Mein Leben mit dem Blues in der DDR und später (eBook)
238 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-6566-5 (ISBN)
Geboren 1954, Schulbildung Abitur, Berufsausbildung zum Bäcker, abgeschlossenes Studium der Pädagogik an der HU Berlin, hat gearbeitet unter anderem als Lehrer, als Jugendsozialarbeiter, als Gruppenleiter in einem Kinderheim und als Fachkraft für berufliche Bildung in einer Werkstatt für Behinderte. Lebt in Rangsdorf, ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkelkinder.
Teil 2
„Musik Leben e.V.“ mit der Konzertreihe „Live in Lu“
„Live in Lu“ sorgt seit 2012 für Rock – und Blueskonzerte im Raum Ludwigsfelde.
Im April 2012 kam ich zum ersten Mal mit dem Verein „Musik Leben e.V.“ in Berührung, obwohl zu diesem Zeitpunkt der Verein noch gar nicht gegründet war. Ich hatte jedenfalls aus der Zeitung erfahren, vielleicht dem Wochenspiegel oder einem ähnlichen Blatt, dass in Siethen in der “Viererkette” ein Blueskonzert mit Blues Rudy stattfinden sollte. Kurz entschlossen fuhr ich mit meiner Schwester und einem Freund dorthin. Im abendlichen Siethen suchten wir also das Sportlerheim mit dem bezeichnenden Namen, von dem ich keine Ahnung hatte als Nicht – Fußballfan. Gut gelandet, kamen wir also in dieser netten kleinen Gaststätte am Sportplatz an. Dort hatten vielleicht etwa 40 Gäste Platz und, wie ich mich erinnere, war es nicht gerade überfüllt. Da zeichnete sich schon ein Problem ab, wie ich es auch viel später im Interview mit den ProtagonistInnen des Vereins vertiefen konnte. Kommen genug Gäste und können wir die Band bezahlen?
Jedenfalls hatten wir an diesem Abend Spaß am Blues. Blues Rudy an Gitarre und Gesang sowie Marco Jovanovic am Kontrabass und Mundharmonika enttäuschten uns nicht. Beide kannte ich auch schon von anderen Konzerten. Für mich war dieser Veranstaltungsort eine weitere Möglichkeit interessante Konzerte zu erleben, ohne sehr weit zu fahren.
Bluesrudy und Marco Jovanovic in der „Viererkette“
Leider hatte ich nicht von jedem Konzert erfahren, das in jenen Jahren dort und später auch im „Lisum“ stattfand. Deshalb dauerte es eine Weile bis zum nächsten Konzert, das ich in Ludwigsfelde erleben durfte. Das war dann die „T.B. Session Blues Band“ am 22. Dezember 2017. In den folgenden Jahren gab es einige Konzerte bei „Live in Lu”, die ich mit Astrid und mit Freunden besucht habe. Diese Konzerte fanden von nun an jedoch im Klubhaus Ludwigsfelde statt. Immer waren wir begeistert von der familiären Atmosphäre im Club und von den erlesenen hochklassigen Konzerten. Es müssen keinesfalls immer die großen Rockgrößen sein, wo man unter tausenden Fans auf den billigen Plätzen nur erahnen kann, was auf der Bühne passiert oder auf die Videoleinwand starren muss. Dort im Club war es anders – man konnte die Musiker hautnah erleben, sogar wenn man wollte, ein wenig Smalltalk mit ihnen in der Pause an der Bar machen, man konnte oft Freunde treffen und man konnte meist auch tanzen. Auf jeden Fall konnte man Spaß haben. Das Klubhaus blickt auf eine langjährige Geschichte zurück. In den 50er Jahren gebaut, diente es in der DDR – Zeit als Kulturhaus für die vielfältigsten Veranstaltungen und nach der Wende, als alle halbherzigen Instandhaltungen nicht halfen, wurde das Haus in den Jahren 2011 bis 2014 grundlegend saniert. Nach der Wiedereröffnung verfügte Ludwigsfelde über ein modernes Multifunktionsgebäude zur kulturellen Nutzung. Dadurch ergab sich für den Verein „Musik und Leben“ die Möglichkeit, Konzerte in schöner Regelmäßigkeit und unter angenehmeren Bedingungen zu veranstalten, wie wir es noch sehen werden.
Und jetzt im Jahr 2023 schließt sich der Kreis mit der T.B. Session Band, ebenfalls im Klubhaus und ebenfalls am 22. Dezember. Also konnten wir 2023 diese Band noch einmal in Lu erleben.
An dieser Stelle ein paar Impressionen vom Konzert: Astrid und ich haben uns mit ein paar Freunden und meiner Schwester verabredet und wir trafen eine Stunde vor Konzertbeginn dort ein. Schon im Foyer wird man von den Kartenverkäufern begrüßt, die scheinbar jeden der Gäste kennen. Der Saal ist bestückt mit vielen Tischen, um die Stühle gruppiert sind (schließlich sind die Konzertbesucher in die Jahre gekommen und wollen schon gern einen Sitzplatz haben). Im hinteren Bereich gibt es noch einige Stehtische. Der Raum wirkt gemütlich durch die dezente Beleuchtung und die Deko. Auf jedem Tisch gibt es einen kleinen Weihnachtsstern und ein Schälchen mit Weihnachtsgebäck. An der Bar im Foyer wird für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt. Es gibt ein breites Angebot an Getränken und auch für einen kleinen Imbiss ist gesorgt. Die Preise sind annehmbar. Im vorderen Bereich ist Platz zum Tanzen. Die Freunde hatten schon Plätze an einem Tisch für uns freigehalten. Nach und nach füllt sich der Saal und wir können feststellen, dass es nicht nur Gäste in unserem Alter gibt, sondern auch „jüngeres Volk“. Das lässt hoffen für die Zukunft solcher Veranstaltungen. Um Punkt 21 Uhr betritt die Band die Bühne und Beate, die Vereinsvorsitzende, begrüßt das Publikum und die Band mit einer kleinen Ansprache. Dabei dankt sie auch der Crew und erwähnt die Aufgaben der Vereinsmitglieder und die Anwesenden honorieren die kleine Rede mit Applaus, aber jetzt sind alle gespannt auf die Band. Neben dem Bandleader Jürgen Gerhard (Gesang und Akustikgitarre) spielen die Gitarristen Mauro Pandolfino und Frank Engelmann mit. Der Drummer ist Carlos Dalelane und den Bass spielt Jörg „Bulli“ Unger. Die Band blieb uns noch von 2017 in guter Erinnerung, damals noch mit Peter Schmidt an Gitarre und Gesang. Mal sehen, ob sich der Spruch in der Konzertankündigung bewahrheitet: „Man sieht ihnen an, dass sie richtig Spaß auf der Bühne haben!“ So das Urteil des Publikums und ich kann dem wieder zustimmen!
