Phänotypisierung der Variabilität der Schwanzlänge und Schwanzgesundheit beim Schwein
Seiten
2025
VVB Laufersweiler Verlag
978-3-8359-7253-7 (ISBN)
VVB Laufersweiler Verlag
978-3-8359-7253-7 (ISBN)
In Anbetracht des immer höheren Stellenwertes des Tierschutzes in der Gesellschaft rücken besonders auch Probleme in der Nutztierhaltung immer mehr in den Fokus der Gesellschaft. In der Schweinehaltung stellt die Problematik rund um den Kupierverzicht und Schwanzläsionen ein besonders stark diskutiertes Thema dar. Trotz geltendem Kupierverbot durch die EU-Richtlinie 2008/120/EG werden in Deutschland weiterhin die Schwänze von ca. 95 % der Saugferkel routinemäßig kupiert, da dies bislang als die erfolgreichste Maßnahme gegen Schwanzbeißen gilt. Diese Maßnahme stellt jedoch einen sowohl kurz- als auch langfristig schmerzhaften Eingriff für die Tiere dar. Die Schwanzläsionen selbst stellen ein multifaktorielles Problem dar und können sowohl durch ein primäres oder sekundäres Beißgeschehen durch Buchtengenossen als auch als Symptome des Swine Inflammation and Necrosis Syndroms (SINS) entstehen. Sie stellen eine signifikante ökonomische Belastung dar und gefährden das Tierwohl in erheblichem Maße. Als Ursachen für das Schwanzbeißen werden vor allem Frustration und Stress, beispielsweise durch inadäquate Haltungs- und Umweltbedingungen, sowie eine genetische Komponente diskutiert. SINS-Symptome manifestieren sich nicht nur am Schwanz, sondern treten meist parallel auch an anderen Körperteilen, unter anderem den Ohren und Klauen, auf. Als Ursache wird ein übermäßiger Endotoxineinstrom aus dem Darm angenommen, wodurch lokale und systemische Entzündungsprozesse entstehen und dadurch terminale Blutgefäße schädigen. Diese Hypothese wird von verschiedenen Studien gestützt. Daraus resultieren die sichtbaren Symptome wie Borstenausfall, Rötung, Schwellung, Exsudation und Nekrosen.
Ein Ansatz, um Schwanzbeißen ohne Kupieren verhindern zu können ist es, die Schwänze genetisch zu verkürzen. Diese Idee beruht darauf, dass die verminderte Attraktivität der Schwänze durch die Verkürzung durch das Kupieren als ein Grund vermutet wird, weshalb das Kupieren Schwanzbeißen vermindern kann. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei anderen Tierarten im Zusammenhang mit einer Schwanzlängenreduktion bereits teils massive Missbildungen oder eine erhöhte embryonale Letalität bekannt sind. Auch beim Schwein gibt es erste Hinweise auf eine erhöhte Prävalenz von Knickschwänzen bei kürzeren Schwänzen.
Die vorliegende Arbeit hatte zum Ziel, die Eignung der Züchtung auf kürzere Schwänze als Alternative zum routinemäßigen Kupieren beim Schwein zu untersuchen und auf dieser Grundlage eine Empfehlung für die weitere Vorgehensweise abzuleiten. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurden folgende Fragen bearbeitet: i) Welche Schwanzlängen kommen bei neugeborenen Ferkeln in einer Herde mit bekannter Segregation für das Merkmal „Schwanzlänge“ vor? ii) Kommen Missbildungen, insbesondere Knickschwänze, in Assoziation mit der Schwanzlänge vor und hat die Schwanzlänge einen Einfluss auf die Zunahmen der Tiere? iii) Ist die Schwanzgesundheit, besonders auch die SINS-Symptomatik, assoziiert mit der Schwanzlänge und möglichen Knickschwänzen?
