Weitere KrimiBestenlisten
Rund 1500 neue Kriminalromane erscheinen pro Jahr im deutschen Sprachraum. Orientierung bietet die KrimiBestenliste, die im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und dem Deutschlandfunk Kultur von einer Jury aus 19 Spezialist_innen für Kriminalliteratur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erstellt wird.
Die Jury meint:
„Kibbuz Trashim“ 1945–2009. Adama heißt Erde. Daran gefesselt sind Matriarchin Ruth, ihre Schwester und Kinder. Nach dem Holocaust haben sie nichts anderes. Nach „Maror“ geht Tidhar weiter zurück in die frühe Zeit Israels. Sie ist voller Blut, Vertreibung, Verrat, Verbrechen, Einsamkeit, mit Leben bezahlt. Umwerfend.
Die Jury meint:
„Thule“, Uckermark. Hunger Games in der ostdeutschen Provinz: ein grausames Initiationsritual, bei dem Teenager ums Leben kommen. Jahre später sucht Asa Kolbert Rache an ihrer Familie – in einem groß angelegten Thriller, der tief in die deutsche Gewaltgeschichte abtaucht. Episch, erschütternd, brillant: Zoran Drvenkar ist zurück!
Die Jury meint:
„Camp Emerson“, Adirondacks. Barbara, Punk, im Protest gegen ihre Eltern, ist aus dem Sommercamp verschwunden. Wie ihr Bruder vor 14 Jahren. Ermeut wird hektisch gesucht, ergebnislos. Oben und unten, reich und arm, stark und schwach – Moore erzählt von feudalem Reichtum, von Herzlosigkeit und der Solidarität der Anständigen.
Die Jury meint:
Los Angeles, Arizona. Florida, verwöhntes Kind reicher Eltern, und Dios, aus ärmlichen Verhältnissen, kommen auf Bewährung frei. Dios folgt Florida ins leere, wüste L.A. des Lockdown, will sie zwingen, sich zu ihrem wahren, verbrecherischen Selbst zu bekennen. Gewalt befreit, ist ihre Devise. Der Weg führt in die Dunkelheit.
Die Jury meint:
Iron Mountains, Michigan. Jacy ist schwanger. Glücklich urlaubt sie mit Ehemann Jed beim Schwiegervater und dessen Haushälterin. Als Blutungen einsetzen, wächst die Sorge um das Baby. Bei Jacy – und noch mehr bei den Männern. Sie fühlt sich gefangen, ist sie es? Schauerroman um kontrollwütige Männlichkeit, weibliche Resistenz.
Die Jury meint:
London 1926. Um den Krieg vergessen zu machen, tobt das Nachtleben. Unbestrittene Königin der Clubs ist Nellie Coker. Mit unzuverlässigen Kindern zur Seite verteidigt sie ihr Imperium gegen Rivalen und korrupte Polizisten. Undercover im Getümmel: DI Frobishers Agentin, die clevere Bibliothekarin Gwendolen. Rauschhaft, brillant.
Die Jury meint:
„Wetherby Pond‟, England. Eine Landidylle wie bei Agatha Christie. Ausgerechnet hier: eine Konferenz der Ultrakonservativen. Der Mord an einem kritischen Blogger löst eine Spurensuche aus: vom Cambridge der Achtziger zurück in die ultrakurze Amtszeit von Liz Truss. Cosy Crime kann politisch sein. Und hinter-lustig.
Die Jury meint:
Dalkey, Dublin. Neun Monate ist Ex-Polizist Tom Kettle im Ruhestand. Da dringen Gegenwart und Vergangenheit ein: Er soll zu einem ungelösten Mordfall an einem Priester aussagen. Sadistische Kinderquälerei, Missbrauch durch Kleriker – die ganze mühsam unterdrückte Gewaltgeschichte bricht über Tom herein. Ungeheuer.
Die Jury meint:
Südamerika, Brunswick. Vor- und Nachgeschichte eines Mordes 1992 in Lima. Der Täter George W. Bennet war Dokumentarfilmer, Sohn eines Folterers der CIA. Vielstimmiges, finsteres Panorama von Gewalt, Diktatur, Wahn und Widerstand im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts. Kolossal, erschütternd, Weltliteratur aus den Kellern.
Die Jury meint:
London, Berlin, Budapest, 1963. Ein Auftragsmörder des KGB läuft zum britischen Geheimdienst über, ein ungarischer Exilant will seinen Sohn aus den Klauen der Stasi befreien. George Smiley wittert dahinter eine Operation seines Moskauer Erzkontrahenten Karla. John le Carrés Sohn Nick Harkaway in den Spuren des Vaters. Chapeau.