Das Programm besteht überwiegend aus Rock – und Blues Klassikern. Neben den etwas härteren Rockklängen gibt es auch einige langsame balladeske Stücke. Da erklingen zum Beispiel die Titel „Dead Flowers“ von den Rolling Stones, „Another Brick of the Wall“ von Pink Floyd, „Like A Rolling Stone“ von Bob Dylan und „Lucky Man“ von Emerson Lake & Palmer. Die Tanzfläche füllt sich schnell. Der Sound im hinteren Saalbereich ist zwar leider nicht ganz optimal, denn die Ansagen sind nur schwer zu verstehen, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch. Nach zwei Sets mit einer Pause dazwischen weiß man gar nicht wo die Zeit hin ist, denn es ist bereits nach Mitternacht. Die Meisten werden diesen Abend bestimmt in positiver Erinnerung behalten!
T.B. Session Band
Entstehungsgeschichte des Vereins
Aber wie kam es eigentlich, dass den Konzertgängern, die gerne zu Blues – oder Rockkonzerten gehen, die ab und an irischer Musik lauschen wollen oder auch mal gern Oldies hören wollen eine solche hochkarätige Programmvielfalt seit mehr als zehn Jahren geboten wird?
Ich hatte in diesem Jahr die Gelegenheit mit den Hauptakteuren zu sprechen, die hinter diesem langjährigen Projekt stecken und werde nun auf den Spuren der Vergangenheit wandeln, um zu sehen, wie sich alles entwickelt hat. Dabei werde ich hinter die Kulissen schauen, um zu veranschaulichen welche Mühen erforderlich waren und immer noch sind, um dem Publikum über lange Jahre in regelmäßigen Abständen interessante Bands präsentieren zu können.
Am Anfang waren also drei junge Leute, die sich hauptsächlich durch ihr gemeinsames Interesse an z. B. Beat – Rock – und Bluesmusik zusammenfanden.
Andreas Krizek Jahrgang '58 verbrachte seine Jugend in Mahlow und hörte die einschlägigen Radiosender, um an die neueste Musik heranzukommen, die er dann auch mit seinem Tonbandgerät mitschnitt. Zitat Andreas: „Wir haben unseren Musikgeschmack mit Radiohören entwickelt und haben in den Nächten oft bis um 2.00 Uhr morgens vor den Radiogeräten gesessen, SFBeat, BFBS oder RIAS gehört und erst mal alles aufgenommen … es war stilistisch alles Mögliche dabei." Er sagt, dass ihn die Beatles als Erstes umgehauen hätten, dann kam aber eine Entwicklung hin zu Rock und Popmusik und schließlich zum Blues. Hier nennt er als Beispiel Johnny Winter und Fleetwood Mac als diese noch eine reine Bluesband waren. Dann entdeckte er auch die schwarzen Bluesmusiker wie Muddy Waters, Lightning Hopkins, B.B. King usw. Er hatte auch das Glück, an westliche Platten heranzukommen und entwickelte eine Sammelleidenschaft. Zitat Andreas: „Diese Freude an der Musik, das hat sich bis heute eingebrannt in der Seele“.
Später dann betätigte er sich auch als Schallplattenunterhalter, wie der Diskjockey damals in der DDR genannt werden sollte. Hier war er bemüht, diese seine Musik den Leuten zu vermitteln. Außerdem versuchte sich Andreas auf der Gitarre und spielte diese im Freundeskreis. Natürlich wurden die entsprechenden Konzerte in der Gegend besucht. Zu nennen wäre der „Florapark“ in Mahlow oder der „Weiße Schwan“ in Blankenfelde oder andere Gaststätten im weiten Umkreis. Andreas sagt dazu: „ … also die Tingelei über die Dörfer und da beschränkt es sich nicht nur auf die bekannten Bands wie „Monokel“ und „Engerling“ sondern auch auf die kleinen Combos bei denen sich gefreut wurde, dass sie die Titel halbwegs vernünftig nachspielen konnten waren Bestandteil meiner Jugend“.
Damit...
| Erscheint lt. Verlag | 20.1.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Musik |
| Schlagworte | Bespitzelung durch die Stasi • Biografie in der DDR und danach • Blueskonzerte in Brandenburg • Blues und Rockmusik • Blues- und Rockmusik • Leben in der DDR und nach der Wende • Privat Partys mit Stefan Diestelmann • Rock- und Bluesveranstalter • Überwachung durch die Stasi • Zusammenhalt von Freunden durch gemeinsames Interesse am Blues |
| ISBN-10 | 3-7693-6566-6 / 3769365666 |
| ISBN-13 | 978-3-7693-6566-5 / 9783769365665 |
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