Hierfür wurden 24 Anpaarungen von 21 Sauen der Rassen DE, DL, DExDL sowie Piétrain mit sechs Ebern der Rasse Piétrain nach Anpaarungsvorschlägen des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. Aus diesen Anpaarungen wurden 348 Ferkel am dritten Lebenstag sowie elf Tage nach dem Absetzen 336 Ferkel bonitiert. Im Rahmen der ersten Bonitur wurden allgemeine Wurfdaten wie Sau, Rasse der Sau, Wurfnummer und Wurfgröße sowie Eber, Geburtsgewicht und Gewicht am dritten Lebenstag, Körperlänge und Schwanzlänge sowie sichtbare Missbildungen, vor allem Knickschwänze, erfasst. Aus der Körperlänge und der Schwanzlänge wurde die relative Schwanzlänge für jedes Ferkel berechnet. Im Anschluss an die erste Bonitur wurden die Ferkel zur Vermeidung von Schwanzbeißen kupiert. Am zweiten Termin erfolgte ebenfalls eine Erfassung des Gewichts. An beiden Tagen erfolgte eine Bonitur von Schwanzbasis, Schwanzspitze, Ohren, Gesicht, Nabel, Zitzen, Kronsaum, Ballen und Klauenwand auf Entzündungs- und Nekroseanzeichen. Fälle von Schwanzbeißen konnten während der Laufzeit des Versuches nicht festgestellt werden. Für alle Körperteile wurden SINS-Werte berechnet sowie ein Gesamt-SINS-Wert für jedes Ferkel bestimmt. Dies erfolgte jeweils für Saug- und Aufzuchtferkel getrennt.
Der gesamte Versuch wurde auf der landwirtschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtung (LFE) Oberer Hardthof des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt.
Die ermittelten absoluten sowie relativen Schwanzlängen zeigten eine deutliche Segregation, obwohl bisher auf diesem Betrieb keine Selektion auf dieses Merkmal stattgefunden hat. Es konnten absolute Schwanzlängen von 6,6 bis 12,0 cm gemessen werden, während die relativen Schwanzlängen Werte von 20,25 bis 31,29 % von der Gesamtlänge der Tiere aufwiesen (Körperlänge plus Schwanzlänge). Es konnten signifikante Einflüsse sowohl des Ebers, als auch der Sau und der Rasse der Sau auf die relativen Schwanzlängen festgestellt werden. Bei einem beachtlichen Anteil von 12 % der Ferkel lagen ein oder mehrere Knicke im Schwanz vor. Des Weiteren manifestierten sich vereinzelt weitere Missbildungen, deren Auftreten jedoch aufgrund der geringen Anzahl an Fällen nicht mit der Schwanzlänge oder dem Knicken in Verbindung gebracht werden konnte.
Auf das Vorkommen von Knickschwänzen zeigten ebenfalls sowohl der Eber als auch die Sau signifikante Einflüsse. Zusätzlich konnte ein signifikanter Einfluss der Schwanzlänge nachgewiesen werden. So zeigten die 20 % der Ferkel mit den kürzesten Schwänzen eine 6-fach höhere Wahrscheinlichkeit einen Knickschwanz zu haben als die 20 % der Ferkel mit den längsten Schwänzen.
Obwohl kein Schwanzbeißgeschehen nachgewiesen werden konnte, wies ein Großteil der Ferkel bereits am dritten Lebenstag Entzündungsanzeichen sowohl an der Schwanzbasis als auch der Schwanzspitze auf. Parallel dazu waren bei den meisten Tieren auch entzündliche bis nekrotische Veränderungen an den übrigen untersuchten Körperteilen zu finden. In beiden Altersstufen wiesen 100 % der Tiere mindestens eine Veränderung an den untersuchten Körperteilen auf. An der Schwanzspitze wiesen über 60 % der Saug- und über 87 % der Aufzuchtferkel mindestens eine Veränderung auf.
Die Schwanzlänge zeigte weder einen Einfluss auf Entzündungen und Nekrosen am Schwanz, noch auf den Gesamt-SINS-Score. Das Vorhandensein eines Knickschwanzes hatte ebenfalls nur einen geringen Einfluss auf die ermittelten SINS-Scores. Auffällig jedoch ist, dass bei Ferkeln, bei denen ein Knick festgestellt wurde, bei der zweiten Bonitur signifikant häufiger eine Nekrose nachgewiesen wurde als bei den Tieren ohne Knick.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine deutlich ausgeprägte Segregation der Schwanzlängen in der untersuchten Herde vorliegt. Eine kürzere Schwanzlänge ist mit einer erhöhten Prävalenz von Knickschwänzen assoziiert. Sie hat jedoch keinen Einfluss auf die Schwanzgesundheit und auf SINS. Daher ist bei einem Weiterverfolgen des Ziels, den Kupierausstieg durch eine genetische Verkürzung der Schwänze zu erreichen, mit äußerster Vorsicht vorzugehen, damit keine erhöhten Prävalenzen von Missbildungen auftreten. Der Nutzen einer reinen Schwanzlängenreduktion ist zudem fraglich. Eine Anpassung der Haltungsbedingungen und der Genetik zur Reduktion von sowohl Schwanzbeißen als auch SINS scheint unerlässlich, um einen Ausstieg aus der Kupierpraxis erfolgreich durchführen zu können.
