Mehrfachqualifikationen (eBook)
229 Seiten
Rainer Hampp Verlag
978-3-86618-758-0 (ISBN)
Dr. Anke Hammen, Jg. 1981, 2000 – 2005 Studium der Betriebswirtschaftslehre (Schwerpunkt Services Administration & Management) an der Universität Trier; 2006 – 2011 Promotion als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsrecht und Arbeitsbeziehungen in der Europäischen Gemeinschaft (IAAEG) in Trier.
Geleitwort 6
Vorwort 8
Inhaltsverzeichnis 9
Abbildungsverzeichnis 15
Tabellenverzeichnis 16
I Einführung 18
II Literaturüberblick 28
III Theoretische Erarbeitung möglicher Effekte von Mehrfachqualifikationen auf verschiedene Facetten des Erwerbslebens 51
IV Einführung in die empirische Analyse 79
V Wer absolviert welche Berufsbildung? 84
VI Konsequenzen der Zusammensetzung der Berufsbildung auf Einkommens-niveau und Einkommensrisiko 118
VII Konsequenzen der Zusammensetzung der Berufsbildung auf subjektive Er-folgsmaße 167
VIII Zusammenfassung und zukünftiger Forschungsbedarf 203
IX Literaturverzeichnis 209
X Anhang 218
VII Konsequenzen der Zusammensetzung der Berufsbildung auf subjektive Erfolgsmaße (S. 150-151)
1 Untersuchungsziel
Das vergleichsweise schlechte finanzielle Abschneiden von Mehrfachqualifikationen allgemein und von Mehrfachqualifikationen mit Fachwechsel im speziellen wirft die Frage auf, ob es tatsächlich finanzielle Motive sind, welche die Wahl einer bestimmten Berufsbildung treiben. Schließlich ergaben die Schätzergebnisse in Kapitel V bereits, dass beispielsweise hinter einem Fachwechsel häufig Gründe wie die Verwirklichung von Berufswünschen stehen.
Es ist demnach denkbar, dass der Anreiz eines Fachwechsels im Zuge der Berufsbildung nicht nur in einer Verbesserung der Einkommensmöglichkeiten verwurzelt ist, sondern (auch) andere Gründe jenseits der Einkommensperspektive die Entscheidung treiben. Im Folgenden stehen daher gezielt subjektive Erfolgsmaße im Mittelpunkt. Ziel dieses Kapitels ist es zu klären, welchen Einfluss die fachliche und institutionelle Zusammensetzung der Berufsbildung auf das subjektive Erfolgsempfinden einer Person hat.
Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Erstens, wie bewertet die befragte Person die Verwertbarkeit ihrer einzelnen Berufsbildungsschritte und deren Bildungsinhalte im jetzigen Erwerbsberuf? Dabei wird von einer hohen Verwertbarkeit gesprochen, wenn die Person die Anwendbarkeit der im Rahmen der Berufsbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten im aktuellen Erwerbsberuf als hoch einstuft. Es ist zu klären, ob ein Fachwechsel die subjektive Verwertbarkeit der Bildungsinhalte einer oder beider Berufsbildungen beeinflusst.
Dabei wird vermutet, dass nach einem Fachwechsel häufiger (mindestens) eine der beiden Berufsbildungen abgeschrieben wird und die subjektive Verwertbarkeit dieser Berufsbildung somit ebenfalls gering ausfällt. Welchen Bildungsschritt diese Abschreibung betrifft, ist wiederum vom Fachgebiet des Erwerbsberufes abhängig. Es ist davon auszugehen, dass eher die Inhalte jener Berufsbildung nicht oder nur begrenzt im Erwerbsberuf anwendbar sind, die fachlich am weitesten vom Berufsfeld des Erwerbsberufes entfernt sind (Hypothese 8 b und c).
Zweitens stellt sich die Frage, wie hoch die Zufriedenheit der Person mit verschiedenen Elementen ihrer Erwerbssituation ist? Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Effekt der fachlichen Zusammensetzung. Dabei konkurrieren theoretisch zwei gegenläufige Effekte miteinander. Zum einen kann ein Fachwechsel das individuelle Matching zwischen den Interessen und Fähigkeiten einer Person und ihrem angestrebten Erwerbsberuf verbessern. Eine höhere Übereinstimmung zwischen den eigenen Interessen und den Tätigkeiten im Erwerbsberuf erhöht wiederum die Arbeitszufriedenheit (siehe z. B. Florit/Vila 2007; Vieria 2005).
Personen mit Fachwechsel sollten demzufolge zumindest keine geringere Zufriedenheit aufweisen als ihre Kolleginnen und Kollegen mit fachlich spezialisierten Berufsbildungskarrieren (Hypothesen 10 a und b). Zum anderen können Mehrfachqualifikationen aber auch zu steigenden Erwartungen führen, womit sich der Referenzpunkt, an dem die eigene Erwerbssituation gemessen wird, nach oben verschiebt. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass das gestiegene Erwartungsniveau (vor allem nach einem Fachwechsel) nicht erreicht wird, was mit einer geringeren Arbeitszufriedenheit einher geht (Hypothese 11).
Den Ergebnissen zur Zufriedenheit kommt zudem eine vermittelnde Rolle zu. Da sowohl die Einkommenszufriedenheit als auch die Zufriedenheit mit der Anwendbarkeit der Fähigkeiten abgefragt wird, können die Ergebnisse zu Einkommenseffekten der Berufsbildungskombination mit den Ergebnissen zur Einkommenszufriedenheit verglichen werden. Dieses Vorgehen bietet Interpretationsmöglichkeiten über die Motivationslage, die hinter der Wahl bestimmter Berufsbildungskombinationen steht. Ist eine Person nach einem Fachwechsel mit dem mitunter geringeren Einkommen trotzdem zufrieden, treiben offensichtlich nicht ex ante geplante Investitionsstrategien die gewählte Kombination an Berufsbildungsschritten. Vielmehr ist denkbar, dass (mindestens) einer der Bildungsschritte eher aus Konsumtionsgründen absolviert wird und nicht der Maximierung des späteren Einkommens dient.
| Erscheint lt. Verlag | 15.10.2011 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Organisationsökonomie humaner Dienstleistungen |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Wirtschaft ► Betriebswirtschaft / Management ► Unternehmensführung / Management |
| Schlagworte | Arbeitszufriedenheit • Berufsbildung • Bildungsentscheidungen • Einkommenskonsequenzen • Fachwechsel • Mehrfachqualifikationen |
| ISBN-10 | 3-86618-758-0 / 3866187580 |
| ISBN-13 | 978-3-86618-758-0 / 9783866187580 |
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