WE-Q: Wir-Intelligenz (eBook)
184 Seiten
Europa Verlag GmbH & Co. KG
978-3-95890-062-2 (ISBN)
Nicole Brandes, geb. 1962, ist Internationaler Executive Coach, Unternehmerin und Vortragsrednerin. Sie hat über 15 Jahre mit Meinungsführern und Mächtigen der Welt gearbeitet, spricht mehrere Sprachen fließend und studierte neben strategischem Management acht Jahre die Erfolgsstrategien des Taoismus bei chinesischen Großmeistern. Ihre Leidenschaft ist der Mensch und was ihn bewegt.
Nicole Brandes, geb. 1962, ist Internationaler Executive Coach, Unternehmerin und Vortragsrednerin. Sie hat über 15 Jahre mit Meinungsführern und Mächtigen der Welt gearbeitet, spricht mehrere Sprachen fließend und studierte neben strategischem Management acht Jahre die Erfolgsstrategien des Taoismus bei chinesischen Großmeistern. Ihre Leidenschaft ist der Mensch und was ihn bewegt.
02
— DIE NEUE ORGANISATION
Die Organisationsstrukturen müssen zu einem lebendigen Raum der Zusammenarbeit werden, wo Wissen und Verstehen rasch erzeugt werden, welche die Organisation schnell und effizient machen.
Komplexität ist die größte Herausforderung, die wir zu bewältigen haben. Herkömmliche Managementmethoden reichen nicht mehr. Organisationen sind ineffizient, solange sie in Strukturen aus dem letzten Jahrhundert feststecken. Manager müssen Raum für eine rasche Potenzialentfaltung des Kollektivs schaffen. Es ist ihre Aufgabe, Wir-Strukturen zu entwickeln, in denen die Workforce so vernetzt ist, dass sich Wissen und Verstehen bilden, die höhere Lösungen zu den Herausforderungen erzeugen und Organisationen agil, schnell und effizient machen.
> Die Organisation der Zukunft ist digital, agil, schnell und klar.
> Selbstorganisation wird wichtiger als Machtkonzentration.
> Wir brauchen mehr Weisheit statt Kontrolle.
Es geht also darum, Kontrolle abzugeben, das heißt, die Machtbasis zu verbreitern, um Reaktionszeiten zu verringern und die Dynamik zu erhöhen. Dass die Umgestaltung der Arbeitswelt auch auf Widerstand stößt, ist verständlich. Ebenso kann die Umsetzung neuer Führungsmodelle Angst machen. Beide Reaktionsweisen sind ernst zu nehmen, aber auch zu bearbeiten. Denn sie können sich fatal auswirken.
— DER UNTERGANG DES KAPITÄNS
»WENN SIE GLAUBEN, ALLES UNTER KONTROLLE ZU HABEN, DANN FAHREN SIE EINFACH NOCH NICHT SCHNELL GENUG.«
MARIO ANDRETTI, US-AMERIKANISCHER EX-FORMEL-1- UND INDY-CAR-PILOT, UNTERNEHMENSBERATER; ZITIERT NACH SCHMIDT U.A., WIE GOOGLE TICKT
Aber wer kontrollierte dann den Wagen, wenn Andretti über die Grenzen seiner vollen Kontrolle hinausging? Wenn er jenseits des Limits fuhr?
Geduld! Die Antwort kommt.
Erst einmal brauchte Andretti den Mut, es zu tun. Beim ersten Mal kann man sich auf keinerlei Erfahrung stützen. Wenn es gilt, etwas Neues zu wagen, ist die Erfahrung der schlechteste Ratgeber.
David Cook verkaufte der US-amerikanischen Öl- und Gasbranche Software, als jene 1985 in die Krise rutschte. Cook musste sich also neu erfinden. Er eröffnete in Dallas seine erste Videothek unter dem Namen Blockbuster. Schnell eröffnete er landesweit eine Vielzahl weiterer Geschäfte und verkaufte schließlich die Rechte der Blockbuster Entertainment Corporation für 8,4 Milliarden US-Dollar an Viacom.
