Dante - Der Prophet der Hoffnung (eBook)
129 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-70852-5 (ISBN)
II. Dante degli Alighieri – „Il Sommo Poeta“
Geboren wurde Dante degli Alighieri, der eigentlich Durante hieß, denn Dante ist nur die Kurzform seines Vornamens, im Jahr 1265, wohl zwischen dem 18. Mai und 17. Juni5 in San Marino del Vescovo, einem Stadtviertel von Florenz. Damit war er von Geburt an Bürger einer Stadt, die den wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt des damaligen Italiens und damit Europas darstellte, nachdem Rom einen beispiellosen Niedergang erlebt hatte. Um die 90.000 Einwohner bevölkerten zur Zeit von Dantes Geburt die Häuser und Geschlechtertürme, die Plätze und die mit einem überreichen Warenangebot ausgestatteten Märkte innerhalb der Stadtmauern. Florenz war damit eine der größten Städte Europas und auch an wirtschaftlicher Kraft kam ihr kaum eine andere Stadt gleich. Florentiner Kaufleute handelten mit der ganzen Welt und die Bankhäuser der großen und reichen Familien der Stadt wie der Bardi, der Peruzzi, der Acciaiuoli, aber auch der Cerchi unterhielten überall in Europa bereits Filialen.
Das Geburtshaus Dantes lag inmitten einiger Häuser, die von den d´Alighieri bewohnt wurden, an der Piazza San Martini und ist im Übrigen nicht identisch mit dem Haus, welches Florenz heute den Touristen als Haus Dantes präsentiert. Sein Geburtshaus wurde bereits im Jahr 1302 im Zusammenhang mit Dantes Verurteilung niedergebrannt und abgerissen.
Dante entstammte einer alten und vornehmen Familie des florentinischen Stadtadels, welche ihre Herkunft aus „dem Samen“ eines alten Römergeschlechts herleitete, das schon in der Gründerzeit Florenz kolonisierte.6 Dantes Ur-Urgroß-vater Cacciaguida degli Elisei7 hatte von König Konrad III. den Ritterschlag erhalten und war daraufhin mit dem Kaiser ins Heilige Land gezogen, wo er auf dem zweiten Kreuzzug umkam. Dante lässt diesen Urahn in seiner „Commedia“ im Paradiso, im XV. bis XVII. Gesang, auftreten, wo er Dante die Zukunft weissagt.
Trotzdem waren die Alighieri wohl nicht reich, sondern eher wohlhabend zu nennen. Sie gehörten weder zum alten Lehensadel noch zu den Magnaten.8 Der Vater, Alighiero di Bellincione d’ Alighiero, arbeitete als Richter und Notar, verdiente sein Geld aber auch als Geldverleiher.9
Von der Mutter wusste man lange Zeit nur, dass sie „Bella“ hieß und früh den Tod fand. Neueren Forschungen zufolge war ihr Name Bella degli Abati und sie verstarb vor 1270, also noch in Dantes Kleinkindalter. Dante wäre dann bei ihrem Tod fünf oder sechs Jahre alt gewesen. In zweiter Ehe heiratete sein Vater Lapa di Chiarissimo Cialuffi und aus dieser Verbindung gingen zwei Halbgeschwister Dantes hervor.
Dante hat seine gesamte Familie in seinen Werken kaum erwähnt, obwohl er sonst viele Persönlichkeiten seiner Zeit auftreten ließ. Ob hieraus der Rückschluss zu ziehen ist, Dante hätte sich zum Zeitpunkt der Abfassung seiner Werke bereits mit seiner Familie überworfen oder habe ihr aus unbekannten Gründen gezürnt, muss hier aus Mangel an Belegen offenbleiben.
Dante erwarb seine Bildung zunächst wahrscheinlich im Konvent des Dominikanerklosters Santa Maria Novella und vielleicht auch im Franziskanerkonvent von Santa Croce10, wo er unter anderem auch von Brunetto Latini unterrichtet wurde oder zumindest Lesungen von ihm gehört hat. Dieser war damals einer der führenden Gelehrten in Florenz und Dante setzt ihm im Inferno seiner Commedia ein bleibendes Denkmal.11
Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, führte Dante das typisch freizügige Leben eines jungen Edelmanns aus der begüterten Oberschicht, der „jeunesse dorèe“, wie man diese Jugend später einmal treffend bezeichnen sollte. In dieser Zeit lernte er auch den zehn Jahre älteren Guido Cavalcanti kennen. Dieser entstammte einer der großen Guelfenfamilien von Florenz und er und Dante wurden gute Freunde. Aus der Vita Nuova kann man entnehmen, dass Dante und sein Freund Cavalcanti die nach ihrer Meinung 60 schönsten Frauen von Florenz durchnummeriert hatten und die Nummern sehr wohl kannten.12
Daneben hatte Dante jedoch auch zwei nachhaltige Begegnungen mit einer Frau oder zunächst eher mit einem Mädchen, welche sein Leben und sein Werk bestimmten, Beatrice Pontinari. Er begegnete ihr nur zu zwei Gelegenheiten, erstmalig 1274 im Alter von neun Jahren und zum zweiten Mal 1283 im Alter von achtzehn Jahren. 1290 verstarb sie bereits als Opfer einer Epidemie. Dante widmet ihr und ihrem Tod sein Werk „Vita Nuova“ und auch in der Commedia ist eine Beatrice Dantes Führerin durch das Paradies. Ob diese dichterische Beatrice allerdings jene Beatrice Pontenari ist, ist bis heute umstritten.13
Ansonsten vertrieb sich die „jeunesse dorèe“ ihre Zeit mit gemeinsamem Trinken und der Jagd in den Wäldern um Florenz. Dante selbst gibt von seinen Jagdkenntnissen Zeugnis, wenn er zum Beispiel im Inferno als Allegorie eine Hetzjagd auf Wölfe beschreibt:
Er jagte Wolf und Wölflein zu dem Berge,
Der den Pisanern Luccas Anblick hindert,
Mit mageren Hunden, wilden und durchtriebenen,
Gualandi und Sismondi und Lanfranchi,
hat er vor seiner Jagd einhergetrieben,
Nach kurzem Lauf schon schienen mir ermüdet,
Vater und Söhne; mit den scharfen Hauern,
Sah ich, wie ihre Flanken aufgerissen.14
Um 1285 heiratete er Gemma di Manetto Donati, wie es bereits in der Kindheit zwischen den Familien verabredet worden war. Sie war die Tochter Manetto Donatis und Cousine Forese Donatis, der wiederum der Bruder Corso Donatis war.15 Dante heiratete somit in eine der führenden und reichsten guelfischen Familien der Stadt ein, auch wenn seine Frau selbst wenig Mitgift mitbrachte.16 Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor.
