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Vergleichende infrarotthermographische und klinische Untersuchungen zum Entzündungs- und Nekrosesyndrom (SINS) bei Schweinen unterschiedlicher Altersstufen und Zuchtpopulationen

Buch | Softcover
166 Seiten
2025
VVB Laufersweiler Verlag
978-3-8359-7250-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Vergleichende infrarotthermographische und klinische Untersuchungen zum Entzündungs- und Nekrosesyndrom (SINS) bei Schweinen unterschiedlicher Altersstufen und Zuchtpopulationen - Katrin Hindenlang
CHF 51,50 inkl. MwSt
Die Diskussion um die Verbesserung von Tierwohl und Tierschutz in der Schweinehaltung steht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dabei gilt das Schwanzbeißen mit seinen Folgen für die Tiere sowie für die Schlachtkörper durch aufsteigende Infektionen seit Jahrzehnten als Paradebeispiel für mangelnden Tierschutz beim Schwein. Als Konsequenz wird den meisten Ferkeln im Alter von weniger als vier Tagen das letzte Drittel des Schwanzes amputiert. Was jedoch als Routinemaßnahme nach europäischem Recht verboten ist. Das Kupieren führt zwar zu einer Verringerung des Schwanzbeißens, kann aber der hohen Komplexität der tierschutzwidrigen Faktoren, die zu Schwanzverletzungen führen, nicht gerecht werden. Man unterscheidet zwischen primärem Schwanzbeißen (aufgrund von Aggression, Stress und Frustration im Zusammenhang mit Haltungs-, Fütterungs- und Managementproblemen) und sekundärem Schwanzbeißen (das Opfertier toleriert das Beißen und Knabbern). Doch Schwanzverletzungen können auch ohne Zutun anderer Ferkel auftreten. Als Ursache eines primär endogenen Entzündungsgeschehens wurde das Entzündungs- und Nekrosesyndrom des Schweins (SINS) beschrieben, bei dem es durch entzündliche Verlegung der Endstrombahnen u.a. im Bereich des Schwanzes und der Ohren zu einer Minderdurchblutung der zu versorgenden Gewebeanteile kommt. Entzündungen bis hin zu Nekrosen sind häufige Folgen. Klinisch äußert sich das Syndrom durch Borstenlosigkeit/Borstenverlust, gefolgt von Schwellung und Rötung. In schweren Fällen kann es zu Exsudation und Nekrosen kommen. Neugeborene Ferkel können bereits bei der Geburt betroffen sein. Die klinischen Symptome finden ihre Bestätigung in einer Pathohistologie, die durch Vaskulitis, Intimaproliferation, Thrombenbildung und Ödematisierung gekennzeichnet ist. Dabei zeigt sich, dass Ausmaß und Schweregrad der Symptomatik stark von Umweltfaktoren beeinflusst werden. Aber auch unter konstanten Umweltbedingungen treten Variationen zwischen den Betrieben auf. Feldbeobachtungen deuten darauf hin, dass die Genetik des Ebers eine entscheidende Rolle für die Anfälligkeit der Ferkel spielt.
Ziel der vorliegenden Untersuchung war es zum einen, den Einfluss von zwei verschiedenen Ebern auf zwei verschiedenen Betrieben auf die SINS-Symptomatik der Saugferkel zu untersuchen (Teil 1) und den Nachweis spezifischer Ebereffekte darzustellen (Teil 3). Zum anderen sollte der typische zeitliche Verlauf des Syndroms unter möglichst standardisierten Umweltbedingungen erarbeitet werden, um optimale Untersuchungszeitpunkte definieren zu können (Teil 2). Die Untersuchungen sollten um die Infrarotthermographie erweitert werden, in der Erwartung, die vermuteten Durchblutungsstörungen auf diese Weise diagnostisch nutzen zu können.
Für die Untersuchung der Ebereffekte im Betriebsvergleich (Teil 1) wurden zwei Eber eines Zuchtbetriebes über ihre Nachkommen auf zwei verschiedenen Betrieben verglichen. Es standen 149 Ferkel am 3. Lebenstag zur Verfügung. Für die Verlaufsuntersuchung (Teil 2) wurden 59 Ferkel vom 1. bis zum 41. Lebenstag an 18 Tagen untersucht. Dabei befanden sich die Tiere an den letzten beiden Untersuchungstagen in der Aufzucht. Im dritten Teil des Versuches zur Untersuchung von Ebereffekten wurden 175 Ferkel am zweiten oder dritten Lebenstag untersucht. Es standen 15 Sauen in 4 Abferkelgruppen zur Verfügung. Diese wurden mit Mischsperma von Ebern der Rassen Duroc und Pietrain aus sechs Zuchtbetrieben besamt. Der Vaterschaftstest wurde mittels asservierten Schwänzen durchgeführt.
