Der Restaurator - ein Berufsbild im Wandel
Zur Gemälderestaurierung an Hand von Münchner Quellen zwischen 1850 und 1950
Seiten
2009
|
1., Auflage
Winter Industries (Verlag)
978-3-86624-421-4 (ISBN)
Winter Industries (Verlag)
978-3-86624-421-4 (ISBN)
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Mit dem Entstehen und Anwachsen musealer Sammlungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts trat zunehmend die Problematik der Erhaltung von Kunstwerken und Kulturgütern zutage. Aus den Bemühungen um das Sammeln entstand naturgemäß der Wunsch die Objekte in bestmöglichem Zustand für die Zukunft zu erhalten und damit die Aufgabe der Restaurierung.
Einem mit der Materie nicht vertrauten Leser mag es bisweilen überraschen, welche Gefahren den Gemälden in folge der ständig sich wandelnden Auffassungen und Methoden der Restaurierung drohten; aber es ist hierzu festzustellen, dass viele jener Maßnahmen, die sich später als schlimmer Fehler erwiesen, notwendig waren um eine Vervollkommnung der Restauriertechnik zu erzielen.
Von allen Restaurierungsparten hat die Gemälderestaurierung die längste Tradition, Quellen zu Maßnahmen an anderen Museumsobjekten sind sehr viel seltener zu finden. Zu dem galten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und hier u. a. die Alte Pinakothek im untersuchten Zeitraum als führend im Bereich der Restauration. Die Ereignisse spiegeln sich in den Akten des Schriftverkehrs des Ministeriums des Innern für Kunst- und Schulangelegenheiten und der Münchner Zentralgemäldegalerie wieder. Während dieser Zeit hat sich die praktische Arbeitsweise der Restauratoren fundamental geändert.
Am Beispiel der Münchner Gemäldegalerie wird die Geschichte der dort wirkenden sechs leitenden Gemälderestauratoren und damit die Entwicklung der Restaurierung erörtert. Es ist somit das Anliegen über eine Zeitspanne von einhundert Jahren nämlich von 1850 bis 1950, die sich zu Beginn langsam herauskristallisierende und danach ständig fort schreitende Professionalisierung nachzuzeichnen.
In der Einleitung der Arbeit wird auf detaillierte Ziele verwiesen, so auf die Darstellung von Aufkommen und Entwicklung restauratorischer Maßnahmen, die Frage der Einrichtung von Restauratorenschulen, wie auch auf das Anliegen, den Wandel in der Einschätzung von Schadensbildern und Restaurierungsverfahren zu schildern.
Das folgende Kapitel Voraussetzungen für die Restauratorentätigkeit schildert die Entwicklung von Ausbildung und fachlichem Kenntnisstand, zeigt die Gefahren auf, die für wertvolles Kulturgut durch unqualifizierte, dilettierende Restauratoren bestand und erwähnt in Grundzügen die bereits unter dem bayerischen König Ludwig I. einsetzenden staatlichen Verordnungen für den restauratorischen Umgang mit den historischen Gemälden in öffentlichem oder kirchlichem Besitz.
Im anschließenden Kapitel über die „malenden Galeriedirektoren“ von 1822 bis 1875 wird auf die Galeriedirektoren der Frühzeit –Johann Georg von Dillis, Robert von Langner etc. – eingegangen, deren künstlerische Tätigkeit als Voraussetzung für die Ausübung ihres Amtes gesehen worden war. In die Zeitspanne der „malenden Galeriedirektoren“ fällt auch die Tätigkeit von ausgebildeten und berufenen Restauratoren zwischen 1847 und 1889, deren fachliche Befähigung anfangs allerdings noch von künstlerischer Ausbildung abhängig war. Während der Amtszeit von Joseph Günther (1847 – 1869) unter dem Galeriedirektor Zimmermann kam es auf Grund massiver öffentlicher Kritik zu den Untersuchungen der Kommission für Restaurierung. Es wird das allmähliche Konkretwerden des Berufsstandes gezeichnet bis hin zum Einsatz des Chemikers und Arztes Max von Pettenkofer durch die oben genannte Restaurierungskommission an der Zentralgemäldegalerie.
In knappen Biographien werden die „kunstwissenschaftlichen“ Generaldirektoren (1875 – 1957) vorgestellt und damit eine korrelative Grundlage für die anschließende Abhandlung über Restauratoren von 1875 bis 1947 gebildet.
