RAF und Popkultur (eBook)
Um sich dem Selbstkonzept (der Selbstdarstellung, dem Selbstverständnis) der terroristischen Gemeinschaft anzunähern, ist zunächst zu fragen, wie sich eine Gemeinschaft formieren kann. Diese Formation erfolgt meist von zwei Seiten.
Zunächst einmal erfolgt Abgrenzung erfolgt von innen heraus durch geteilte Ideale, Vorstellungen und Feindbilder und eine bewusste Abgrenzung zur Umgebung. Zugleich kann die Entstehung einer Gemeinschaft außerdem von außen heraus gestärkt werden, durch Ausgrenzung der Gruppe, Ablehnung ihrer Vorstellungen und Ideale. Nicht zu vernachlässigen in diesem Formationsprozess ist die Stärkung des „Wir-Gefühls“ einer Gruppe durch eine Betonung der Differenzen mit der Umwelt, durch Konflikte zu den Anderen. So geschah es auch bei der RAF, deren Innenbild sich eklatant von dem Außenbild des Staates absetzte. Eine Annäherung war so schwer möglich. Was beiden Seiten in der Darstellung der Gruppe der RAF gemeinsam ist, lässt sich unter dem Phänomen der Überhöhung und Mystifizierung der Aktivisten fassen, auf Seiten des Staates durch eine übertriebene Staatsparanoia , auf der anderen Seite durch die zum Teil an die Popkultur angelehnte Codierung der RAF selbst, z.B. in Form von Heroisierung der Mitglieder.
Interessante Fragen sind also, ob sich die Terroristen selbst als „Terroristen“ wahrgenommen haben, was ihre Ideale, Vorstellungen, Erkennungsmerkmale darstellten, wie ihr Weltbild aufgebaut war und wieso daraus diese Eskalation besonders in den 1970er Jahren entstehen konnte.
Da die Selbstcodierung überwiegend über die Sprache verläuft – überspitzt lässt sich formulieren: „Ich bin, wie ich es sage!“ – finden sich viele Hinweise auf die Selbstsicht und Selbstperformance der RAF in ihrer Sprache, die daher im Folgenden als Grundlage einer Analyse untersucht werden soll.
| Erscheint lt. Verlag | 7.4.2008 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Geisteswissenschaften ► Geschichte ► Regional- / Ländergeschichte |
| Sozialwissenschaften ► Ethnologie ► Völkerkunde (Naturvölker) | |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Popkultur |
| ISBN-10 | 3-638-03312-0 / 3638033120 |
| ISBN-13 | 978-3-638-03312-1 / 9783638033121 |
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