Industriemeister Kompakt Zusammenarbeit im Betrieb (eBook)
100 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-5257-0 (ISBN)
Michael Fischer ist Honorardozent, Autor, Geschäftsführer der "Klausura Documents UG (haftungsbeschränkt)" und Inhaber der Unternehmensberatung "eumunia Consulting". Michael Fischer ist Diplom Kaufmann und studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Marketing und Handel an der Universität des Saarlandes. Nach seinem Studium war er über 20 Jahre als Geschäftsleiter, Hausentwicklungschef und Projektleiter bei Unternehmen an verschiedenen nationalen und internationalen Standorten tätig. Heute unterrichtet er als freiberuflicher Dozent für Betriebswirtschaftslehre an verschiedenen Bildungseinrichtungen und ist als Schulungs- und Seminarleiter für Unternehmen in der freien Wirtschaft tätig. Michael Fischer ist Mitglied verschiedener Prüfungsausschüsse der IHK Ostbayern und unterrichtet in der Weiterbildung bei den Industriemeistern folgende Fächer: Betriebswirtschaftliches Handeln, Betriebliches Kostenwesen, Personalführung und Personalentwicklung.
4.3 Beurteilen von Einflüssen der Gruppenstruktur auf das Gruppenverhalten und die Zusammenarbeit sowie Entwickeln und Umsetzen von Alternativen
4.3.1 Wirkung von Gruppen und Beziehungen in Gruppen
4.3.1.1 Formelle und informelle Gruppen
Innerhalb der Gruppenbildung wird oft von formellen und informellen Gruppen gesprochen. Eine formelle Gruppe ist eine offizielle, vom Unternehmen oder einer Institution festgelegte Zusammensetzung einer Gruppe. Eine informelle Gruppe ist eine nicht offizielle Gruppe, die aus Mitgliedern besteht, die die gleichen Interessen haben.
Das Führen von Gruppen erweist sich für viele Führungskräfte als eine große Herausforderung. In diesem Zusammenhang tauchen immer wieder die Begriffe „Gruppendynamik“ und „Gruppenkohäsion“ auf.
4.3.1.2 Gruppendynamik und Gruppenkohäsion
Gruppendynamik:
Eine Gruppendynamik beschreibt sich entwickelnde Verhaltensweisen, die sich aus dem Zusammensein einer Gruppe entwickeln. Innerhalb einer Gruppe werden gleichartige Meinungen verstärkt und gemeinsame Lösungsvorschläge vorangetrieben. Dies wäre bei jeweiligen Einzelmeinungen außerhalb der Gruppe nicht möglich. Gruppendynamik kann produktiv oder unproduktiv sein, d.h. Problemlösungen vorantreiben oder behindern.
Gruppenkohäsion:
Als Gruppenkohäsion wird der Zusammenhalt der einzelnen Mitarbeiter innerhalb einer Gruppe bezeichnet.
4.3.1.3 Phasen der Teamentwicklung
In Bereichen oder Abteilungen, in denen Gruppen neu gebildet werden, um daraus ein Team zu entwickeln, durchlaufen diese Gruppen unterschiedliche Phasen der Teamentwicklung. Die Phasen der Teamentwicklung lauten:
Forming ⇨ Storming ⇨ Norming ⇨ Performing ⇨ Adjourning
Forming (Orientierungsphase):
Gruppenmitglieder treffen zum ersten Mal innerhalb der neu formierten Gruppe aufeinander. Es existieren keine Regeln und keine klaren Abläufe. Verschiedene Gruppenmitglieder starten den Versuch der Profilierung.
Teamstatus: nicht vorhanden!
Storming (Konfliktphase):
Klärung der einzelnen Rollen innerhalb der Gruppe. Wer ist der informelle Führer? Wer ist Mitläufer? etc. Es kommt zu Konflikten innerhalb der Gruppe, die Gruppe formiert sich.
Teamstatus: entwickelt sich!
Norming (Strukturierungsphase):
Jedes Gruppenmitglied hat seinen Platz gefunden, die unterschiedlichen Autoritäten und Positionen innerhalb der Gruppe werden anerkannt. Die Spielregeln der Zusammenarbeit bilden sich und werden von allen akzeptiert.
Teamstatus: Team hat sich gebildet!
Performing (Leistungsphase):
Leistungssteigerung innerhalb der Gruppe. Jedes Teammitglied erfüllt seine Aufgaben, somit ist die Produktivität der Gruppe höher als die Summe der Einzelleistungen.
Teamstatus: Team entwickelt sich weiter!
Adjourning (Abschlussphase)
Das Projekt ist erfolgreich abgeschlossen. Die Projektteammitglieder kehren zu ihrem ursprünglichen Arbeitsplatz zurück.
Teamstatus: Das Team löst sich auf!
4.3.1.4 Arbeitsgestaltung und Arbeitsstrukturierung
Die Arbeitsgestaltung oder Arbeitsstrukturierung lässt sich wie folgt einteilen:
• Job-Rotation
• Job-Enlargement
• Job-Enrichment
• Teilautonome Gruppen
• Völlige Selbstregulierung
Job-Rotation:
Mitarbeiter in einem Team, mit gleicher Gesamtaufgabe, wechseln sich bei den Aufgaben ab, um der Monotonie der immer gleichen Tätigkeit zu entfliehen.
Motivation der Mitarbeiter: Abwechslung der Tätigkeit, geringere monotone Belastung…
Job-Enlargement:
Quantitative Aufgabenerweiterung an einem anderen Arbeitsplatz. Mitarbeiter, die bisher nur in der Fertigung „A“ tätig waren sind nun auch in der Fertigung „B“ tätig.
