Physio- und Mentalcoaching (eBook)
272 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-37205-4 (ISBN)
Susanne Schlusnus, geboren 1974 in Wiesbaden, ist Diplom-Orchestermusikerin (Oboe), Staatlich geprüfte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Zuletzt war sie u. a. tätig für die Akademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, für die Hochschule für Musik und Theater Rostock und für die Universität Mozarteum Salzburg. Ihr Fachbuch "Physioboe" - Physiologisches Oboenspiel (Ganzheitliches Konzept für Oboe) wird in Kürze bei AULOS erscheinen. Weitere Infos zu Erfolgen und Tätigkeiten unter: www.susanne-schlusnus.de
Susanne Schlusnus, geboren 1974 in Wiesbaden, ist Diplom-Orchestermusikerin (Oboe), Staatlich geprüfte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Zuletzt war sie u. a. tätig für die Akademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, für die Hochschule für Musik und Theater Rostock und für die Universität Mozarteum Salzburg. Ihr Fachbuch "Physioboe" - Physiologisches Oboenspiel (Ganzheitliches Konzept für Oboe) wird in Kürze bei AULOS erscheinen. Weitere Infos zu Erfolgen und Tätigkeiten unter: www.susanne-schlusnus.de
Der Beginn: Physiotherapie für Musiker
Die Idee zu Physiotherapie für Musiker entstand während meines zweijährigen Orchester-Engagements 2000/2001 beim Real Orquesta Sinfónica de Sevilla in Spanien. In „Ich, die Oboe … oder: Plan B!“ beschreibe ich die Gründe, sowie den sich anschließenden Prozess von der Idee bis zur Umsetzung, ausführlich. Entstanden ist das Anfangskonzept Physiotherapie für Musiker drei Jahre nach meinem Staatsexamen zur Statlich geprüften Physiotherapeutin, im Jahre 2010, mit der Vision, etwas zu kreieren, was im Spitzensport schon längst etabliert ist. Glücklicherweise konnte ich später tatsächlich Einblicke in die Welt des Profisports, als Physiotherapeutin des Südkoreanischen Skisprungnationalteams, gewinnen und Erfahrungen sammeln. Neben Einsätzen im Skisprungweltcup (u.a. der Vierschanzentournee) in der Saison 2013/14 konnte ich als Stipendiatin von Skisprungolympiasieger Toni Innauer mein Wissen weiter vertiefen.
In meiner Broschüre Physiotherapie für Musiker schrieb ich 2012 über mein Konzept:
„Jeder zweite Orchestermusiker (55 %) hat körperliche Beschwerden, alarmierend ist nicht nur, dass zwei Drittel der über 50-Jährigen darunter leiden, sondern bereits 30 % der unter 35-Jährigen. Gleichzeitig wünschen sich viele Musiker (77 %) ein Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen wie z.B. Physiotherapie“ so Gerald Mertens (Geschäftsführer der DOV). Dr. Christoff Zalpour, Professor für Physiotherapie an der Hochschule Osnabrück und Organisator des 1. Internationalen musikphysiotherapeutischen Fachkongresses ,Musik-Physio‘ im März 2012 an der Hochschule Osnabrück, äußert sich wie folgt: „Musiker sind Leistungssportler, deren andauernde einseitige wie auch repetitive Fehlbelastung zu Problemen der Muskulatur, des Nervensystems und der Knochen führen kann.“ 3 Und weiter äußert er: „Musiker könnten von Sportlern unter Umständen lernen, einen neuen und besseren Bezug zu ihrem Körper zu entwickeln. Die Bewegungen beim Musiker seien zwar andere, weil die Bewegungsamplitude kleiner, dafür aber die Bewegungshäufigkeit weitaus höher sei. Der Musiker vollzieht feinmotorische, immer wiederkehrende Bewegungen. Man weiß, dass Musiker ihren Körper eher intelektuell empfinden. Manche haben über Jahre gelernt, Schmerzen zu unterdrücken oder mit ihnen auszukommen, anstatt darauf mit Ausgleichsbewegungen zu reagieren. Jemand, der professionell musiziert, bräuchte eine ähnliche physiotherapeutische Unterstützung wie ein Spitzensportler.“ 4
Mein Konzept Physiotherapie für Musiker entspricht folglich dem Wunsch vieler Musiker und ist, ähnlich wie die Sportphysiotherapie, eine spezielle Form der Physiotherapie, die konkret auf die Bedürfnisse von Musikern eingeht. Einerseits ist die Unterstützung zum vollständigen Ausschöpfen des vorhandenen Potenzials das Ziel, andererseits die (Wieder-)herstellung einer Basis für gesundes Musizieren. Oftmals ist bei vielen Musikern eine Diskrepanz zwischen dem Anspruch der perfekten musikalischen Leistung an sich selbst und dem Verständnis für eine dafür entsprechend optimale Körperfunktion zu beobachten. Das Bewusstsein dafür, dass der Körper das eigentliche „Instrument“ darstellt, dessen Funktionstüchtigkeit für musikalische Spitzenleistung keine Selbstverständlichkeit ist, scheint in vielen Fällen noch nicht vorhanden zu sein. Jedoch sollte dem Körper genauso viel Beachtung geschenkt werden, wie der Arbeit mit dem eigentlichen Instrument, denn oftmals ist die Verunsicherung groß, wenn eine Funktionsstörung das Spielen einschränkt oder gar unmöglich macht.
