The Great Repair
Arch+ (Verlag)
978-3-931435-73-8 (ISBN)
Text: Florian Hertweck, Christian Hiller, Markus Krieger, Alex Nehmer, Anh-Linh Ngo, Milica Topalović
Wir sind zur Reparatur verdammt. Angesichts einer Welt, die in jedem Augenblick altert, vergeht, ist dies keine überraschende Erkenntnis. Die kapitalistische Moderne mit ihrer Betonung von Innovation, Wachstum und Fortschritt, ihrem auf Verbrauch, Vernutzung und Verschwendung basierenden Wirtschaftssystem und der damit einhergehenden rücksichtslosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen hat jedoch eine Wegwerfmentalität in unseren Köpfen verankert: Alles ist ersetzbar. Das noch bessere Produkt steht bereit. Reparatur lohnt sich nicht. Im Architekturdiskurs kulminiert diese Denkweise in dem euphemistischen Begriff des Ersatzneubaus. Und so verwundert es nicht, dass Bau- und Abbruchabfälle heute über die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens in Deutschland ausmachen.
Verdrängt wird dabei, dass das Ausmaß dessen, was repariert werden muss, beständig zunimmt. Schließlich geht die totale Mechanisierung und Technisierung der modernen Lebenswelt mit einer naturgemäßen (oder geplanten) Obsoleszenz der eingesetzten Technik einher. Bei nüchterner Betrachtung kann man allerdings trotz der vorherrschenden Wegwerfmentalität feststellen, dass Städte, Infrastrukturen und Gebäude insgesamt öfter umgebaut und weitergenutzt als abgerissen werden. Auch eine Vielzahl technischer Geräte wird täglich repariert und gewartet. Wartung, Reparatur und Instandhaltung bilden einen wichtigen Wirtschaftszweig. Einschlägigen Statistiken zufolge arbeiten heute weltweit mehr Ingenieur*innen in der Reparatur als in der Entwicklung.1
Diese Tatsache ist kaum bekannt, da Reparatur eine unglamouröse Sisyphusarbeit ist. Sie vollzieht sich im Verborgenen, Alltäglichen, im Kleinen. Gerade dort entfaltet sie ihre Wirkmacht, und gerade dort setzt das Projekt The Great Repair an, um über die pragmatische Ebene hinaus auf die geopolitischen, sozioökonomischen und ökologischen Abhängigkeiten hinzuweisen, die hinter den Materialassemblagen, Infrastrukturen und sozialen Interaktionen unserer Gesellschaften stehen. Es sind diese großen, reparaturbedürftigen Zusammenhänge gemeint, wenn wir von der Großen Reparatur sprechen.
Groß ist der Reparaturbedarf auch angesichts des Zerstörungsgrads der Welt. Die Auswirkungen der Klimakrise und des Ressourcenschwunds mit Verlust der Biodiversität und mit Waldsterben, mit Überschwemmungen und Stürmen, Hitzewellen und Dürreperioden sind bereits heute Auslöser von Tod, Hunger und Migration im Globalen Süden, wo großflächig Habitate von Menschen und Tieren unbewohnbar werden. Militärische Konflikte um Energie, Infrastruktur und Nahrungsmittel werden in Zukunft durch die Folgen der Klimakrise mit ihren unausweichlichen Kämpfen um geopolitische Kontrolle über Territorien und Ressourcen zunehmen. Hier zeigt sich, dass unter diesen Einflüssen nicht nur das Alltagsleben, sondern auch geopolitische Architekturen und Grenzen destabilisiert werden. Das trifft allerdings nicht nur auf den Globalen Süden zu, sondern auch längst auf Europa, wo in den letzten 30 Jahren die Temperatur um durchschnittlich 0,5 °C pro Jahrzehnt gestiegen ist.2
Wie kann angesichts dieses planetarischen Ausmaßes der eskalierenden Krisen ein so behutsames Konzept wie das der Reparatur helfen? Sicherlich werden nicht wenige einwenden: Müssen wir nicht wie ehemals in der modernBewegungen eher große Visionen beschwören, anstatt die Große Reparatur auszurufen? Es ist allerdings dieser Kontrast zwischen der Behutsamkeit und der globalen Perspektive, der das Projekt The Great Repair auszeichnet. Angesichts der Großkrisen, die gerade durch die Visionen der Moderne hervorgerufen wurden, bedarf es eines neuen Paradigmas.
Um etwas Kaputtes zu reparieren, muss man sich zunächst einmal des Schadens bewusst sein. Wir sollten daher „Erosion, Zerfall und Verfall statt Neuheit, Wachstum und Fortschritt als Ausgangspunkt unseres Denkens“ nehmen, meint der Informationsforscher Steven J. Jackson. Doch im Globalen Norden gilt weiterhin das wirkmächtige Narrativ, allein mit technologischer Innovation und Entwicklung ließe sich die Klima- und Ressourcenkrise in den Griff bekommen und wirtschaftliches Wachstum von den Umweltauswirkungen entkoppeln. In dieser Vision einer grünen kapitalistischen Transformation würden erneuerbare Energien den Bedarf von Industrie und einer ständig wachsenden Zahl von städtischen Verbraucher*innen klimaneutral decken, intelligente Technologien die Ströme von Menschen, Gütern und Energie mit steigender Effizienz regeln, das Recycling von Materialien managen, Energiekreisläufe schließen und Treibhausgase binden. Der Verlust der Artenvielfalt und die Auslaugung der Böden würden durch die Automatisierung der industriellen Landwirtschaft, die Lebensmitteltechnologie, die Verringerung der Lebensmittelverschwendung in der gesamten Lieferkette und durch die massenhafte Einführung veganer Ernährung und Produkte gelöst werden. Notwendige Rohstoffe ließen sich durch Zukunftstechnologien möglicherweise sogar extraterrestrisch abbauen.
Mit dieser Vision ist die politische Hoffnung verbunden, dass der wachsende materielle Wohlstand auf der Grundlage grüner Technologien die Stärkung und Ausbreitung der „liberalen Marktdemokratien“ gegen die „zunehmende Bedrohung durch den Autoritarismus“ ermöglichen würde. Diese Narrative sind attraktiv, weil sie in letzter Konsequenz den politischen Status quo stützen: Weder müssen sich Politik noch die Bürger*innen strukturell verändern, noch wird das zugrundeliegende kapitalistische Wirtschaftssystem mit seinen Mechanismen der Ausbeutung und ungleichen Verteilung infrage gestellt. Die Gefahr einer solchen Denkweise liegt darin, dass sie die notwendige Reparatur des Systems in die Zukunft verschiebt, die globale Geografie der Ungleichheiten weiter verschärft und die Klimakrise mit einer Inflation von Greenwashing und innovation speak oberflächlich übertüncht. Die Widersprüche solcher Visionen sind kaum zu leugnen: Trotz vieler technologischer Innovationen und Effizienzsteigerungen in den letzten Jahren klaffen Anspruch und Wirklichkeit, die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens und die realen Treibhausgasemissionen kontinuierlich auseinander. Trotz massiver Bemühungen funktioniert die „grüne Lösung“ noch nicht.
Reparaturgesellschaft
Deshalb entwirft das Projekt The Great Repair ein Gegennarrativ, das auf die Fähigkeit des Menschen zielt, seine Beziehungen innerhalb der sozialen und natürlichen Umwelt neu zu gestalten: von den Produktionsbedingungen über die gesellschaftliche Teilhabe bis hin zu Fragen der Gerechtigkeit, von der gebauten Umwelt über die Ökosysteme bis hin zum Erdklima. Als Gegenstrategie zur kreativen Zerstörung der kapitalistischen Moderne plädieren wir für einen reparativen Ansatz, in dem Pflege, Wartung und Reparatur die wesentlichen Handlungsstrategien werden. Wobei Reparatur hier nicht die Wiederherstellung eines idealisierten, usprünglichen Zustands meint, sondern auf eine regenerative Transformation hin zu einem besseren Zustand abzielt. Im Gegensatz zu (Techno)-Fixes geht es nicht lediglich darum, Funktionsstörungen zu beheben: Reparatur bedeute, die Welt „wieder ins Gleiche bringen“, so der Denkmalpflegetheoretiker Wilfried Lipp in seinem bahnbrechenden Essay „Rettung von Geschichte für die Reparaturgesellschaft im 21. Jahrhundert“ ein altes Konversationslexikon zitierend.3 Lipp prägte bereits 1993 auf einer Denkmalpflege-Tagung den Begriff der Reparaturgesellschaft als neues gesellschaftliches Leitbild,4 das er „sowohl diagnostisch als therapeutisch, ja perspektivisch appellativ, versteht“.5
Wir sind also mittendrin in „Reparatur“. Überall wird repariert. Das betrifft – hier nur in Schlagworten angeblitzt – allgemeine Umweltmaßnahmen für Luft (Abgasverminderung), Wasser (Güte, Kanalisation, Verbrauch), Meere (Verringerung der Belastungsfaktoren), Boden (Überdüngung), Holz, Wald („Waldsterben“, Überschlägerung, Regenwälder). […] Es ist so etwas wie eine „Reparatur am Menschen“ in Gang gekommen. […] Es läuft letztlich auf eine „Reparatur“ am System einer volkswirtschaftlich vorwiegend an Produktion und Absatz festgemachten Arbeit hinaus, die sich – in unserer Logik – als endlose Kette von Fülle – Stau – Abfall definiert.6
Kurz nach Lipp rief der Politologe Claus Leggewie in seinem 1995 erschienenen Buch Die 89er – Portrait einer Generation7 ebenfalls die Reparaturgesellschaft aus, ein Konzept, das er 2016 gemeinsam mit Jürgen Bertling wieder aufgriff: „Die Reparaturgesellschaft. Ein Beitrag zur großen Transformation?“8. Mit der Anspielung auf Karl Polanyis The Great Transformation (1944)9 verorten Leggewie und Bertling den Reparaturdiskurs in der technikhistorischen Perspektive der „großen Transformation“ der Industrialisierung, die Polanyi zufolge zur Verselbstständigung und Hegemonie des „freien“ Marktes gegenüber der Gesellschaft geführt hat: „Die Wirtschaft ist nicht mehr in die sozialen Beziehungen eingebettet, sondern die sozialen Beziehungen sind in das Wirtschaftssystem eingebettet.“10 Die Folge dieser „großen Transformation“ ist die rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur. Dieser Prozess lässt sich laut Polanyi nur umkehren, wenn statt des Ideals eines freien und sich selbst regulierenden Marktes, dem alles Gesellschaftliche untergeordnet ist, die Vorstellung einer freien und selbstbestimmten Gesellschaft das politische Handeln bestimmt. In diesem Sinne geht es im Projekt The Great Repair um nicht weniger als eine Neuausrichtung der Grundlagen, Normen, Prozesse und Ziele unseres Wirtschaftssystems hin zu Ökonomien der Reparatur und Sorge, um die Wirtschaft wieder in die Gesellschaft und diese wiederum in die natürliche Umwelt einzubetten.
