Der forschende Blick
Karlheinz Rossacher, em. Universitätsprofessor für Neuere deutsche Literatur am Institut für Germanistik der Universität Salzburg.
Thomas Hellmuth ist Universitätsprofessor am Institut für Geschichte der Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Kultur- und Identitätsgeschichte Frankreichs und Österreichs seit der Aufklärung, Lokal- und Regionalgeschichte, Erinnerungs- und Geschichtskultur sowie Geschichtsdidaktik und Politische Bildung.
Gerhard Botz ist Professor emeritus am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Er war o. Prof. für Österreichische Geschichte an der Universität Salzburg (1980-1997) und für Zeitgeschichte an der Universität Wien (1997-2009) sowie Gastprofessor an den Universitäten Minneapolis (MN), Stanford und Paris (EHESS). Er war Gründer und bis 2017 Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Historische Sozialwissenschaft in Salzburg/Wien und u.a. Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats für die Mauthausen-Reform (2001-2004) im BMI. Forschungsschwerpunkte: Zeitgeschichte, Gewaltforschung, autoritäre Systeme, Nationalsozialismus, Methodologie (Quantifizierung, Oral History und Bildanalysen).
Christian Dirninger war bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand (2017) Außerordentlicher Universitätsprofessor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg.
Herbert Dachs, Jg. 1943, Dr. Univ.-Prof. für Politikwissenschaft an der Universität Salzburg i.R. Zahlreiche Arbeiten über österreichische Zeitgeschichte, Politik in den Bundesländern, Föderalismus, Parteien, Wahlkämpfe, österreichisches Politisches System, politische Bildung und Erziehung.
Christoph Kühberger, geb. 1975, ist Universitätsprofessor für Geschichts- und Politikdidaktik sowie Fachbereichsleiter am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg, wo er derzeit zu den Themen Diversität/Inklusion, Dekolonialisierung des historischen Denkens und Digital Humanities forscht.
Franz Schausberger, geb. 1950. Dr. phil. Universitätsprofessor für Neuere Österreichische Geschichte an der Universität Salzburg. Tit. Univ. Prof. an der Westungarischen Universität in Sopron. 1996 - 2004 Landeshauptmann von Salzburg. Vorsitzender des Forschungsinstituts für politisch-historische Studien. Vorstand des Instituts der Regionen Europas (IRE).
Helmut Rumpler em. Univ.-Prof. Dr., geboren 1935 in Wien, Studium der Geschichte und Germanistik, 1962 Mag., 1963 Dr.phil. (Neuere Geschichte), 1973 Habilitation für Neuere Geschichte an der Universität Wien, von 1975 bis 2003 ord. Univ.-Prof. für Neuere Geschichte an der Universität Klagenfurt, 2003 Emeritierung. Am 10. Februar 2018 verstorben.
Michael Mitterauer (* 1937, † 2022) war Professor für Sozialgeschichte an der Universität Wien.
Prof. Dr. Günter Bischof, geb. 1953 in Mellau, ist Marshall Plan Professor of History und Direktor des Center Austria: The Austrian Marshall Plan Center for European Studies an der Universität von New Orleans. Er ist Mitherausgeber von »Contemporary Austrian Studies« (24 Bände) und Autor bzw. Herausgeber von weiteren 25 Büchern. Sein jüngstes Buch ist eine Sammlung seiner ausgewählten Aufsätze »Relationships/Beziehungsgeschichten: Austria and the United States in the Twentieth Century».
Robert Kriechbaumer, der 2024 verstorben ist, war Universitätsprofessor für Neuere Österreichische Geschichte. Von 1992 bis 2024 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek.
Reinhard Krammer, geb 1949. Mag.phil., Dr. phil. Ao. Univ. Prof . am Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg. Von 2001 bis 2007 Mitglied im Leitungsteam des internationalen Projektes »Förderung und Entwicklung reflektierten Geschichtsbewusstseins«. Leiter der Zentralen Arbeitsstelle für Geschichtsdidaktik.
Vorworte: Ernst Hanisch - opus et vita
Reinhard Krammer
Zur Person
Christoph Kühberger
Der Lehrer Ernst Hanisch
Franz Schausberger
Ernst Hanisch und das Prinzip der Offenheit
Studien zur österreichischen Zeitgeschichte
Robert Kriechbaumer
Welcher Staat? Die Christlichsoziale Partei und die Republik 1918-1920
Ewald Hiebl
Politische Lebenswege der bürgerlichen Eliten
Des Gemeinderat der Stadt Hallein um 1900
Karl Klambauer
'(...) ein in begeisterter Verehrung ergebener Unterthan !'
