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Auf Augenhöhe

Beruflich erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Menschen
Buch | Softcover
255 Seiten
2017
Median-Verlag von Killisch-Horn GmbH
978-3-941146-70-9 (ISBN)
CHF 16,50 inkl. MwSt
  • Titel ist leider vergriffen;
    keine Neuauflage
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Das vorliegende Buch stellt die Erfahrungen von erwachsenen Menschen mit einer Hörbehinderung zur Verfügung, die sich als beruflich erfolgreich erleben und darüber berichten, was ihrer Meinung nach dazu beigetragen hat, dass sie sich in ihrem Beruf und im Leben gut etablieren konnten.

Die Perspektive erfolgreicher gehörloser und schwerhöriger Menschen einzunehmen ist bedeutsam, als sie konsequent wegführt von den »klassischen« Themen der Hörgeschädigtenpädagogik, deren bekanntestes und am längsten umfochtenes Wohl der sog. Methodenstreit ist, bei dem es vorrangig um die Entscheidung geht, ob Lautsprache oder Gebärdensprache die richtige Sprache für gehörlose Menschen ist.

Es ist mittlerweile bekannt, dass solche »Entweder-oder-Fragen« sinnlose Fragen sind angesichts der hohen Diversität, die wir in der Gruppe der gehörlosen und schwerhörigen Menschen vorfinden und auch die vorliegenden empirischen Daten geben nichts dafür her, diese Frage im Sinne einer eindeutigen Entscheidung beantworten zu können. Viel bedeutsamer ist es, in Erfahrung zu bringen, wie überhaupt gehörlose und schwerhörige Kinder und Jugendliche lernen, welche spezifischen Ressourcen sie dafür mitbringen und was sie an Unterstützung benötigen, um ihre Potenziale bestmöglich zu entfalten. Von daher betrachtet macht es besonders Sinn, diejenigen gehörlosen und schwerhörigen Menschen mit ins Boot zu nehmen, die das Leben aus ihrer Sicht gut hinbekommen haben und von deren Erfahrungen zu profitieren. Alle konzeptionellen Überlegungen der Hörgeschädigtenpädagogik müssen sich letztendlich daran messen lassen, was am Ende für die konkrete Lebensgestaltung gehörloser und schwerhöriger Menschen herauskommt. Es geht somit entscheidend um die Frage, was dazu beiträgt, dass gehörlose und schwerhörige Menschen zu einer für sie befriedigenden Lebensführung gelangen. Und wer sollte darüber besser Auskunft geben können als die Betroffenen selbst?

Das vorliegende Buch stellt hierzu die vielfältigen Erfahrungen von 32 beruflich erfolgreichen Gehörlosen und Schwerhörigen zur Verfügung und kann am Ende gezielte Empfehlungen aussprechen, was in Gesellschaft und im Bildungssystem zu leisten ist, damit gehörlose und schwerhörige Menschen ein zufriedenstellendes (berufliches) Leben führen können und hörenden Menschen auf Augenhöhe begegnen können.