Motivation der Mitarbeiter: Abwechslung der Tätigkeit, anderer Aufgabenbereich, neue Tätigkeit…
Job-Enrichment:
Qualitative Aufgabenerweiterung! Der Mitarbeiter kann im Rahmen der vorgegebenen Regeln nun selbst Entscheidungen treffen, bzw. beeinflussen, beispielsweise durch die eigenständige Planung des Personaleinsatzes, natürlich in Abstimmung mit seinen Kollegen.
Motivation der Mitarbeiter: Möglichkeit teilweise selbst zu entscheiden, stärkt den Zusammenhalt in der Gruppe, zunehmende Wertschätzung der eigenen Person, durch die Option selbst entscheiden zu können.
Teilautonome Arbeitsgruppen
Bei teilautonomen Arbeitsgruppen handelt es sich um kleinere Gruppen (ca. 7- 10 Mitarbeiter), die über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten und Teile der Abläufe selbst bestimmen.
Bei dieser Selbstregulierung handelt es sich in der Regel um die Urlaubsplanung oder die Personaleinsatzplanung.
Die Gruppe zeichnet sich durch einen hohen Grad an Selbstständigkeit, Eigendynamik und Freiheit aus. Weiterhin wird in der teilautonomen Gruppe ein hohes Maß an Sozialkompetenz gefordert, um alle Gruppenmitglieder „mitzunehmen“ und nicht zu verlieren.
Voraussetzungen für das erfolgreiche Einsetzen einer teilautonomen Gruppe sind:
1. Die einzelnen Gruppenmitglieder müssen zueinander passen.
2. Die Tätigkeit lässt sich in einer Gruppenarbeit ausüben.
3. Die Mitarbeiter müssen über das gleiche fachliche Know-how verfügen.
4. Der Führungsstil im Unternehmen muss zur teilautonomen Gruppenarbeit passen.
5. …
Völlige Selbstregulierung
Die völlige Selbstregulierung findet im Bereich der Industriemeister eher weniger Anwendung. Sie wird häufig in den Bereichen Programmieren und sozialem Arbeiten verwandt.
4.3.1.5 Mitarbeitertypen
Neben den fachlichen Schwerpunkten gilt es immer wieder die unterschiedlichen Charaktere und Rollen innerhalb einer Gruppe zu berücksichtigen. Unterschiedliche Intentionen und unterschiedliches Engagement beeinflussen wesentlich das Ergebnis einer Gruppe.
Leader:
Der Leader führt die Gruppe, beeindruckt mit seinem Fachwissen und weckt viele Neider. Er ist meistens auch der informelle Führer.
Faule:
Der Faule entwickelt kaum Ideen, „hängt“ sich an die Ergebnisse der Gruppe und verursacht so Konflikte.
Außenseiter:
Der Außenseiter hat mit der Gruppe „wenig am Hut“, er stört die Gruppenkohäsion. Der Leader oder die Führungskraft sollten versuchen den Außenseiter in die Gruppe zu integrieren.
Aufmüpfige:
Der Aufmüpfige stellt den Sinn der Gruppe in Frage und versucht bewusst die einzelnen Gruppenmitglieder zu provozieren oder gegeneinander auszuspielen.
Dem Aufmüpfigen müssen die Grenzen aufgezeigt werden (Aufgabe der Führungskraft), ansonsten „zerstört“ er die Gruppe. Er steht unter ständiger Beobachtung der Führungskraft.
4.3.1.6 Phasen der Prozessteuerung innerhalb einer Gruppe
Zu den Phasen einer Prozesssteuerung gehören:
• Findungsphase (Orientierung)
• Leistungsphase (Ergebnisse liefern)
• Schlussphase (schriftliche Dokumentation der Ergebnisse)
4.3.1.7 Gruppenregeln
Zahlreiche Regeln fördern die Produktivität innerhalb von Gruppen, hierzu gehören:
• Ausgleichsregel
• Distanzierungsregel
• Interaktionsregel
Ausgleichsregel:
Je länger Gruppen zusammenarbeiten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Arbeits- und Verhaltensweisen anpassen.
Ein ähnliches Phänomen lässt sich u.a. bei Ehepartnern feststellen, die sehr lange miteinander verheiratet sind.
Distanzierungsregel:
Gruppen mit einer hohen Gruppenkohäsion „kochen ihr eigenes Süppchen“, d.h. kapseln sich von anderen Gruppen ab und lassen niemanden von außen in ihre Gruppe herein.
Interaktionsregel:
Je höher der kommunikative Kontakt innerhalb der Gruppe ist, desto schneller und verstärkter entsteht eine innere Bindung der Gruppenmitglieder, das sogenannte „Wir-Gefühl“.
4.3.2 Veränderung von Gruppenstruktur und Verhalten
4.3.2.1 Autonomiekriterien nach Gulowsen
Damit eine Gruppe relativ autonom arbeiten kann, sind gewisse Autonomiekriterien für eine Gruppe notwendig. Gulowsen hat verschiedene Kriterien für eine Gruppenautonomie festgelegt.
Autonomiekriterien nach Gulowsen
Kriterium 1: Ziele werden von der Gruppe beeinflusst.
Kriterium 2: Die Gruppe entscheidet wo und wann sie arbeitet, immer unter der Voraussetzung, dass die unternehmerischen Bedingungen, bzw. Voraussetzungen erfüllt werden.
Kriterium 3: Die Wahl der Produktionsmethode liegt bei der Gruppe, wenn mehrere effiziente Verfahren zur Verfügung stehen.
Kriterium 4: Die Gruppe entscheidet, wer in der Gruppe was macht (interne Aufgabenverteilung).
Kriterium 5: Die Gruppe...
| Erscheint lt. Verlag | 3.4.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Wirtschaft |
| ISBN-10 | 3-8192-5257-6 / 3819252576 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-5257-0 / 9783819252570 |
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