Das Gymnasium Rosasgasse im Spiegel seiner Jahresberichte 1884-1917
Versuch einer zeitgeschichtlichen Deutung
Laurenz Krisch
Registrierungslisten als Quelle zur Erforschung der sozialen Merkmale ehemaliger Nationalsozialisten, dargestellt am Beispiel Bad Gastein
Christian Dirninger
Zugange zur politischen Ökonomie der Staatsfinanzen in der Zweiten Republik
Herbert Dachs
Wahlen mit 16 - Die Bundeslander als 'Probierfeld'
Biografische Zugänge
Robert Hoffmann
Standische Ordnung als Utopie. Josef von Löwenthal und seine Vision vom 'Christlichen Standestaat' des Jahres 2000
Franz Schausberger
Rudolf Ramek - Notizen zu einer politischen Biografie
Helmut Rumpler
Der Standestaat ohne Stande. Johannes Messner als 'Programmator' der berufsständischen Idee in der Verfassung des Jahres 1934
Roman Sandgruber
Dr. Walter Schieber. Eine nationalsozialistische Karriere zwischen Wirtschaft, Bürokratie und SS
Gerhard Botz
'Rechts stehen und links denken?'
Zur nonkonformistischen Geschichtsauffassung Friedrich Heers
Karlheinz Rossbacher
Hinschauen, hinhoren, lesen, schreiben. Über die Journalbucher von Karl-Markus Gaus
Reflexionen
Michael Gehler
Im langen Schatten eines Buchs: Reaktionen auf eine österreichische Gesellschaftsgeschichte
Sigrid Vandersitt
Ernst Hanisch und Gerhard Botz. Der 'Anschluss' - ein Vergleich
Günter Bischof
Vom Elend der österreichischen Geschichtsschreibung zum Kalten Krieg
Michael Mitterauer
Europaname Mohammed - Interkulturalitat und Namengebung
Christoph Kühberger
Von der Geschwätzigkeit der Worte. Ein Essay zur Sprache der Historiker/-innen
Reinhard Krammer
Die Probleme mit dem Geschichtsunterricht und das Schweigen der Historiker
Thomas Hellmuth
Wider das 'normative Geschichtsbewusstsein'
Geschichtsdidaktik als historisch-analytische Sinnbildung
Ernst Hanisch - Publikationen
Herausgeber- und Autorenverzeichnis
Gerhard Botz
'Rechts stehen und links denken?'
Zur nonkonformistischen Geschichtsauffassung Friedrich Heers
'Beachten Sie, ehe Sie sich dem Historiker zuwenden, sein geschichtliches und soziales Umfeld.' (E. H. Carr)1
Heers Geschichtstheorie und Methode
Der große französische Historiker Marc Bloch hat 1943/44 die Voraussetzung historischen Erklärens folgendermaßen beschrieben: 'Gegenwart und Vergangenheit durchdringen einander. Dies so sehr, dass sie, was die Arbeit des Historikers betrifft, in beide Richtungen verbunden sind.' Das heist, die Gegenwart zu verstehen, setzt voraus, die Vergangenheit zu kennen; und umgekehrt, die Erforschung der Vergangenheit muss vergeblich bleiben, 'wenn man von der Gegenwart nichts weis'.2
Diese Geschichtsauffassung entspricht in etwa auch jener Heers3, der 1948 betont: 'Geschichtsforschung, die diesen hohen Namen verdient, ist immer Erhellung der Gegenwart aus einer Beleuchtung (und wenn möglich Durchleuchtung) der Vergangenheit. Geschichte ist nun wesenhaft Geschichte des Menschen. Sehr sonderbar und erwägenswert ist die Tatsache, dass es fast völlig fehlt an einer historischen Anthropologie - an einer Entwicklungsgeschichte des inneren Menschen, seiner Leiden und Leidenschaften, wie er im Konflikt zwischen ich, Uber- und Unter-Ich, Ich, Du und Es sich entfaltet.'4
Heer skizziert hier - wohl inspiriert von der Lektüre Freuds - so etwas wie eine frühe Geschichte der Mentalitäten, die in der Mediävistik der Universität seiner Zeit durchaus hervorragende Vertreter hatte, und spricht die erst entstehende moderne 'historische Anthropologie' an.5 Er vertritt hier allerdings auch die Konzeption einer Geschichte, die ständig die eigene Subjektivität reflektierend und erhellend das Ich in die wissenschaftliche Arbeit mit einbezieht.6
