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CBD-Einsatz in der Tiermedizin: therapeutischer Nutzen, rechtliche Anforderungen und Darstellung der aktuellen Situation

(Autor)

Buch | Hardcover
312 Seiten
2025
VVB Laufersweiler Verlag
978-3-8359-7263-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

CBD-Einsatz in der Tiermedizin: therapeutischer Nutzen, rechtliche Anforderungen und Darstellung der aktuellen Situation - Clarissa Peitz
CHF 62,70 inkl. MwSt
Die Brisanz und Aktualität des Themas „medizinischer Einsatz von Cannabis“ gilt nicht nur für den Bereich der Humanmedizin, sondern auch für den Bereich der Veterinärmedizin, was sich anhand zahlreicher Pressemitteilungen, Werbeversprechen und dem Angebot einer Viel-zahl an Cannabidiol(CBD)-haltigen Produkten für Tiere feststellen lässt.
CBD verteilt sich aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften schnell im Gehirn, im Fettgewebe und anderen Organen und wird über die Leber mit Hilfe der CYP450-Isoenzyme abgebaut. Die Plasmahalbwertszeit von CBD wird auf 18 bis 32 Stunden geschätzt und die Ausschei-dung erfolgt hauptsächlich mit dem Kot und weniger mit dem Urin. Für die Wirkung von CBD auf den Organismus ist das komplexe, mehrdimensional arbeitende ECS oder auch „Endo-cannabinoidom“ entscheidend. Im Bereich der Tiermedizin gaben Studien mit CBD erste Hinweise auf ein mögliches therapeutisches Potenzial für folgende Einsatzgebiete: die Beein-flussung des Verhaltens sowie „Wohlbefindens“, Epilepsie, Osteoarthritis, Inflammation, Der-matitis, tumoröse Geschehen und chronische Gingivostomatitis. Allerdings sind weitere Stu-dien unerlässlich, um diese ersten Hinweise evidenzbasiert zu untermauern. Daneben stellte man ein weites Spektrum an unerwünschten Wirkungen bei Tieren fest: embryonale Mortali-tät, Entwicklungstoxizität, hepatozelluläre Veränderungen, Neurotoxizität, Veränderungen von Organgewichten, Hypotonie, Haut- und Schleimhautulzerationen, Verringerung der Frucht-barkeit, insbesondere der Spermatogenese, als Anzeichen für generelle Veränderungen des männlichen Fortpflanzungssystems.
Zur rechtlichen Einstufung von CBD, CBD-haltigen Extrakten sowie CBD-haltigen Produkten sind im Bereich der Veterinärmedizin folgende Kategorien denkbar: Tierarzneimittel, Veteri-närmedizintechnische Produkte (VTMP), Futtermittel und Futtermittelzusatzstoffe. Werden CBD, CBD-haltige Extrakte oder CBD-haltige Produkte der Kategorie Tierarzneimittel zuge-rechnet, d. h. sie erfüllen durch ihre pharmakologischen Eigenschaften und bei Präsentation als solche die Anforderungen an ein Tierarzneimittel nach Art 4. der VO (EU) Nr. 2019/6, un-terliegen sie wie alle Tierarzneimittel nach Art. 5 Abs. 1 der VO (EU) Nr. 2019/6 der Zulas-sungspflicht. Damit CBD, CBD-haltige Extrakte oder CBD-haltige Produkte zu einem VTMP werden, müssen sie als Tierarzneimittel in oder auf einem Gegenstand enthalten oder aufge-bracht sein, der dauernd oder vorübergehend mit dem tierischen Körper in Berührung ge-bracht werden soll. Dieses VTMP ist dann nach § 22 Abs. 1 des TAMG ebenfalls zulas-sungspflichtig. Bezüglich der Futtermittel gelten nur Hanfmehl, Hanffaser, Hanfsaat, Hanfsaatöl und Hanfkuchen als Einzel-, Misch-, Allein- oder Ergänzungsfuttermittel gemäß der VO (EG) Nr. 767/2009 und nur diese dürfen daher – unabhängig ihres natürlichen CBD-Gehaltes – ohne weitere Genehmigung in Verkehr gebracht werden. In allen anderen Fällen sind CBD, CBD-haltige Extrakte oder CBD-haltige Produkte als Futtermittelzusatzstoff im Sinne der VO (EG) Nr. 1831/2003 einzustufen und unterliegen somit der Zulassungspflicht mittels eines zentralisierten Zulassungsverfahrens auf europäischer Ebene. Die grundsätzli-che Entscheidung, ob es sich bei dem vorliegenden CBD, CBD-haltigen Extrakt oder CBD-haltigen Produkt um ein Futtermittel, ein Futtermittelzusatzstoff, ein Tierarzneimittel oder VTMP handelt, obliegt letztlich der zuständigen Landesbehörde. Aufgrund der Vielzahl von CBD-haltigen Produkten und der Unübersichtlichkeit insbesondere des Internethandels sowie der nur dünnen Personalstärke in den zuständigen Behörden ist davon auszugehen, dass weiterhin diverse CBD-Präparate ohne entsprechende Zulassung auf dem Markt sein wer-den.