Fast beiläufig geben Leggewie und Bertling einen Hinweis darauf, an welcher Sollbruchstelle das Projekt The Great Repair ansetzen muss:
Es kann davon ausgegangen werden, dass das Fertigen und Reparieren der Dinge vor Herausbildung des Manufakturwesens und nachfolgender Industrialisierung von den gleichen Akteuren betrieben wurde. Für beide Handlungen wurden die gleichen Kompetenzen und Werkzeuge benötigt und in vielen Fällen dürfte bereits bei der Fertigung die spätere Reparatur berücksichtigt worden sein. Aus technikhistorischer Perspektive trennten sich Fertigung und Reparatur im Zusammenhang mit der zunehmenden Mechanisierung vor allem der Kernprozesse der Fertigung: Stoffumwandlung und Formgebung.11
Das kapitalistische industrielle Wirtschaftssystem basiert also nicht nur auf dem „Scheidungsprozess von Produzent und Produktionsmittel“12, wie Karl Marx es beschrieb, sondern auch auf der Trennung von Produktion und Reparatur – sowie letztlich darauf, dass Waren zirkulieren, die austauschbare Blackboxes bar jeglicher sozialer Beziehungen sind. Die dadurch entstehende Entfremdung ist tiefgreifend, sie reicht von den Produktionsbedingungen bis zum individuellen Konsumverhalten: Der zum Verbrauch bestimmte Artikel besitzt weder eine Verbindung zu den Arbeitsprozessen, die seiner Herstellung vorausgingen, noch zu solchen, die zu seiner Instandhaltung und Reparatur notwendig wären. Gesellschaftlich geht die Entwicklung mit einer Technikunmündigkeit der Menschen einher, einem Verlust an „Kompetenzen und Werkzeugen“, mit denen sie ihre Lebenswelt gestalten und reparieren können. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass die Große Reparatur nur dann emanzipatorisch wirken kann, wenn sie den Menschen Werkzeuge der Reparatur an die Hand gibt. Sie muss dem Motto folgen, das der Architekt Yoshiharu Tsukamoto von Atelier Bow-Wow im Zusammenhang mit seinem Forschungsprojekt Satoyama School of Design13 formuliert hat: „Tools to the People!“14
Dieser Aufruf berührt ein zentrales Thema der marxistischen Theorie, wenn wir Werkzeuge im Sinne von „Produktionsmitteln“ übersetzen. Für Marx bildet die Konzentration des Eigentums an Werkzeugen, Werkstoffen und Maschinen als „Produktionsmittel“ in den Händen weniger den Kern des kapitalistischen Systems, zu dessen Überwindung – in der Theorie – die Wiederaneignung beziehungsweise Vergesellschaftung der Produktionsmittel notwendig wäre. Hier allerdings setzt das Projekt The Great Repair zunächst bescheidener an, weniger revolutionär als vielmehr alltagsweltlich. Es geht darum, die Handlungsmacht des Einzelnen dadurch zu erhöhen, dass statt des anonymen Verbrauchs die Sorge und Pflege der eigenen Lebenswelt ins Zentrum rückt. Man könnte mit Kant pathetisch sagen: Die Große Reparatur ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten technischen Unmündigkeit.
Werkzeuge für alle
Den Menschen die Werkzeuge und den Dingen die Reparaturfähigkeit zurückzugeben mag auf den ersten Blick einen antitechnischen Duktus haben. Doch der in vielen Fällen damit einhergehende DIY- und Low-Tech-Ansatz ist nicht in erster Linie gegen Technik gerichtet, sondern folgt dem Wunsch, die sozialen Beziehungen, die der Produktion eingeschrieben sind, zu entkommodifizieren. Polanyi zufolge liegt im Warencharakter des Sozialen das Kernproblem des gegenwärtigen Systems: „Die maschinelle Produktion in einer kommerziellen Gesellschaft bedeutet letztlich nichts Geringeres als die Transformation der natürlichen und menschlichen Substanz der Gesellschaft in Waren.“15 Diese Entwicklung hat uns in eine Sackgasse geführt, aus der uns nur die Erkenntnis befreit, dass wir einem falschen Bewusstsein aufgesessen sind: „Indessen sind Arbeit, Boden und Geld ganz offensichtlich keine Waren: Die Behauptung, dass alles, was gekauft und verkauft wird, zum Zwecke des Verkaufs produziert werden musste, ist in Bezug auf diese Faktoren eindeutig falsch.“16 Nicht von ungefähr stellen viele reparative Ansätze, bei denen es um Formen des Empowerment geht, das Verhältnis zur Arbeit, zum Boden und zum Geld ins Zentrum der Auseinandersetzungen.
„Werkzeuge für alle“ meint somit die konkrete Selbstermächtigung des Menschen. Auch Leggewie und Bertling zielen mit ihrem Beitrag zu „Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis“ in dieselbe Richtung. Deswegen stehen Wissen und Werkzeuge im Zentrum des Projekts The Great Repair. Doch um neu-alte Werkzeuge zu erarbeiten oder zurückzugewinnen, müssen wir zunächst unsere Wissensbestände, unsere epistemologischen Grundlagen infrage stellen – und anerkennen, dass wir im Namen des Fortschritts eine Vielzahl von Wissenswelten, von Zugängen zur Welt verdrängt, marginalisiert und verloren haben. Dazu gehört das Wissen über nachhaltige Materialgewinnung, Bautechniken und Bodennutzung, aber auch die damit verbundene Erfahrung mit Formen der Bewirtschaftung von Gemeingütern. In diesem Sinne führt der Reparaturprozess auch zu einem neuen Verständnis von Territorium und Gesetzen als spezifischen Governance-Instrumenten, durch die unsere – derzeit ungleichen und ungerechten – sozio-ökologischen Systeme reproduziert werden. Wir brauchen angesichts der verheerenden ökologischen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieser Fortschrittserzählung dringend ein alternatives Narrativ. Reparatur als Gegenstrategie zur Obsoleszenz könnte zumindest dazu beitragen, den Fortschrittsmotor mit seiner Logik der unablässigen Destruktion und Rekonstruktion zu verlangsamen.17
Aus dieser Perspektive muss das Konzept der Reparatur immer wieder gegen das falsche Ideal einer anachronistischen Rückkehr zu vorindustriellen Ökonomien oder zu einem vermeintlich „natürlichen“ Zustand verteidigt werden. Nicht zuletzt weil dieser Weg spätestens mit der Veröffentlichung des Club-of-Rome-Berichts Die Grenzen des Wachstums vor genau fünfzig Jahren abgeschnitten war. Allerdings lauern heute in der Vertauschung von beobachteten Wachstumsgrenzen mit den Ursachen der Klimakrise oft neomalthusianische Weltbilder, die vor allem gegen die Entwicklung des Globalen Südens gerichtet werden können. So weist der Sozialgeograf Jason W. Moore darauf hin, dass die umfassende Umgestaltung der globalen Natur bereits vor der Erfindung der Dampfmaschine mit der frühneuzeitlichen Eroberung neuer Territorien durch die aufstrebenden europäischen Imperien begann. Diese Produktionssteigerung im „Netz des Lebens“ (web of life) drehte sich laut Moore um die Konzeption der „Great Frontiers“ und die damit untrennbar verbundenen kolonialen Praktiken der Expansion, Aneignung und Ausbeutung für die Produktion „billiger Natur“ (cheap nature). In diesem Sinn richtet sich das Paradigma der Großen Reparatur wie dargelegt nicht per se gegen Technologie, sondern gegen Technologie als Mittel zur Reproduktion von Ungleichheit und zur Ausbeutung der nichtmenschlichen Welt, sowohl auf planetarer als auch auf lokaler Ebene.
