86414-306-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Julia Timoschenko -  Dmitri Popov,  Ilia Milstein
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Bundeskanzlerin Merkel kritisiert die rechtsstaatliche Lage in der Ukraine. Bundespräsident Gauck sagt seine diplomatische Reise ab. Außenminister Westerwelle bietet medizinische Hilfe an: Es ist eine zarte, abgemagerte Frau, um die sich ganz Europa sorgt. Julia Timoschenko verkörpert den unerschütterlichen Willen, gegen die postsozialistische Staatsmacht anzukämpfen. Wer ist diese Frau, die als Ministerpräsidentin die Geschicke der Ukraine gelenkt hat und nun als politische Gefangene weggesperrt wird? Diese autorisierte Biografie zeigt das Leben und den Weg von Timoschenko als Galionsfigur der Orangenen Revolution, als Regierungschefin der Ukraine, ihr Sturz und ihre Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe. Zugleich ist ihre Geschichte aber auch die ihres Heimatlandes, die auf dem Weg zur eigenen Identität und Souveränität nur mühsam vorankommt. Willensstark, unbeugsam, stolz, das ist 'die eiserne Julia'. Selbst das jüngste Kapitel, der Hungerstreik hinter Gittern, legt Zeugnis ab von einer charismatischen Frau, deren Charakter Hoffnungsträger einer ganzen Region ist. Die Autoren Dmitri Popov und Ilia Milstein haben ihre Geschichte in vielen persönlichen Gesprächen mit Julia Timoschenko aufgezeichnet. Ihr Buch ist ein ergreifendes Dokument von Timoschenkos Unschuld und ein Ruf nach mehr Freiheit für die Ukraine.

Dmitri Popov, geboren 1963 in Moskau, studierte Filmwissenschaft und Dokumentarfilm in Moskau und München. Er ist Mitarbeiter des Magazins Focus, dreht Dokumentarfilme, produziert Trickfilme und unterrichtet an diversen Hochschulen in München Filmdramaturgie und Medienwirtschaft. Dmitri Popov lebt und arbeitet in München.

Dmitri Popov, geboren 1963 in Moskau, studierte Filmwissenschaft und Dokumentarfilm in Moskau und München. Er ist Mitarbeiter des Magazins Focus, dreht Dokumentarfilme, produziert Trickfilme und unterrichtet an diversen Hochschulen in München Filmdramaturgie und Medienwirtschaft. Dmitri Popov lebt und arbeitet in München.

Titel 2
Impressum 3
Anmerkung des Verlages 4
Inhalt 5
Brief an die Mutter 6
1. Die drei Arreste der Julia Timoschenko 8
2. Die Heimatstadt 8
3. Eine Jugend Grau in Grau 8
4. Das Geheimnis der ersten Million 8
5. Die Freiheit 8
6. Ein Minirock für den Dinosaurier 36
7. Unangreifbar werden 36
8. Die Gasprinzessin 36
9. Unter Kutschma drehen sich die Räder! 36
10. Wer mich mag: Mir nach! 36
11. Juschtschenko 36
12. Zwei in einem Boot Œ Kutschma nicht gerechnet 70
13. Der Fall Gongadse 70
14. Eine Generalin ohne Truppen 70
15. Schönheit rettet die Welt 70
16. Für alle reicht ihr Gift nicht! 70
17. Der Flug über den Maidan in Orange 70
18. Julia Timoschenkos Utopie 70
19. Ich wurde im Steigflug gestoppt! 70
20. Janukowitschs Rückkehr 70
21. »Die gehört hinter Gitter!« 129
22. Gefängnis und Freiheit 129

Zwölftes Kapitel

Zwei in einem Boot – Kutschma nicht gerechnet


Als das Volk der Ukraine seine neue Regierung in Augenschein nahm, kam es aus dem Staunen nicht heraus. Wo waren die alten Apparatschiks geblieben? Warum saß im Sessel des Ministerpräsidenten nicht wieder einer von ihnen, dessen Visage kaum auf den Bildschirm passte? Stattdessen schaute aus dem Fernseher ein junger, gut aussehender Mann mit tadelloser Haltung heraus. An seiner Seite lächelte eine Dame, die als Fotomodell hätte durchgehen können – die Nummer zwei seiner Regierung. In der Gesellschaft der beiden wirkte selbst Kutschma, für den man sich mit so viel Widerwillen entschieden hatte, anders, irgendwie jünger.

Die Regierung Juschtschenko ging vom ersten Tag an mit Schwung ans Werk.

Dabei galt folgende Rollenverteilung: Julia Timoschenko sollte der Motor der bevorstehenden Reformen sein. Für die Gesamtleitung und Absicherung war der Regierungschef zuständig, und irgendwo über ihnen in den Wolken schwebte Präsident Kutschma. Anfangs war das allen recht. Die stellvertretende Regierungschefin hatte alle Handlungsfreiheit. Juschtschenko spielte den obersten Schiedsrichter, der nur dem Präsidenten rechenschaftspflichtig war. Der sonnte sich zufrieden in seinem neuen Image des Reformers und Liberalen.

