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Bei Licht betrachtet -  Leo Petersmann

Bei Licht betrachtet (eBook)

Mein anderer Blick auf biblische Texte
eBook Download: EPUB
2023 | 3. Auflage
94 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7578-4035-8 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
4,49 inkl. MwSt
(CHF 4,35)
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Sind Sie neugierig auf die alten Weisheiten und Traditionen der Bibel und schütteln zugleich immer wieder darüber den Kopf? Ist sie Ihnen bekannt, aber doch nachhaltig fremd geworden? Oder möchten Sie ihr schon lange mal in verständiger Weise auf die Spur kommen? Dann greifen Sie zu diesem Buch: Texte von der Schöpfung bis zum Weltgericht bei Licht betrachtet, teils im Überblick, teils in die Tiefe gehend zu Weihnachten, Passion und Ostern. Was ist der Kern, was sind die späteren Jahresringe? Das Buch spricht eher Menschen an, die in Ruhe nachdenken möchten, weniger solche, die eine schnelle Antwort wollen. Wenn Sie allerdings etwas Linientreues suchen, was Ihnen die traditionelle Sicht plausibel macht, dann lassen Sie es lieber liegen.

6. Eine neue Zeit beginnt


Eine Geschichte hat die Welt erobert – jedenfalls einen Teil der Welt. An jedem Jahresende ist sie in aller Munde: Weihnachten. Sie wird auf vielerlei Weise dargestellt, wenn auch entfremdet und verniedlicht: Englein, Stall, trautes Paar mit Kind, wallende Gewänder. - In einer Gruppe von kleinen Leuten tauchte die Geschichte zum ersten Mal auf, etwa 80 Jahre nach dem Ereignis. Niemand weiß, woher sie kam. Aber sie bewegte die Herzen, und so wurde sie weitererzählt.

Die Leute, die diese Geschichte erzählten, lebten als kleine Gemeinschaften in der römischen Provinz Judäa und in den umliegenden Ländern. Sie waren überzeugt: Die Welt, wie sie ist, muss sich ändern und wird sich ändern. Wir kleinen Leute am Rand können das nicht machen, aber wir können dazu beitragen. Denn sie lebten weiter auf der Spur eines jüdischen Wanderpredigers, den die Römer für einen Revolutionär hielten und vor 50 Jahren hingerichtet hatten. Das Imperium fühlte sich von ihm bedroht und wollte ihn aus der Welt schaffen. Aber seine Anhänger gab es auch noch nach 50 Jahren. Sie hielten zusammen, teilten ihre Habe mit Armen, Flüchtlingen und Beschädigten, beteten gemeinsam, bezahlten notgedrungen die geforderten Steuern, aber sie unterstützten möglichst nicht die römische Besatzungsmacht. Und sie waren überzeugt, dass die Geschicke der Welt letzten Endes nicht von Rom, sondern von oben bestimmt werden.

Es war eine dunkle, schreckliche Zeit in diesem Land. Vor wenigen Jahren hatten römische Soldaten wegen nicht bezahlter Steuern den Tempelschatz beraubt. Jüdische Freiheitskämpfer griffen daraufhin die römischen Legionen an, um die Besatzungsmacht loszuwerden, und so auch die ständige Gewalt und die Ausbeutung, die Verarmung der Bevölkerung und die Zerstörung der eigenen Lebensgewohnheiten. Es folgten vier Jahre Krieg. Etwa 1 Million Bewohner kamen dabei ums Leben, Tausende wurden gekreuzigt, etwa 100.000 wurden in die Sklaverei verkauft. Der Tempel in Jerusalem, seit Jahrhunderten das kulturelle und religiöse Zentrum des Landes, die tragende Mitte des Volkes, wurde geplündert, zerstört, der Gottesdienst verboten. Viele Überlebende flohen: verletzt, halb verhungert, traumatisiert, verzweifelt. - In dieser dunklen, hoffnungslosen Zeit tauchte die Geschichte zuerst auf. Sie war anscheinend ein Lichtblick, ein Licht, das den kleinen Leuten im Dunkeln Mut gab, an die Veränderung der Welt zu glauben.