Seiner Vaterstadt diente Dante auch als Soldat. 1289 kämpfte er als Mitglied in der Reiterei von Florenz in der blutigen Schlacht von Campaldino gegen die Ghibellinen und das benachbarte Arezzo. Die Schlacht stand zeitweise auf des Messers Schneide, aber das entscheidende Eingreifen der florentinischen Reiterei unter Corso Donati, mit dem Dante über seine Frau verwandt war, entschied den Tag zugunsten der Florentiner. Dante schrieb hierüber in einem als Fragment erhaltenen Brief: „Ich befand mich, kein Knabe mehr, unter den Waffen und fühlte damals gar große Furcht und später den größten Jubel infolge der wechselnden Vorfälle dieser Schlacht.“17
Neben dem Kriegshandwerk war es in den adligen Kreisen, in denen Dante verkehrte, auch üblich, die schönen Künste auszuüben, um eine verfeinerte Lebensart zu zeigen. So besuchte er Literatenzirkel, wo elitär-ehrgeizige Ziele in Kultur und Dichtkunst verfolgt wurden.18 Hier entdeckte Dante seine Liebe und Fähigkeit zur Dichtkunst.
Häufig war Dante im Übrigen in Geldnöten und nur seinen für ihn bürgenden Verwandten und Freunden verdankte er es, dass ihm überhaupt höhere Summen geliehen wurden.19
Zum Ende des 13. Jahrhunderts nahmen die politischen Spannungen in Florenz wie in ganz Italien stetig zu. In Florenz entstanden zwei Fraktionen innerhalb der nach der Vertreibung der kaisertreuen Ghibellinen alleinherrschenden Guelfen.
Der eine Teil, der sich Negri (schwarze Guelfen) nannte, scharte sich um Corso Donati, Il Grande Barone,20 dessen reiches Handelshaus die Wirtschaft von Florenz maßgeblich beeinflusste. Sie vertraten nach wie vor papsttreue und kaiserfeindliche Thesen und waren überwiegend Angehörige des florentiner Altadels. Ihre wirtschaftlichen Interessen gingen dahin, für Florenz immer neue Märkte zu erschließen und ungehemmt wirtschaftlich zu expandieren.21 Zu diesem Zweck knüpften sie internationale Handelsbeziehungen auch über Florenz hinaus und versicherten sich des Beistandes sowohl der römischen Kurie als auch des Französischen Königs, der in Neapel Fuß gefasst hatte.22
Ihnen entgegen standen die Bianchi (weiße Guelfen), allen voran die Familie der Cerchi, die ein Bankhaus besaßen. Die Cerchi waren nicht von altem Adel und stützten ihre Macht auf die „popolani“, die bürgerlichen Bewohner der Stadt. Sie und ihre Partei der Bianchi traten zunehmend für eine Aussöhnung mit dem Kaiser ein und erkannten seine beherrschende Rolle in der weltlichen Ordnung an. Sie näherten sich damit stark ghibellinischen Ansichten an und pflegten auch Verbindungen zu den Ghibellinen. Gleichwohl standen sie für die Unabhängigkeit der Stadt, insbesondere gegenüber den weltlichen territorialen Machtansprüchen des Kirchenstaates.23 Auch ihre Handelspolitik unterschied sich von der der Negri, da sie eine regionale, stadtnahe Handelspolitik verfolgten. Protagonist bei den Bianchi war neben der Familie Cerchi auch Dantes Freund Cavalcanti, der in vorderster Linie die Politik der Bianchi vertrat.
Das trennende Element zwischen den Gruppen der Negri und der Bianchi waren neben politischen Fragen daher auch gegenläufige wirtschaftliche Interessen.
Die Stimmung in Florenz heizte sich Jahr für Jahr weiter auf, während andere Städte in Italien...
| Erscheint lt. Verlag | 29.8.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Dramatik / Theater |
| Geisteswissenschaften ► Sprach- / Literaturwissenschaft ► Literaturwissenschaft | |
| Schlagworte | Danteforschung • Dantegesellschaft • Göttliche Komödie • Prophezeiung • Rätsel • Veltro • Veltrorätsel |
| ISBN-10 | 3-347-70852-0 / 3347708520 |
| ISBN-13 | 978-3-347-70852-5 / 9783347708525 |
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