Reparatur und Reparation
Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Ausbeutung der „billigen Natur“ und der billigen Arbeitskraft des Globalen Südens kann Reparatur im planetaren Maßstab die Mitbedeutung der Reparation nicht außer Acht lassen. Auch wenn die bereits angerichteten sozialen und ökologischen Schäden nicht reparabel sind, geht es beim Thema der Klimagerechtigkeit um die Anerkennung der Verantwortung und das Bemühen um einen Ausgleich zwischen den bisherigen Profiteur*innen des klimaschädigenden Wirtschaftssystems und denjenigen, die von den Folgen der Klimakrise am stärksten betroffen sind. Der Ausgleichsfonds für Klimaschäden für ärmere Länder, den die Weltklimakonferenz COP27 in Scharm el-Scheich trotz ihres Scheiterns verabschiedet hat, ist ein erster Schritt in einen Mechanismus der Reparation. Reparationen für Klimaschäden sind in diesem Zusammenhang jedoch nur ein Beispiel für notwendige Prozesse der Dekolonisierung. The Great Repair strebt, neben der Dekommodifizierung der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse wie weiter oben ausgeführt, vor allem die Dekolonisierung der sozialen Beziehungen, einschließlich der gesellschaftlichen Institutionen, als eine umfassendere Form der dekolonialen Reparationsleistung an. Der Begriff ist im Deutschen vor allem im Zusammenhang mit Kriegsentschädigungen gebräuchlich. Diejenige Partei, die Verantwortung für den Krieg trägt und diesen verliert, muss in der Regel Reparationsleistungen zahlen. Allerdings weist Lipp darauf hin, dass beim Thema der Nachhaltigkeit die Kategorien durcheinandergeraten:
Der Begriff von „Reparatur“ ist dem martialischen von Reparation verwandt. […] Die Verlierer müssen zahlen. Aber – paradox, und reparationsgeschichtlich neu – es gibt keine Gewinner. Die Reparation trifft alle. Ihre Währung heißt „Reparatur“.18
Politiken der Reparaturgesellschaft
Wir sollten uns jedoch davor hüten, Reparatur als Wert an sich zu verabsolutieren. Nur als politische Kategorie, die Handlung und Aushandlung zugleich umfasst, ist sie sozial wirksam. Was muss wie, mit welchen Werkzeugen repariert werden? Welcher Zustand wird angestrebt? Als Bezugsrahmen für diesen offenen Aushandlungsprozess haben wir sechs Politiken bestimmt, die aus unserer Sicht das Handeln einer Reparaturgesellschaft strukturieren – wobei klar ist, dass dies keine abschließende Aufzählung darstellt.
Suffizienz
Angesichts des Auseinanderklaffens von Ambition und Aktion wird Suffizienz immer wichtiger. Naturgemäß wird sie von der Green-Tech-Ideologie jedoch ausgeblendet. Suffizienz ist nicht das Gegenteil von Effizienz. Vielmehr beschreibt sie – wider die Logik der planetarischen Materialgewinnung und der langen Lieferketten, die die Bauindustrie speisen – die Vision einer materiellen Kultur, in der die Menschheit und insbesondere der Globale Norden mit weniger aus-kommen muss: weniger Energie, weniger Ressourcen, weniger Flächenverbrauch durch einen sorgsamen Umgang mit dem, was bereits da ist. Suffizienz ist zudem nicht zu verwechseln mit Austerität, bei der es um die Reduktion der individuellen Lebensweise zu Lasten der sozial Schwachen geht, sondern ist als gesellschaftliches Planungs- und Governance-Paradigma zu verstehen, das eine Gestaltung der gebauten und unbebauten Umwelt in einer Weise steuert, die ein suffizientes Leben möglich macht. Entscheidend ist dabei auch eine Reterritorialisierung, also die Einbettung von Produktions- und Lieferketten in regionale und lokale Kontexte.
Langlebigkeit
Im Gegensatz zur Nachhaltigkeit, die heute in erster Linie die Übertragung wirtschaftlicher Prinzipien auf die Ökologie bedeutet, geht es bei Langlebigkeit darum, die Lebensdauer und Lebenszyklen von Materialien, Gegenständen und Techniken so lange wie möglich auszudehnen. Recycling fungiert in dieser Perspektive lediglich als Schmiermittel des unhinterfragten produktiven Systems, während Reparieren die Langlebigkeit der Dinge zum Ziel hat. Einen wichtigen Beitrag zum Designdiskurs leistet die Right-to-Repair-Bewegung, die gegen Wegwerfkultur und geplante Obsoleszenz ankämpft. Gleichzeitig verdeutlicht die Realität der zunehmenden Migration, insbesondere der erzwungenen Migration von Klimaflüchtenden, die Notwendigkeit, Unbeständigkeit und Bewegung von Architektur und Siedlungsräumen neu zu denken. Langlebigkeit ist nicht das Gegenteil von Leichtigkeit und Flexibilität.
Care
Reparatur beinhaltet nicht nur die Reparatur von Dingen, sondern auch die Fürsorge für Menschen, nicht-menschliche Lebewesen und Ökosysteme. Sie setzt voraus, dass bislang unsichtbare Arbeit anerkannt wird. Dazu gehören die bisher externalisierten Kosten der häuslichen und reproduktiven Arbeit, aber auch die Arbeit der Natur. Auf der Grundlage dieses erweiterten Verständnisses können „Ökologien der Reparatur“ geschaffen werden, die ein Netz menschlicher und nicht-menschlicher Beziehungen spannen.
Wiederaneignung
Die rassistische und koloniale Gewalt, sowohl territorialer als auch kultureller Art, ist eine der unabdingbaren Voraussetzungen für die kapitalistische Produktion von „billiger Natur“ (cheap nature), im Globalen Norden wie im Globalen Süden. Sie ist daher aus einem kritischen Klimadiskurs nicht wegzudenken. In diesem Kontext müssen Praktiken der Reparatur die dekoloniale Wiederaneignung des Entwendeten und Entwerteten berücksichtigen. Sie reichen von Objekten über Orte und Territorien bis hin zu kulturellen Praktiken und Epistemen.
Solidarität
Im Zentrum einer Vielzahl von Praktiken der Reparatur steht die Politik der Solidarität. Reparatur wird hier als sozialer Akt verstanden, der das Zusammenleben, das gemeinschaftliche Arbeiten, soziale Eigentumsformen sowie Ökonomien des Gemeinwohls und der geteilten Risiken fördert. Der Schwerpunkt liegt auf der lokalen, städtischen oder kommunalen Ebene, oft jenseits von Markt und Staat. Die Erforschung und Stärkung kleinerer kollaborativer Strukturen und Ökonomien trägt zu ihrer zunehmenden Widerstandsfähigkeit bei, zum Beispiel in Bezug auf die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und die Klimaanpassung.
Pluralität
In dem Bemühen, die gesellschaftlichen Beziehungen zu entkommodifizieren und zu dekolonisieren, problematisiert die Reparaturgesellschaft die Einseitigkeit der technowissenschaftlichen Rationalität und strebt stattdessen nach Pluralität. Damit ist insbesondere das Bestreben gemeint, die Wissensproduktion außerhalb der staatlich und marktwirtschaftlich validierten Wissenskreisläufe zu pluralisieren und sie für unterschiedliche Wissenssysteme und -praktiken zu öffnen. Dazu gehören Praktiken, die auf indigenem, handwerklichem oder bricoleurhaftem Wissen basieren und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen Probleme lösen. Dadurch wird die Expert*innenposition infrage gestellt und die Akteurskonstellation verändert. Statt auf Neuheit und individuelle Urheberschaft setzt Pluralität auf kollaborative Formen der Wissensproduktion und Selbstermächtigung.
Selbstreparatur
Diese aktuellen Debatten um Repair, Care und Maintenance finden in der Architektur- und Stadtforschung nicht nur großen Widerhall, sondern haben auch das Potential, mit dem spezifischen Reparatur-Wissen der Disziplin andere Diskurse und Praxen zu befruchten. Schließlich sind Strategien der Reparatur seit jeher ein wichtiger Bestandteil des Repertoires der Architektur. Angefangen bei Leon Battista Albertis Buch Über die Wiederherstellung der Bauwerke19, über die Arts- and Crafts-Bewegung bis hin zu Carlo Scarpas Umgang mit historischer Bausubstanz oder dem as found-Konzept von Alison und Peter Smithson. Von besonderer Bedeutung sind „Instandbesetzungen“, die Reparatur mit Aneignungsstrategien von unten kombinierten, sowie Stadtreparatur und andere großmaßstäbliche Planungsprojekte, die unter anderem auf die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, die Folgen der Deindustrialisierung und schrumpfende Städte reagierten.
Bei The Great Repair geht es nicht zuletzt auch um eine Selbstreparatur der Architektur als Disziplin: die Reparatur ihres Arbeitsbegriffs, ihrer Arbeitsprozesse, ihres Verständnisses von Autorschaft, ihres Ausbildungssystems und ihrer Kommunikationsformen. Allerdings handelt es sich längst nicht mehr um die Suche nach einer Inter- oder Transdisziplinarität, bei der die disziplinäre Verortung noch im Vordergrund steht und man, bildlich gesprochen, nach der Überfahrt wieder in den sicheren Hafen der Disziplin zurückkehrt. Eine Selbstreparatur der Disziplin bedeutet jedoch auch nicht die völlige Aufgabe von Verortung. Schließlich hat die feministische Kritik offengelegt, dass wir so frei nicht sind. Wir haben es im kulturellen, politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bereich stets mit Situiertheiten und Framings zu tun, die uns als Person mehrfach binden. Die Herausforderung der Politiken der Reparaturgesellschaft besteht darin, dass wir aufgrund dieser Situiertheit intersektional denken und handeln müssen, um gesellschaftliche Emanzipation zu erreichen. Wenn die Große Reparatur der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten technischen Unmündigkeit ist, ist die Selbstreparatur der Ausgang der Disziplin aus ihrer selbstverschuldeten sozialen Unmündigkeit.
Das Projekt
The Great Repair ist ein Projekt der ARCH+ gGmbH in Kooperation mit der Akademie der Künste, Berlin, dem Departement für Geographie und Raumplanung der Universität Luxemburg und dem Departement Architektur der ETH Zürich. Das Projekt umfasst zwei ARCH+ Ausgaben sowie ein Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm, das vom 14. Oktober 2023 bis zum 14. Januar 2024 in der Akademie der Künste, Berlin, stattfinden wird. Die vorliegende Ausgabe dient der theoretischen Einführung, die zweite wird Praktiken der Reparatur vorstellen und zur Eröffnung der Ausstellung am 13. Oktober 2023 als Katalog erscheinen.