Es war gemütlich, in den 1980er- und 1990er-Jahren zwischen den Regalen gut sortierter Videotheken herumzustreifen. Als die VHS-Kassetten durch DVDs ersetzt wurden, änderte das nicht viel daran, dass Videotheken Treffpunkte der Vertreter verschiedener Interessengruppen blieben. Damit war in den USA erst Schluss, als man die Scheiben per Snailmail anliefern lassen und retournieren konnte. Wie viele andere Kunden beklagten sich Marc Randolph und Ree Hastings über die vergleichsweise hohen Gebühren, die bei verspäteter Rückgabe anfielen. Den Rest gab ihnen, dass ihnen wegen verspäteter Rückgabe von Apollo 13 eine Strafzahlung von 40 Dollar verrechnet wurde. Hastings und Randolph stiegen in den Markt ein und gründeten Netflix. Ihr Unterschied: Sie machten ihre Kunden zu Mitgliedern, die einen fixen Monatsbeitrag einzahlten. Die Dauer der Ausleihe fiel dabei nicht länger ins Gewicht. Damit hatte Netflix mit der Tradition gebrochen. Wie konnte man sich eine so sichere und bewährte Einnahmequelle einfach versagen? Noch im Jahr 2000 nahm Blockbuster jährlich 800 Millionen Dollar aus Late Fees ein. Das entsprach 16 Prozent ihrer Erlöse.
Der Durchbruch folgte mit der Streamingtechnologie. Randolph und Hastings lasen die Zeichen der Zeit. Bis Anfang 2010 war Netflix schneller gewachsen als jeder andere Dienstleister der US Postal Services. Mit der Umstellung auf Streaming wurde Netflix innerhalb kürzester Zeit während der Primetime zum größten Internetuser der USA.
Die Firma Blockbuster, lange Marktführerin bei Videotheken, musste im September 2010 Konkurs anmelden.
In den frühen 2000er-Jahren hatte Reed Hastings seinen DVD-Postversand für 50 Millionen Dollar dem Management von Blockbuster angeboten. Aber Blockbuster-Chef John Antioco sah, dass Netflix Geld verlor, und schlug das Angebot aus. Heute hat Netflix einen Marktwert von 19,7 Milliarden Dollar. Was Antioco fehlte, war die Vision.
Die gebührenpflichtige SMS revolutionierte ab den 1990er-Jahren weltweit die soziale Interaktion. »Simsen« wurde schnell zum gängigen deutschen Verb. 2010 trat WhatsApp seinen Siegeszug an. Schon lange vor der Übernahme durch Facebook im Jahr 2014 hatte WhatsApp die gebührenpflichtige SMS aus dem Markt gedrängt. WhatsApp bietet kostenlose Kommunikation über Sprachnachricht, Video- und Fotoversand. Die Telekommunikationsriesen waren zu langsam. Ihr SMS-Markt liegt am Boden.
Blüht jetzt der Versicherungsbranche dasselbe mit FinanceFox?
Das Schweizer Start-up FinanceFox ist jedenfalls ein weiteres Beispiel dafür, wie heute ein technologisch fixer David gegen einen traditioneller orientierten Goliath antreten kann. FinanceFox versteht sich als Versicherungsbroker der Zukunft und lässt eine ganze Branche um ihre Zukunft zittern. Die Website verspricht:
»Alle Versicherungen sicher und perfekt in einer App verwalten und optimieren. Alle Verträge auf einen Blick und immer den richtigen Tarif für Ihre Bedürfnisse. Alle Versicherungsangelegenheiten an einem Ort und persönliche Beratung und Betreuung durch zertifizierte Experten. Das ist FinanceFox.«
FinanceFox-User können alle ihre Versicherungen digital per App auf dem Telefon verwalten. Das betrifft bestehende Verträge und Tarife. Der Nutzer kann sogar Schadensfälle per App melden. Und sollte es irgendwo bessere Konditionen geben, meldet sich der Dienst automatisch mit den besten Angeboten. Damit dürften die Tage der klassischen Versicherungsbroker bald gezählt sein.
Airbnb ist ein Marktplatz, auf dem Wohnungen auf der ganzen Welt online angeboten, entdeckt und gebucht werden können. Das Angebot von Airbnb offeriert Reiseerlebnisse in allen Preisklassen in über 190 Ländern und 34000 Städten. Die Nutzer schätzen diese einfache Möglichkeit, ihren freien Wohnraum einem Millionenpublikum vorzustellen und in klingende Münze umzusetzen.
