Eine kurze Geschichte der ökonomischen Unvernunft
Campus (Verlag)
978-3-593-38235-7 (ISBN)
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Seit Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller hält sich unter deutschen Politikern hartnäckig der Irrglaube, durch eine regulatorische Ordnungspolitik könne man die Wirtschaft erfolgreich steuern. Die Folge sind meterdicke Regelwerke und Gesetze, die oftmals das genaue Gegenteil von dem bewirken, was sie erreichen sollen.
Einsparungen, die letztlich mehr Geld kosten, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Jobs vernichten mit schöner Regelmäßigkeit stellen deutsche Politiker die Unsinnigkeit ihres eigenen Tuns unter Beweis. Bernd Ziesemer führt die Auswüchse dieses Irrglaubens vor, von denen Lasthandhabverordnungen für Bierkästen und Mehrwertsteuersätze auf Esel und Maultiere nur die kuriosesten sind, und zeigt, dass die Ordnungspolitik des Staates diesen selbst schädigt und auf Dauer zerstören kann.
Bernd Ziesemer ist seit über 20 Jahren als Journalist mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Außenpolitik tätig. Seit 2002 ist er Chefredakteur des Handelsblatts.
Aus dem Inhalt:
Vorwort 9
1. Hartz IV oder: wie ein Sparprogramm Mehrkosten in Milliardenhöhe produziert 13
2.Wirtschaftspolitik in der Komplexitätsfalle oder: das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen 35
3. Karl Schiller oder: der Einzug des Machbarkeitswahns in die deutsche Politik 57
4. Angst vor dem Markt oder: die Risikogesellschaft und ihre Feinde 75
5. Sozialstaat Deutschland oder: die Rache der Gerechtigkeit 105
6. Professorengeschwätz und Glaubenskrieg oder: die Abwesenheit ökonomischer Vernunft in der Politik 127
7. Medien und Meinungsmacher oder: warum wir immer tiefer in die Komplexitätsfalle treiben 149
8. Zurück zur Freiheit oder: die Chancen einer modernen Ordnungspolitik 171
Literatur 193
Register 197
"Vorwort
Als Gerhard Schröder 1998 als Bundeskanzler antrat, wollte er 'nicht alles anders machen' als sein Vorgänger Helmut Kohl, 'aber vieles besser'. Am Ende seiner Regierungszeit stand Deutschland jedoch vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen - mit der höchsten Arbeitslosenzahl seit dem Kriegsende.
Als Angela Merkel 2005 die Regierungsverantwortung übernahm, wollte sie 'vieles anders machen' als Schröder, damit 'alles besser wird'. Aber schon bei ihren ersten Reformen produzierte die Große Koalition ein ähnliches gesetzgeberisches Chaos wie ihre rot-grüne Vorgängerin. Man denke nur an die Gesundheitsreform.
Wie kommt es, dass aus vernünftigen Reformversprechen immer wieder schlechte Gesetze werden? Wieso entsteht so häufig aus den schönsten politischen Absichten bürokratischer Murks? Warum produzieren Gesetze in der Praxis das genaue Gegenteil der ursprünglichen Erwartungen? Das sind die Fragen, mit denen sich dieses Buch beschäftigt. Längst kann man sie nicht mehr mit dem bloßen Hinweis auf falsche Einzelentscheidungen oder handwerkliche Fehler in der Politik beantworten. Irgendetwas läuft ganz offenkundig systematisch falsch in der deutschen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik. Die Hauptthese dieses Buches lautet: Deutschland steckt nach vielen halben Reformen und grundsätzlichen Fehlsteuerungen so tief in der Komplexitätsfalle, dass weitere Teilreformen mehr Schaden als Nutzen anrichten. Angela Merkels 'Politik der kleinen Schritte' funktioniert deshalb nicht. Immer häufiger schlägt bei weiteren halben Reformen das "Gesetz der unbeabsichtigten Folgen" zu: Die deutsche Politik kann die Auswirkungen ihrer eigenen Entscheidungen immer schwieriger prognostizieren.
Das erste Kapitel dieses Buches zeigt an einem exemplarischen Einzelfall, den Hartz-IV-Reformen, wie sich eine politische Absicht im Laufe ihrer Verwirklichung in ihr genaues Gegenteil verkehrte. Das zweite Kapitel beschreibt anhand vieler Beispiele (etwa aus dem Steuerrecht) und einiger theoretischer Exkurse, wie das Gesetz der unbeabsichtigten Folgen inzwischen unsere gesamte Wirtschaftspolitik prägt. Das dritte Kapitel liefert einen kurzen historischen Abriss, wie sich der Machbarkeitswahn in der deutschen Wirtschaftspolitik durchsetzte und das ganze Land Schritt für Schritt in eine Reformdauerbaustelle verwandelte. Das vierte Kapitel untersucht einige wesentliche Gründe für die Staatsgläubigkeit in Deutschland, die immer wieder überkomplexe bürokratische Lösungen produziert, statt auf die einfache Selbstregulation des Marktes zu vertrauen. Das fünfte Kapitel analysiert die Folgen eines Sozialstaatsmodells, das mittlerweile autonome wirtschaftliche Entscheidungen unmöglich macht und jede Sachlösung dem Diktat eines allmächtigen Gerechtigkeitsgebots unterwirft. Das sechste Kapitel wirft einen Blick auf das (Nicht-)Verhältnis zwischen politischen Entscheidern und ökonomischen Experten in Deutschland und den unglaublichen Siegeszug der wirtschaftswissenschaftlichen Ignoranz in der Alltagspolitik. Das siebte Kapitel befasst sich selbstkritisch mit dem Versagen der Medien, genau diesen Siegeszug aufzuhalten. Und das achte Kapitel schließlich plädiert für eine Rückbesinnung auf klassische Ordnungspolitik, für die Reduzierung der Komplexität in der Wirtschaftspolitik, mit dem Ziel, Deutschland überhaupt wieder reformfähig zu machen.
Was auf den ersten Blick wie die Kette einzelner Fehlentwicklungen in der deutschen Wirtschaftspolitik seit 1949 erscheint, verdichtet sich bei näherem Hinsehen zu einer einzigen Geschichte der ökonomischen Unvernunft. Sie möchte ich in diesem Buch erzählen. Als Chefredakteur des Handelsblatts beobachte ich seit Jahren immer neue Fehlentscheidungen, die unser Land weiter in die Komplexitätsfalle treiben und damit die Entfesselung unserer Wachstumskräfte verhindern ..."
| Sprache | deutsch |
|---|---|
| Maße | 140 x 215 mm |
| Gewicht | 395 g |
| Einbandart | gebunden |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft ► Wirtschaft |
| Wirtschaft | |
| Schlagworte | BDU-Buch des Jahres • Bürokratisierung • CD-ROM, DVD-ROM / Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Volkswirtschaft • Deutschland; Wirtschaft • Erhard, Ludwig • Gesetzesflut • Gesetzgebung • Hardcover, Softcover / Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Volkswirtsch • Hartz IV • Hartz, Peter • HC/Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Volkswirtschaft • Kapitalismus • Marktwirtschaft • Marx, Karl • Ökonomie • Ordnungspolitik • Schilling, Karl • Sozialgesetze • Sozialstaat • Wirtschaftsordnung • Wirtschaftspolitik |
| ISBN-10 | 3-593-38235-0 / 3593382350 |
| ISBN-13 | 978-3-593-38235-7 / 9783593382357 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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