Volkswirtschaftliche Implikationen eines modifizierten Steuerbonus für Handwerkerleistungen
Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte, Arbeitsheft 66
Seiten
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Problemstellung
Der Steuerbonus für Handwerkerleistungen ist zusammen mit dem Bonus für haushaltsnahe Dienstleistungen vornehmlich eingeführt worden, um Schwarzarbeit in diesen Bereichen zu reduzieren. Die Reduzierung der Schwarzarbeit dient gleichzeitig dem Fiskalzweck. Während auf Baustellen oder im Gaststättengewerbe auch eine Überprüfung des laufenden Betriebs möglich, wenn auch aufwändig ist, hat es der Gesetzgeber im Bereich der privaten Haushalte vorgezogen, einen finanziellen Anreiz zu schaffen, der es attraktiver macht, reguläre Aufträge zu vergeben.
Diese Regelungen sind inzwischen untersucht worden. So hat das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität zu Köln im Rahmen einer breit angelegten Studie zu Steuervergünstigungen auch diese beiden Boni näher betrachtet.1
Allerdings fehlte es der Untersuchung an empirischen Daten, da die beiden Regelungen noch relativ neu sind. Dem wirkt auch die Erhebung des Bundesrechnungshofs (BRH) aus dem Jahre 2011 nicht umfassend entgegen, weil die veröffentlichten Daten zu eng auf die Frage des Vollzugs ausgelegt sind, aber nicht die fiskalischen und ökonomischen Wirkungen betrachten.2 Einige der Schlussfolgerungen, wie etwa die, dass es zu Mitnahmeeffekten in Höhe von 70 Prozent kommt, sind auch durch die eigenen Zahlen des BRH nicht belegbar.
Neben den Mitnahmeeffekten kritisiert der BRH außerdem erhebliche Kontrolldefizite bei den Finanzämtern, weil das automatische Risikomanagement nicht genau genug auf die Kontrollerfordernisse des § 35a EStG abgestimmt sei, sowie die möglichen Doppelförderungen mit KfW-Programmen in der Vergangenheit, für die jedoch das Gutachten des BRH selbst bereits den zukünftigen Listenabgleich avisiert.
Insgesamt ist das BRH-Gutachten wenig hilfreich, weil es nur kursorisch über die zugrundeliegenden Daten berichtet. Auch unterlässt es der BRH eine ökonomische Analyse durchzuführen, die wenigstens ansatzweise die Effekte auf Schwarzarbeit untersucht und eine fiskalische Bilanz der Nutzen und Kosten der Steuervergünstigungen erstellt. Das hätte der eigentliche Prüfauftrag sein sollen, dem sich der BRH aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen entzogen hat.
Dennoch hat das BRH-Gutachten eine Suche nach alternativen Ausgestaltungsformen des § 35 a EStG ausgelöst, um das berechtigte Ziel der Reduzierung der Schwarzarbeit, das auch das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität zu Köln als hinreichend ökonomisch begründet ansieht, zielgenauer zu unterstützen.3
Das vorliegende Kurzgutachten untersucht nun den Vorschlag des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur Modifikation des Handwerkerbonus auf seine grundsätzliche Eignung, diskutiert die Erweiterung der Zielsetzung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen um die energetische Gebäudesanierung und leitet Folgerungen in Bezug auf die fiskalischen Wirkungen ab. Wir hoffen, damit die Diskussion konstruktiv weiter zu führen, denn das Ausmaß der Schwarzarbeit ist zwar in den letzten Jahren gesunken, aber nach wie vor wird fast jeder sechste Euro in Deutschland im informellen Sektor verdient. Das widerspricht dem Fiskalzweck ebenso wie dem Fairnessgebot, einen allgemein gültigen Ordnungsrahmen für wirtschaftliche Aktivitäten zu schaffen.
1 Vgl. Thöne, M. und Jung, A. (2009).
2 Vgl. BRH (2011).
3 Vgl. Thöne, M. und Jung, A. (2009), S. 95.
Gliederung
1. Problemstellung ... 1
2. Vorschlag des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks zur Weiterentwicklung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen ... 3
3. Volkswirtschaftliche Implikationen des modifizierten Steuerbonus für Handwerkerleistungen ... 5
3.1 Eindämmung der Schwarzarbeit ... 5
3.2 Forcierung der energetischen Gebäudesanierung ... 10
3.3 Fiskalische Effekte ... 14
4. Fazit ... 19
Literatur ... 23
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1: Aufteilung der Schattenwirtschaft nach Wirtschafts- und Dienstleistungssektoren (2010)
Abbildung 2: Entwicklung der Schattenwirtschaft in Deutschland von 2000 bis 2010
Verzeichnis der Tabellen
Tabelle 1: Auswirkungen eines Steuerbonus für Handwerkerleistungen von 2.000 Euro auf die Schattenwirtschaft unter verschiedenen Annahmen (Simulationsrechnung)
Der Steuerbonus für Handwerkerleistungen ist zusammen mit dem Bonus für haushaltsnahe Dienstleistungen vornehmlich eingeführt worden, um Schwarzarbeit in diesen Bereichen zu reduzieren. Die Reduzierung der Schwarzarbeit dient gleichzeitig dem Fiskalzweck. Während auf Baustellen oder im Gaststättengewerbe auch eine Überprüfung des laufenden Betriebs möglich, wenn auch aufwändig ist, hat es der Gesetzgeber im Bereich der privaten Haushalte vorgezogen, einen finanziellen Anreiz zu schaffen, der es attraktiver macht, reguläre Aufträge zu vergeben.