Der Markt von Airbnb wächst explosionsartig. Einige Städte haben deshalb spezifische Gesetze erlassen, um der »wilden« Wohnungsvermietung Einhalt zu gebieten. Namentlich Hoteliers widersetzen sich dieser Entwicklung mit allen Kräften. Sie begründen ihr Lobbying mit dem Argument, dass sie wesentlich stärker reguliert sind und eine höhere Steuerlast als Privatvermieter zu tragen haben.
Paris ist nicht nur eine der von Touristen am meisten besuchte Stadt der Welt, sondern auch die Nummer eins im Ranking von Airbnb. Der bedeutendste Branchenverband der Hotel- und Restaurationsbetriebe Frankreichs (Union des Métiers de l’Industrie Hôtelière UMIH) beklagte die »Industrialisierung« der temporären Vermietung möblierter Unterkünfte. Sie erklärte, dass 20 Prozent der über die amerikanische Plattform vorgenommenen Reservierungen von Pariser Appartements von Mehrfach-Wohnungsbesitzern stammten. Dies mache ein Drittel des von der UMIH erwirtschafteten Umsatzes aus. Airbnb versicherte indessen, die Vermieter über die geltenden Verordnungen zu informieren, und erklärte lakonisch: »Airbnb stiehlt den Hoteliers keine Marktanteile, sie vergrößert nur den Kuchen.«
Die Vehemenz dieser Debatten zeigt, wie sich auch in diesem Marktbereich ein Epochenwechsel anbahnt. Wer im Tourismus die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird das Schicksal der Musikindustrie teilen, die im Clinch mit iTunes stand. Oder anders gesagt: Es wird vielen Hotels und Pensionen wohl so ergehen wie zahlreichen Buchhandlungen, welche die Chance verpasst haben, auf die Konkurrenz von Amazon zu reagieren.
Stellen Sie sich vor, Sie geraten als Führungskraft mit Ihrem Betrieb in den Strudel einer solchen Dynamik. Können Sie so etwas antizipieren? Kontrollieren lässt sich die Dynamik jedenfalls nicht.
— GESTERN NOCH RAUPE, HEUTE SCHON SCHMETTERLING
Der Schweizer Ökonom Peter Ulrich, Wirtschaftswissenschaftler und Begründer der Integrativen Wirtschaftsethik, beschreibt die Komplexität einer Situation aufgrund der Anzahl einwirkender Faktoren und der Dichte ihrer Interdependenzen. Er charakterisiert Letztere als Merkmal schlecht strukturierbarer Entscheidungssituationen. Und der Wiener Unternehmensberater Heinz Peter Wallner bringt die Auswirkung dieser Situation auf seiner Website geistreich auf den Punkt: »Komplexität macht das Managerleben zu einem Dauergeburtstag. Es gibt jeden Tag eine neue Überraschung.«
Gewinner sind heute keine Einzelpersonen mehr, sondern überschaubare Gruppen junger Leute, die eine zündende Idee haben und diese blitzartig umsetzen. Sie pfeifen auf Strukturen und konzentrieren sich indessen auf das Produkt. Und hochtrabende Titel lassen sie kalt. Sie witzeln sogar darüber und zeichnen sich auf ihren Visitenkarten mit spaßigen Positionen aus. Zum Beispiel »Inspecteur des travaux finis», »Dr. Spock« oder »Digital Yoga«.
— WARUM FÜHRUNG UND ORGANISATIONEN NEU ERFUNDEN WERDEN MÜSSEN
Die Grenzen der Organisation lösen sich auf. Die Organisation als identitätsstiftender Anker verliert den Halt in der Basis. Umso mehr gilt es, eine starke Wertekultur zu fördern. Im Zeitalter der Digitalisierung zeigt sich eine tiefe Sehnsucht nach Sinn, Zugehörigkeit und Orientierung.
»Es hat ein Erdbeben in den Kommunikationskanälen...
| Erscheint lt. Verlag | 27.5.2016 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Wirtschaft ► Betriebswirtschaft / Management ► Unternehmensführung / Management |
| Schlagworte | Führungskompetenz • Leadership • Management • modern Workforce • Motivation |
| ISBN-10 | 3-95890-062-3 / 3958900623 |
| ISBN-13 | 978-3-95890-062-2 / 9783958900622 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich