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Den Sinn des Lebens spüren -  Jens Marxen

Den Sinn des Lebens spüren (eBook)

Leibphilosophie und Lebenskunst

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
202 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7568-7127-8 (ISBN)
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Der menschliche Körper mit seinen Gefühlen und Stimmungen wurde von Philosophen systematisch entwertet. An seine Stelle wurde die kalte und berechnende Vernunft gesetzt. Der Mensch sollte nicht mehr lustvoll leben, sondern sich einer Gesellschaft anpassen, die einer riesigen Maschine gleicht. Dieses Denken hat tiefe Spuren hinterlassen und prägt das Verhältnis zu uns selbst bis heute. Wir wohnen nicht in unserem Körper, sondern benutzen ihn wie einen Gegenstand, den man beliebig manipulieren kann. Doch wer erfüllt und lustvoll leben will, sollte sich auf die eigene Leiblichkeit einlassen. Denn der gespürte Leib ist die Basis unserer Identität und die Quelle des guten Lebens. Dieses Buch macht die Leibphilosophie erstmals allgemeinverständlich zugänglich. Sie erfahren in diesem Buch, was der gespürte Leib ist, warum wir von ihm entfremdet sind und was wir konkret gegen diese Entfremdung tun können. «Marxens Leibphilosophie stellt die gespürte Wirklichkeit in den Mittelpunkt und bietet so Hilfestellung und Stärkung für ein geglücktes Leben an.» Philosophisch-ethische Rezensionen

Jens Marxen, geboren an der Nordsee, hat Philosophie und Literatur in Wien studiert. Er hat das Studium mit einer Arbeit über die Individualität des Menschen abgeschlossen. Danach ließ er sich in München zum ärztlich geprüften Yogalehrer ausbilden. Marxen ist seit vielen Jahren als Yogalehrer und Philosophischer Lebensberater tätig.

Eine kleine
philosophische Revolution

Mensch und Natur werden in unserer Epoche wie nie zuvor manipuliert und umgestaltet. Seit rund 200 Jahren verändert sich die Erdoberfläche inklusive der Lebewesen auf ihr mit rasender Geschwindigkeit. Ermöglicht wurde dieses gigantische Projekt durch Wissenschaft, Technik und Fortschritt. Die Wissenschaft ist eigentlich eine wunderbare Errungenschaft des Menschen. Problematisch ist aber ihre Verschmelzung mit der Technik. Denn Technik bedeutet die Anwendung von Wissenschaft in der Praxis, der Wunsch nach Fortschritt treibt Wissenschaft und Technik voran. Wären wir nicht den Verheißungen des Fortschritts verfallen, dann würden Wissenschaft und Technik sofort an gesellschaftlicher Bedeutung verlieren. Zwar sind nicht alle Menschen solche Fortschrittsoptimisten, aber ein ungebrochener Glaube an die Technik dominiert die Welt. Nicht persönliches Wachstum und moralische Sensibilität sind die höchsten Werte unserer Gesellschaft, sondern der Glaube daran, dass technischer Fortschritt auch humaner Fortschritt sei. Persönliches Empfinden und Zweifel an dieser Art von Fortschritt stören den Betrieb. Was allgemein als gut gilt, das soll für alle Menschen ohne Ausnahme gelten. Kritik an der Dominanz von Wissenschaft und Technik hat es schwer, denn sie hat den Zeitgeist gegen sich. Viele Menschen glauben, Kritik an Wissenschaft und Technik sei immer rückwärtsgewandt und esoterisch. Doch das ist ein Vorurteil. Es beruht auf dem Glauben, dass die Wissenschaft alle Bereiche der Welt und des Lebens erfassen würde, bis in den letzten Winkel. Jenseits wissenschaftlicher Erkenntnis und rationaler Planung gibt es demnach nur unvernünftige Phantasien und weltfremde Träume. Wie wenig selbst die großen Fragen der Wissenschaft mit dem Leben der einzelnen Menschen zu tun haben, können wir von dem Philosophen Albert Camus (1913–1960) lernen: Es könne uns gleichgültig sein, ob sich die Erde um die Sonne drehe oder die Sonne um die Erde, so Camus. Diese Frage hatte bekanntlich Galileo Galilei vor Gericht gebracht. Aber er entschied sich dafür, seine Thesen zu widerrufen. Sein Leben war ihm offensichtlich wichtiger, als seine Theorie über die Himmelskörper. Das sei laut Camus nicht verwunderlich, denn solche Fragen der Wissenschaften seien angesichts der Frage nach dem Sinn des Lebens lächerlich. Camus sah viele Menschen am Leben verzweifeln, da ihnen die Routine des täglichen Lebens und das Getriebe der Welt sinnlos erschienen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wurde für Camus zur wichtigsten philosophischen Frage. Das ist aber noch nicht alles: Für Camus wurde damit der Selbstmord zum einzigen echten Problem der Philosophie. Wenn wir am Sinn des Lebens zweifeln, dann fragen wir uns: Will ich mein Leben überhaupt leben, oder soll ich es selber beenden? An der Frage nach dem Sinn des Lebens hängt das Gewicht unserer gesamten Existenz.