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Theoretische Vorüberlegungen – was uns geleitet hat
1.1Zum Stellenwert der Arbeit für den (modernen) Menschen
1.2Erfahrungen gehörloser und schwerhöriger Menschen in der Arbeitswelt
1.2.1Zur Beschäftigungssituation von gehörlosen und schwerhörigen Menschen
1.2.2Barrieren und unterstützende Maßnahmen am Arbeitsplatz für gehörlose und schwerhörige Menschen
1.2.3Psychosoziale und psychosomatische Auswirkungen von Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit am Arbeitsplatz
1.3 Warum sich mit beruflich erfolgreichen gehörlosen und schwerhörigen Menschen befassen?
1.3.1 Begründung einer alternativen Zugangsweise
1.3.2 Vorliegende Studien zu erfolgreichen gehörlosen und schwerhörigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
1.3.3 Innovative Aspekte der vorliegenden Studie
2Methodisches Vorgehen – was wir gemacht haben
2.1Planung und Vorgehensweise bei der Durchführung der Studie
2.2Befragungsinstrumente der Studie
2.2.1Fragebogen zur Erhebung soziodemografischer und persönlicher Merkmale
2.2.2Leitfaden für das qualitative Interview
2.3Beschreibung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Studie
2.4Vorgehen bei der Auswertung der Daten
2.4.1Auswertung der qualitativen Daten
2.4.2Auswertung der quantitativen Daten
3Ergebnisse – was wir an Erkenntnissen gewonnen haben
3.1Beruflicher Erfolg aus der Sicht der befragten Interviewpersonen
3.2Erfahrungen mit der Situation am Arbeitsplatz
3.2.1Soziodemografische Merkmale der Interviewpersonen und Aspekte der Beschäftigungssituation
3.2.2Assistenz und Dolmetschdienste
3.2.3Unterstützung durch Vorgesetzte
3.2.4Erfahrungen mit Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen
3.2.5Macht, Einfluss und Karriere
3.2.6Erfahrungen mit Institutionen
3.3Erfahrungen mit Bildungsangeboten
3.3.1Besuchte Schulformen
3.3.2Erfahrene Unterstützung in der Förderschule
3.3.3Erfahrene Unterstützung in der Regelschule
3.3.4Zur sozialen Situation der Besucherinnen und Besucher einer Regelschule
3.3.5Erfahrungen im Studium
3.3.6Erfahrungen in der beruflichen Ausbildung
3.3.7Lernstrategien
3.3.8Schriftsprachkompetenz
3.3.9Weiterbildung
3.4Erfahrungen im familiären Kontext
3.4.1Familiäre Hintergründe der befragten Interviewpersonen
3.4.2Bildungsvermittlung im Elternhaus
3.4.3Unterstützungssystem „Eltern“
3.4.4Unterstützungssystem „Geschwister“
3.5Soziales Leben in der Gesellschaft
3.5.1Soziale Netzwerke und soziale Beziehungen
3.5.2Gesellschaftliche Aspekte – Was soll sich ändern?
3.6Persönlichkeit und Identitätsarbeit
3.6.1Auseinandersetzung mit der Hörbehinderung
3.6.2Hilfreiche Kommunikationsstrategien
3.7Was macht beruflich erfolgreich?
3.7.1Persönliche Eigenschaften und Fachkompetenzen
3.7.2Was sind Unterschiede zu nicht erfolgreichen gehörlosen und schwerhörigen Menschen?
3.8Beruflich erfolgreiche gehörlose und schwerhörige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – eine homogene Gruppe?
4Diskussion – welche Empfehlungen sich ergeben
4.1Zusammenfassende Diskussion der Befunde
4.2Ergebnisorientierte Empfehlungen aus dem Modellvorhaben „Erfolgreiche Gehörlose und Schwerhörige im Beruf (EGSB)“
4.2.1 Empfehlungen für berufstätige gehörlose und schwerhörige Menschen mit der Vision, beruflich erfolgreich zu werden
4.2.2 Empfehlungen für (potentielle) Arbeitgeber im öffentlichen und privaten Sektor sowie für Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen
4.2.3 Empfehlungen für Institutionen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie andere Beteiligte im Bildungssystem
5 Zum Schluss – ein Blick zurück und ein Blick nach vorne
Literatur
Autorinnen und Autoren
Anhang