In view of the ever-increasing importance of animal welfare in society, problems in livestock farming in particular are becoming more and more of a focus for society. In pig farming, the issue of no-docking and tail lesions is a particularly discussed topic. Despite the current docking ban under EU Directive 2008/120/EC, the tails of around 95% of suckling piglets in Germany continue to be docked as a matter of routine, as this has so far been the most successful measure against tail biting. However, this measure is a painful procedure for the animals, both in the short and long term. The tail lesions themselves are a multifactorial problem and can be caused by primary or secondary biting by pen mates as well as symptoms of Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (SINS). They represent a significant economic burden and pose a considerable threat to animal welfare. The main causes of tail biting are discussed to be frustration and stress, for example due to inadequate housing and environmental conditions, as well as a genetic component. SINS symptoms not only manifest themselves on the tail, but usually occur in parallel on other parts of the body, including the ears and claws. Excessive endotoxin influx from the intestine is thought to be the cause, resulting in local and systemic inflammatory processes that damage terminal blood vessels. This hypothesis is supported by various studies. This results in visible symptoms such as bristle loss, redness, swelling, exudation and necrosis.
One approach to prevent tail biting without docking is to genetically shorten the tails. This is based on the assumption that the reduced attractiveness of the tails due to the shortening caused by docking is one reason why docking can reduce tail biting. However, it should be noted that in other animal species, massive malformations or increased embryonic lethality have already been reported in connection with a reduction in tail length. There are also initial indications of an increased prevalence of kinked tails in pigs with shorter tails.
The aim of this study was to investigate the suitability of breeding for shorter tails as an alternative to routine tail docking in pigs and, on this basis, to derive a recommendation for further action. The following questions were addressed in this study: i) What tail lengths occur in newborn piglets in a herd with known segregation for the trait “tail length”? ii) Are malformations, especially kinked tails, associated with tail length and does tail length have an influence on the animals' weight gain? iii) Is tail health, especially SINS symptoms, associated with tail length and possible kinked tails?
For this purpose, 24 matings of 21 sows of the DE, DL, DExDL and Piétrain breeds with six boars of the Piétrain breed were carried out according to mating suggestions from the Institut für Tierzucht und Haustiergenetik of Justus Liebig University Giessen. From these matings, 348 piglets were scored on the third day of life and 336 piglets were scored eleven days after weaning. As part of the first scoring, general litter data such as sow, breed of sow, litter number and litter size as well as boar, birth weight and weight on the third day of life, body length and tail length as well as visible malformations, especially kinked tails, were recorded. The relative tail length for each piglet was calculated from the body length and tail length. To prevent tail biting, the piglets were docked after the first scoring. Weight was also recorded on the second date. On both days, the base of the tail, tip of the tail, ears, face, navel, teats, claw coronary band, heel and claw wall were scored for signs of inflammation and necrosis. No cases of tail biting were detected during the trial. SINS scores were calculated for all body parts and a total SINS score was determined for each piglet. This was done separately for suckling piglets and weaners.
The entire trial was carried out at the Oberer Hardthof agricultural teaching and research institution of the Institut für Tierzucht und Haustiergenetik of Justus Liebig University Giessen.
The absolute and relative tail lengths determined showed a clear segregation, although no selection for this trait has taken place on this farm to date. Absolute tail lengths of 6.6 to 12.0 cm were measured, while the relative tail lengths showed values of 20.25 to 31.29 % of the total length of the animals (body length plus tail length). Significant influences of the boar as well as the sow and the breed of the sow on the relative tail lengths could be determined. A considerable proportion of 12 % of the piglets had one or more kinks in the tail. Furthermore, other deformities manifested themselves sporadically, but their occurrence could not be linked to tail length or kinks due to the small number of cases.
Both the boar and the sow also showed significant influences on the occurrence of kinked tails. In addition, a significant influence of tail length could be demonstrated. The 20 % of piglets with the shortest tails were 6 times more likely to have a kinked tail than the 20 % of piglets with the longest tails.
Although no tail biting could be detected, the majority of the piglets showed signs of inflammation at the base and tip of the tail as early as the third day of life. At the same time, most of the animals also showed inflammatory to necrotic signs on the other body parts that were examined. In both age groups, 100 % of the animals showed at least one change on the body parts examined. Over 60 % of the suckling piglets and over 87 % of the rearing piglets showed at least one lesion on the tail tip.
