Freya und das Halsband der Brisinger (eBook)
290 Seiten
BoD - Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5777-3 (ISBN)
Der Autor Theodor Nebl hat in seiner beruflichen Tätigkeit eine Reihe wissenschaftlicher Lehrbücher verfasst. Zur Freude seiner Kinder, Enkel und aller an Märchen interessierten Leser wechselte er vor einiger Zeit das Genre. Nun widmet er sich den Märchen aus aller Welt. Er erzählt die Märchen neu und setzt sie in Reime. So entstand frei nach den Gebrüdern Grimm unter anderem die zehnbändige Reihe »Gereimte Märchen« und zuletzt die Titel »Geschichten aus der Bibel« sowie »Das Glücksei und die weiße Schlange«.
FREYA UND DAS HALSBAND DER BRISINGER
DIE schöne Göttin Freya wandelte durch ihren Palast
und überlegte, ob sie alles, was man erreichen könnte,
auch schon wirklich bekommen hat, das tat sie ohne Hast.
Oder hatte sie gar in ihrem Leben etwas Wichtiges verpasst?
Sie hatte einen wunderbaren Ehemann,
daran sie wohl nicht zweifeln kann!
Gott Odur wurde er genannt.
Beide hatten zwei liebreiche Töchter,
das war allgemein bekannt.
Ihr Palast war wirklich wunderschön.
Nicht selten sah man sie in ihrem herrlichen Garten,
der Asgard hieß, spazieren gehn.
Dort blühte es das ganze Jahr,
das fand Freya wunderbar.
Doch nichts, was ihr zu eigen war,
fand sie richtig interessant,
wenn sie es nahm in ihre Hand,
das wurde ihr dann schmerzlich klar.
Drum war ihr Herz ganz ruhelos, wie sonderbar!
Also machte sie sich auf eine lange Reise,
in einer ganz besonderen Art und Weise:
Sie spannte ihre Katzen vor einen Wagen.
Der sah wie ein Kahn aus, hörte ich sagen.
Nachdem sie das Land der Menschen gesehn,
konnte sie nicht widerstehn
und fuhr ins Land der Elfen hinein,
um ihren Bruder Frey zu besuchen, denn der war dort daheim.
Als sie immer noch nicht genug erlebt,
sie ins Land der schwarzen Zwerge strebt’.
Dort lebte Dwalin, ein ganz besonders böser Zwerg,
mit seinen nicht minder bösen Brüdern,
in einer tiefen Höhle, in einem hohen Berg.
Weil sie so böse waren und gemein,
dachten sie, wir fangen die neugierige Freya ein!
Eine üble Falle sollte dafür ihre Lösung sein.
So lockten sie die Göttin in ihre Höhle in den Berg hinein!
Dort hatten sie eine Schmiede aufgebaut,
die jeden fasziniert, der sie anschaut.
Glühende Öfen, Amboss und Hammer waren dort zu sehn.
Sie hofften, das Freya interessiert bleibt stehn,
und haben so auf ihr Glück vertraut!
Dort schmiedeten sie bei Tag und Nacht.
Der Lärm hatte Freya neugierig gemacht,
als sie mit ihrem Katzengespann des Nachts kam vorbeigefahren
und dort nicht achtete auf die Gefahren.
Sie betrat die Höhle und sah im Schein des Schmiedefeuers,
dass vier Zwerge bei der schweren Arbeit waren.
Die taten so, als wären sie allein,
und es trat nicht gerade eine Göttin ein!
Das war Freya nicht geheuer!
Der Zwerge Reaktion war ihr viel zu dumm.
Darum sah sie sich ungeniert
in der ganzen Schmiede alleine um.
Da erblickte sie auf dem Amboss liegend,
ein Halsband so prachtvoll, wunderschön.
Ein schöneres hatte sie noch nie gesehn!
Es war von den Zwergen verzaubert,
das hatt’ sie nicht gewusst.
Sonst wäre es ihr wirklich klar,
dass sie sich besonders vorsehn musst’!
Der Zauber wirkte schon:
Sie spürte den unbezähmbaren Drang
das kostbare Halsband zu besitzen!
Und sie stellte sich die Frage nicht:
Wozu wird es schaden oder nützen?
»Der Schmuck, den ihr geschmiedet habt,
ist wohl das Schönste, was es je im Universum gab!
Nur einmal hab’ ich ihn angeschaut
und mich sofort in ihn verliebt,
weil ich meinen Augen kaum getraut
und weil es gar nichts Schöneres gibt!
Wie viel Silber muss ich euch geben,
um das Halsband, das ihr kunstvoll geschmiedet,
zu mir nach Hause mitzunehmen?«
Dwalin antwortete:
»Das Brisingamen,
das ist des Schmuckes Name,
ist das begehrteste Schmuckstück auf der Welt!
Es ist nicht verkäuflich,
für keine Menge Silbergeld!«
»Ich muss es haben! Darum sagt mir
welchen Schatz ich euch dafür geben sollt’.
Benennt den Preis, ich bezahle ihn,
auch in der gewünschten Menge Gold,
oder was ihr sonst noch haben wollt«.
Die Zwergenbrüder tauschten böse Blicke
und flüsterten sich etwas zu
»Es gibt nur einen Schatz,
für den wir das Halsband hergeben
und das bist allein, nur du!
Du kannst es dir ja überlegen.
Du musst jeden von uns, sind wir auch klein,
für einen Tag und eine Nacht zum Manne nehmen!