Julia Timoschenkos erste Aktion als stellvertretende Regierungschefin war eine Reise nach Moskau. Russland beschuldigte die Ukraine seit Langem, aus den Transitleitungen illegal Gas abzuzapfen. Wieder einmal hing die Drohung in der Luft, die Brennstofflieferungen einzustellen. In Moskau gab Julia Timoschenko eine offizielle Erklärung ab, die unter den ukrainischen Eliten einen Schock auslöste. Zum ersten Mal in der Geschichte der ukrainisch-russischen Beziehungen gab ein offizieller Vertreter Kiews zu, dass tatsächlich Gas gestohlen wurde. Außerdem gestand sie die Schulden der ukrainischen Gasverbraucher ein. Die Summe war astronomisch – 2,8 ­Milliarden Dollar.

Diese Erklärung schlug wie eine Bombe ein. Sie fiel mitten in die raffinierten Geschäftskonstruktionen, mit denen man bisher so erfolgreich Milliarden Dollar aus den Staatshaushalten beider Länder auf Nummernkonten in der Schweiz gelenkt hatte. Julia Timoschenko wusste bestens, wie diese funktionierten. Sie wusste auch, dass an dem Deal mit der ukrainischen Seite auch die Paten von Gazprom kräftig verdienten. Außerdem war dies ein Schlag gegen die Leitungen mit dem billigen Gas, das Hauptinstrument der russischen Geopolitik im GUS-Raum. Erst wenn es der Ukraine gelang, das Gasgeschäft aus den politischen Geheimverhandlungen der beiden Präsidenten in den Bereich der normalen Wirtschaftsbeziehungen zu holen, war sie auf dem Wege zu einem wahrhaft unabhängigen Staat.

Die erste harsche Kritik an Julia Timoschenko kam vom Chef der staatlichen AG »Naftagas Ukrainy«, Igor Bakai, dessen Firma die Milliardenschulden vor allem zu tragen hatte. Bakais Schutzherr Oleksandr Wolkow warf ihr mangelnden Patriotismus vor. Auch Präsident Kutschma tat so, als sei er sehr erzürnt. Er fuhr mit Bakai zum Angeln, schimpfte auf »Julia« und versprach dem Hauptfinanzier seines Wahlkampfes, wieder strafrechtliche Ermittlungen gegen die entfesselte Ex-Prinzessin aufnehmen zu lassen. Dann knurrte er über Putin, der ihn in der Zange habe und die Rückzahlung der Schulden verlange, außerdem über den Westen, der Reformen von ihm fordere. Am Ende meinte er, man habe keine andere Wahl, als die Schulden bei Russland einzugestehen. Bald darauf wurde Igor Bakai unter großem Getöse bei Naftagas hinausgeworfen.

Mit dem Segen des Präsidenten.

Aus Moskau zurück, legte Lady Ju richtig los.

Die kurze Zeit, da sie in der Regierung tätig war, kam den Beamten wie ein Wirbelsturm vor. Sie erinnern sich daran mit Schrecken und Begeisterung über die spontanen Kräfte der Natur. Überwiegend mit Begeisterung.

Einer, der vor, während und nach Julia Timoschenkos Amtszeit im Regierungsapparat tätig war und anonym bleiben will, kann bis heute seine Erschütterung nicht verbergen. So etwas hatte er noch nie erlebt und würde er wohl auch nicht wieder erleben … Mit fast religiöser Verehrung erinnert sich dieser Augenzeuge, dass Julia morgens um 7.30 Uhr zum Dienst kam und ihr Büro erst weit nach Mitternacht verließ. Wie sie mit Elan und unter Einsatz der seltensten russischen Schimpfwörter mit den Chefs der Energiegesellschaften der Regionen sprach. Wie sehr sie bei den Leitern aller Strukturen, die ihr unterstanden, gefürchtet war. Wie leichenblass diese zu ihr hineingingen und in noch schlimmerem Zustand wieder herauskamen … Wie riesige Kerle, die sie herbeizitieren ließ, zuvor schlotternd im Krankenbett verschwanden, weil sie so dem Schicksalsschlag entgehen wollten oder in der Tat schon vorher Herzprobleme hatten.

Julia Timoschenko war niemals krank.

Ihr Chef Juschtschenko sah das wilde Treiben seiner Stellvertreterin mit gemischten Gefühlen. »Hören Sie, wie sie auf der Sitzung schreit?«, bekannte er einmal gegenüber einem Reporter der russischen Iswestija. »Sie ist gerade dabei, den Energiemarkt zu säubern.« Dem Ministerpräsidenten selbst kam keines der saftigen Schimpfworte je über die Lippen. Und als sein »Vater« Kutschma ihn am Telefon damit belegte, war der Ärmste so schockiert, dass er nichts zu erwidern wusste.