Danksagung
Ohne die Unterstützung und das Vertrauen der Akademie der Künste, insbesondere von Johannes Odenthal, dem ehemaligen Programmbeauftragten der Akademie der Künste, Berlin, und seiner Nachfolgerin Johanna M. Keller wäre das Projekt in dieser Tiefe nicht zustande gekommen. Allen Förderern, insbesondere der Kulturstiftung des Bundes und der Wüstenrot Stiftung, allen Autor*innen, Gesprächspartner*innen, Künstler*innen und nicht zuletzt unseren Kolleginnen Marija Marić und Nazlı Tümerdem sowie dem ARCH+ Team, allen voran Nora Dünser und Felix Hofmann, gilt unser aufrichtiger Dank.
Hortensia Völckers sprechen wir unseren tief empfundenen Dank aus. Ohne ihren Mut und ihre Vision von Kultur als gesellschaftliche Herausforderung hätten wir in ihrer nun auslaufenden Amtszeit als künstlerische Leiterin der Kulturstiftung des Bundes solche ambitionierten Forschungs-, Diskurs- und Ausstellungsvorhaben wie projekt bauhaus, Cohabitation oder The Great Repair nicht umsetzen können.
1 Vgl. Stefan Krebs, Gabriele Schabacher, Heike Weber (Hg.): Kulturen des Reparierens. Dinge – Wissen – Praktiken, Bielefeld 2018, S. 20: „Betrachten wir die Beschäftigungsstruktur von Ingenieuren als zentrale Akteure des Technischen, so sind die meisten heutigen Ingenieure nicht im Bereich von Entwicklung und Konstruktion tätig, sondern in Wartung und Reparatur.“
2 Vgl. The World Meteorological Organization: „Temperatures in Europe increase more than twice global average“, Pressemitteilung vom 2.11.2022, public.wmo.int/en/media/press-release/temperatures-europe-increase-more-twice-global-average (Stand: 29.11.2022)
3 Wilfried Lipp: „Rettung von Geschichte für die Reparaturgesellschaft im 21. Jahrhundert. Sub specie conservatoris“, in: ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees, Band 21 (1996): Das Denkmal als Altlast? Auf dem Weg in die Reparaturgesellschaft, S. 143–151, hier S. 146
4 Vgl. Wilfried Lipp: „Vom modernen zum postmodernen Denkmalkultus? Aspekte zur Reparaturgesellschaft“, in: Ders., Michael Petzet (Hg.): Vom modernen zum postmodernen Denkmalkultus? Denkmalpflege am Ende des 20. Jahrhunderts, 7. Jahrestagung der Bayerischen Denkmalpflege, Passau, 14.–16. Oktober 1993, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Arbeitsheft 69, München 1994, S. 6–12
5 Lipp 1996 (wie Anm. 3), S. 144
6 Ebd., S. 146 f.
7 Siehe Claus Leggewie: Die 89er – Portrait einer Generation, Hamburg 1995
8 Siehe Jürgen Bertling, Claus Leggewie: „Die Reparaturgesellschaft. Ein Beitrag zur großen Transformation?“, in: Andrea Baier, Tom Hansing, Christa Müller, Karin Werner (Hg.): Die Welt reparieren – Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis, Bielefeld 2016, S. 275–286
9 Karl Polanyi: The Great Transformation – Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen (1944), übers. v. Heinrich Jelinek, Frankfurt a. M. 1978
10 Ebd., S. 88 f.
11 Bertling, Leggewie 2016 (wie Anm. 8), S. 276
12 Karl Marx: Das Kapital, Band I, MEW Band 23, S. 742
13 Siehe Yoshiharu Tsukamoto, Siena Hirao: „Lernen im Feld: Die Satoyama School of Design“, in: ARCH+ 249: Learning Spaces (September 2022), S. 196–203
14 Ein Claim, den Tsukamoto im Gespräch mit den Kurator*innen erhoben hat und gemeinsam mit Momoyo Kaijima für ihren geplanten Ausstellungsbeitrag für The Great Repair ausarbeiten wird.
15 Polanyi 1978 (wie Anm. 9), S. 70
16 Ebd., S. 107
17 Vgl. Daniel M. Abramson: Obsolescence – An Architectural History, Chicago/London 2016
18 Lipp 1996 (wie Anm. 3), S. 148
19 Leon Battista Alberti: „Zehntes Buch: Über die Wiederherstellung der Bauwerke“, in: Zehn Bücher über die Baukunst, übersetzt und hg. von Max Theuer, Darmstadt 1991 (Nachdruck der 1. Auflage von 1912), S. 523 ff.
Editorial
1 Editorial
Florian Hertweck, Christian Hiller, Markus Krieger,
Alex Nehmer, Anh-Linh Ngo, Milica Topalović
14 REPARATUR
UND REPARATION
16 Reparatur und Fix unterscheiden —
Zu einer Ökologie des Wiederaufbaus
Jason W. Moore und Raj Patel im Gespräch mit Milica Topalović, Alex Nehmer und Nitin Bathla
Bildessay: Bas Princen
30 „Wir müssen materialistisch ansetzen!“
Olúfémi O. Táíwò im Gespräch mit Alex Nehmer
und Markus Krieger
Bildessay: Richard Misrach
44 Rettung von Geschichte für die Reparaturgesellschaft
im 21. Jahrhundert – Sub specie conservatoris
Wilfried Lipp
50 Reparatur als Präparatur
Wilfried Lipp im Gespräch mit Florian Hertweck,
Silke Langenberg, Alex Nehmer und Markus Krieger
54 POLITIKEN DER
REPARATURGESELLSCHAFT
56 Curriculum: Suffizienz
Florian Hertweck
60 Less is more — Zur Strategie der Suffizienz für eine
nachhaltige Stadt-Land-Entwicklung
Florian Hertweck, Markus Miessen
68 „Suffizienz ist ein Konzept für Politik und Planung,
nicht für das Individuum“
Anton Brokow-Loga und Katrin Großmann im Gespräch mit Alex Nehmer, Florian Hertweck und Markus Krieger
74 Curriculum: Langlebigkeit
Florian Hertweck
78 Die Welt vor dem Verschleiß schützen
Pierre Caye im Gespräch mit Florian Hertweck und
Panos Mantziaras
86 Ein Gegenstand der Pflege
Sarah Nichols
90 „Instandhaltung, Fürsorge und Reparatur
sind die Schlüsselworte von heute“
Andrew L. Russell und Stefan Krebs im Gespräch mit Florian Hertweck und Marija Marić
98 Curriculum: Care
Alex Nehmer
102 Über natürliche Welten, behinderte Körper
und eine Politik der Heilung
Eli Clare
110 The Tree We Hurt –
Der Baum, den wir verletzten
Metaxia Markaki
116 Curriculum: Wiederaneignung
Nazlı Tümerdem
120 „Reparatur darf keine Metapher bleiben,
sondern muss zur Handlung werden“
Kader Attia im Gespräch mit Charlotte Grace und
Dubravka Sekulić
128 Wie man eine Pipeline in die Luft jagt
Andreas Malm
132 Curriculum: Solidarität
Alex Nehmer
136 Vom Planen zum Pflanzen
Paulo Tavares im Gespräch mit Markus Krieger und
Alex Nehmer
144 Widerständige Wurzeln
Oxana Timofeeva im Gespräch mit Alex Nehmer,
Milica Topalović und Nazlı Tümerdem
150 Curriculum: Pluralität
Santiago del Hierro
154 Eine Welt, in die viele Welten passen
Iván Darío Vargas Roncancio
162 Das Gewebe des Lebens reparieren
Antonia Agreda, Liliana Armero, Pablo Cuchalá, Santiago del Hierro, Agripina Garreta, Álvaro Hernández Bello, Yeni Yolanda Jacanamijoy, Pedro Jajoy, Mariela Pujimuy
166 SELBSTREPARATUR, EIN EPILOG
168 Curriculum: Selbstreparatur
Marija Marić
170 Von Reparaturarbeiten zur Reparatur der Arbeit
in der Architektur
Marija Marić
174 Unsere Beziehung zur Welt neu verhandeln –
Eine Gewerkschaft für den Planeten
United Voices of the World – Section of Architectural Workers (UVW-SAW)
176 Land als Schlüssel zu Reparatur und Reparation
Hollyamber Kennedy
182 Leitlinien für eine Reparatur des Curriculums
Charlotte Malterre-Barthes, Dubravka Sekulić
188 Beteiligte
191 Bildnachweise
192 Impressum
ARCH+ Team dieser Ausgabe:
Nora Dünser (CvD), Franziska Gödicke, Christian Hiller, Felix Hofmann, Marlene Huster, Sarah Knechtel, Markus Krieger (Projektleitung), Daniel Kuhnert, Victor Lortie, Alex Nehmer (Projektleitung), Anh-Linh Ngo (Redaktionsleitung)
Gastredaktion:
Florian Hertweck, Milica Topalović mit Marija Marić,
Nazlı Tümerdem und Santiago del Hierro, Leo Paulmichl
Cover: Bas Princen: Djenné Mosque, 2010
Jedes Frühjahr am Tag der crépissage wird die aus Lehmziegeln konstruierte Große Moschee von Djenné in Mali in einem kollektiven Akt der Instandhaltung mit einem Putz aus Lehmschlamm, Sand und Reishülsen vor der Regenzeit geschützt. Diese kollektive Praxis der Reparatur reicht bis zur ersten Großen Moschee zurück, die schon im 13. Jahrhundert an dieser Stelle errichtet wurde. Nachdem das Bauwerk im 19. Jahrhundert aufgrund lokaler Konflikte verfallen war, wurde es 1907 auf den alten Fundamenten rekonstruiert. Die Planung dieses Baus wurde später der
französischen Kolonialmacht zugeschrieben, Symmetrien und Ordnungshierarchien auf die polytechnische Ausbildung französischer Ingenieure projiziert. Dieses
Narrativ ist jedoch nicht unangefochten: Der Architekturhistoriker Jean-Louis
Bourgeois argumentiert, dass die Architektur das Werk lokaler Maurer unter dem Zunftleiter Ismaila Traoré sei, unter anderem da sie keine Spuren der Verwendung kolonialer Vermessungstechniken aufweise. Die Fotografie von Bas Princen von
2010 zeigt das Monument während einer großangelegten Renovierung, bei der die sonst vom jährlich aufgetragenen Putz geschützten, zum Teil jahrhundertealten Lehmziegel repariert wurden.