Um Funktionsstörungen vorzubeugen, absolvieren Sportler gezieltes Konditionstraining (mit den Komponenten Ausdauer, Kraft bzw. Stabilität, Schnelligkeit, Flexibilität und Koordination) als Grundlage für die spezifischen Techniken der jeweiligen Sportart. Bei Musikern findet dieses Training meist nicht einmal im Ansatz statt, da allein das Wort oft abschreckend wirkt. Obwohl „Üben“ und „Trainieren“ absolut vergleichbare Tätigkeiten darstellen, sind Musiker es in den meisten Fällen nicht gewohnt, sich nach einem Übe- oder Trainingsplan zu richten. Daher sind sie physisch und auch mental-psychisch oft unzureichend für die Belastung einer Spitzenleistung gerüstet. Die hohen Anfoderungen während des Musizierens an den Bewegungsapparat werden erst dann wahrgenommen, wenn Beschwerden in Form von Verspannungen, Überlastungen oder Schmerzen auftreten.
Ein gutes Körpergefühl, ein gewisses Maß an Fitness und eine mühelose Aufrichtung gegen die Schwerkraft sind absolute Voraussetzungen. Allerdings richten sich Fokus und Konzentration eines Musikers vor allem auf die technischen Abläufe am Instrument, bzw. auf die Interpretation, anstatt auf die körperliche Leistung. Alle Bewegungen des Körpers beim Spielen bedeuten jedoch mechanische Belastungen für das Muskel-Skelett-System und der neuralen Strukturen. Die Haltearbeit des Instrumentes (und auch Stress) sind mit Minderdurchblutung der Muskulatur verbunden, die nur durch eine gute körperliche und mentale Verfassung kompensiert werden kann. Fehlhaltungen entstehen als Folge nicht vorhandener körperlicher Voraussetzungen und können oftmals nur noch durch reine Willensanstrengung korrigiert werden. Ebenso Schmerz- und Überlastungssyndrome, deren Schmerzursache oftmals Unausgewogenheiten (Dysbalancen) in der Muskulatur und ein Ungleichgewicht im sensomotorischen System sind. Ein Grund dafür ist allerdings auch unsere heutige „moderne“ Lebensweise, die hauptsächlich im Sitzen stattfindet, bewegungsarm ist und nicht unserem Naturell entspricht. Schmerzen sind dabei als Warnmelder einer drohenden Strukturschädigung aufgrund Fehlbelastung oder Überlastung (overuse) zu verstehen.
Strategien, um Fehlhaltungen und unphysiologische Bewegungsmechanismen aufzuspüren, und durch qualitativ gut koordinierte Bewegungen zu ersetzen, sind die Wiederherstellung des Gleichgewichtzustandes im Körpergewebe, durch Optimierung des sensomotorischen Systems, und somit Vermeidung von Muskeldysbalancen. Dies hat sich für ein gutes Spielgefühl als unerlässlich erwiesen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls die Unterscheidungsfähigkeit von Entspannung, Spannung und Verspannung zu erwähnen. Durch eine gute Entspannungsfähigkeit bleibt der „Spannungs-Entspannungs-Rhythmus“ des Organismus im Gleichgewicht. Da Ver- bzw. Überspannung zusätzlich oft mit Auftrittsangst oder übertriebenem Ehrgeiz einhergeht, kann dies zu zusätzlichen Verkrampfungen führen. Das Spiel ist dann nicht mehr mühelos und ökonomisch, eine Verfeinerung der Instrumentaltechnik somit nicht realisierbar. Nach Optimierung des Körpergefühls aufgrund der Wiederherstellung des „Flußes“ im Körpergewebe (und den darin befindlichen Energiebahnen, den Meridianen) führt dies wiederum auch zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins und einer Stressresistenz. Daraus folgend kann eine Steigerung der Ausdauerleistung am Instrument durch ökonomischeres, freieres Spiel erzielt werden und der sogenannte „Flow“ entstehen.
Die Hauptmotivation meines Konzeptes ist das Verständnis von Musikern für ihren Körper und die Integration aller oben genannter Aspekte in die tägliche Beschäftigung mit dem Instrument bevor der Leidensdruck zu hoch oder die Schmerzgrenze erreicht wird. Die Bekämpfung des „Inneren Schweinehundes“ ist dann ebenfalls Thema – die Stimme, die zu Bequemlichkeit verleitet und gute Vorsätze zunichte macht. Daher gilt es, die Notwendigkeit einer bestimmten persönlichen Veränderung zu erkennen, rechtzeitig die Komfortzone zu verlassen und entsprechende geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Nach intensiver Arbeit, mit bereits mehreren hundert Musikerpatienten, wurde mir jedoch bald klar, dass mein Konzept noch unvollständig war: Oftmals machte ich während meiner Behandlungen die Erfahrungen, dass körperliche Beschwerden, wie z.B. Muskelverspannungen, nicht immer nur körperliche Thematiken oder Spielüberlastungen als Ursache hatten. Die vielen „Muskelpanzer“, die ich unter meinen Händen hatte, sprachen da eine ganz eindeutige Sprache: „Verkörperte Emotionen“ und psychisch-seelische Themen suchten sich (laut Dr. Rüdiger Dahlke und seinem Buch Krankheit als Symbol) eine „Körperbühne“, um gesehen und wahrgenommen zu werden. Erst mit der Prüfung als Heilpraktikerin für Psychotherapie, beim Gesundheitsamt München 2015 und der Erweiterung zu einem Ganzheitlichen Konzept, wurde es zu „meinem“ Konzept und die Sache rund.
Mit dem Nachfolgekonzept von...
| Erscheint lt. Verlag | 12.10.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber |
| Technik | |
| Schlagworte | Musikergesundheit • Musikermedizin • Musikpädagogik • Musikphysiologie |
| ISBN-10 | 3-347-37205-0 / 3347372050 |
| ISBN-13 | 978-3-347-37205-4 / 9783347372054 |
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