Das Regierungsprogramm, das Julia Timoschenko erstellte, musste wie immer einen knalligen Namen haben. Sie nannte es »Saubere Energie«. Die Anspielung auf die in Italien laufende Operation »Saubere Hände«, mit der die Mafia ausgerottet werden sollte, war kein Zufall. Es hatte nur zwei Hauptelemente, aber die zerrten den Teil der ukrainischen Wirtschaft ans Tageslicht, der bisher den Steuerbehörden verborgen geblieben war. Und sie zogen der ukrainischen Mafia den Boden unter den Füßen weg.

Erstens wurden in der Energiewirtschaft die Bartergeschäfte (Warentauschgeschäfte) und gegenseitigen Verrechnungen zwischen den Betrieben verboten. Gezahlt wurde nur noch mit realem Geld. Seit ihrer Zeit bei KUB wusste Julia Timoschenko, dass Bartergeschäfte die beste Möglichkeit für Unterschlagungen bieten. Zweitens setzte sie eine Reform durch, die die Spielregeln im Dreieck von Energieproduzenten, regionalen Verteilern und Endverbrauchern neu gestaltete. Bisher behaupteten die Energieversorger in den Gebieten, die Zahlungsmoral der Verbraucher sei schlecht, steckten aber eingegangene Zahlungen größtenteils in die eigene Tasche. Bei den Stromproduzenten kam kaum etwas an. Denen fehlten die Mittel, neuen Brennstoff für ihre Kraftwerke zu kaufen. Damit in den Städten nicht das Licht ausging und die Betriebe nicht buchstäblich stehen blieben, musste der Staatshaushalt einspringen. Das ganze System war natürlich mit astronomischen Bestechungsgeldern geschmiert. Julia Timoschenkos Reform lief darauf hinaus, dass die Zahlungen der Verbraucher direkt in den Energiemarkt flossen und nicht den Umweg über die regionalen Stromversorger nahmen. Dafür wurden bei der Sparkasse besondere Konten eingerichtet. Das System war jetzt offen, verständlich und vor allem vom Staat kontrollierbar.

Der Schlag gegen die regionalen Energieversorger traf eine weitere Gruppe, die Kutschmas Wiederwahl 1999 finanziert hatte.

Das waren die »Großen Sieben« oder der Kiewer Clan. Sieben Geschäftsleute hatten an der Wende von den Achtziger- zu den Neunzigerjahren ein verzweigtes Imperium geschaffen, das aus einer unüberschaubaren Zahl von Offshore-Firmen, Joint Ventures und Banken bestand, die mit alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken handelten, sich mit Finanzen, Elektroenergie, Öl und Gas, Metallurgie, Schiffbau, der Zuckerindustrie befassten sowie Fernsehsender und Zeitungen ihr eigen nannten. In der ukrainischen Presse hieß es, dahinter stehe die Kiewer Verbrecherwelt.

Die »Großen Sieben« gingen bei ihren Geschäften nie Umwege. Sie gaben sich auch nicht mit solchen Kleinigkeiten wie einzelnen Betrieben oder Regionen ab. Zu privatisieren war die Schaltstelle der Macht, der Staat selbst.

Die Hauptakteure dieses Kreises waren Grigori Surkis und Viktor Medwedtschuk. Der Erste herrschte über den Kiewer Fußballklub Dynamo. Der Zweite vertrat die Gruppe in der Politik – als Berater des Präsidenten, als Abgeordneter, später als der allmächtige Chef der Präsidialadministration, Kutschmas graue Eminenz. Eine Zeit lang wurde er sogar als dessen Nachfolger im Amt gehandelt. 1994 hatte sich die Gruppe verrechnet und ihr Geld für Krawtschuks Wiederwahl angelegt. Danach war sie umgeschwenkt und gehörte seitdem zu Kutschmas eifrigsten Spendern.

Wie die meisten ukrainischen Politiker war auch Ministerpräsident Pustowoitenko ein Fußballfan. Seine Mannschaft hieß Dynamo Kiew. Es war Pustowoitenko gewesen, der Grigori Surkis die staatlichen Aktienpakete an den Energieversorgungsgesellschaften der Gebiete Kirowograd, Ternopil und Cherson für ein Butterbrot überließ. Anfang 1999 hatten Surkis & Co. auch alle Stromerzeuger der Westukraine sowie der Gebiete Tschernihiw und Sumy unter ihre Kontrolle gebracht.

Das Programm »Saubere Energie« war ein harter Schlag gegen den Kiewer Clan. »Ich bin selber dabei gewesen«, erinnert sich der anonyme Regierungsbeamte, »als Julia Timoschenko ein Papier unterschrieb, das die Gruppe Medwedtschuk-Surkis mindestens eine Million Dollar gekostet hat.« Es heißt, als die Aktion ihren Höhepunkt erreichte, sei der Besitzer von Dynamo persönlich bei der stellvertretenden Ministerpräsidentin erschienen. »Julia«, habe ihr Surkis von Oligarch zu...

Erscheint lt. Verlag 11.6.2012
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Sozialwissenschaften Politik / Verwaltung
Schlagworte Biographie • Julia Timoschenko • Ministerpräsidentin • Ukraine
ISBN-10 3-86414-306-3 / 3864143063
ISBN-13 978-3-86414-306-9 / 9783864143069
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