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Es lebe der Generalist! (eBook)

Warum gerade sie in einer spezialisierten Welt erfolgreicher sind
eBook Download: EPUB
2020 | 1. Auflage
400 Seiten
REDLINE Verlag
978-3-96267-177-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Es lebe der Generalist! -  David Epstein
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Spezialisierung sei der Schlüssel zum Erfolg, sagen viele Experten. Um Fähigkeiten, Instrumente oder Themengebiete zu beherrschen, müsse man früh anfangen und lange üben. David J. Epstein analysiert in seinem Bestseller Top-Performer in Wirtschaft und Wissenschaft, Ausnahmekünstler wie Vincent van Gogh und Profisportler wie Roger Federer oder Tiger Woods und belegt: Das ist eher die Ausnahme, denn die Regel! Generalisten legen vielleicht später los, dafür aber meist kreativer, agiler und mit Blick über den Tellerrand. Und haben letztlich Erfolg. Das Buch ist ein eindrucksvolles Plädoyer, wieder mehr Überblick zu wagen - und zu fördern!

David Epstein verfügt über einen Master-Abschluss in Umweltwissenschaften und Journalismus. Er arbeitete als investigativer Reporter für »ProPublica« und als leitender Autor für »Sports Illustrated«. Darüber hinaus ist er Autor des New York Times- Bestsellers »The Sports Gene«.

David Epstein verfügt über einen Master-Abschluss in Umweltwissenschaften und Journalismus. Er arbeitete als investigativer Reporter für »ProPublica« und als leitender Autor für »Sports Illustrated«. Darüber hinaus ist er Autor des New York Times- Bestsellers »The Sports Gene«.

KAPITEL 1


Der Kult um den frühen Startvorteil


Ein Jahr und vier Tage, nachdem der Zweite Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands geendet hatte, wurde Lászlo Pólgar in einer ungarischen Kleinstadt geboren. Er hatte weder Großeltern noch Cousins oder Cousinen; alle waren dem Holocaust zum Opfer gefallen, ebenso wie die erste Frau seines Vaters und ihre fünf Kinder. Lászlo wuchs in der wilden Entschlossenheit auf, eine Familie zu gründen, und zwar eine ganz besondere.

Auf dem College bereitete er sich auf seine Vaterschaft vor, indem er die Biografien legendärer Genies von Sokrates bis Einstein studierte. Lászlo gelangte zu der Überzeugung, dass die traditionelle Bildung und Erziehung ausgedient hatte und dass er seine eigenen Kinder zu Genies machen konnte, wenn er ihnen nur die richtigen Startbedingungen bot. Damit schickte er sich an, etwas noch viel Bedeutenderes zu demonstrieren, nämlich dass jedes Kind es in jeder Disziplin zur Meisterschaft bringen kann. Jetzt brauchte er nur noch eine Frau, die ihn bei der Umsetzung dieses Plans unterstützen würde.20

Lászlos Mutter hatte eine Freundin, die wiederum eine Tochter namens Klara hatte. Im Jahr 1965 reiste Klara nach Budapest, wo sie Lászlo persönlich kennenlernte. Lászlo machte keine großen Umschweife; schon bei ihrem ersten Treffen ließ er sie wissen, er plane, sechs Kinder zu haben und würde aus jedem einzelnen ein Genie machen. Als Klara zu ihren Eltern zurückkehrte, fiel ihre Reaktion auf den potenziellen Bräutigam verhalten aus: Sie habe eine »sehr interessante Person« getroffen, könne sich aber nicht vorstellen, ihn zu heiraten.21

Sie schrieben sich jedoch weiterhin Briefe. Beide waren Lehrer und sich einig, dass das Schulsystem ein frustrierendes Einheitssystem war, das darauf abzielte, eine »graue, mittelmäßige Masse« hervorzubringen«.22 Eineinhalb Jahre Korrespondenz später fiel Klara endlich auf, dass sie einen ganz besonderen Brieffreund hatte. Lászlo rang sich schließlich zu einem Liebesbrief durch, der mit einem Heiratsantrag endete. Sie vermählten sich, zogen nach Budapest und machten sich an die Arbeit. Zsuzsa wurde Anfang 1969 geboren, und das war der Beginn des Experiments.

Für sein erstgeborenes Genie wählte Lászlo Schach aus. Im Jahr 1972, ein Jahr, bevor Zsuzsa das Training begann, schlug der Amerikaner Bobby Fischer den Russen Boris Spassky in einer Schachpartie, die als »Match des Jahrhunderts« in die Geschichte einging. Auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs galt diese Partie als eine Art Stellvertreterkrieg, und Schach mutierte plötzlich zu einer Popkultur. Laut Klara hatte Schach zudem einen herausragenden Vorteil: »Schach ist sehr objektiv und leicht zu messen.«23 Gewinnen, verlieren oder Patt, und ein Punktesystem, das die Fertigkeiten des Schachspielers im Vergleich zu allen anderen Schachspielern misst. Seine Tochter, so entschied Lászlo, würde Schachmeisterin werden.