Da bisher keine Evaluation des tatsächlichen Einsatzes von CBD-haltigen Produkten im Be-reich der Veterinärmedizin in Deutschland existiert, wurden zwei Online-Umfragen über einen Zeitraum von 3 Monaten zur tatsächlichen Verwendung von CBD-haltigen Produkten, einmal an TÄ und einmal an TH gerichtet, durchgeführt. Insgesamt haben 355 TÄ und 370 TH die jeweilige Umfrage vollständig beantwortet, wenngleich daraus kein Rückschluss auf die Grundgesamtheit gezogen werden kann. 72,96 % aller befragten TÄ und damit fast drei Vier-tel verwendeten CBD-haltige Produkte, wohingegen es bei den befragten TH nur 42,16 % und damit weniger als die Hälfte waren. Von denjenigen, die aktuell noch keine CBD-haltigen Pro-dukte verwenden, konnten sich weit mehr als zwei Drittel (TÄ: 72,92 %, TH: 76,17 %) vorstel-len, zukünftig CBD-haltige Produkte einzusetzen. Hinsichtlich der Art der verwendeten CBD-haltigen Produkte stand bei beiden mit überwiegender Mehrheit das „CBD-Öl“ an erster Stelle (TÄ: 98,46 %, TH: 90,38 %). Basierend auf der Prozentzahl der ausgewählten Tierspezies existierte in beiden Umfragegruppen die gleiche Reihenfolge: auf Platz eins der „Hund“ (TÄ: 96,53 %, TH: 78,21 %), gefolgt von „Katze“ (TÄ: 72,97 %, TH: 29,49 %), „Pferd“ (TÄ: 9,65 %, TH: 16,67 %) und „Heimtier“ (TÄ: 5,79 %, TH: 3,85 %). Als die häufigsten Einsatzgebiete wurden „stressige Situationen“ (TH: 55,77 %) und „Angstzustände“ (TH: 41,67 %) / „Verhal-tensstörungen“ (TÄ: 91,89 %), „Gelenkprobleme“ (TH: 33,97 %) / „Orthopädie (z. B. Arthrose u. a.)“ (TÄ: 45,17 %) und „Schmerzzustände“ (TH: 53,85 %) / „Analgesie“ (TÄ: 37,45 %) an-gegeben. Als den Erstkontakt zu CBD-haltigen Produkten nannte fast die Hälfte der befragten TH das „Internet“ (40,38 %), bei den befragten TÄ dagegen „Kollegen/-innen“ (40,93 %). Inte-ressanterweise schätzten 48,45 % der befragten TÄ die Nachfrage nach CBD-haltigen Pro-dukten seitens der Tierhaltenden in den letzten 5 Jahren als „steigend“ ein. CBD ist damit für die Tierarzneimittel-Forschung sicherlich in den nächsten Jahren ein spannendes Feld für Neuentdeckungen sowie Produktentwicklungen. Zwar sind eigentlich bereits für die Regulati-on des Marktes CBD-haltiger Produkte eindeutige rechtliche Empfehlungen vorhanden, aller-dings scheinen diese vielen Herstellern CBD-haltiger Produkte für Tiere nicht bewusst zu sein bzw. von diesen bewusst umgangen zu werden. Präzedenzurteile sowie Auslegungshil-fen sind daher dringend nötig.
The urgency and relevance of the topic of medicinal use of cannabis applies not only to hu-man medicine but also to veterinary medicine, as evidenced by numerous press releases, marketing claims, and the availability of a variety of CBD(cannabidiol)-containing products for animals.
Due to its lipophilic properties, CBD quickly distributes into the brain, adipose tissue, and oth-er organs and is metabolized by the liver through CYP450 isoenzymes. The plasma half-life of CBD is estimated to be between 18 and 32 hours, and excretion occurs primarily through feces and less through urine. The effect of CBD on the organism is critically dependent on the complex, multidimensional endogenous cannabinoid system, also known as the "endocanna-binoidome." In the field of veterinary medicine, preliminary studies with CBD have suggested therapeutic potential for the following fields of application: the modulation of behaviour and "well-being," epilepsy, osteoarthritis, inflammation, dermatitis, neoplastic conditions, and chronic gingivostomatitis. However, further studies are essential to substantiate the therapeu-tic potential with evidence. Additionally, a wide range of adverse effects has been observed in animals: embryonic mortality, developmental toxicity, hepatocellular alterations, neurotoxicity, changes in organ weights, hypotension, skin and mucosal ulcerations, reduced fertility, par-ticularly in spermatogenesis, is, thus, subject of general alterations of the male reproductive system.