Mit dem Kunsthistoriker Franz v. Reber (1875 – 1909) wurde der langjährige Dozent der Münchner Universität ein Leiter und mit Alois Hauser d. Ä. (1875 – 1909) ein Restaurator als bewährte Kräfte in die Pinakothek nach München geholt. Beide bestimmten 34 Jahre das Geschick der Pinakothek.
Nach dem Ausscheiden des legendären Alois Hauser d. Ä. übernahm Emil Kinkelin (1910 – 1931) vormals für Hofantiquar Julius Böhler tätig, die Aufgabe des leitenden Restaurators. Am Beispiel der Parkettierung wird demonstriert, dass größere Entwicklungsschritte der Arbeitsweise durch pauschale Veränderungen bewirkt wurden, in dem vermittels des jeweiligen Restaurators zeitgemäße Erkenntnisse und Methoden Einzug hielten.
Reinhard Lischka (1934 – 1947), der seit 1912 am bayerischen Landesamt, den Veit-Stoß-Altar aus dem Bamberger Dom bearbeitete, verfasste 1933 in den „Technischen Mitteilungen für Malerei“ einen Beitrag, welcher offenbarte, dass er den schon lange theoretisch formulierten Grundsatz, Konservieren statt Restaurieren, nun auch praktisch umsetzte.
Die eingangs als Ziel der Arbeit aufgeworfenen Gesichtspunkte werden im Verlauf der Kapitel jeweils diskutiert, so dass das seit Anfang in Veränderung begriffene Berufsbild des Gemälderestaurators aufgrund der Beschreibung konservatorischer Maßnahmen (Klima, Licht etc.) und ausgewählter Techniken sehr deutliche Konturen erhält.
Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass die Gemäldesammlung, von der man gemeinhin glauben mag sie sei eine in sich ruhende Institution, intensive Diskurse hinter sich hat auf einem Weg, wo alle Beteiligten zu allen Zeiten ihr Bestes gaben. Die hier vorgestellten Restauratoren und ihre Arbeit an den bayerischen Staatsgemäldesammlungen wurden eine der Keimzellen der modernen musealen Restaurierung und Konservierung.
Einem mit der Materie nicht vertrauten Leser mag es bisweilen überraschen, welche Gefahren den Gemälden in folge der ständig sich wandelnden Auffassungen und Methoden der Restaurierung drohten; aber es ist hierzu festzustellen, dass viele jener Maßnahmen, die sich später als schlimmer Fehler erwiesen, notwendig waren um eine Vervollkommnung der Restauriertechnik zu erzielen.
Von allen Restaurierungsparten hat die Gemälderestaurierung die längste Tradition, Quellen zu Maßnahmen an anderen Museumsobjekten sind sehr viel seltener zu finden. Zu dem galten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und hier u. a. die Alte Pinakothek im untersuchten Zeitraum als führend im Bereich der Restauration. Die Ereignisse spiegeln sich in den Akten des Schriftverkehrs des Ministeriums des Innern für Kunst- und Schulangelegenheiten und der Münchner Zentralgemäldegalerie wieder. Während dieser Zeit hat sich die praktische Arbeitsweise der Restauratoren fundamental geändert.
Am Beispiel der Münchner Gemäldegalerie wird die Geschichte der dort wirkenden sechs leitenden Gemälderestauratoren und damit die Entwicklung der Restaurierung erörtert. Es ist somit das Anliegen über eine Zeitspanne von einhundert Jahren nämlich von 1850 bis 1950, die sich zu Beginn langsam herauskristallisierende und danach ständig fort schreitende Professionalisierung nachzuzeichnen.
In der Einleitung der Arbeit wird auf detaillierte Ziele verwiesen, so auf die Darstellung von Aufkommen und Entwicklung restauratorischer Maßnahmen, die Frage der Einrichtung von Restauratorenschulen, wie auch auf das Anliegen, den Wandel in der Einschätzung von Schadensbildern und Restaurierungsverfahren zu schildern.
Das folgende Kapitel Voraussetzungen für die Restauratorentätigkeit schildert die Entwicklung von Ausbildung und fachlichem Kenntnisstand, zeigt die Gefahren auf, die für wertvolles Kulturgut durch unqualifizierte, dilettierende Restauratoren bestand und erwähnt in Grundzügen die bereits unter dem bayerischen König Ludwig I. einsetzenden staatlichen Verordnungen für den restauratorischen Umgang mit den historischen Gemälden in öffentlichem oder kirchlichem Besitz.