Aber keine Wissenschaft dieser Welt wird je die Frage nach dem Sinn unseres individuellen Lebens beantworten können. Keine Technik wird uns helfen, diesen Sinn zu finden. Den Sinn des Lebens finden wir nur, wenn wir uns auf das Leben selber einlassen. Doch damit beginnen die Probleme: Wer sind wir selber überhaupt und was ist unser eigenes Leben? Um uns einer Antwort auf diese Frage zumindest zu nähern, helfen uns komplexe wissenschaftliche Theorien so wenig wie große philosophische Weisheiten. Wir müssen zunächst einmal als Individuen Boden unter den Füßen gewinnen, anstatt uns in weiteren Theorien zu verlieren. Genau das ist das Ziel der Leibphilosophie.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens hat aber nicht alle Philosophen derart beschäftigt. Sie war Thema bei philosophischen Außenseitern, die der gesellschaftlichen Entwicklung kritisch gegenüberstanden. Vor allem Friedrich Nietzsche (1844–1900) als Denker des 19. Jahrhunderts war überzeugt, dass die moderne Welt überhaupt keinen Sinn mehr habe. Er warnte eindringlich vor einer Welt, in der die Menschen nur noch nach Macht und Besitz streben. Hinter dem modernen Fortschrittsoptimismus vermutete Nietzsche verdrängtes Leben und destruktive Kräfte. Trotz viel Polemik und manch fragwürdigem Gedanken in seinem Werk, hat sich Nietzsche um eine reflektierte Lebenskunst bemüht. In ihr sollte neben dem Geist auch der Körper zu seinem Recht kommen. Aber eine echte Leibphilosophie hat Nietzsche nicht entwickelt. Das liegt auch daran, dass er den Leib noch nicht ausreichend vom Körper der Naturwissenschaften unterschieden hat. Dass die Suche nach dem Sinn des Lebens mit der Wiederentdeckung des Leibes zusammenfällt ist aber kein Zufall. Denn die Entfremdung vom eigenen Leib ist untrennbar mit Gefühlen der Sinnlosigkeit verknüpft.

Philosophen entdecken selten etwas ganz Neues. Wie auch, wenn sie nur in den Büchern ihrer berühmten Vorgänger nach Erkenntnis suchen oder sogar glauben, das reine Denken in der stillen Kammer sei die einzige Erkenntnisquelle. Die Entdeckung des gespürten Leibes war eine kleine Revolution. Oder genauer: Diese Entdeckung hätte eine Revolution sein können, hätte sich nicht die große Mehrheit der philosophischen Gemeinde dem Thema verschlossen. Die wichtigste philosophische Schule der Leibphilosophie ist aus meiner Sicht die Neue Phänomenologie. Von dieser philosophischen Schule übernehme ich einige Gedanken und erweitere sie um den Aspekt der Lebenskunst. Zwei Hauptvertreter dieser Strömung waren Hermann Schmitz (1928–2021) und Gernot Böhme (1937–2022). Hermann Schmitz war Professor für Philosophie in Kiel. Er hat den gespürten Leib ganz genau untersucht und beschrieben. Damit hat er den Grundstein für die Leibphilosophie gelegt. Schmitz wollte mit seiner Philosophie ausdrücklich Menschen helfen, die durch Technik und Fortschritt krank geworden sind. Gernot Böhme war zunächst Professor für Philosophie in Darmstadt, später hat er ein Institut für Philosophische Praxis gegründet. Böhme vertrat eine Ethik, in der dem Widerstand eine zentrale Rolle zukommt. Wer moralisch leben wolle, der müsse sich auch bewusst gegen eine Technik oder eine Therapie entscheiden können. Die Bücher von Schmitz und Böhme sind zwar nicht bewusst unverständlich geschrieben, setzen aber trotzdem Vorkenntnisse und ein gewisses Durchhaltevermögen voraus.

