Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Was tun?

Essays zu Politik und Ökonomie

(Autor)

Buch
180 Seiten
2016
Sonderzahl (Verlag)
978-3-85449-456-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Was tun? - Peter Rosei
CHF 25,20 inkl. MwSt
Peter Rosei hat sich während seines gesamten schriftstellerischen Lebens immer wieder auch mit gesellschafts-politischen Fragen in essayistischer Form auseinandergesetzt - durchaus auch im Wittgenstein'schen Sinn, dass Ethik und Ästhetik eins sind.

Je aufdringlicher sich die Ökonomie gegenüber der Politik verhält, umso notwendiger erscheint eine Beschäftigung mit dieser Gewichtsverlagerung, die notwendigerweise zu Lasten demokratischer Errungenschaften geht. In einer vernetzten und voneinander immer abhängiger werdenden Weltgesellschaft sollte man die Ökonomie nicht den Fachleuten überlassen. Oft treten von Interessen gelenkte Aussagen als objektive Befunde auf. Was Marktwirtschaft heißt, ist komplex, die Sprache, die davon handelt, oft prohibitiv. Umso wichtiger ist der Blick von außen.

Roseis Essays zu Politik und Ökonomie verstehen sich als Suchbewegungen, als ein Unterwegs-Sein zu Einsichten - auch im Sinne einer Selbstvergewisserung. Der Autor ist einer, der sich darüber klar werden möchte, was politisch-ökonomisch los ist: aus Unmut über, als Protest gegen gewisse Zustände; zur Erforschung und Verklarung schwer durchschaubarer Lagen. Konsequent werden ideologisch vorgeprägte Stanzen vermieden, die bei Anwendung ganz automatisch die scheinbar richtigen Urteile auswerfen.

So ist es kein Zufall, dass sich Peter Rosei gerne auf Ökonomen wie John Kenneth Galbraith, John Maynard Keynes oder Joseph Alois Schumpeter bezieht. Wie er sagt, ist "allen dreien gemeinsam, dass sie von Generallösungen und Systembau wenig hielten, sich an den Details der jeweiligen Lage orientierten, also im Grund künstlerische Naturen waren."

Ergänzt werden die Aufsätze zu Politik und Ökonomie mit einigen Texten zu Österreich, zu Problemen der europäischen Integration und zuletzt einer Selbstbefragung, warum, wenn nicht geglaubt, so doch immer noch gebetet wird.

Alle Texte sind durchgesehen und, wo sinnhaft, aktuell annotiert von Peter Rosei; herausgegeben von Dieter Bandhauer, der zum Abschluss ein Gespräch mit dem Autor führt.

Peter Rosei, geb. in Wien, veröffentlicht seit den 70er Jahren ein umfangreiches Werk (Romane, Erzählungen, Essays und Gedichte), das in viele Sprachen übersetzt wurde. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

»In deinem 2015 geschriebenen Text Europa vor dem Spiegel beschreibst du das Dilemma bzw. die Zerreißprobe, vor die Europa durch die Flüchtlingstragödie gestellt wird, abseits von moralischer Besserwisserei, in all seiner Unauflöslichkeit. Das »Problem« ist nicht kleiner geworden, ist vielleicht in seiner weiteren Entwicklung kaum voraussagbar. Gibt es politische Probleme, die einfach nicht zu lösen sind? Wo wir Menschen keine Akteure mehr sind, keine handelnden Subjekte, die wir gerne wären, sondern Objekte einer Dynamik, die ihren eigenen Gesetzen und Geschwindigkeiten folgt.« Es gibt allerdings Situationen oder Lagen, die man früher als tragisch bezeichnet hätte. Was immer man auch anfängt und unternimmt, es führt zu einem schlimmen, jedenfalls zu keinem guten Ende. Bei den Griechen, von denen die Vorstellung vom Tragischen wohl herstammt, war immer ein Gott/eine Göttin für derlei Verwicklungen die Ursache. Jetzt, wo die Götter abgeschafft sind, müssen wir mit den Werkzeugen, die wir mittlerweile entwickelt haben, nachsehen, was denn tatsächlich Ursache ist – so weit wir eben sehen können. In der Flüchtlingsfrage stoßen wir bald auf eine Verschlafenheit der Politik, auf ein nicht wahrhaben Wollen des seit längerem/seit langem Offensichtlichen. Wir stoßen aber auch auf ein Publikum, das in dem Wunsch, Krieg und Elend zu vergessen, mit derlei Dingen weithin nicht beschäftigt sein will: Hier reicht sozusagen ein Unwilliger dem anderen die Hand. Ja, in der Flüchtlingsfrage steckt zweifellos ein tragischer Kern: Wie soll denn tatsächlich ALLEN geholfen werden? Noch dazu, wo die Hilfe für diesen oder jenen von ganz unterschiedlicher Dringlichkeit ist. In solchen Lagen kann man nichts anderes tun, als zu versuchen, das Versäumte möglichst nachzuholen, nicht in Panik zu verfallen, kühlen Kopf zu bewahren – und zu helfen, wo und wie man kann. Freilich heißt es bei Kafka in seiner Erzählung Ein Landarzt: »Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt – es ist nie mehr gut zu machen.« Das ist die Einsicht des moralisch Rigorosen. Wir müssen es, denke ich, billiger geben, was in dem Fall auch heißt: menschlicher: Wir müssen uns bemühen! Was die Hintergründe angeht, der Essay Aus Anlass des Terrors beschäftigt sich in diesem Feld. Im Übrigen finde ich es bemerkenswert, dass hier in den USA die beiden demokratischen Kandidaten, Clinton und Sanders, eine Mitverantwortung der USA mit Nachdruck bejahen, auch eine Verpflichtung zur Hilfe in jeder Form. Trump, ja, selbst der, legt sich mit seiner Partei, den Republikanern, an, indem er darauf hinweist, dass der Irak-Krieg seinerzeit auf einer Lüge sich gründete, nämlich der, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfüge – die dann NIE UND NIRGENDS gefunden wurden – dass also das jetzige Chaos im Nahen und Mittleren Osten durchaus von den USA zu verantworten ist, zumindest mitzuverantworten: »What did came out of all of this? It did nobody any good!« Von einer Aufnahme von Flüchtlingen will Trump freilich nichts wissen: Da sei Gott davor! (Oder, wer weiß, der Teufel.)

Erscheinungsdatum
Mitarbeit Interview von: Dieter Bandhauer
Verlagsort Wien
Sprache deutsch
Maße 135 x 210 mm
Gewicht 275 g
Einbandart Englisch Broschur
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft Wirtschaft
Wirtschaft
Schlagworte Gespräch mit dem Autor • Ökomomie • Ökonomie • Politik • Volkswirtschaft • Wirtschaft / Ökonomie
ISBN-10 3-85449-456-4 / 3854494564
ISBN-13 978-3-85449-456-0 / 9783854494560
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
Mehr entdecken
aus dem Bereich
warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars …

von Douglas Rushkoff

Buch | Softcover (2025)
Suhrkamp (Verlag)
CHF 30,80