- - -

Die Geschichte begann mit dem Kaiser in Rom. Er hieß damals Augustus, der erste in einer langen Reihe von Kaisern, die das römische Imperium regierten. 40 Jahre saß er auf dem Thron. Er führte viele Kriege. In Kriegszeiten befehligte er 230.000 Soldaten. Die Legionen standen in Afrika, in Syrien, natürlich auch in Judäa, auf dem Balkan, in Gallien (dem heutigen Frankreich), sogar im fernen Germanien. Niemand vor ihm und nach ihm hat so viele Gebiete erobert und dem römischen Reich eingegliedert. Nach dem Ende seiner Eroberungen entließ er ein Drittel seiner Soldaten und schenkte ihnen Land als Lohn. Das fiel ihm leicht, denn bei der Eroberung von Ägypten hatte er den gesamten Staatsschatz mitgenommen.

Er ließ in Rom prachtvolle Gebäude errichten, auch ein großes Mausoleum aus Marmor als ehrenvolle Grabstätte für sich selbst. Sein offizieller Titel hieß: Befehlshaber, Kaiser, Sohn des Vergöttlichten, Augustus (der Erhabene), Höchster Oberpriester, Vater des Vaterlandes. Er trug oft als besondere Ehre einen goldenen Lorbeerkranz und ließ sich gern damit abbilden, z.B. auf Münzen, die jeder in die Hand nahm. Die ganze Welt kannte ihn oder wußte von ihm.

Er veranlasste eine große Volkszählung, um Grundlagen zur Besteuerung seiner Untertanen zu haben. Rom war eine Weltstadt, deren Reichtum wesentlich auf der Arbeit und den Steuern der kleinen Leute in den eroberten Gebieten beruhte. Mit Gesetz und Gewalt sorgte Augustus für eine Art von Frieden in seinem Reich. Aufstände ließ er brutal niederschlagen. Darum behielten die Herrschenden diese Zeit in Erinnerung als goldenes Zeitalter, als Epoche des Friedens, des Rechts und des Wohlstands.

Die kleinen Leute am Rand lebten natürlich anders und erlebten diese Zeit völlig anders. Es kostete sie große Mühe zu überleben. Sie bewohnten in den Dörfern kleine, sehr einfache Häuser aus groben Steinen oder Lehmziegeln, die oft nur aus einem einzigen Raum bestanden. Im vorderen Teil lebten ein paar Schafe oder Ziegen, im hinteren Teil auf einer erhöhten Stufe die Menschen: die Familie mit ihren Kindern, weitere Angehörige, vielleicht auch noch Besuch, alle eng beieinander. Hier spielte sich das gemeinsame Leben ab. Von früh bis spät arbeiteten sie auf ihren Feldern oder betrieben ihr Handwerk, hüteten die Herde des Dorfes oder versorgten Familie und Tiere, so gut es ging. Sie bezahlten die Steuern, soweit sie konnten. Niemand außerhalb des Dorfes kannte sie, vielleicht außer ein paar Verwandten oder Nachbarn, die weggezogen waren. -

Bertolt Brecht schrieb:

Denn die einen sind im Dunkeln,

Und die andern sind im Licht.

Und man siehet die im Lichte,

Die im Dunkeln sieht man nicht.

So war es auch in Bethlehem, einem kleinen Ort südlich von Jerusalem. Es gab hier nichts Bedeutendes – außer der alten Tradition, dass vor 1000 Jahren ein Junge namens David hier gelebt und als Hirte die Schafe seines Vaters gehütet hatte. Er wurde als jüngster von 8 Brüdern zum König bestimmt und gesalbt. Und er ist dann ein berühmter König geworden, der das Land einigte und die feindlichen Nachbarn unterwarf. Und die Menschen in Bethlehem wünschten sich, jemand wie er würde wiederkommen, vielleicht ein Nachkomme von ihm, der für Recht sorgen, den Armen ein Auskommen geben und die Römer aus dem Land jagen würde.