Die Versuchsdurchführung war in allen drei Versuchsteilen identisch. Die klinische Untersuchung wurde mit einer Digitalkamera dokumentiert und später am Computer ausgewertet. Dokumentiert wurden beide Gesichtshälften, die Ohren in der Übersicht von hinten, der Schwanz, die Klauen hinten plantar und dorsal, der Bauch mit Zitzen und Nabel sowie die Klauen vorne plantar und dorsal jeweils mit der Digitalkamera und der Infrarotkamera.
Beim Vergleich der SINS-Symptomatik auf zwei verschiedenen Betrieben mit zwei verschiedenen Ebern ergaben sich signifikante Unterschiede bei der Schwanzbasis, den Ohren, dem Nabel, den Ballen und dem SINS-Score für den Betrieb und bei der Schwanzbasis, dem Kronsaum, den Ballen und dem SINS-Score für den Eber. Mögliche Ursachen für die Unterschiede zwischen den Betrieben sind vielfältig und ergeben sich aus der bereits beschriebenen Umweltinteraktion der SINS-Symptome. So sind z.B. die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit, die unterschiedlichen Temperaturen in den Ställen und die unterschiedlichen Tränkesysteme von Bedeutung. Die Organscores, die sich aus der gewichteten Addition der Einzelmerkmale ergaben, waren häufig mit dem Betrieb und dem Eber assoziiert. Um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Borstenverlust und Nekrosen zwar beide Teilaspekte von SINS sind, Nekrosen aber wesentlich stärker ins Gewicht fallen als der reine Borstenverlust, wurde für die Zusammenfassung zu Organscores ein neues Gewichtungssystem der Rohwerte angewandt. Es wird empfohlen, diese Anpassung in zukünftigen Untersuchungen vorzunehmen.
Es konnte gezeigt werden, dass der eingesetzte Eber in vergleichbarer Weise zu signifikanten Verbesserungen oder Verschlechterungen der SINS-Symptomatik der Saugferkel führen kann. Die Zusammenfassung der Organscores zum SINS-Score ergab eine Abfolge von Duroc-Nachkommen mit steigenden Scores zu Pietrain-Nachkommen. Alle Nachkommen der Duroc-Eber waren signifikant besser als die 4 schlechtesten Pietrain-Eber.
In der Verlaufsuntersuchung konnte ein zweigipfliger Verlauf der SINS-Symptomatik beobachtet werden. Zahlreiche Organbefunde folgen per se diesem zweigipfligen Verlauf mit einem Peak um Tag 3 bis 4 und Tag 22 bis 26. Hierzu zählen insbesondere die hochgradigen Befunde der Schwanzbasis und des Schwanzes, die Zitzenbefunde und die Ballenrötung sowie die Ohrtemperaturen. Die Idealform der Zweigipfeligkeit zeigte sich dann wieder bei der Zusammenfassung der Merkmalsbefunde zum SINS-Score. Es zeigt sich also, dass der SINS-Score keineswegs nur ein synthetisches Merkmal aus lose zusammengefassten Werten ist. Vielmehr bestätigt sich der auch in anderen Untersuchungen an Einzeltagen grundsätzlich nachgewiesene Zusammenhang zwischen den verschiedenen Befunden an Schwanz, Ohren, Zitzen und Klauen.
Die Infrarotthermografie als diagnostisches Hilfsmittel war sehr gut geeignet, um eine bestehende Durchblutungssymptomatik darzustellen. Allerdings ergaben sich gegenläufige Effekte der am Schwanz vorherrschenden Entzündungsgrade zu den jeweiligen Zeitpunkten, die zu einer Verstärkung oder Reduktion der Durchblutung führen konnten und somit pauschal noch nicht anwendbar waren. Dennoch bestätigte sich die Zweigipfeligkeit von SINS auch über die Temperaturverläufe.