Less is more– Zur Strategie der Suffizienz für eine nachhaltige Stadt- Land-Entwicklung Text: Florian Hertweck, Markus Miessen Es ist gleichermaßen erstaunlich und verständlich, dass Fortschrittserzählungen, die auf technologische Innovation setzen, in der Klimadebatte viel stärkeren Anklang finden als wachstumskritische Perspektiven. Erstaunlich, weil die Wirkungskraft dieser Erzählungen auf etwas beruht, was noch gar nicht da ist. Und verständlich, weil sie suggerieren, grüne Technologien würden ein von den Umweltauswirkungen abgekoppeltes Wirtschaftswachstum erzeugen, wodurch weder für Wähler*innen noch für die Politik die Notwendigkeit entsteht, strukturelle Veränderungen einzuläuten. Nicht zufällig steht der Koalitionsvertrag der derzeitigen Bundesregierung unter dem Motto „Mehr Fortschritt wagen“. Der Erfolg der Technofix-Erzählung liegt jedoch auch an der begrifflichen Schwäche des alternativen Narrativs: der Suffizienz als entscheidender Stoßrichtung einer Großen Reparatur. Der folgende Versuch, eine Suffizienz-Theorie für Architektur und Raumplanung zu skizzieren, zielt daher einerseits darauf, diese Schwachstelle zu beseitigen. Anderseits gilt es, dem Ende der Zuversicht – wie Wolfgang Pehnt die Architektur des ausgehenden 20. Jahrhunderts genannt hat – eine „Neue Zuversicht“ für unsere Disziplin entgegenzustellen. Nicht nur als Skizze eines Narrativs sozial-ökologischer Transformation in einer kaputten Welt, sondern auch als theoria cum praxi, mit allen damit verbundenen Risiken. Was ist Suffizienz? Suffizienz als Konzept der Nachhaltigkeitsdebatte wurde ursprünglich neben Effizienz und Konsistenz als dritte Säule der Transformation hin zu einer postfossilen Gesellschaft entwickelt. Während sich Effizienz auf die ergiebige Nutzung von Materie und Energie richtet und Konsistenz durch den Ausbau erneuerbarer Energien und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft einen Wandel der Produktion anstrebt, zielt Suffizienz direkt auf die absolute Verringerung des Energie- und Ressourcenbedarfs. Die beste Energie, so das einleuchtende Argument, ist diejenige, die nicht verbraucht wird und dementsprechend nicht erzeugt, transportiert und gespeichert werden muss. Ist diese Trias – Effizienz, Konsistenz, Suffizienz – anfänglich als Dialog zwischen grünem Wachstum und Postwachstum angelegt worden, verhärten sich diese Fronten zurzeit angesichts der immensen Herausforderung der Dekarbonisierung und Ressourcenknappheit. Die Verbrennung von fossilen Rohstoffen ist global für fast zwei Drittel aller anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich.1 In den nächsten zwei Jahrzehnten müssen wir deren Nutzung in der Bundesrepublik Deutschland auf quasi null reduzieren, als unseren Beitrag zur Gewährleistung des planetaren Überlebens.2 Das macht Suffizienz in Hinblick auf die sich immer weiter verschärfende Klimakatastrophe über die Effizienz und Konsistenz hinaus zum zentralen Bestandteil der Transformation hin zur Nachhaltigkeit.3 Auch die Reparaturgesellschaft verorten wir im Anschluss an Wilfried Lipp4 im Spektrum der Suffizienz, weil ein Weniger an Materie, Energie und Raum die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen und damit auch dessen Pflege, Wartung und Reparatur impliziert. Aber das Konzept der Suffizienz weist auch Schwächen auf. Eine Schwierigkeit ist, dass Suffizienz bislang vorrangig auf die Veränderung individueller Lebensstile ausgerichtet war und sich mit Konzepten wie voluntary simplicity oder downshifting auf ein dem Technofix-Narrativ diametral entgegengesetztes Motto bezieht: „Du musst dein Leben ändern.“5 Nicht nur rücken bei dieser Argumentation strukturelle Veränderungen in den Hintergrund, sie lässt sich auch leicht politisch-medial ausschlachten. So wurde den Grünen das berechtigte Hinterfragen der Sinnhaftigkeit des fortwährenden Baus von Einfamilienhäusern in Hamburg oder die Einführung eines Veggie-Days politisch zum Verhängnis. Philipp Lepenies hat kürzlich aufgezeigt, wie „Verbotsvorschläge“ seitens neoliberaler Politik sowie populistischer Medien durch Emotionalisierung und Hysterie zugunsten der Technofix-Kultur instrumentalisiert werden.6 Sachdiskussionen werden über den vermeintlichen Gegensatz Verbot versus Freiheit im Keim erstickt. Doch Suffizienz ist nicht mit Selbstbeschränkung und einem umfassenden individuellen Verzicht gleichzusetzen. Eine Suffizienz-Theorie für Architektur und Raumplanung muss sich auf Planung und Design im weiteren Sinne richten und nicht ausschließlich auf die Veränderung persönlicher Routinen. Ein weiteres Problem des Suffizienz-Begriffs liegt darin, dass er suggeriert, alle möchten weniger konsumieren. Je ungleicher Gesellschaften sind, desto zynischer erscheint ein Aufruf zur Selbsteinschränkung an weniger privilegierte Menschen, von den kolonialisierten, ausgebeuteten Gesellschaften des Globalen Südens ganz zu schweigen. Suffizienz kann für weniger privilegierte Menschen nicht den Weg ins Existenzminimum bedeuten, während es sich die oberen Klassen im Existenzoptimum gemütlich machen. Teilhabe und soziale Gerechtigkeit müssen wesentliche Merkmale der Suffizienz sein. Dabei richtet sich der hier vorgeschlagene Entwurf einer Suffizienz-Theorie als Planungsgrundlage für europäische Stadtlandschaften auf soziale Gerechtigkeit in Europa, wobei die Überwindung oder zumindest die Eindämmung der Externalisierungsgesellschaft Ziel einer Reparaturstrategie sein muss. Letztlich ist Suffizienz – analog zu Postwachstum, Degrowth oder Décroissance – kein besonders attraktiver Slogan. Im Französischen wird der Begriff sobriété verwendet, was im Deutschen Nüchternheit bedeutet – aber wer will schon immer nüchtern sein? So wurden ansprechendere Adjektive angehängt wie sobriété heureuse (fröhliche Nüchternheit) oder hedonistic sufficiency (hedonistische Genügsamkeit). Das wohl bekannteste Oxymoron aus der Architekturgeschichte, Mies’ griffige Formulierung Less is more bietet die gesuchte Prägnanz, auch weil sie sich über ästhetische Kategorien hinaus gut auf andere Bereiche anwenden lässt: weniger Verkehr, mehr Lebensqualität; weniger Futter, mehr Essen; weniger top-down, mehr bottom-up … Während mehr Materie, Energie oder Fläche im Zeitalter der sozial-ökologischen Krisen kein sozial-ökologisches Mehr bedeutet, muss Weniger nicht langweilig sein (in Anspielung auf Robert Venturis Less is a bore). Diesen Beweis müssen nicht zuletzt Architekt*innen bringen. Suffizienz vor dem Hintergrund der Postwachstumsstadt „Jeder, der glaubt, dass auf einem begrenzten Planeten exponentielles Wachstum immer weitergehen kann, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ Mit diesem Zitat von Kenneth E. Boulding aus dem Jahr 1973 leitet der Umweltökonom Tim Jackson sein Buch Prosperity without Growth ein.7 Tatsächlich sind die planetaren Grenzen des Wachstums seit den 1970er-Jahren bekannt.8 Der Ökonom Boulding unterschied bereits 1966 zwischen der „Cowboy-Ökonomie“, die keine Grenzen, sondern nur weites, zu eroberndes Land kennt, und einer „Raumschiff-Ökonomie“, deren Akteur*innen die Erde als Raumschiff betrachten, auf dem sowohl Rohstoffvorräte als auch Abfalldeponien begrenzt sind.9 Seine Forderung nach einer großen Transformation (great transition) hin zu einem ökonomischen System, das dem ökologischen System mit seinen begrenzten Ressourcen entspricht, hat leider an Aktualität nichts eingebüßt: Trotz der heute allgemein anerkannten Klimakrise und Ressourcenknappheit stecken wir noch immer mitten in der Cowboy-Ökonomie. Vor dieser Ausgangslange fordert die Postwachstumsperspektive eine sozial-ökologische Transformation der Ökonomie (und nicht die Ökonomisierung der Ökologie). Wie es Ulrich Brand formuliert hat, geht es nicht darum, eine Rezession zu forcieren oder „sich an Krisen zu laben“, sondern einen „gesteuerte[n] Prozess hin zu einer anderen, sozial-ökologisch nachhaltigen, gerechten und solidarischen Produktions- und Lebensweise“ anzustoßen.10 Kein change by disaster, sondern change by design – ein Anspruch, der Architekt*innen und andere Akteur*innen der Raumproduktion besonders inspirieren muss. Anknüpfungspunkte für eine Erweiterung des Postwachstumsdiskurses auf die Stadtentwicklung gibt es genügend:11 von Martin