Nur unter dieser Bedingung willigen wir ein!
Erfüllst du diese Forderung, dann ist das Halsband dein!
Solltest du dich dessen danach auch furchtbar schämen!«
Freya war so verzaubert,
dass sie nicht zögert’ und nicht überlegt’,
weil ihr der Schmuck vortrefflich steht.
So willigte sie in die gestellte Bedingung ein.
Laut und deutlich sagte sie: »Ja, so soll es sein!«
Nur der Zwerge Zauber hatt’ das vollbracht,
was Freya erst glücklich und dann traurig gemacht!
Als sie dann das Brisingamen in ihren Händen hielt,
nach dem sie sehnsuchtsvoll geschielt,
und das sie nach frevelhafter Tat erhielt,
da wurde ihr klar, was sie gemacht,
und schämte sich, dass sie’s vollbracht’!
Nun spürte sie die aufgeladene Schuld.
Sie hatte ihrem geliebten Gatten Odur betrogen,
was sie wirklich nie gewollt!
Das durfte er niemals erfahren,
denn er war ihr immer treu,
in allen ihren gemeinsamen Jahren.
Nach dem Grübeln in manchen Stunden
hatt’ sie nur einen Ausweg gefunden.
Sie musste das Halsband verstecken,
dass niemand es jemals konnte entdecken!
Damit ihre böse Tat verborgen blieb,
denn sie hatte Odur wirklich von Herzen lieb!
Zurückgekehrt ist sie nach Asgard sofort
und suchte dort einen geheimen Ort.
Sie legte in besagter Kammer die Kette ab,
sprach dann ein Zauberwort,
das ihr die Gewissheit gab,
nur sie allein konnte öffnen die Tür!
Keine andere Person kann eintreten hier!
Sie dachte, das gäbe ihr Sicherheit,
dass niemand in den kommenden Jahren
von ihrer Vier-Zwergen-Hochzeit,
ein einziges Wort könnte erfahren!
Sie meinte, ihr Geheimnis könnte für immer verborgen sein.
Doch dann schaltete sich der boshafte Gott Loki ein,
der überall schon seine Nase hineingesteckt.
So hatte er auch Freyas Geheimnis entdeckt.
Und was hatte er mit seinem Wissen gemacht?
Er hatt’ alles Odur erzählt und sich heimlich totgelacht!
Odur packte gleich die Wut
und das tat Loki gar nicht gut:
»Wie kannst du es wagen,
mein Weib der Untreue zu bezichtigen,
ohne einen Beweis dafür zu haben?
Schaffe mir herbei das Brisingamen,
denn was du behauptest,
ist mir nicht einerlei!
Nur dumme Gedanken mir dabei kamen.
Solange dies nicht ist geschehen,
solltest du mir aus dem Wege gehen!
Sonst wirst du meinen Zorn gewahr,
und das bedeutet für dich Lebensgefahr!«
Loki fühlte sich von Odur ausgebootet,
deshalb hatt’ er nachgedacht und ausgelotet,
wie er seine Behauptung beweisen kann,
Freyas ach so gutgläubigem Ehemann!
Er sprach: »Ich schaffe das Halsband herbei,
und wenn es das Letzte, was ich tue, sei!«
Den Beweis zu erbringen,
bedeutet das Halsband zu stehlen!
Dies konnt’ Loki nicht verhehlen.
Doch Freya hatte ihre Kammer,
in der das Schmuckstück war versteckt,
durch einen starken Zauber verschlossen.
Als er das endlich hatte entdeckt,
machte ihn das verdrossen!
Nach langem Grübeln war ihm dann klar,
dass Freyas starker Zauber,
nur durch seine eigene Zauberkraft
zu brechen war!
Wie und was er leisten musst’,
hatte er sehr bald gewusst.
Gott sei Dank ahnt Freya seine Pläne nicht,
sonst das Herz ihr sicher bricht!
Also kam er zu dem Schluss,
dass er sich in eine Fliege verwandeln muss,
und er tat es auch sogleich!
An tollen Ideen war Loki schon immer reich!
So flog er als Fliege um die Kammertür.
Auch um alle Fenster, das war sein Pläsier!
Als er endlich ein Löchlein entdeckt’,
hatt’ er den Kopf und die Flügel hineingesteckt.
Das Loch war klein, darum atmete er aus und nicht ein,
und kroch so in Freyas Kammer,
durch das besagte Loch hinein!
Schlafend lag die Göttin darin auf ihrem Bett.
Sie hatte das Halsband umgelegt.
Davon war Loki sehr bewegt.
Er gestand sich sofort ein,
der Zwergenschmuck musste kostbar sein!
Nun nahm er seine menschliche Gestalt wieder an,
damit er der schlafenden Freya das Halsband stehlen kann.
Sie schlief sehr tief, hatt’ nichts gespürt.
Ganz sanft nur hatt’ er sie berührt.
Schon hielt er den Schatz in seiner Hand,
das so verbotene Liebespfand.
Von innen öffnet’ er die Tür
und schlüpft getrost hinaus.
Der Zauber wirkt’ von außen nur,
lässt keinen rein, doch jeden raus!
Als Freya am Morgen ohne Halsband...
| Erscheint lt. Verlag | 8.7.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Religion / Theologie |
| Schlagworte | Gereimt • Götterwelten • Nordische Sagen • Phantastisch • Riesen |
| ISBN-10 | 3-8192-5777-2 / 3819257772 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-5777-3 / 9783819257773 |
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