Neue Phänomenologie ist zwar ein sperriger Begriff, aber diese Philosophie ist leichter zugänglich, als andere philosophische Disziplinen. Denn diese relativ neue philosophische Schule nimmt das Leben in seiner ganzen Fülle ernst. Es geht ihr nicht um die Errichtung riesiger Begriffspyramiden, denn sie richtet die Aufmerksamkeit auf die Lebenswirklichkeit des Menschen. Die traditionelle Philosophie wirkt oft wie ein Labyrinth, in dem sich nur Eingeweihte zurechtfinden sollen. Karl Popper (1902–1994) hat diesen esoterischen Charakter der Philosophie gut beschrieben:

«Das grausame Spiel, Einfaches kompliziert und Triviales schwierig auszudrücken, wird leider traditionell von vielen Soziologen, Philosophen usw. als ihre legitime Aufgabe angesehen. So haben sie es gelernt, und so lehren sie es.» 1

Aus meiner Sicht sollte die Philosophie an der Entwicklung alternativer Lebensformen mitarbeiten. Die Welt steht vor riesigen Herausforderungen, viele Menschen dürsten nach Orientierung. Doch viel zu viele Menschen verfangen sich auf ihrer Suche in den Netzen des Esoterik- und Ratgebermarktes. Eine kleine Gruppe von Philosophen bemüht sich zwar um ernsthafte Antworten, aber von der Mehrheit ist nicht zu Unrecht gesagt worden, dass sie sich mit Problemen beschäftigt, die überhaupt niemand hat. Die erlebte Wirklichkeit jedes einzelnen Menschen ist eben kein abstraktes Denken, sondern unmittelbares Erleben. Und der Ort dieses Erlebens ist immer der eigene Leib. Die traditionelle Philosophie will davon nichts wissen, da sie nur den Kopf und die Vernunft gelten lässt. Moderne Naturwissenschaft hingegen reduziert den Menschen auf das, was man von außen an ihm beobachten und messen kann. Das dient zunehmend dazu, ihn als Konsumenten oder Patienten steuern zu können. Die Leibphilosophie schlägt einen anderen Weg ein. Sie richtet den Blick auf unsere gespürte Wirklichkeit, um so das Fundament des Lebens zu stärken.

Wir verwenden heute große Mengen an Lebensenergie darauf, keine Zweifel an unserem Lebensstil aufkommen zu lassen. Dabei hätten wir allen Grund, unser Leben grundlegend zu ändern. In den 70er Jahren warnten viele Psychologen und Sozialphilosophen noch vor der krankmachenden Industriegesellschaft. Denn diese Gesellschaft bringt seit Jahrzehnten mehr und mehr unglückliche Menschen hervor. Da diese unglücklichen Menschen ihr Heil im Konsum suchen, zerstören sie ganz nebenbei auch noch den Planeten. Es ist ein teuflisches System: Die Ausbeutung von Mensch und Natur verbessert nicht das Leben, sondern sie führt zu mehr unglücklichen Konsumenten. Da die Konsumgesellschaft nur durch Wachstum überleben kann, erzeugt sie zur Erhaltung des Unglücks noch mehr Unglück. Ich denke, grundlegende Kritik an diesem System hat es heute sogar schwerer als vor 50 Jahren. Das liegt an unserem Zugang zur Wirklichkeit. Heute glauben wir, einer Vielzahl komplexer Probleme...

Erscheint lt. Verlag 13.12.2022
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Esoterik / Spiritualität
Geisteswissenschaften
ISBN-10 3-7568-7127-4 / 3756871274
ISBN-13 978-3-7568-7127-8 / 9783756871278
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