Wagners in den 1920er-Jahren entwickelter Vorstellung einer mehr oder weniger selbstgenügsamen Stadtregion12 über Cedric Prices Potteries Thinkbelt-Projekt von 1964 bis 1966 und Oswald Mathias Ungers’ und Rem Koolhaas’ Manifest Die Stadt in der Stadt – Berlin: Ein grünes Archipel von 1977, das explizit als Modell für ein „Null-Wachstum-Europa“ entwickelt wurde, zu den 1969 eingeleiteten Stadtreparaturen in Bologna und den Instandbesetzungen im Berlin der 1970er-Jahre. „Städte“, so Anton Brokow-Loga (siehe das Interview in dieser Ausgabe) und Frank Eckardt, sollten sich heute von der Vorstellung lösen, „sich durch fortgesetztes Planen, Bauen und Wachsen weiter[zu]entwickeln“.13 Brokow-Loga und Eckardt richten ihre Wachstumskritik im Besonderen auf die horizontale Ausweitung der Stadt und deren intensive Flächenversiegelung. Dem wird eine Transformation der Stadt entgegengestellt, die einerseits auf ein selektives Wachstum, auf ein Prosperieren und „Blühen“ sozial-ökologischer Infrastrukturen und gemeinnütziger Ökonomien im Bereich der Landwirtschaft, der Energiegewinnung oder des Wohnungsbaus zielt. Andererseits sollen „globalisierte, profitorientierte, fossilistisch-industrielle Wirtschaftssektoren, die nicht dem Gemeinwohl dienen und nicht nachhaltig umgebaut werden können (z. B. motorisierter Individual- und Flugverkehr, industrialisierte Landwirtschaft, Rüstungsindustrie, Werbung, Teile des globalisierten Handels), rückgebaut und deprivilegiert werden“.14 Es ist klar, dass dieser Umbau nicht ohne Konflikte vonstatten gehen wird, gerade wenn „die kapitalistische Verfügung über Produktionsmittel, über städtische Räume und über Grund und Boden in Frage gestellt und verändert“ wird.15 Doch was ist im Zusammenhang der Postwachstumsstadt überhaupt mit Stadt gemeint? In seiner Arbeit zur Zwischenstadt relativierte Thomas Sieverts bereits vor 25 Jahren den klassischen Stadtbegriff: „[E]s ist festzustellen, daß ‚Stadt‘ der Neuzeit auf der ganzen Welt in ihr Umland ausgreift und dabei eigene Formen einer verstädterten Landschaft oder einer verlandschafteten Stadt ausbildet. Diese Siedlungsfelder nennen wir, einer uralten Tradition folgend, noch immer ‚Städte‘! Oder wir bezeichnen sie mit so abstrakten Begriffen wie ‚Stadtagglomerationen‘, ‚Verdichtungsraum‘, ‚verstädterte Landschaft‘ etc., weil wir merken, wie unangemessen der Begriff ‚Stadt‘ für diese Siedlungsfelder ist, ein Begriff, der ganz andere Assoziationen hervorruft.“16 Daran anknüpfend sollten wir weniger von Postwachstumsstädten als vielmehr von Postwachstumszwischenstädten sprechen. Aber während sich die Konturen des Umbaus der Zentren mit Konzepten wie der 15-Minuten-Stadt oder der Solidarischen Stadt etwas deutlicher herauskristallisieren, steht hinter dem Umbau der Zwischenstadt noch ein Fragezeichen. Wie verläuft das change by design in Teppichen aus Einfamiliensiedlungen und in Gewerbegebieten, in Dörfern, die sich in der Nähe von Schwarmstädten befinden und von Tagespendler*innen dominiert werden, in Großsiedlungen und in technical lands, also in Flughäfen, Data Centern, Bergbaugebieten, Militärcamps und Kraftwerken? Lässt sich das „Ende der Suburbia“ so einfach ausrufen?17 Kann die Regionalisierung der Stadt durch eine Stadtifizierung der Region abgelöst werden, oder sprechen wir in Zukunft von Postwachstumsstädten auf der einen Seite und von Wachstumsvorstädten auf der anderen? Suffiziente Architektur Yamina Saheb, eine der Ko-Autor*innen des sechsten Weltklimaberichts, weist darauf hin, dass die Architektur gegenüber allen anderen Sektoren im Rückstand sei und Architekt*innen und Stadtplaner*innen es bislang versäumt hätten, Suffizienz zu gestalten.18 Doch wie lässt sich Suffizienz gestalten? Um diese Frage im größeren Maßstab behandeln zu können, muss zunächst change by design im Maßstab des Gebäudes verstanden werden. Wird Suffizienz als ein Weniger an Materie und ein Weniger an Energie begriffen, liegt das in der Architektur beheimatete Konzept der Ökonomie der Mittel nahe. Es findet sich bereits bei Marc-Antoine Laugier, der im 18. Jahrhundert im Anschluss an Vitruv das Prinzip der Urhütte beschrieb. Sie bietet ein Urbild für suffiziente Architektur schlechthin, da sie den Menschen allein vor Regen und Sonne schützen soll. Laugier betrachtete die Stadt als Wald und rief zu ihrer „großen Reparatur“ auf. 19 Selbst der soziale Anspruch der Suffizienz war bei ihm bereits vorformuliert. Als Zeitzeuge einer intensiven Immobilienspekulation kritisierte er die Verschwendung „in Konstruktionen und anderen nutzlosen Dingen“ und stellte einen Zusammenhang her zur Ausbeutung weniger privilegierter Menschen.20 Das Bild der Urhütte mit dem Bestreben nach einer Ökonomie der Mittel führt vom Klassizismus über die Neue Sachlichkeit und den Brutalismus hin zum Selbstbau, zum Leichtbau und weiter zum sogenannten Neuen Realismus, dessen Protagonist*innen durch eine gestalterische Reduktion der Materie zu einer Poetik in der Ausdrucksform finden und ein Mehr an Raum erzeugen, nicht zuletzt im Bereich des bezahlbaren Wohnraums. Daneben strebt dieser maßgeblich von Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal geprägte Ansatz Langlebigkeit auf zwei verschiedenen Ebenen an: zum einen in der Konzeption der Architektur selbst, die eine Vielseitigkeit und Wandelbarkeit von Nutzungen mitdenkt. In diesem Sinne spricht der Architekt Gilles Delalex von adoleszenten und nicht obsoleten Ruinen, von neutralen Strukturen, die das Bespielen mit ganz unterschiedlichen Funktionen erlauben und selbst niemals fertig werden, sondern sich in der Zeit mit neuen Nutzungen weiterentwickeln.21 Zum anderen zielt der Neue Realismus auf Langlebigkeit durch eine Hinwendung zum Bestand: „Architektur und Stadtplanung dienen in diesem Sinne nicht mehr der Überschreibung, sondern der Akzeptanz des Bestehenden, das in seiner urbanen Eigenlogik gestärkt werden soll“,22 so Anh-Linh Ngo, André Kempe und Melissa Koch in ihrem Editorial der ARCH+ 240: Neuer Realismus in der französischen Architektur. Während sich Lacaton & Vassal gegebenenfalls auch entscheiden, nicht zu bauen, bauen andere Akteur*innen des Neuen Realismus jedoch in großem Stil und nicht selten in emissionsintensivem Stahlbeton. Damit steht oftmals die ökologische Rhetorik vor der ökologischen Metrik, wodurch bloß der Anschein von Suffizienz erzeugt wird. Eine andere Spur der Ökonomie der Mittel führt zum Selbstbau. „Selber bauen“, so der Soziologe Lucius Burckhardt in der Einleitung zu den Werkbund-Bänden Für eine andere Architektur von 1981, „ist nicht für jedermann; aber die Tatsache, dass Einige ihr Haus selber gebaut haben, verleiht der Bevölkerung Sicherheit im Umgang mit Bauwerken. Man sieht wieder, dass es Laien möglich ist, sich selber einzurichten, ein altes Haus zu renovieren oder umzubauen.“23 Demnach erhöht sich mit dem Selbstbau und der damit einhergehenden Hinwendung zum Bestand die Reparaturfähigkeit von Architektur. Der Selbstbau, so Burckhardt weiter, könne es leisten, „uns von der Zulieferung und vom Verschleiß unabhängig zu machen, sparsam und klug zu handeln und unsere Ressourcen richtig einzurichten“.24 Im gleichen Sinne betrachten Jürgen Bertling und Claus Leggewie in ihrem Beitrag zur Reparaturgesellschaft „die Beziehung der Reparaturkultur zur Sozialität von Gesellschaften, die durch weitgehende Arbeitsteilung, Entfremdung und Verschwendung gekennzeichnet sind und deshalb von gesellschaftlichen Initiativen infrage gestellt werden, die unter dem Oberbegriff ,Konvivialität‘ auf allen Ebenen vom Alltagsleben bis in die Sphäre der institutionellen Politik neue Praktiken der Kollaboration und des bürgerschaftlichen self empowerment einfordern“.25 Wenn weniger mehr ist, ist dann, wie Rem Koolhaas einmal bemerkte, nichts vielleicht alles? Zumindest werden die Forderungen, nicht mehr neu zu bauen, wie auch die Forderung, nicht mehr abzureißen, immer lauter.26 Von vielen als Provokation wahrgenommen, würde ein Moratorium für Neubauten und Abriss zuallererst aber die architektonische Obsoleszenz als Resultat der marktwirtschaftlichen Verwertungslogik infrage stellen.27 Denn „das derzeitige Kalkül der Investoren, das investierte Kapital in etwa einer Generation zu amortisieren und dann ein Gebäude zu zerstören“, ist, wie Thomas Sieverts schreibt, „unverantwortlich“. 