Kind - auf Deine Kosten (eBook)
248 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-39264-9 (ISBN)
Unter dem Pseudonym Thomas Wölber berichtet der 50-jährige Autor aus seinem Tagebuch. In Deutschland geboren, wuchs er in einem christlichen Umfeld auf und heiratete nach seinem Studium seine aus Südeuropa stammende Frau. Seine Familie war sein Lebenselixier, bis sich Spannungen zeigten, die er aus seiner ethischen Überzeugung heraus, lange Jahre bereit war auszuhalten. Die unvermeidliche schmerzvolle Trennung machte eines der Kinder zum Spielball der Mutter und der Familienrechtsprechung. Nachdem es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, gibt der Autor diesen Kindern eine Stimme, damit nicht mehr auf deren Kosten gehandelt wird.
Unter dem Pseudonym Thomas Wölber berichtet der 50-jährige Autor aus seinem Tagebuch. In Deutschland geboren, wuchs er in einem christlichen Umfeld auf und heiratete nach seinem Studium seine aus Südeuropa stammende Frau. Seine Familie war sein Lebenselixier, bis sich Spannungen zeigten, die er aus seiner ethischen Überzeugung heraus, lange Jahre bereit war auszuhalten. Die unvermeidliche schmerzvolle Trennung machte eines der Kinder zum Spielball der Mutter und der Familienrechtsprechung. Nachdem es sich hier nicht um einen Einzelfall handelt, gibt der Autor diesen Kindern eine Stimme, damit nicht mehr auf deren Kosten gehandelt wird.
Der Knick
Obwohl wir mit Hausbau, Job und unseren ersten drei Kindern richtig gefordert waren, steckten wir voller Tatendrang und Lebensfreude. Dann kam das Jahr, das zum Wendepunkt unserer Familienchronik werden sollte. Unsere Kinder waren damals 11, 9 und 8 Jahre alt. Der Countdown bis zum Tag der Flucht begann: für die ganze Familie sieben schwere Jahre.
Möglicherweise empfinden Sie die Episoden, die ich aus diesen sieben Jahren schildere, als unerträglich; dann blättern Sie vor bis zum Teil II (Trennungszeit) ab Seite 79. Wenn Sie jedoch die Neugierde gepackt hat, wenn Sie Wege suchen, Ihre eigene Ehe- oder Familienproblematik einzuordnen, oder wenn Sie so manche Tücke im Sorgerechtsverfahren besser verstehen oder möglichst umgehen wollen, dann kämpfen Sie sich durch.
Meine Frau rang mit einer gewissen Antriebslosigkeit; der Arzt diagnostizierte eine leichte Depression und verschrieb ihr ein entsprechendes Medikament. Nach einigen Monaten kehrten ihre Kräfte wieder zurück; doch nun wirkte sie zusehends gereizt und genervt. Ihre Erregung steigerte sich kontinuierlich und trat in immer kürzeren Abständen auf.
Hatten wir nun Meinungsverschiedenheiten zur Kindererziehung, konnte es sein, dass Mara mir am Esstisch unvermittelt eine Karaffe Wasser ins Gesicht schüttete. Oder sie stürmte wütend in mein Büro, stieß den Monitor vom Tisch oder zog mir einfach den Stecker des Rechners aus der Steckdose. Ihr Sprachrepertoire erweiterte sich durch lautstarke Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen.
Von den Kindern erwartete sie plötzlich unbedingten Gehorsam gegenüber ihren Befehlen, die das Fingerspitzengefühl vermissen ließen: An einem Apriltag beispielsweise baute Marco im Wohnzimmer seine elektrische Eisenbahn auf und spielte drei Tage lang mit großer Leidenschaft. Aus heiterem Himmel stellte seine Mutter ihm ein Ultimatum: „Du baust deine Eisenbahn sofort ab, sie stört mich!“ Marco bat, noch einen Tag damit spielen zu dürfen – vergeblich: „Sofort! Sofort, habe ich gesagt!“ – „Nein, ich spiele jetzt noch.“ Da packte Mara die Märklin-Lokomotive samt einem Teil der Gleise und warf die Stücke laut schimpfend vor die Haustür.