Tail length had no influence on inflammation and necrosis of the tail, nor on the overall SINS score. The presence of a kinked tail also had only a minor influence on the SINS scores determined. However, it is noteworthy that piglets with a kink were found to have significantly more necrosis at the second scoring than animals without a kink.
The results show that there is a clearly pronounced segregation of tail lengths in the herd studied. A shorter tail length is associated with an increased prevalence of kinked tails. However, it has no influence on tail health and SINS. Therefore, extreme caution should be exercised when pursuing the goal of achieving tail docking elimination through genetic tail shortening to avoid increased prevalence of malformations. The benefits of reducing tail length alone are also questionable. An adaptation of the husbandry conditions and genetics to reduce both tail biting and SINS seems essential in order to successfully phase out the practice of tail docking.
Ein Ansatz, um Schwanzbeißen ohne Kupieren verhindern zu können ist es, die Schwänze genetisch zu verkürzen. Diese Idee beruht darauf, dass die verminderte Attraktivität der Schwänze durch die Verkürzung durch das Kupieren als ein Grund vermutet wird, weshalb das Kupieren Schwanzbeißen vermindern kann. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei anderen Tierarten im Zusammenhang mit einer Schwanzlängenreduktion bereits teils massive Missbildungen oder eine erhöhte embryonale Letalität bekannt sind. Auch beim Schwein gibt es erste Hinweise auf eine erhöhte Prävalenz von Knickschwänzen bei kürzeren Schwänzen.
Die vorliegende Arbeit hatte zum Ziel, die Eignung der Züchtung auf kürzere Schwänze als Alternative zum routinemäßigen Kupieren beim Schwein zu untersuchen und auf dieser Grundlage eine Empfehlung für die weitere Vorgehensweise abzuleiten. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurden folgende Fragen bearbeitet: i) Welche Schwanzlängen kommen bei neugeborenen Ferkeln in einer Herde mit bekannter Segregation für das Merkmal „Schwanzlänge“ vor? ii) Kommen Missbildungen, insbesondere Knickschwänze, in Assoziation mit der Schwanzlänge vor und hat die Schwanzlänge einen Einfluss auf die Zunahmen der Tiere? iii) Ist die Schwanzgesundheit, besonders auch die SINS-Symptomatik, assoziiert mit der Schwanzlänge und möglichen Knickschwänzen?
Hierfür wurden 24 Anpaarungen von 21 Sauen der Rassen DE, DL, DExDL sowie Piétrain mit sechs Ebern der Rasse Piétrain nach Anpaarungsvorschlägen des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. Aus diesen Anpaarungen wurden 348 Ferkel am dritten Lebenstag sowie elf Tage nach dem Absetzen 336 Ferkel bonitiert. Im Rahmen der ersten Bonitur wurden allgemeine Wurfdaten wie Sau, Rasse der Sau, Wurfnummer und Wurfgröße sowie Eber, Geburtsgewicht und Gewicht am dritten Lebenstag, Körperlänge und Schwanzlänge sowie sichtbare Missbildungen, vor allem Knickschwänze, erfasst. Aus der Körperlänge und der Schwanzlänge wurde die relative Schwanzlänge für jedes Ferkel berechnet. Im Anschluss an die erste Bonitur wurden die Ferkel zur Vermeidung von Schwanzbeißen kupiert. Am zweiten Termin erfolgte ebenfalls eine Erfassung des Gewichts. An beiden Tagen erfolgte eine Bonitur von Schwanzbasis, Schwanzspitze, Ohren, Gesicht, Nabel, Zitzen, Kronsaum, Ballen und Klauenwand auf Entzündungs- und Nekroseanzeichen. Fälle von Schwanzbeißen konnten während der Laufzeit des Versuches nicht festgestellt werden. Für alle Körperteile wurden SINS-Werte berechnet sowie ein Gesamt-SINS-Wert für jedes Ferkel bestimmt. Dies erfolgte jeweils für Saug- und Aufzuchtferkel getrennt.
Der gesamte Versuch wurde auf der landwirtschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtung (LFE) Oberer Hardthof des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt.