The debate on improving animal welfare in pig farming is at the centre of public interest. For decades, tail biting, with its consequences for the animals and the carcasses due to increasing infections, has been considered a prime example of poor welfare in pigs. As a result, most piglets have the last third of their tail amputated at less than four days of age. However, this routine procedure is banned under European law. Although docking reduces tail biting, it does not address the highly complex welfare factors that lead to tail injuries. A distinction is made between primary tail biting (due to aggression, stress and frustration associated with housing, feeding and management problems) and secondary tail biting (the victim animal tolerates biting and nibbling). However, tail injuries can also occur without the intervention of other piglets. Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (SINS) has been described as the cause of a primarily endogenous inflammatory process in which inflammatory occlusion of terminal vessels, e.g. in the tail and ears, results in reduced blood flow to the tissues supplied by these vessels. Inflammation and even necrosis are common consequences. The clinical manifestation of the syndrome is hair loss, followed by swelling and erythema. In severe cases, exudation and necrosis may occur. Newborn piglets may be affected at birth. Clinical signs are confirmed by pathohistology, which is characterised by vasculitis, intimal proliferation, thrombus formation and oedema. The extent and severity of the symptoms have been shown to be strongly influenced by environmental factors. However, even under constant environmental conditions there is variation between farms. Field observations suggest that boar genetics play an important role in the susceptibility of piglets.
The aim of the present study was, on the one hand, to investigate the influence of two different boars on two different farms on SINS symptoms in suckling piglets (part 1) and to present the evidence for specific boar effects (part 3). On the other hand, the typical temporal course of the syndrome under standardised environmental conditions should be determined in order to define optimal examination times (part 2). Infrared thermography should be added to the investigations in the expectation that it will be possible to diagnose the suspected circulatory disorders.
To compare the effects of boars on different farms (part 1), two boars from one breeding farm were compared with their progeny on two different farms. 149 piglets were available on the 3rd day of life. For the longitudinal study (part 2), 59 piglets were examined on 19 days from the 1st to the 65th day of life. The animals were in the rearing phase on the last two days of the study. In the third part of the experiment to study the effects of boars, 175 piglets were examined on the second or third day of life. 15 sows were available in 4 farrowing groups. They were inseminated with mixed semen from Duroc and Pietrain boars from six breeding farms. Paternity testing was performed using preserved tails.
The experimental procedure was identical in all three parts of the experiment. The clinical examination was documented with a digital camera and later evaluated on a computer. Both hemispheres of the face, the ears from behind, the back, the tail, the inner thighs of the hind legs, the rear plantar and dorsal claws, the abdomen with teats and navel, and the front plantar and dorsal claws were documented with the digital camera and the infrared camera.
When comparing the SINS symptoms on two different farms with two different boars, significant differences were found for the tail base, ears, navel, pads and SINS score for the farm and for the tail base, coronary band, pads and SINS score for the boar. The possible reasons for the differences between the farms are many and result from the environmental interaction of the SINS symptoms as described above. For example, the different soil conditions, the different temperatures in the pens and the different drinking systems are important. The organ scores resulting from the weighted addition of the individual characteristics were often associated with the farm and the boar. In order to take into account the fact that although bristle loss and necrosis are both aspects of SINS, necrosis is much more important than pure bristle loss, a new weighting system of the raw values was used for the combination into organ scores. It is recommended that this adjustment be made in future studies.
It was shown that the boar used can lead to significant improvements or deteriorations in the SINS symptoms of the suckling piglets in a comparable manner. The combination of organ scores to form the SINS score resulted in a sequence of Duroc progeny with increasing scores to Pietrain progeny. All the progeny of the Duroc boar were significantly better than the 4 worst Pietrain boars.
At follow-up, a two-peak progression of SINS symptoms was observed. Numerous organ findings per se follow this two-peak progression with a peak around days 3 to 4 and days 22 to 26. These include in particular the more severe findings at the base of the tail and the tail, the teat findings and redness of the heels, and the ear temperatures. The ideal form of the bimodal distribution was again seen when the characteristic findings were summarised in the SINS score. It is clear, therefore, that the SINS score is by no means a synthetic trait derived from loosely aggregated values. Rather, it confirms the correlation between the various findings on the tail, ears, teats and claws that has been demonstrated in principle in other studies on individual days. Infrared thermography as a diagnostic tool was very good at visualising circulatory symptoms. However, it was not yet universally applicable because of the opposing effects of the degree of inflammation in the tail at any given time, which could lead to an increase or decrease in blood flow. Nevertheless, the biphasic nature of SINS was also confirmed by the temperature curves.
Erscheinungsdatum
Reihe/Serie Edition Scientifique
Verlagsort Gießen
Sprache deutsch
Maße 148 x 210 mm
Gewicht 370 g
Themenwelt Veterinärmedizin Allgemein
Schlagworte Ebereffekte • Kupierverbot • Schwanzbeißen • Schweinehaltung • Swine Inflammation and Necrosis Syndrom (SINS) • Tierschutz
ISBN-10 3-8359-7250-2 / 3835972502
ISBN-13 978-3-8359-7250-6 / 9783835972506
Zustand Neuware
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