Seit der 'poststrukturalen Wende',7 in der Alltagsgeschichte und Erfahrungsgeschichte, ist ein geschichtstheoretisches Vorgehen analog dem, das Friedrich Heer anwandte und das damals als skandalös empfundenen wurde, wissenschaftlich einigermasen akzeptabel geworden.8 Jede 'objektive' geschichtswissenschaftliche Tätigkeit ist auch, wie heute der deutsche Geschichtstheoretiker Jorn Rusen sagt, eine 'subjektive Geschichte'; denn 'im denkenden Ruckgriff auf die erfahrene Vergangenheit ' bestimmen zukunftsgerichtete normative und werthafte Einstellungen, Ängste, Wunsche, Hoffnungen und Befürchtungen den Blick auf die Erfahrung der Vergangenheit [...]'.9 So formieren sich Perspektiven auf das Vergangene und ermöglichen damit erst historische Erkenntnis.
Ebenso wichtig für ein Verständnis der historischen Theorie und der geschichtspolitischen Thesen Heers ist sein offenes Bekenntnis zu einem dem herkömmlichen Wissenschaftsverstandnis diametral widersprechenden Prinzip: Geschichte erforsche und schreibe er nicht 'sine', sondern 'cum ira et studio'.10 Dieses geschichtstheoretische Vorgehen hat paradoxerweise strukturell - keinesfalls inhaltlich - in jener 'kampfenden Wissenschaft' 11, die von Anhangern des universalistischen Philosophen und Heimwehr-Ideologen Othmar Spann und von den jungen Nationalsozialisten, die in den 30er-Jahren zur selben Zeit wie Heer in Wien studierten und zu denen dieser in einem vehementen Gegensatz stand, vertreten wurde, eine Entsprechung.12 Dies war eine radikale Negation des (bürgerlichen) akademischen Selbstverständnisses von Wissenschaft, das auf 'sine ira et studio', Voraussetzungslosigkeit, Unparteilichkeit, Objektivitat,13 bürgerliche Distanziertheit etc. pochte14 und trotzdem viele 'traditionelle' Wissenschaftler nicht vor einer verhängnisvollen Kooperation mit dem Nationalsozialismus (etwa in den Konzentrationslagern, in der 'Volkstumspolitik' und in der Rüstungsforschung) bewahrt hatte.15
Merkwürdig ist, dass sich hier Parallelen einer solchen von der faschistischen Rechten vorgetragenen Geschichtsauffassung auch zu (orthodox-)marxistischen Geschichtstheorien, zeigen. Kann man diesen Gleich
| Erscheint lt. Verlag | 15.3.2010 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek ; Band 037 |
| Co-Autor | Roman Sandgruber, Karlheinz Rossbacher, Laurenz Krisch, Ewald Hiebl, Thomas Hellmuth, Gerhard Botz, Christian Dirninger, Herbert Dachs, Robert Hoffmann, Sigrid Vandersitt, Karl Klambauer, Christoph Kühberger, Franz Schausberger, Helmut Rumpler, Michael Mitterauer, Günter Bischof, Robert Kriechbaumer, Reinhard Krammer |
| Zusatzinfo | zahlr. Tab. U. Graf. |
| Verlagsort | Wien |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 179 x 245 mm |
| Gewicht | 1080 g |
| Themenwelt | Geschichte ► Allgemeine Geschichte ► Zeitgeschichte |
| Geisteswissenschaften ► Geschichte ► Regional- / Ländergeschichte | |
| Schlagworte | 20. Jahrhundert • Festschriften (Geschichte) • Geschichte • Hanisch, Ernst • Hardcover, Softcover / Geschichte/Zeitgeschichte (1945 bis 1989) • Österreich • Österreich, Geschichte • Österreich im 20. Jh • Zeitgeschichte |
| ISBN-10 | 3-205-78470-7 / 3205784707 |
| ISBN-13 | 978-3-205-78470-8 / 9783205784708 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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