Lászlo war geduldig und äußerst sorgfältig. Er begann Zsuzsas Training mit »Bauernkriegen«. Nur Bauern, und die erste Seite, der es gelang, zur hinteren Reihe vorzustoßen, würde gewinnen. Schon bald studierte Zsuzsa Endspiele und Eröffnungsfallen. Schach machte ihr Spaß und sie lernte schnell. Nach acht Monaten des intensiven Studiums nahm Lászlo sie in einen verrauchten Budapester Schachklub mit und forderte gestandene Männer heraus, gegen seine vierjährige Tochter zu spielen, deren kurze Beinchen vom Stuhl baumelten. Zsuzsa gewann ihre erste Partie, und der Mann, den sie besiegt hatte, stürmte wütend davon. Dann nahm sie an der ersten Budapester Mädchenmeisterschaft teil und gewann den Titel in der Kategorie der unter Elfjährigen. Mit vier Jahren hatte sie kein einziges Match verloren.

Mit sechs konnte Klara lesen und schreiben und war ihren Klassenkameraden in Mathematik um Jahre voraus. Lászlo und Klara beschlossen, sie zuhause zu unterrichten und ihr tagsüber Zeit für das Schachspiel zu lassen. Die ungarische Polizei drohte damit, Lászlo ins Gefängnis zu werfen, falls er seine Tochter nicht in eine reguläre Schule schickte, wie es die Schulpflicht vorsah. Er brauchte viele Monate, bis er das Bildungsministerium dazu überreden konnte, ihm eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Zsuzsas kleine Schwester Zsófia, die inzwischen geboren war, so wie Judit, die bereits unterwegs war und die Lászlo und Klara um ein Haar Zseni – ungarisch für »Genie« – genannt hätten, wurden ebenfalls zuhause unterrichtet. Alle drei Kinder wurden Teil eines großangelegten Experiments.

An einem ganz normalen Tag waren die Kinder um 7 Uhr morgens beim Sport und spielten mit Trainern Tischtennis. Um 10 Uhr gab es zuhause Frühstück, und anschließend spielten sie den ganzen Tag lang Schach. Als Lászlo an der Grenze seiner fachlichen Kenntnisse angelangt war, engagierte er Schachtrainer für seine drei angehenden Genies. Er verbrachte viele Stunden damit, aus Schachzeitschriften 200.000 Aufzeichnungen von Spielsequenzen auszuschneiden – viele boten eine Vorschau auf potenzielle Spielgegner – und daraus eine Kartothek zu erstellen. Noch bevor Computerprogramme für Schach entwickelt wurden, besaßen die Pólgars die größte Schach-Datenbank der Welt außerhalb – vielleicht – der Geheimarchive der Sowjetunion.

Mit 17 war Zsuzsa die erste Frau, die sich für eine Teilnahme an der Schachweltmeisterschaft der Männer qualifizierte, allerdings ließ der Schach-Weltverband ihre Teilnahme nicht zu. (Eine Regel, die dank ihrer Leistung bald darauf abgeschafft wurde.) Zwei Jahre später, im Jahr 1988, als Zsófia 14 und Judit zwölf waren, gehörten die drei Schwestern zu den vier Mitgliedern der ungarischen Mannschaft für die Schach-Olympiade der Frauen. Sie gewannen und schlugen sogar die Sowjetunion, die seit Beginn dieser Veranstaltung elf von zwölf Olympiaden für sich entschieden hatte. Die Pólgar-Schwestern wurden zu »Nationalschätzen«, wie Zsuzsa es ausdrückte. Im darauffolgenden Jahr brach der gesamte Ostblock zusammen und die Mädchen konnten an Turnieren in der ganzen Welt teilnehmen. Im Januar 1991 wurde Zsuzsa im Alter von 21 Jahren die erste Frau, die mit ihrer erfolgreichen Teilnahme an Männerturnieren den Großmeistertitel errang. Im Dezember war Judit mit 15 Jahren und fünf Monaten der jüngste Schachprofi aller Zeiten, und zwar sowohl in der Kategorie der männlichen als auch der weiblichen Schachspieler, dem der Großmeistertitel verliehen wurde. Als Zsuzsa im Fernsehen gefragt wurde, ob sie lieber die Weltmeisterschaft der Männer oder der Frauen gewinnen wolle, antwortete sie geschickt, sie wolle in der »absoluten Kategorie« siegen.24

Keine der Schwestern erreichte Lászlos höchstes Ziel der absoluten Weltmeisterschaft, aber alle drei Frauen waren herausragend. Im Jahr 1996 nahm Zsuzsa an der Weltmeisterschaft der Frauen teil und gewann. Zsófias höchste Leistung war der Rang eines internationalen Meisters, eine Ebene unter dem Großmeistertitel. Judit war von allen drei Geschwistern die erfolgreichste Schachspielerin; im Jahr 2004 schaffte sie es auf auf Platz 8 der Weltrangliste.