Ein paar Straßen weiter wohnte ein sympathisches Ehepaar namens Kärcher, bei ihrem Abendspaziergang kamen sie immer an unserem Haus vorbei. Anfangs grüßte man sich, dann kam man ins Gespräch. Ab und an tauchten dazu unsere Kinder auf, wenn sie draußen spielten. Die beiden verstanden es gut mit unseren Kleinen, auch wenn sie selbst keine Kinder hatten; so luden sie uns zu Ostern ein, um jedem Kind ein buntes Osternest zu überreichen. Fortan schauten unsere Kinder gelegentlich bei ihnen vorbei – dann gab es mal eine Limonade, eine Süßigkeit oder ein nettes Wort.
Frau Kärcher und Mara mochten sich. Beide hatten eine Vorliebe für Gartenarbeit und beide hatten einen Migrationshintergrund; so konnten sie sich über viele Gemeinsamkeiten austauschen – und jetzt hatte man über unsere Kinder noch eine weitere Verbindung. Ich freute mich für unsere Kinder und für die Kärchers.
Eines Nachmittags haben sie unseren Kindern einen Kinderfilm gezeigt, was anscheinend so mit Mara nicht abgesprochen war. Gegen Abend sitzen wir auf der Terrasse, und durch die Sträucher erblickt Mara das vorbeilaufende Ehepaar Kärcher. Sie springt auf und rennt auf die Straße, den beiden hinterher.
Oh je! Ich höre nur Wortfetzen, aber die aggressive Tonlage von Maras Stimme lässt nichts Gutes ahnen, und schon nach kurzer Zeit kehrt Mara mit hochrotem Kopf zurück: „Was meinen die, wer sie sind?! Die setzen meine Kinder nicht einfach vor die Glotze. Das war das letzte Mal, dass sie bei ihnen waren! Die können mich mal!“
Wie peinlich! Maras Auftritt ist zum Fremdschämen. Wie kann sie nur diese schöne Beziehung zerstören? – Fortan verbot sie unseren Kindern, die Kärchers zu besuchen.
Völlig überrumpelt von dem teils unsäglichen Verhalten meiner Frau, begann ich das Erlebte in einem Tagebuch zu notieren. Ich erinnerte mich dabei, dass ich schon als kleiner Junge jahrelang Tagebuch geführt habe.
Schon wenige Wochen danach hielt ich in meinem Tagebuch fest:
Ich schlage Mara vor, dass wir uns aufgrund der letzten Vorkommnisse – allein schon der Kinder wegen – zusammensetzen sollten und miteinander reden. Daraufhin schreit sie mich an, droht mit dem Gemüsemesser in der Hand: „Ich mach dich tot!“
Dann gerät sie völlig in Rage, scheint kein Maß mehr zu kennen: Sie reißt den Hörer der Haustürsprechanlage von der Wand, wirft die nächstbeste Tasse zu Boden und droht, mein Büro zu verwüsten: Niemals würde sie mit mir reden! Extreme Eskalation – Mara ist nicht wiederzuerkennen. Tief getroffen verlasse ich die Küche.
Abends kommt Mara auf mich zu, entschuldigt sich für ihr Verhalten und sagt, sie habe ihr Medikament gegen die Depression abgesetzt, wolle es jetzt aber wieder nehmen; womöglich kämen ihre Attacken daher. Und sie räumt ein, sie spüre eine Wesensveränderung.
Laut meinem Tagebuch war danach für einige Zeit Ruhe eingekehrt: „Wir haben eine angenehme Familienatmosphäre“, so der Tenor der Eintragungen. Wir schauten, auf dem Sofa aneinandergekuschelt, unterhaltsame Filme an und spielten spannende Gesellschaftsspiele. Wir erzählten einander Witze, scherzten und trugen die unvermeidbaren Alltagskonflikte auf eine anständige Weise aus. Es war so harmonisch und schön wie all die vielen Jahre zuvor.
Wie aus dem Nichts wurde diese Eintracht wieder unterbrochen – unvorhersehbar, oftmals wegen Nichtigkeiten, änderte sich Maras Stimmung und ich und die Kinder mussten es ausbaden; dann wieder gab es Lichtblicke, die Hoffnung machten. Als Ehemann fühlte ich mich in diesem Auf und Ab wie in der Achterbahn.
In jener Zeit fand ich auf meinem Schreibtisch einen Brief von Mara:
„Lieber Thomas, die Wut in mir ist dir gegenüber groß. Sie blendet mich. Ich gehe sehr schlecht mit dir um und beeinflusse mit meinem Verhalten die Kinder total negativ. Es ist schwer wiedergutzumachen, was ich kaputtgemacht habe. Du hast es nicht leicht mit mir.