Die ermittelten absoluten sowie relativen Schwanzlängen zeigten eine deutliche Segregation, obwohl bisher auf diesem Betrieb keine Selektion auf dieses Merkmal stattgefunden hat. Es konnten absolute Schwanzlängen von 6,6 bis 12,0 cm gemessen werden, während die relativen Schwanzlängen Werte von 20,25 bis 31,29 % von der Gesamtlänge der Tiere aufwiesen (Körperlänge plus Schwanzlänge). Es konnten signifikante Einflüsse sowohl des Ebers, als auch der Sau und der Rasse der Sau auf die relativen Schwanzlängen festgestellt werden. Bei einem beachtlichen Anteil von 12 % der Ferkel lagen ein oder mehrere Knicke im Schwanz vor. Des Weiteren manifestierten sich vereinzelt weitere Missbildungen, deren Auftreten jedoch aufgrund der geringen Anzahl an Fällen nicht mit der Schwanzlänge oder dem Knicken in Verbindung gebracht werden konnte.
Auf das Vorkommen von Knickschwänzen zeigten ebenfalls sowohl der Eber als auch die Sau signifikante Einflüsse. Zusätzlich konnte ein signifikanter Einfluss der Schwanzlänge nachgewiesen werden. So zeigten die 20 % der Ferkel mit den kürzesten Schwänzen eine 6-fach höhere Wahrscheinlichkeit einen Knickschwanz zu haben als die 20 % der Ferkel mit den längsten Schwänzen.
Obwohl kein Schwanzbeißgeschehen nachgewiesen werden konnte, wies ein Großteil der Ferkel bereits am dritten Lebenstag Entzündungsanzeichen sowohl an der Schwanzbasis als auch der Schwanzspitze auf. Parallel dazu waren bei den meisten Tieren auch entzündliche bis nekrotische Veränderungen an den übrigen untersuchten Körperteilen zu finden. In beiden Altersstufen wiesen 100 % der Tiere mindestens eine Veränderung an den untersuchten Körperteilen auf. An der Schwanzspitze wiesen über 60 % der Saug- und über 87 % der Aufzuchtferkel mindestens eine Veränderung auf.
Die Schwanzlänge zeigte weder einen Einfluss auf Entzündungen und Nekrosen am Schwanz, noch auf den Gesamt-SINS-Score. Das Vorhandensein eines Knickschwanzes hatte ebenfalls nur einen geringen Einfluss auf die ermittelten SINS-Scores. Auffällig jedoch ist, dass bei Ferkeln, bei denen ein Knick festgestellt wurde, bei der zweiten Bonitur signifikant häufiger eine Nekrose nachgewiesen wurde als bei den Tieren ohne Knick.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine deutlich ausgeprägte Segregation der Schwanzlängen in der untersuchten Herde vorliegt. Eine kürzere Schwanzlänge ist mit einer erhöhten Prävalenz von Knickschwänzen assoziiert. Sie hat jedoch keinen Einfluss auf die Schwanzgesundheit und auf SINS. Daher ist bei einem Weiterverfolgen des Ziels, den Kupierausstieg durch eine genetische Verkürzung der Schwänze zu erreichen, mit äußerster Vorsicht vorzugehen, damit keine erhöhten Prävalenzen von Missbildungen auftreten. Der Nutzen einer reinen Schwanzlängenreduktion ist zudem fraglich. Eine Anpassung der Haltungsbedingungen und der Genetik zur Reduktion von sowohl Schwanzbeißen als auch SINS scheint unerlässlich, um einen Ausstieg aus der Kupierpraxis erfolgreich durchführen zu können.
In view of the ever-increasing importance of animal welfare in society, problems in livestock farming in particular are becoming more and more of a focus for society. In pig farming, the issue of no-docking and tail lesions is a particularly discussed topic. Despite the current docking ban under EU Directive 2008/120/EC, the tails of around 95% of suckling piglets in Germany continue to be docked as a matter of routine, as this has so far been the most successful measure against tail biting. However, this measure is a painful procedure for the animals, both in the short and long term. The tail lesions themselves are a multifactorial problem and can be caused by primary or secondary biting by pen mates as well as symptoms of Swine Inflammation and Necrosis Syndrome (SINS). They represent a significant economic burden and pose a considerable threat to animal welfare. The main causes of tail biting are discussed to be frustration and stress, for example due to inadequate housing and environmental conditions, as well as a genetic component. SINS symptoms not only manifest themselves on the tail, but usually occur in parallel on other parts of the body, including the ears and claws. Excessive endotoxin influx from the intestine is thought to be the cause, resulting in local and systemic inflammatory processes that damage terminal blood vessels. This hypothesis is supported by various studies. This results in visible symptoms such as bristle loss, redness, swelling, exudation and necrosis.