Lászlos Experiment hatte funktioniert, und zwar so gut, dass er Anfang der 1990er-Jahre sagte, wenn 1000 Kinder nach seiner frühkindlichen Spezialisierungsmethode unterrichtet würden, könne die Menschheit sogar Probleme wie Krebs und AIDS in den Griff bekommen.25 Immerhin war Schach einfach eine willkürlich ausgewählte Disziplin, an der er die Allgemeingültigkeit seiner These getestet hatte. Genau wie die Tiger-Woods-Story endete die Pólgar-Story in einer endlosen Popkultur-Schleife aus Artikeln, Büchern, Fernsehsendungen und Vorträgen als Beispiel für den alles entscheidenden Einfluss eines frühen Startvorteils. Ein Online-Kurs mit dem Titel »Bring Up Genius!« wirbt mit Lektionen aus der Pólgar-Methode, um »deinen eigenen Lebensplan für Genialität zu entwerfen26«. Im Bestseller Talent is Overratedb werden Tiger Woods und die Pólgar-Schwestern als Beweise angeführt, dass ein früher Startvorteil in reflektierter Praxis »auf praktisch jedem Gebiet, das dir wichtig ist« der Schlüssel zum Erfolg ist.27

Die eindrückliche Lektion daraus lautet, dass sich jedes Gebiet auf die gleiche Weise erobern lässt. Sie stützt sich auf eine sehr wichtige unausgesprochene Annahme: dass Schach und Golf repräsentative Beispiele für alle Aktivitäten im Leben sind.

Wie viele Disziplinen auf der Welt gleichen jedoch Schach und Golf, und wie viele Menschen wollen sie erlernen? Der Psychologe Gary Klein ist ein Pionier auf dem Gebiet der sogenannten naturalistischen Entscheidungsfindung (Naturalistic Decision Making, NDM); NDM-Forscher beobachten Spitzenperformer bei ihrer natürlichen Arbeitsweise, um herauszufinden, wie sie unter Zeitdruck wichtige Entscheidungen treffen. Klein hat...

Erscheint lt. Verlag 15.3.2020
Übersetzer Almuth Braun
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Wirtschaft Betriebswirtschaft / Management Unternehmensführung / Management
Schlagworte Alleskönner • Allgemeinwissen • allgemeinwissen deutschland • allgemeinwissen für immer merken • allgemeinwissen geschichte • allgemeinwissen lernen • allgemeinwissen test • allgemeinwissen verbessern • allgemeinwissen wirtschaft • Beruf und Karriere • Bestsellerautor • business • Business Coaching • Business und Karriere • David Epstein • epstein • epstein david • epstein physik • Erfolg • erfolg ist kein glück • erfolg reich • Erfolgreich • Erfolgreich wünschen • Es lebe der Generalist • fachidiot • Generalist • generalisten • generalwissen • generelles Wissen • Höchstleistung • Ineffizienz • Karriere • Karriereberatung • Karriere Coach • Karrierecoaching • Karriere Coaching • Karriere machen • Karriereplanung • karriere tipps • Konzentration • Konzentration fördern • Konzentration Lernen • Konzentration steigern • Konzentrationstraining • Konzentrationsübungen • konzentration training • konzentration verbessern • Kreativität • Kreativität fördern • Kreativitätstechniken • Leistung • Leistung steigern • neuerscheinung 2020 • New York Times • New York Times Bestseller • rage • Range • Range: Why Generalists Triumph in a Specialized World • Roger Federer • Spezialisierung • Tiger Woods • topperformer • Vincent van Gogh • Why Generalists Triumph in a Specialized World • Wirstschaft • Wirtschaft • wirtschaft arbeit technik • Wirtschaftsbezogene Qualifikationen • Wirtschaftskunde • wirtschaft wachstum • Wissen • Wissen aneignen • Wissen erweitern • Wissen ist Macht • Wissensmanagement
ISBN-10 3-96267-177-3 / 3962671773
ISBN-13 978-3-96267-177-8 / 9783962671778
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