Im anschließenden Kapitel über die „malenden Galeriedirektoren“ von 1822 bis 1875 wird auf die Galeriedirektoren der Frühzeit –Johann Georg von Dillis, Robert von Langner etc. – eingegangen, deren künstlerische Tätigkeit als Voraussetzung für die Ausübung ihres Amtes gesehen worden war. In die Zeitspanne der „malenden Galeriedirektoren“ fällt auch die Tätigkeit von ausgebildeten und berufenen Restauratoren zwischen 1847 und 1889, deren fachliche Befähigung anfangs allerdings noch von künstlerischer Ausbildung abhängig war. Während der Amtszeit von Joseph Günther (1847 – 1869) unter dem Galeriedirektor Zimmermann kam es auf Grund massiver öffentlicher Kritik zu den Untersuchungen der Kommission für Restaurierung. Es wird das allmähliche Konkretwerden des Berufsstandes gezeichnet bis hin zum Einsatz des Chemikers und Arztes Max von Pettenkofer durch die oben genannte Restaurierungskommission an der Zentralgemäldegalerie.
In knappen Biographien werden die „kunstwissenschaftlichen“ Generaldirektoren (1875 – 1957) vorgestellt und damit eine korrelative Grundlage für die anschließende Abhandlung über Restauratoren von 1875 bis 1947 gebildet.
Mit dem Kunsthistoriker Franz v. Reber (1875 – 1909) wurde der langjährige Dozent der Münchner Universität ein Leiter und mit Alois Hauser d. Ä. (1875 – 1909) ein Restaurator als bewährte Kräfte in die Pinakothek nach München geholt. Beide bestimmten 34 Jahre das Geschick der Pinakothek.
Nach dem Ausscheiden des legendären Alois Hauser d. Ä. übernahm Emil Kinkelin (1910 – 1931) vormals für Hofantiquar Julius Böhler tätig, die Aufgabe des leitenden Restaurators. Am Beispiel der Parkettierung wird demonstriert, dass größere Entwicklungsschritte der Arbeitsweise durch pauschale Veränderungen bewirkt wurden, in dem vermittels des jeweiligen Restaurators zeitgemäße Erkenntnisse und Methoden Einzug hielten.
Reinhard Lischka (1934 – 1947), der seit 1912 am bayerischen Landesamt, den Veit-Stoß-Altar aus dem Bamberger Dom bearbeitete, verfasste 1933 in den „Technischen Mitteilungen für Malerei“ einen Beitrag, welcher offenbarte, dass er den schon lange theoretisch formulierten Grundsatz, Konservieren statt Restaurieren, nun auch praktisch umsetzte.
Die eingangs als Ziel der Arbeit aufgeworfenen Gesichtspunkte werden im Verlauf der Kapitel jeweils diskutiert, so dass das seit Anfang in Veränderung begriffene Berufsbild des Gemälderestaurators aufgrund der Beschreibung konservatorischer Maßnahmen (Klima, Licht etc.) und ausgewählter Techniken sehr deutliche Konturen erhält.
Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass die Gemäldesammlung, von der man gemeinhin glauben mag sie sei eine in sich ruhende Institution, intensive Diskurse hinter sich hat auf einem Weg, wo alle Beteiligten zu allen Zeiten ihr Bestes gaben. Die hier vorgestellten Restauratoren und ihre Arbeit an den bayerischen Staatsgemäldesammlungen wurden eine der Keimzellen der modernen musealen Restaurierung und Konservierung.
| Reihe/Serie | Dissertation Premium ; 1521 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Maße | 150 x 210 mm |
| Gewicht | 620 g |
| Einbandart | Paperback |
| Themenwelt | Kunst / Musik / Theater ► Kunstgeschichte / Kunststile |
| Schlagworte | Hardcover, Softcover / Kunst/Kunstgeschichte • Hauser • Kinkelin • Lischka • Restauratoren • Restaurierungsgeschichte |
| ISBN-10 | 3-86624-421-5 / 3866244215 |
| ISBN-13 | 978-3-86624-421-4 / 9783866244214 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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