Bitte vergib mir. Vergib mir meine bösen Worte, meine Taten und Drohungen. All das darf nicht mehr passieren. Nicht, wenn wir allein sind, und schon gar nicht vor den Kindern!
Bete für mich, dass Gott mich ruhiger macht. Ich weiß, dass es mit einem Brief nicht getan ist. Deine Mara“
Mit einem Seufzer der Erleichterung setze ich mich. Mein Blick gleitet in die Ferne, und mir fällt eine große Last von den Schultern: „Mara ist sich ihres zerstörerischen Verhaltens also bewusst, und ihr geht es dabei selbst schlecht. Wie könnte ich ihr nicht verzeihen? Wie sollte ich ihr all das Geschehene nachtragen?“ Mit einem Lächeln falte ich den Brief zusammen und lege ihn ab. Und tatsächlich folgen einige glückliche Wochen.
Samstag. Marco macht sich auf den Weg, um seine Großeltern zu besuchen, den halben Kilometer geht er zu Fuß. Gerade zieht er die Haustür zu, da reißt seine Mutter, wie von der Tarantel gestochen, das Fenster auf und pfeift ihn zurück. Dann hält sie ihm eine wütende Standpauke, denn er hat entgegen ihrer Anweisung zur falschen Jacke gegriffen: „Dein Ungehorsam kommt von deinem Vater!“
Marco wechselt die Jacke und macht sich wieder auf den Weg. Ich höre stampfende Schritte die Treppe hochkommen – und schon steht eine aufgebrachte Mara in meinem Büro und überzieht mich mit wüsten Beschimpfungen: Ich wäre schuld an Marcos Widersetzlichkeit!
Wie meint sie das? Endlich holt sie Luft, und ich entgegne: „Selbstverständlich unterstütze ich dich in Erziehungsfragen.“ Daraufhin wird ihre Wut immer unkontrollierter. Da kommt die neunjährige Sofie aus ihrem Zimmer und flüstert mir mit Tränen in den Augen ins Ohr: „Papa, entschuldige dich bei Mama für alles. Ich weiß, du bist nicht so, aber sonst wird sie nicht ruhig.“
Vor allem mit Marco hatte meine Frau große Erziehungsprobleme und in ihrer Not gab sie mir die Schuld. Marco war unser Ältester, er stand am Anfang der Pubertät – und dass diese Phase mit einem Veränderungsprozess einhergeht, ist doch jedem klar. Da wird ein Kind auch mal von seinen Emotionen überwältigt und wir, die Eltern, haben adäquat darauf zu reagieren.
Uns war immer wichtig gewesen, dass wir als Eltern in der Erziehung gemeinsam und geeint vorgehen; aber jetzt suchte die Mutter nicht mehr die Gemeinsamkeit mit mir – sie sanktionierte Marco unverhältnismäßig lieblos, manchmal auch gewalttätig, und forderte dann von mir Solidarität ein.
Es war für Mara auch normal, mir immer wieder in den Rücken zu fallen, vor den Kindern: Bestrafte ich Marco wegen seiner temporären Lernfaulheit mit Fernsehverbot, konnte es sein, dass sie mich...
| Erscheint lt. Verlag | 5.1.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Romane / Erzählungen |
| Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Lebenshilfe / Lebensführung | |
| Schulbuch / Wörterbuch ► Lexikon / Chroniken | |
| Technik | |
| Schlagworte | Antwort • Aufenthaltsbestimmungsrecht • Augen • Blick • Eltern • Familie • Familienrechtsprechung • Frau • Freunde • Gedanken • Hand • Herr • Hilfe • Jahre • Jahren • Kampf ums Kind • Kind • Kinder • Kindern • Kindeswohl • Kopf • Mann • meines • oft • Paar • Recht • Sagen • Scheidung • Sorgerechtsstreit • sorgerechtsverfahren • Sorge- und Umgangsrecht • Streit • Tag • Tage • Tisch • Trennung • Trennung und Folgen • Verhalten • Weitere • Wissen • Wohnung • Zeit |
| ISBN-10 | 3-347-39264-7 / 3347392647 |
| ISBN-13 | 978-3-347-39264-9 / 9783347392649 |
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