Regarding the legal classification of CBD, CBD-containing extracts, and CBD-containing products in veterinary medicine, the following categories are conceivable: veterinary medici-nal products, veterinary medical technical products (VMTP), feed, and feed additives. If CBD, CBD-containing extracts, or CBD-containing products are classified as veterinary medicinal products, i.e., they meet the requirements for a veterinary medicinal product according to Ar-ticle 4 of Regulation (EU) No. 2019/6 due to their pharmacological properties and presenta-tion, they are subject to the authorization requirement, as specified in Article 5 (1) of Regula-tion (EU) No. 2019/6. For CBD, CBD-containing extracts, or CBD-containing products to qualify as VMTPs, they must be included in or applied to an item that is intended to come into contact with the animal body, either permanently or temporarily. This VMTP is also subject to authorization according to § 22 (1) of the TAMG. Regarding feed, only hemp meal, hemp fiber, hemp seeds, hemp seed oil, and hemp cake are considered as single, mixed, complete, or supplementary feed in accordance with Regulation (EC) No. 767/2009, and only these can be marketed without further approval, irrespective of their natural CBD content. In all other cas-es, CBD, CBD-containing extracts, or CBD-containing products have to be classified as feed additives under Regulation (EC) No. 1831/2003 and are thus subject to authorization via a centralized approval procedure at the European level. The fundamental decision on whether the present CBD, CBD-containing extract, or CBD-containing product is classified as feed, a feed additive, a veterinary medicinal product, or a VMTP ultimately rests with the responsible state authority. Due to the large number of CBD products and the lack of transparency, par-ticularly in online trading, as well as the limited staffing levels in the relevant authorities, it can be assumed that various preparations will continue to be on the market without the appropri-ate approval.
As no evaluation of the actual use of CBD-containing products in veterinary medicine in Ger-many has yet been conducted, two online surveys regarding the actual use of CBD-containing products were carried out over a period of three months, targeted once at veteri-narians and once at pet owners. A total of 355 veterinarians (VET) and 370 pet owners (PO) fully responded to the respective survey, although no conclusions can be drawn about the entire population. 72.96 % of all surveyed VETs, or nearly three-quarters, used CBD-containing products, whereas only 42.16 % of the surveyed POs, thus less than half, did. Among those who do not currently use CBD-containing products, significantly more than two-thirds (VET: 72.92 %, PO: 76.17 %) could envision using CBD-containing products in the fu-ture. Regarding the types of CBD-containing products used, “CBD oil” was predominantly ranked first by both groups (VET: 98.46 %, PO: 90.38 %). Based on the percentage of se-lected animal species, both survey groups showed the same ranking: in first place was “dog” (VET: 96.53 %, PO: 78.21 %), followed by “cat” (VET: 72.97 %, PO: 29.49 %), “horse” (VET: 9.65 %, PO: 16.67 %), and “small pet” (VET: 5.79 %, PO: 3.85 %). The most frequently cited applications were for “stressful situations” (PO: 55.77 %) and “anxiety disorders” (PO: 41.67 %) / “behavioural disorders” (VET: 91.89 %), “joint problems” (PO: 33.97 %) / “orthope-dics (e.g., osteoarthritis)” (VET: 45.17 %), and “pain conditions” (PO: 53.85 %) / “analgesia” (VET: 37.45 %). Almost half of the surveyed POs indicated that their first contact with CBD-containing products was through the “internet” (40.38 %), while for the surveyed VETs, it was “colleagues” (40.93 %). Interestingly, 48.45 % of the surveyed VETs perceived the demand for CBD-containing products from pet owners to have increased over the last five years. Thus, CBD certainly represents an exciting field for new discoveries and product develop-ments in veterinary pharmaceutical research in the coming years. Although there are clear legal recommendations for regulating the market for CBD-containing products, many manu-facturers of CBD-containing products for animals appear to be unaware of these or are delib-erately circumventing them. Precedents and interpretative guidance are therefore urgently needed.
Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Edition Scientifique
Verlagsort Gießen
Sprache deutsch
Maße 148 x 210 mm
Gewicht 780 g
Themenwelt Veterinärmedizin Allgemein
Schlagworte Cannabidiol (CBD) • Cannabis für Tiere • Cannabisprodukte • CBD bei Hund und Katze • Endocannabinoid-System • Hanf • Hanfextrakte • Hanfprodukte • Haschisch • Kanabis • Marihuana • Natürliche Tierprodukte • nicht berauschende Wirkstoffe • Nicht-psychoaktives Cannabis • Rausch • Rechtliche Einordnung / Zulassungspflicht • Schmerzen und Angst bei Tieren • Sicherheit von CBD-Produkten • THC • therapeutisches Potenzial • Tiergesundheit • Unerwünschte Wirkungen • Veterinärmedizin
ISBN-10 3-8359-7263-4 / 3835972634
ISBN-13 978-3-8359-7263-6 / 9783835972636
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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