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Die brasilianische Wirtschaft: Eine Beurteilung der Ursachen des gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwungs - Nikolas Magnus Klein

Die brasilianische Wirtschaft: Eine Beurteilung der Ursachen des gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwungs

Buch | Softcover
132 Seiten
2014
Diplomica Verlag
978-3-95850-558-2 (ISBN)
CHF 62,95 inkl. MwSt
Aufgrund der steigenden Bedeutung Brasiliens in der Welt und der zunehmenden medialen Aufmerksamkeit- nicht zuletzt durch sportliche Großereignisse wie die Fußball-WM 2014 oder Olympia 2016 in Rio - ist die Frage nach der Nachhaltigkeit des brasilianischen Wirtschaftswachstums aktueller denn je.
Diese Studie widmet sich der Fragestellung nach den Ursachen des brasilianischen Wirtschaftsaufschwungs seit dem Jahr 2000. Ziel der Arbeit ist es zu analysieren, ob die Ursachen für das Wirtschaftswachstum eher strukturell - beispielsweise durch politische Strukturreformen - oder konjunkturell - also durch Veränderungen der Marktlage - begründet sind. Durch die Beantwortung der Forschungsfrage lassen sich letztlich Rückschlüsse auf die Nachhaltigkeit des brasilianischen Wirtschaftswachstums ziehen. Die Arbeit leistet somit auch einen Beitrag in der Diskussion um das wirtschaftliche Entwicklungspotential von Schwellenländern. Eine abschließende Beurteilung über die Ursachen des Wirtschaftswachstums findet anhand von relevanten Theorien der Wirtschaftswissenschaft statt.
Die Studie beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf eine bloße Analyse der Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre. Zur Bewertung der Nachhaltigkeit des Wirtschaftsaufschwungs setzt sie sich auch mit den enormen sozialen Ungleichheiten und weiteren gesellschaftlich-politischen Problemen auseinander, so dass sich am Schluss ein differenziertes Gesamtbild der brasilianischen Wirtschaft ergibt, mit dem der Blick auf gegenwärtige Entwicklungen leichter fällt. Die Studie bietet sich somit auch als Basisliteratur an, auf deren Grundlage viele weitere interessante Fragestellungen abgeleitet werden können.

Textprobe:
Kapitel 2.1, Die historische Entwicklung der brasilianischen Wirtschaft seit 1945:
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 entwickelte sich Brasiliens Wirtschaft zunächst positiv. Im Zeitraum von 1948 bis 1955 wuchs das brasilianische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um durchschnittlich 7,4 Prozent. Die durchschnittliche Investitionsquote erhöhte sich, was den Prozess der Industrialisierung vorantrieb und es konnten mehr Investitionen im Bereich der öffentlichen Infrastruktur getätigt werden. Doch trotz der allgemein positiven Entwicklung kam es auch zu Umständen, die das brasilianische Wirtschaftswachstum etwas bremsten. So wuchsen die durchschnittlichen jährlichen Raten der Im- und Exporte im Zeitraum von 1946-1950 noch im zweistelligen Bereich, verloren allerdings zwischen 1951 und 1955 an Boden und wuchsen nun nur noch im einstelligen Bereich. Als Grund dafür werden in der Fachliteratur sinkende Einnahmen aus dem Kaffeehandel sowie die allgemeine Weiterentwicklung von Verfahren, die Importe in gewissen Bereichen überflüssig machten (Substitution), benannt. Dennoch wuchs auch im Zeitraum von 1956-1963 die brasilianische Wirtschaft (gemessen am BIP) im Durchschnitt um 6,7 Prozent.
Gegen Mitte der 1960er Jahre war die Phase des Wirtschaftswachstums in Brasilien beendet. 15 Jahre lang war das brasilianische BIP eines der am stärksten wachsenden weltweit gewesen. Als jedoch 1964 die Militärs die politische Macht übernahmen, lag die brasilianische Wirtschaft am Boden. In der Fachliteratur werden als Gründe hierfür eine steigende Inflation bei gleichzeitig höheren Lohnforderungen ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre benannt. Die wirtschaftliche Lage Brasiliens verschlechterte sich zusehens. Das Land hatte damals Auslandsschulden in Höhe von 3 Milliarden US Dollar und die jährliche Inflation war um 100 Prozent gestiegen. Das Ausland weigerte sich weitere Kredite zu bewilligen. Diese Phase der wirtschaftlichen Krise nutzte das Militär zur Ergreifung der politischen Macht. Sein Hauptziel war es, die wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen und die Inflation einzudämmen, um die Preise möglichst schnell in ein Gleichgewicht zu bringen. Um die hohen Defizite auszugleichen, wurden viele Preise für Güter des täglichen Bedarfs, beispielsweise der Strompreis oder der Preis für Brot, erhöht und eine Steuerreform durchgeführt.
Im Jahr 1965 einigte sich die brasilianische Regierung mit den amerikanischen und europäischen Gläubigern auf einen langfristigen realistischen Rahmen der Schuldenrückzahlung. Erst nach diesen Vereinbarungen erhielt Brasilien neue Kredite von den USA und der Weltbank. Diese Unterstützung verhalf der Militärregierung dazu, das Haushaltsdefizit stark zu reduzieren und einen wirtschaftlichen Aufschwung einzuleiten. Das BIP stieg zweistellig in den Jahren von 1968 bis 1973. Der Export konnte verdreifacht werden. Diese Zeit wird heute als Milagre econômico , also als die Zeit des Wirtschaftswunders bezeichnet.
Für das Militär war diese Entwicklung eine ideale Grundlage zur Herrschaftslegitimation. Dabei überspielten sie die Tatsache, dass das Wirtschaftswunder in erster Linie von außen generiert und mit hohen sozialen Kosten verbunden war. Das Ziel der Regierung war es, Brasilien binnen einer Generation zum Industriestaat nach amerikanischem Muster zu führen. Dazu leitete das Militär wichtige strukturelle Reformen im Finanzsektor ein, die das Ziel hatten, den Kapitalmarkt zu modernisieren und die Inflation zu zügeln.
Das Wirtschaftswunder hielt allerdings nur bis zum Jahr 1973 an. Die im Zuge der Weltwirtschaftskrise der 1970er Jahre eintretende Verteuerung des Ölpreises traf Brasilien schwer, da das Land damals 80 Prozent seines Öls importierte. Im Zuge dessen verdoppelten sich im Jahr 1974 die Auslandsschulden von sechs auf zwölf Milliarden Dollar und betrugen im Jahr 1978 43 Milliarden Dollar. Die Inflation stieg zwischen 1974 und 1978 um knapp 38 Pro

Sprache deutsch
Maße 190 x 270 mm
Gewicht 336 g
Themenwelt Wirtschaft Betriebswirtschaft / Management
Schlagworte Brasilien; Wirtschaft
ISBN-10 3-95850-558-9 / 3958505589
ISBN-13 978-3-95850-558-2 / 9783958505582
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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