Diese Regelungen sind inzwischen untersucht worden. So hat das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität zu Köln im Rahmen einer breit angelegten Studie zu Steuervergünstigungen auch diese beiden Boni näher betrachtet.1
Allerdings fehlte es der Untersuchung an empirischen Daten, da die beiden Regelungen noch relativ neu sind. Dem wirkt auch die Erhebung des Bundesrechnungshofs (BRH) aus dem Jahre 2011 nicht umfassend entgegen, weil die veröffentlichten Daten zu eng auf die Frage des Vollzugs ausgelegt sind, aber nicht die fiskalischen und ökonomischen Wirkungen betrachten.2 Einige der Schlussfolgerungen, wie etwa die, dass es zu Mitnahmeeffekten in Höhe von 70 Prozent kommt, sind auch durch die eigenen Zahlen des BRH nicht belegbar.
Neben den Mitnahmeeffekten kritisiert der BRH außerdem erhebliche Kontrolldefizite bei den Finanzämtern, weil das automatische Risikomanagement nicht genau genug auf die Kontrollerfordernisse des § 35a EStG abgestimmt sei, sowie die möglichen Doppelförderungen mit KfW-Programmen in der Vergangenheit, für die jedoch das Gutachten des BRH selbst bereits den zukünftigen Listenabgleich avisiert.
Insgesamt ist das BRH-Gutachten wenig hilfreich, weil es nur kursorisch über die zugrundeliegenden Daten berichtet. Auch unterlässt es der BRH eine ökonomische Analyse durchzuführen, die wenigstens ansatzweise die Effekte auf Schwarzarbeit untersucht und eine fiskalische Bilanz der Nutzen und Kosten der Steuervergünstigungen erstellt. Das hätte der eigentliche Prüfauftrag sein sollen, dem sich der BRH aber aus nicht nachvollziehbaren Gründen entzogen hat.
Dennoch hat das BRH-Gutachten eine Suche nach alternativen Ausgestaltungsformen des § 35 a EStG ausgelöst, um das berechtigte Ziel der Reduzierung der Schwarzarbeit, das auch das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität zu Köln als hinreichend ökonomisch begründet ansieht, zielgenauer zu unterstützen.3
Das vorliegende Kurzgutachten untersucht nun den Vorschlag des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur Modifikation des Handwerkerbonus auf seine grundsätzliche Eignung, diskutiert die Erweiterung der Zielsetzung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen um die energetische Gebäudesanierung und leitet Folgerungen in Bezug auf die fiskalischen Wirkungen ab. Wir hoffen, damit die Diskussion konstruktiv weiter zu führen, denn das Ausmaß der Schwarzarbeit ist zwar in den letzten Jahren gesunken, aber nach wie vor wird fast jeder sechste Euro in Deutschland im informellen Sektor verdient. Das widerspricht dem Fiskalzweck ebenso wie dem Fairnessgebot, einen allgemein gültigen Ordnungsrahmen für wirtschaftliche Aktivitäten zu schaffen.
1 Vgl. Thöne, M. und Jung, A. (2009).
2 Vgl. BRH (2011).
3 Vgl. Thöne, M. und Jung, A. (2009), S. 95.
Gliederung
1. Problemstellung ... 1
2. Vorschlag des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks zur Weiterentwicklung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen ... 3
3. Volkswirtschaftliche Implikationen des modifizierten Steuerbonus für Handwerkerleistungen ... 5
3.1 Eindämmung der Schwarzarbeit ... 5
3.2 Forcierung der energetischen Gebäudesanierung ... 10
3.3 Fiskalische Effekte ... 14
4. Fazit ... 19
Literatur ... 23
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1: Aufteilung der Schattenwirtschaft nach Wirtschafts- und Dienstleistungssektoren (2010)
Abbildung 2: Entwicklung der Schattenwirtschaft in Deutschland von 2000 bis 2010
Verzeichnis der Tabellen
Tabelle 1: Auswirkungen eines Steuerbonus für Handwerkerleistungen von 2.000 Euro auf die Schattenwirtschaft unter verschiedenen Annahmen (Simulationsrechnung)
| Sprache | deutsch |
|---|---|
| Maße | 210 x 297 mm |
| Einbandart | geheftet |
| Themenwelt | Wirtschaft ► Volkswirtschaftslehre |
| Schlagworte | Göttinger Handwerkswirtschaftliche Arbeitshefte • Steuerbonus für Handwerkerleistungen • Volkswirtschaftliche Implikationen |
| ISBN-10 | 3-86944-038-4 / 3869440384 |
| ISBN-13 | 978-3-86944-038-5 / 9783869440385 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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