In der Zeit der großen Volkszählung waren viele Menschen unterwegs, um in den Ort zu gehen, wo sie noch Besitz hatten. Dort mussten sie sich und ihren Besitz in Listen eintragen lassen. Auch in Bethlehem kamen Leute an, die selbst oder ihre Vorfahren mal im Ort gewohnt hatten und die noch ein Feld oder ein Haus besaßen. So war es auch mit Josef und Maria. Sie kamen aus Nazareth im Norden, das zu einer anderen römischen Provinz gehörte. Aber Josef stammte aus der Familie von König David. Darum musste er in seinen Herkunftsort wandern. Die beiden fanden eine Familie, die sie aufnahm, obwohl es schon eng war im Haus. Aber wer arm ist, der weiß, wir müssen uns gegenseitig helfen. Schon gar, wenn es dringend ist. Und es war dringend. Denn Maria war schwanger, und da war völlig klar, dass sie Hilfe und Gemeinschaft brauchte.

Als sie dort in Bethlehem zu Gast waren, kam eines Tages die Zeit der Geburt. Die Frauen im Haus halfen Maria dabei, wie sie das seit Generationen gewohnt waren. Und Maria brachte ihren ersten Sohn zur Welt. Weil es aber so eng war im Haus, hatten sie für das Neugeborene keinen anderen Platz als die Futterkrippe der Tiere. Das war nicht komfortabel, aber eine einfache Möglichkeit – wie sie ja alle einfach und ärmlich lebten.

Am Ende dieses Tages hatten sich alle im Haus zum Schlafen gelegt. Es war schon mitten in der Nacht. Da ging plötzlich die Tür auf, und ein paar dunkle Gestalten traten herein. Es waren die Dorfhirten, die eigentlich nachts auf dem Feld ihre Herde hüteten. Im Schein der Öllampe blickten sie sich um, sahen das Kind in der Krippe und sagten:

„Das ist es, was wir suchen! Stellt euch vor: Jetzt, mitten in der Nacht auf dem Feld, umgab uns plötzlich ein himmlisches Licht. Wir hatten große Angst. Aber eine Stimme sagte: Keine Angst! Sondern große Freude für euch und das ganze Volk: Heute ist euch ein Retter geboren, ein messianischer Weltherrscher, hier in Bethlehem, wo auch David geboren ist. Sein Kennzeichen ist: Ihr werdet ihn mit seinen Windeln in einer Futterkrippe finden. -

Und dann war auf einmal die Luft erfüllt von einem vielstimmigen himmlischen Chor, der sagte:

Großes Lob für Gott im höchsten Himmel

und Frieden auf der Erde für seine geliebten Menschen!

Und dann – war alles verschwunden, als wäre nichts gewesen und wir hätten nur geträumt. -

Wir waren ratlos: Was bedeutet das? Soll das wahr sein? Und dann haben wir uns gesagt: Lasst uns sehen, ob das stimmt, was wir gehört haben. Wir sind gleich losgegangen. Und jetzt sehen wir: Ja, es stimmt. Da ist das Kind in der Krippe, der künftige Weltherrscher.“

Alle Leute im Haus waren natürlich aufgewacht und hatten zugehört. Aber was die Hirten erzählten, befremdete sie eher: „Was, dieses namenlose, fremde Kind soll unser Volk retten und Gerechtigkeit und Frieden auf die Erde bringen? Die Hirten spinnen doch, oder sie haben geträumt.“ Nur Maria hörte still und nachdenklich zu.

Die Hirten gingen wieder zurück aufs Feld zu ihrer Herde. Und während sie gingen, sangen sie laut in die Nacht ein Lied von der Güte des Himmels und von der kommenden Befreiung. Alle im Haus konnten es hören. Besonders Maria lauschte ihm nach, denn es wurde immer leiser, je weiter die Hirten...

Erscheint lt. Verlag 21.6.2023
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften Religion / Theologie
ISBN-10 3-7578-4035-6 / 3757840356
ISBN-13 978-3-7578-4035-8 / 9783757840358
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