28 Entsprechend fordert Sieverts, ähnlich wie Lipp, die Idee der Denkmalpflege auf die gesamte gebaute wie unbebaute Umwelt zu übertragen. Eine umfassende Beschäftigung mit den Potentialen der zukünftigen (Um-)Nutzung des Bestands impliziert aber nicht nur die konsequente Ausrichtung der Denkmalpflege auf den Nutzungswert, sondern auch Kreativität im Umgang mit privaten Eigentumsrechten, um den bereits vorhandenen (um-)gebauten Raum nach Prinzipien der Flächengerechtigkeit verfügbar zu machen. Suffiziente Architektur vereint Prinzipien der Urhütte und der Bricolage, indem sie die Transformation bestehender Flächen und Räume in den Mittelpunkt stellt, diese vorzugsweise als Low-tech-Leichtbau mit einer Ökonomie der Mittel konzipiert und die einfache und gegebenenfalls selbsttätige Realisierung und Reparatur ermöglicht. Suffiziente Raumplanung Bereits 2003 schrieb der Architekturtheoretiker Sébastien Marot: „Das Jahrzehnt der Erweiterung der Städte ist vorbei[,] unser Jahrhundert sollte das der Vertiefung unserer Territorien sein.“29 Aber von einer umsichtigen Stadt-Land-„Vertiefung“ sind wir weit entfernt. In den letzten dreißig Jahren ist die Siedlungsfläche der Bundesrepublik Deutschland um fast eine Million Hektar angewachsen, und immer noch werden täglich 66 Hektar Land für den Bau von Infrastrukturen, Wohn- und Gewerbeflächen versiegelt. Dabei ist klar, dass für den Erhalt der Biodiversität, die Abfederung von Hitzeinseln und nicht zuletzt für die angestrebte Dekarbonisierung jeder Quadratmeter gewachsener Boden mit seinem Potential der CO2-Bindung notwendig ist. Daneben hat sich der Architektur- und Städtebaudiskurs in den letzten Jahrzehnten hoffnungsvoll daran abgearbeitet, Konzepte zu entwickeln, um die Zersiedelung einzudämmen: mit der Konzentration städtebaulicher Programme in Großstrukturen; mit der Schaffung klarer Siedlungskanten, um die Landschaft zu schützen; mit der Umwidmung monofunktionaler Zonen in urbane Gebiete; mit Nachverdichtungskonzepten und Innenentwicklungsmaßnahmen. Aber die Dringlichkeit, die aus Klimakrise und Ressourcenknappheit resultiert, sollte uns anregen, einen entscheidenden Schritt weiterzugehen und die Versiegelung zu beenden, um nicht nur der Zersiedelung der Landschaft entgegenzuwirken, sondern auch die Gesamtheit des gewachsenen Bodens der Zwischenstadt unter Schutz zu stellen. Ein Moratorium für die Versiegelung von Land könnte den sich verschärfenden Wettbewerb um die Nutzung von Erwartungsbauland beenden und gleichzeitig die von Sébastien Marot geforderte territoriale Vertiefung anregen: eine agro-ökologische Transformation der unbebauten und eine Intensivierung der bebauten Gebiete wäre das Resultat. Dies impliziert die Gleichberechtigung zwischen den Sphären von Infrastrukturen und Siedlungsräumen mit ihren Grünflächen auf der einen und den meist menschengemachten Naturräumen auf der anderen Seite. Mit einer so verstandenen Großen Reparatur der Stadt-Landschaften würde die über 150-jährige Hegemonie des Städtebaus revidiert. Damit würde ferner das die letzten Jahrzehnte dominierende Paradigma der Metropolisierung überwunden. Auch wenn wir in der Planung weiterhin angehalten sind, transskalar zu denken, kann es nicht mehr darum gehen, leistungsfähige Metropolen zu bilden, die darauf abzielen, sich im transregionalen, nationalen und internationalen Wettbewerb durchzusetzen. Im Maßstab der Kommunen würde der Versiegelungsstopp die verheerende Kopplung ihrer Finanzierung an den Flächenverbrauch beenden, weil keine neuen Gewerbeflächen mehr vor der Stadt ausgerufen werden könnten. In den Städten würde es das spekulative Brachliegen-Lassen von Grundstücken beenden, weil, wenn versiegelt, der Druck auf die Bebauung wüchse und, wenn unversiegelt, sie nichts mehr wert wären. Im Grunde würde ein Versiegelungsstopp die für die sozial-ökologische Wende so essenzielle Bodenfrage wie ein Bypass funktionieren, auch wenn bodenreformerische Instrumente wie das Erbbaurecht weiterhin Anwendung finden sollten. Die Vertiefung des Territoriums impliziert gleichsam eine radikale Durchmischung der Funktionen, von Agroforstwirtschaft und Agri-Photovoltaik bis zum konsequenten Umbau monofunktionaler Gebiete in Nachbarschaften mit Mischnutzung. Aber dieser Umbau ist nur mit einem Suffizienz-Ansatz hinsichtlich der Mobilität möglich. Nur noch in den seltensten Fällen ist Mobilität Ausdruck individueller Freiheit, vielmehr muss sie grundlegende Bedürfnisse erfüllen: zur Arbeit fahren, einkaufen oder die Kinder zur Schule bringen. Nicht zufällig war Mobilität die vierte notwendige Funktion der Charta von Athen, weil sie die nun voneinander getrennten menschlichen Funktionen – Wohnen, Arbeiten und Freizeit – miteinander verbindet. Durch die Finanzialisierung der Immobilien- und Bodenmärkte haben sich mit dem Aufkommen von Schwarmstädten die Entfernungen dieser Funktionen immer mehr vergrößert, wobei weniger privilegierte Menschen immer weiter außerhalb der Stadt wohnen und wegen ungenügend ausgebauter öffentlicher Verkehrsmittel sowie einer an Zentralität ausgerichteten Stadtentwicklung am stärksten von Pkws abhängig sind und höhere Mobilitätskosten tragen. Suffizienz auf dem Gebiet der Mobilität muss dieser Verdrängung entgegenwirken und mit umfassenden alternativen Nahversorgungs- und Verkehrsangeboten in strukturschwachen und dünn besiedelten Gemeinden weit vor den Stadtzentren einhergehen. Das kann über gemeinschaftliche Arbeitsräume, flexible Arbeitszeitregelungen, mobile Nahversorgungskonzepte und ein besser abgestimmtes Angebot an sozialen Infrastrukturen zwischen den Gemeinden erreicht werden. Suffizienz in der Mobilität bedeutet mehr Lebensqualität und öffnet ein umfassendes Reservoir an Flächen und Räumen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Von Parkplätzen über Garagen, Parkhäuser, Stadtautobahnen, Ausfallstraßen bis hin zu Gewerbegebieten und Einkaufszentren – unsere Stadtlandschaften bieten mannigfaltige Möglichkeiten der Reparatur. Entscheidend ist, dass der sozial-ökologische Umbau dieser Orte, im Gegensatz zu den kontextlos gedachten Green-Tech-Projekten, den Kontext, in dem sie sich befinden, miteinbezieht. Die Aufstockung eines Gebäudes bezieht die soziale und energetische Transformation des gesamten Gebäudes mit ein, die Überbauung von Garagen verändert die Benutzung der Garage, die Überbauung von Parkplätzen die Funktion des Gebäudes, für die diese Parkplätze gebaut wurden. Die Reparatur ist potentiell transformativ und regenerativ. Es zeichnen sich verschiedene Ansätze ab: erstens ein ständiges Reset des Bestands, ein Um-, Über- und Anbauen in den Städten bei gleichzeitigem Schutz der nicht bebauten Flächen; zweitens die Entwicklung der Flächen und Räume, die das fossile Zeitalter hervorgebracht hat, wie Parkplätze, Shopping Malls etc., vor allem in der Zwischenstadt. Dort gilt es, neben der notwendigen Renaturierung suffizient nachzuverdichten und monofunktionale Gebiete zu diversifizieren. Vor allem aber braucht es ein zugängliches alternatives Angebot in weniger dicht besiedelten Gebieten, um die Grundfunktionen vor Ort zu sichern. Co-Creation als neue Kollektivität Ein Projekt wie die Große Reparatur kann weder ausschließlich top-down noch aus einer klassischen Planer*innenperspektive heraus entwickelt werden. Es bedarf vielmehr einer gesellschaftlichen Grundlage, die – im Kiez-Maßstab und in der Zwischenstadt mit lokalen programmatischen Verdichtungen – Anlaufpunkte mit direktem sozialen und räumlichen Bezug schafft. Es bedarf keiner romantisierten Partizipationsprojekte, sondern es geht darum, die Menschen als aktive Akteur*innen in diesem Umbau ernst zu nehmen. Sie einzubeziehen heißt nicht, sie nach Präferenzen zu befragen, sondern Prozesse anzustoßen und Möglichkeitsräume zu schaffen. Um den Umbau monofunktionaler Räume einzuleiten, müssen wir uns aus Planer*innenperspektive mit mehrdimensionalen und programmatisch diversifizierten Gemeinschaftsräumen auseinandersetzen, die, vor allem im Rahmen der Transition, zu lokalen Versammlungsorten werden. Diese einmal von Manfredo Tafuri als Gegenräume bezeichneten Orte ermöglichen demokratisch-kollektive