Vorwort Die Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik hat sich in ihrer Historie bis in die Gegenwart mit vielen unterschiedlichen Themen, Aufgaben und Herausforderungen befasst, die zum Teil heftig diskutiert und umstritten waren und es zum Teil immer noch sind. Mit das bekannteste Thema in diesem Zusammenhang stellt sicherlich der sog. Methodenstreit dar, der den Versuch unternommen hatte, zu klären, welche Sprache, Lautsprache oder Gebärden(sprache), wohl die „richtige“ für gehörlose Menschen wäre (die Antwort darauf war meist: Lautsprache). Wir wissen mittlerweile, dass solche „Entweder-Oder-Fragen“ sinnlose Fragen sind angesichts der hohen Diversität, die wir in der Gruppe der gehörlosen und schwerhörigen Menschen vorfinden und auch die vorliegenden empirischen Daten geben nichts dafür her, diese Frage im Sinne einer eindeutigen Entscheidung beantworten zu können. Und das ist gut so! Wie sagten Young und Tatterfield so prägnant wie treffend: „One message will never fit all“ (2005, S. 140)! Wenn wir demzufolge eben nur eine pädagogische Option (z.B. eine ausschließlich lautsprachliche Erziehung oder eine ausschließlich gebärdensprachliche Erziehung) in unserem Gepäck haben, dann ist dies für einen bestimmten Prozentsatz der gehörlosen und schwerhörigen Menschen, die mit dieser Option nichts anfangen können oder wollen, eben keine gute Option. Hinzu kommt, dass angesichts der starken Fokussierung auf die Frage der Sprachmodalität im Wissenschaftssystem der Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik vielfach übersehen wurde, dass es wesentlich bedeutsamer ist, in Erfahrung zu bringen, wie überhaupt gehörlose und schwerhörige Kinder und Jugendliche lernen, welche spezifischen Ressourcen sie dafür mitbringen und was sie an Unterstützung benötigen, um ihre Potenziale bestmöglich zu entfalten. Auch aus dieser Perspektive macht es deshalb Sinn, Fragen der Entwicklung gehörloser und schwerhöriger Kinder auch einmal vom Ende her zu denken und dabei bei den Menschen anzusetzen, die das Leben aus ihrer Sicht gut hinbekommen haben. Diese etwas saloppe Formulierung meint, dass all die Diskussionen, wie die Frühförderung gehörloser und schwerhöriger Kinder gestaltet werden soll, welche Konzepte in der vorschulischen Erziehung im Kindergarten hilfreich sind, wie das schulische Lernen der Kinder in bestmöglicher Weise realisiert werden kann und wie der Übergang in den Beruf und in das Erwachsenenleben am besten begleitet werden kann, sich letztendlich daran wird messen lassen müssen, was am Ende für die konkrete Lebensgestaltung gehörloser und schwerhöriger Menschen herauskommt. Es geht um die Frage, was dazu beiträgt, dass gehörlose und schwerhörige Menschen zu einer für sie befriedigenden Lebensführung gelangen? Das berufliche Leben spielt dabei eine sehr wichtige Rolle, weil viele Menschen aus ihrer beruflichen Tätigkeit eine Befriedigung und einen hohen Selbstwert schöpfen. Entsprechend ist es eine besonders reizvolle Aufgabe, einen geschärften Blick auf die gehörlosen und schwerhörigen Menschen zu richten, die sich beruflich erfolgreich etabliert haben und dabei – ganz den Grundsätzen des Empowerment folgend – die Perspektive der Betroffenen einzunehmen und von deren Erfahrungen und Sichtweisen zu profitieren sowohl für die Gestaltung von Bildungsprozessen als auch für eine an den kommunikativen Bedürfnissen ausgerichtete Gestaltung der Arbeitswelt. Das vorliegende Buch fasst hierzu die Erfahrungen von 32 gehörlosen und schwerhörigen Menschen zusammen und wir hoffen, damit einen Beitrag zu Verbesserung der Lebenssituation der Gruppe der gehörlosen und schwerhörigen Menschen leisten zu können. Am Ende eines Vorworts gilt es immer, Dank auszusprechen an ganz viele Menschen und Institutionen, die dazu beigetragen haben, dass dieses Projekt realisiert werden konnte und schließlich auch das vorliegenden Buch zustande