One approach to prevent tail biting without docking is to genetically shorten the tails. This is based on the assumption that the reduced attractiveness of the tails due to the shortening caused by docking is one reason why docking can reduce tail biting. However, it should be noted that in other animal species, massive malformations or increased embryonic lethality have already been reported in connection with a reduction in tail length. There are also initial indications of an increased prevalence of kinked tails in pigs with shorter tails.
The aim of this study was to investigate the suitability of breeding for shorter tails as an alternative to routine tail docking in pigs and, on this basis, to derive a recommendation for further action. The following questions were addressed in this study: i) What tail lengths occur in newborn piglets in a herd with known segregation for the trait “tail length”? ii) Are malformations, especially kinked tails, associated with tail length and does tail length have an influence on the animals' weight gain? iii) Is tail health, especially SINS symptoms, associated with tail length and possible kinked tails?
For this purpose, 24 matings of 21 sows of the DE, DL, DExDL and Piétrain breeds with six boars of the Piétrain breed were carried out according to mating suggestions from the Institut für Tierzucht und Haustiergenetik of Justus Liebig University Giessen. From these matings, 348 piglets were scored on the third day of life and 336 piglets were scored eleven days after weaning. As part of the first scoring, general litter data such as sow, breed of sow, litter number and litter size as well as boar, birth weight and weight on the third day of life, body length and tail length as well as visible malformations, especially kinked tails, were recorded. The relative tail length for each piglet was calculated from the body length and tail length. To prevent tail biting, the piglets were docked after the first scoring. Weight was also recorded on the second date. On both days, the base of the tail, tip of the tail, ears, face, navel, teats, claw coronary band, heel and claw wall were scored for signs of inflammation and necrosis. No cases of tail biting were detected during the trial. SINS scores were calculated for all body parts and a total SINS score was determined for each piglet. This was done separately for suckling piglets and weaners.
The entire trial was carried out at the Oberer Hardthof agricultural teaching and research institution of the Institut für Tierzucht und Haustiergenetik of Justus Liebig University Giessen.
The absolute and relative tail lengths determined showed a clear segregation, although no selection for this trait has taken place on this farm to date. Absolute tail lengths of 6.6 to 12.0 cm were measured, while the relative tail lengths showed values of 20.25 to 31.29 % of the total length of the animals (body length plus tail length). Significant influences of the boar as well as the sow and the breed of the sow on the relative tail lengths could be determined. A considerable proportion of 12 % of the piglets had one or more kinks in the tail. Furthermore, other deformities manifested themselves sporadically, but their occurrence could not be linked to tail length or kinks due to the small number of cases.
Both the boar and the sow also showed significant influences on the occurrence of kinked tails. In addition, a significant influence of tail length could be demonstrated. The 20 % of piglets with the shortest tails were 6 times more likely to have a kinked tail than the 20 % of piglets with the longest tails.
Although no tail biting could be detected, the majority of the piglets showed signs of inflammation at the base and tip of the tail as early as the third day of life. At the same time, most of the animals also showed inflammatory to necrotic signs on the other body parts that were examined. In both age groups, 100 % of the animals showed at least one change on the body parts examined. Over 60 % of the suckling piglets and over 87 % of the rearing piglets showed at least one lesion on the tail tip.
Tail length had no influence on inflammation and necrosis of the tail, nor on the overall SINS score. The presence of a kinked tail also had only a minor influence on the SINS scores determined. However, it is noteworthy that piglets with a kink were found to have significantly more necrosis at the second scoring than animals without a kink.
The results show that there is a clearly pronounced segregation of tail lengths in the herd studied. A shorter tail length is associated with an increased prevalence of kinked tails. However, it has no influence on tail health and SINS. Therefore, extreme caution should be exercised when pursuing the goal of achieving tail docking elimination through genetic tail shortening to avoid increased prevalence of malformations. The benefits of reducing tail length alone are also questionable. An adaptation of the husbandry conditions and genetics to reduce both tail biting and SINS seems essential in order to successfully phase out the practice of tail docking.
| Erscheinungsdatum | 21.08.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Edition Scientifique |
| Verlagsort | Gießen |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 148 x 210 mm |
| Gewicht | 340 g |
| Themenwelt | Veterinärmedizin ► Allgemein |
| Veterinärmedizin ► Großtier ► Schwein | |
| Schlagworte | Knickschwanz • Kupierverzicht • Schwanzbeißen • Schwanzlänge • Schweinehaltung • Tierschutz in der Nutztierhaltung |
| ISBN-10 | 3-8359-7253-7 / 3835972537 |
| ISBN-13 | 978-3-8359-7253-7 / 9783835972537 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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