Aushandlungsprozesse im direkten Umfeld des Wohnorts. Städtebau der kurzen Wege führt zu Begeisterung. Die Rolle der Governance wäre es demnach, einen solchen Prozess der Co-Creation ebenso wie andere Formen der Selbstorganisation, beispielsweise Bau- und Energiegenossenschaften oder solidarische Landwirtschaft, zu ermöglichen und zu unterstützen. Diese Prozesse müssen entworfen und von Planer*innen als moderierenden Experte*innen begleitet werden. Eine neue politisch-ökologische Ästhetik der Kollektivität herauszubilden, ist nun Aufgabe von Architekt*innen. Die Strategie für eine nachhaltige Stadt-Land-Entwicklung verschränkt demnach Werte der Postwachstumsstadt (Gemeinnützigkeit, selektives Wachstum, soziale Gerechtigkeit, Kooperation) mit dem Umbau der verschiedenen Raumtypologien der gebauten und unbebauten Umwelt (wie Stadtautobahnen und Ausfallstraßen, Gewerbegebiete, Bürokomplexe, Garagenparks auf der einen und Erholungsgebiete, Wälder, Felder, Flüsse und Brachlandschaften auf der anderen Seite) mit einer konzeptionellen Toolbox (Aktivierung, Intensivierung, Hybridisierung, Aufstockungen etc.) und einer Ermöglichung der Teilhabe, ja einer Stimulierung der Co-Creation. Die Große Reparatur ist ein planerisches Projekt, das von Architekt*innen hohe Kreativität und Engagement einfordert. Und es ist ein demokratisches Projekt, weil Suffizienz ohne transparente Aushandlungsprozesse und die Verständigung auf neue Leitbilder und Ziele immer auf Akzeptanzprobleme stoßen wird. Es ist keineswegs das Ende der Architektur, sondern der Anfang einer neuen Planungskultur, die den Drang von Architekt*innen, etwas zu bauen, auf andere Pfade leitet. 1 Figure SPM.1 aus dem IPCC WG3 Report, www.ipcc.ch/report/ar6/wg3/figures/summary-for-policymakers/figure-spm-1 (Stand: 15.9.2022) 2 Eigentlich mehr als eine Fußnote: Die Treibhausgasemissionen müssen bis 2030 in der Bundesrepublik Deutschland um 55 Prozent reduziert werden, wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden sollen. Hingegen gibt es für die Reduktion des Rohstoffverbrauchs keine derartigen Ziele, hier beträgt der Verbrauch in der Bundesrepublik Deutschland sage und schreibe 16 Tonnen pro Kopf, dabei müssten die für die Verarbeitung dieser Rohstoffe notwendigen Ressourcen wie Wasser und Böden mit eingerechnet werden, die verbraucht oder verschmutzt werden. 3 Vgl. Thomas Princen: The Logic of Sufficiency, Cambridge 2005 4 Siehe sein Essay in dieser Ausgabe 5 Diesen Satz, mit dem Rilkes Sonett „Archaischer Torso Apolls“ (Neue Gedichte, Bd. 2, Inselverlag, Leipzig 1908) endet, wählte der Philosoph Peter Sloterdijk als Titel seines 2009 erschienenen Buches (Suhrkamp, Frankfurt a.M.). 6 Philipp Lepenies: Verbot und Verzicht – Politik aus dem Geiste des Unterlassens, Berlin 2022 7 Tim Jackson: Prosperity without Growth – Foundations for the Economy of Tomorrow (2009), New York 2017, S. 1. Boulding soll laut Jackson den Satz während eines Hearings vor dem US Congress 1973 gesagt haben. 8 1971 zeigte Nicholas Georgescu-Roegen in The Entropy Law and the Economic Process, dass natürliche Stoffe in ökonomische Prozesse aufgenommen werden, aber nur wertloser Abfall aus ihnen entlassen wird. 1972 wies der Bericht des Club of Rome die Endlichkeit der fossilen Ressourcen nach. Im gleichen Jahr sprach André Gorz von einer décroissance der Produktion. 9 Kenneth E. Boulding: „Die Ökonomik des zukünftigen Raumschiffs Erde“ (1966), in: Sabine Höhler, Fred Luks (Hg.): Beam us up, Boulding! 40 Jahre „Raumschiff Erde“, Vereinigung für Ökologische Ökonomie, Reihe Beiträge & Berichte, Heft 7, Hamburg 2006, S. 9–21 10 Ulrich Brand: „Sozial-ökologische Transformation konkret – Die solidarische Postwachstumsstadt als Projekt gegen die imperiale Lebensweise“, in: Anton Brokow-Loga, Frank Eckardt (Hg.): Postwachstumsstadt – Konturen einer solidarischen Stadtpolitik, München 2020, S. 30–43, hier S. 34 11 Vgl. Bastian Lange u. a. (Hg.): Postwachstumsgeographien – Raumbezüge diverser und alternativer Ökonomien, Bielefeld 2020; siehe auch Brokow-Loga, Eckardt 2020 (wie Anm. 10); Institut für ökologische Wirtschaftsforschung: Blog Postwachstum – Stadtplanung, www.postwachstum.de/tag/stadtplanung (Stand: 20.8.2022) 12 Joachim Trezib: „Das ‚Neue Berlin II‘ von Martin Wagner – Modell einer Post-Wachstums-Ökonomie“, in: ARCH+ 228: Stadtland – Der neue Rurbanismus (Frühling 2017), S. 82–89 13 Anton Brokow-Loga, Frank Eckardt: „Einleitung: Der sozial-ökologische Wandel der Stadtgesellschaft“, in: Dies. 2020 (wie Anm. 10), S. 14–27, hier S. 16 14 Matthias Schmelzer, Andrea Vetter: „Stadt für alle jenseits des Wachstums – Was kann die Stadtforschung aus der Degrowthdebatte lernen?“, in: Ebd., S. 44–57, hier S. 53 15 Brand 2020 (wie Anm. 10), S. 38 16 Thomas Sieverts: Zwischenstadt, zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land, Wiesbaden 1997, S. 14 17 Vgl. Samuel Alexander, Brendan Gleeson: Degrowth in the Suburbs – A Radical Urban Imaginery, New York 2018 18 Vgl. Jennifer Hahn: „Architecture ‚lagging behind all other sectors‘ in climate change fight says IPCC report author“, in: dezeen, 6.4.2022, www.dezeen.com/ 2022/04/06/ipcc-climate-change-mitigation-report (Stand: 20.8.2022) 19 Vgl. Marc Antoine Laugier: Essai sur l’architecture + Observation sur l’Architecture, Edition intégrale des deux volumes, Paris 1979, S. 222, S. 314 20 Siehe Geert Bekaert: „A l’école du bon goût“, in: Laugier 1979 (wie Anm. 19), S. VI und XI. Vgl. Joseph Rykwert: On Adam’s House in Paradise – The Idea of the Primitive Hut in the Architectural Theory, New York 1972, S. 43 f., der Laugiers sozialen Anspruch im Vergleich zu Rousseau etwas relativiert. 21 Gilles Delalex: „The Ruins of Adolescence“, in: Florian Hertweck, Nikos Katsikis (Hg.): Positions on Emancipation – Architecture between Aesthetics and Politics, Zürich 2018, S. 72–83, hier S. 72 f. 22 Anh-Linh Ngo, André Kempe, Melissa Koch: „Editorial“, in: ARCH+ 240: Neuer Realismus in der französischen Architektur (Herbst 2020), S. 1–3, hier S. 2 f. 23 Lucius Burckhardt: „Selberbauen, ökologisch bauen, regional bauen“, in: Michael Andritzky u. a. (Hg.): Für eine andere Architektur – Selbstbestimmt bauen und wohnen, Frankfurt a. M. 1981, S. 7–14, hier S. 10 24 Ebd. 25 Jürgen Bertling, Claus Leggewie: „Die Reparaturgesellschaft – Ein Beitrag zur großen Transformation?“, in: Andrea Baier u. a. (Hg.): Die Welt reparieren – Open Source und Selbermachen als postkapitalistische Praxis, Bielefeld 2016, S. 275–286, hier S. 280 26 Siehe auch Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen! – Streitschrift gegen Spekulation, Abriss und Flächenfraß, München 2020; Charlotte Malterre-Barthes: A Global Moratorium on New Construction, London 2022; Ministry of Energy and Spatial Planning: Luxembourg in Transition – Spatial visions for the zero-carbon and resilient future of the Luxembourg functional region, www.luxembourgintransition.lu (Stand: 20.8.2022); Abriss-Moratorium, offener Brief an Bundesministerin Klara Geywitz, abrissmoratorium.de (Stand: 30.9.2022); vgl. Emeline Cazi: „Rénovation, densification, chasse aux logements vides … l’habitat, un modèle à déconstruire“, in: Le Monde, 3.6.2022 27 Vgl. Daniel M. Abramson: „From Obsolescence to Sustainability: Back Again, and Beyond“, in: Design and Culture 4/3 (2012), S. 279–298 28 Vgl. Thomas Sieverts: „The Principle of Heritage – Preservation and its Generalisation in the Anthropocene“, in: disP – The Planning Review 53/1 (2017), S. 99–105, hier S. 103 29 Sébastien Marot: Sub-urbanism and the Art of Memory, London 2003, S. 86
| Erscheinungsdatum | 20.12.2022 |
|---|---|
| Zusatzinfo | Ca. 90 farbige, 50 s/w Abbildungen |
| Verlagsort | Berlin |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 235 x 297 mm |
| Gewicht | 850 g |
| Einbandart | geklebt |
| Themenwelt | Technik ► Architektur |
| Schlagworte | Akademie der Künste, Berlin • Care • Denkmalpflege • ETH Zürich D-ARCH • Instandbesetzung • Klimakrise • Reparaturgesellschaft • Ressourcen • Right-to-Repair-Bewegung • Suffizienz • Universität Luxemburg Lehrstuhl für Architektur |
| ISBN-10 | 3-931435-73-3 / 3931435733 |
| ISBN-13 | 978-3-931435-73-8 / 9783931435738 |
| Zustand | Neuware |
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