gekommen ist. Hier ist zunächst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zu nennen, dass das Forschungsvorhaben im Zeitraum vom 1.7.2013 bis 30.4.2017 aus Mitteln des Ausgleichsfonds gefördert hat (AZ: Va1/Va4 – 58). Unser Dank gilt weiter unserem Projektpartner, dem Forschungsinstitut Technologie und Behinderung der Evangelischen Stiftung Volmarstein (FTB), insbesondere Frank Reins und Prof. Dr. Christian Bühler, ebenso Christiane Kämpf de Salazar sowie den Kolleginnen und Kollegen der Firma Spectrum 11 aus München, die zusammen mit uns die barrierefreie Gestaltung der Projektwebsite mit den wesentlichen Ergebnissen unserer Untersuchung realisiert haben . Gedankt sei auch den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats, Katja Belz (Bundeselternverband Gehörloser Kinder e.V.), Gunter Erbe (Deutscher Wohlfahrtsverband für Gehör- und Sprachgeschädigte e.V.), Christiane Grassl (BMW AG), Andreas Kammerbauer (Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten, Selbsthilfe und Fachverbände e. V.), Dr. Jens Kretschmer (Berufsbildungswerk Leipzig), Kai Morten (BMAS Berlin), Steffi Pöllmann (LWL-Integrationsamt Westfalen Fachdienst für hörgeschädigte Menschen), Rolf Saueracker (Rheinisch-Westfälisches Berufskolleg Essen) sowie Jana Schwager (GebärdenVerstehen). Sie haben unser Projekt stets mit wohlwollender und konstruktiver Kritik begleitet. Weiter danken wir der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und hier insbesondere den Kolleginnen der Personalabteilung und der Drittmittelverwaltung für die sächliche Ausstattung während des Projektzeitraums sowie für die souveräne finanzielle Abwicklung des Projekts. Elke Menges-Vogel aus Frankfurt sowie Josephine Meinhardt und Gina Krause vom Masterstudiengang „Gebärdensprachdolmetschen“ an der Humboldt Universität zu Berlin sei gedankt für ihre Unterstützung bei der Translation der Interviews, die in Deutscher Gebärdensprache durchgeführt wurden. Und auch unsere studentische Hilfskraft Anna Lake darf an dieser Stelle nicht vergessen werden: Sie hat im Hintergrund alle anfallenden Aufgaben mit ruhiger Hand gemanagt. Schließlich gilt der Dank wie immer auch diesmal dem Median-Verlag und hier ganz besonders Christina Osterwald: Sie hat in den letzten Jahren ganz viele Buchprojekte des Erstautors begleitet und realisiert, und dies immer mit gewohnter Ruhe und Gelassenheit, was für manchmal etwas aufgeregte Autorinnen und Autoren immer ganz gut so ist. Vielen Dank dafür, dass auch dieses Buch zustande gekommen ist! Wenn man so viele Jahre zusammenarbeitet, dann kann es leider nicht ausbleiben, dass man auf der Wegstrecke auch Menschen verliert, die einem ganz wichtig sind bzw. waren, man macht aber immer auch die schöne Erfahrung, dass neue kleine Menschlein hinzukommen. Das war bei uns fünf Autorinnen und Autoren in diesen vier Jahren der Fall und wir wollen deshalb das vorliegende Buch diesen Menschen widmen: Magdalena Anuka Humbert, Dr. Anja Dietzel, Oscar Tiberius Kählitz, Leopold Friedrich Humbert, Ellen Mönnich-Strauß, Gertrud Lehmann-Tremmel und Lorena Hintermair. Heidelberg, im April 2017 Manfred Hintermair Inge Cremer Anja Gutjahr Antonia Losch Hans Christoph Strauß

Erscheinungsdatum
Verlagsort Heidelberg
Sprache deutsch
Maße 170 x 240 mm
Gewicht 556 g
Einbandart geklebt
Themenwelt Kinder- / Jugendbuch
Geisteswissenschaften Sprach- / Literaturwissenschaft Literaturwissenschaft
Sozialwissenschaften Pädagogik Sonder-, Heil- und Förderpädagogik
Schlagworte Arbeitswelt • Bildung • Dolmetschdienste • Dolmetscherdienste • Förderschule • gehörlose Arbeitnehmer • Gehörlosigkeit • Hörbehinderung • Hörminderung • Kommunikationsstrategien • Regelschule • schwerhörige Arbeitnehmer • Schwerhörigenpädagogik • Schwerhörigkeit
ISBN-10 3-941146-70-X / 394114670X
ISBN-13 978-3-941146-70-9 / 9783941146709
Zustand Neuware
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