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NISAMI in Versen und Prosa (eBook)

1798-2021

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
164 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-37832-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

NISAMI in Versen und Prosa -  Sewil Fuchs
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NISAMI (1141-1209) - der unerreichbare Stern der persischsprachigen Literatur zählt zu den bedeutendsten Epikern im islamischen Kulturkreis. Seine fünf Versromane - 'Schatzkammer der Geheimnisse', 'Chosrou und Schirin', 'Leila und Madschnun', 'Die sieben Gestalten' sowie 'Das Alexanderbuch' - wurden zum Vorbild für die gesamte spätere Romantik im Orient. Doch wie bekannt ist das poetische Erbe des Dichters und Denkers aus Aserbaidschan im deutschen Sprachraum? In dieser Anthologie wird erstmals die deutschsprachige Rezeption der Werke Nisamis vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart präsentiert. Poetische und prosaische Übersetzungen bilden den ersten Teil, die nachfolgenden Teile enthalten Zitate und Essays.

Sewil Fuchs, 1956 in Baku/Aserbaidschan geboren. Studium der Fremdsprachenpädagogik an der Sprachenuniversität Baku. Freiberufliche Übersetzerin für Deutsch/Russisch sowie Sprachdozentin. Forschungsschwerpunkte: Nisami-Rezeption in deutscher Sprache (1787-2021), Friedrich Bodenstedt und Mirsa Schafi Waseh.

Sewil Fuchs, 1956 in Baku/Aserbaidschan geboren. Studium der Fremdsprachenpädagogik an der Sprachenuniversität Baku. Freiberufliche Übersetzerin für Deutsch/Russisch sowie Sprachdozentin. Forschungsschwerpunkte: Nisami-Rezeption in deutscher Sprache (1787–2021), Friedrich Bodenstedt und Mirsa Schafi Waseh.

I. ÜBERSETZUNGEN (1798-2021)

Joseph von Hammer-Purgstall

Die Trennung

Ferhad an Schirin

Die Trennungsstunde hat geschlagen;

Mit Seufzern und mit lauten Klagen

Gedenk ich Dein.

Schirin, darf es Ferhad wohl wagen,

Mit Liebesflehen Dir zu sagen:

Gedenke mein!

O ja! Er darf es ohne Scheuen;

Er darf sich ja des Himmels freuen,

Geliebt zu seyn.

Darum, Du Schöne, Honigsüße!

Du Spenderin der Huri’sküsse:

Gedenke mein!

Gedenke mein in Augenblicken,

Wo Dich Natur und Kunst entzücken,

Mit ihren Weih’n!

Wenn Ideale vor Dir stehen,

Und Deine Würdigung erflehen,

Gedenke mein!

Wenn sich des Morgens Thore röthen,

Wenn Abends Nachtigallen flöten,

Im Mondenschein;

Wenn Geister durch die Flieder rauschen,

Wenn alle Sfären funkelnd lauschen,

Gedenke mein!

Und findest Du bald durch Vergleichen;

Daß Tausende mich überreichen,

An That und Schein;

Wird dann Dein Tadel mir beschieden,

So schelte mich! – ich bins zufrieden:

Nur denke mein!

Wenns Dir gefällt mit Deinen Küssen

Das Leben Andrer zu versüßen

Im Herzverein:

Umschlossen selbst von fremden Armen,

Schirin! Schirin! – nur aus Erbarmen

Gedenke mein!

Wenn aber nach des Schicksals Willen,

Ich bald entschlafen bin im stillen

Cypressenhain;

Dann kannst nur Du ein a n d e r s Leben

Mir durch Erinn’rung wiedergeben;

Gedenke mein!

Die Trennungsstunde hat geschlagen;

Mit Seufzern und mit lauten Klagen

Gedenk’ ich Dein.

O ja, Schirin! Ferhad darfs wagen

Mit Zuversicht sich selbst zu sagen:

Sie denket mein!

Schirin an Ferhad

Die Trennungsstunde hat getönt,

Von Dir mit Seufzern ausgestöhnt,

So wehmuthsvoll, so trübe!

Ach! Deine Zweifel lasten schwer;

Ich denke Dein, – was willst Du mehr?

Ich denke Dein mit Liebe.

Bey Fantasie und Sinnenspiel,

Bey Zart, und Hoch, und Tiefgefühl,

Bey jedem süßen Triebe;

Im Cedernthal, im Rosenhain,

Beym Morgenroth, beym Mondenschein

Gedenk ich Dein mit Liebe!

In meiner Freude goldner Spul,

Ist meiner Wonne Polsterstuhl

Im Hof: und Weltgetriebe,

Was anders als Dein holdes Bild,

Wie Engelsmienen sanft und mild

Gemalt von warmer Liebe?

Eh’ rollt sich zu des Aethers Plan,

Eh’ strömen Meere himmelan,

Und Wasser bleibt im Siebe;

Eh’ ändern Sonnen ihren Lauf,

Eh’ daß ich könnte hören auf,

Zu denken Dein mit Liebe!

Wenn selbst das schwere Rad der Zeit

Des Weltenbaues Achse heut

In Schutt und Graus zerriebe,

Ich dächte Dein auch fernerhin,

So lang ich noch ein Stäubchen bin,

Mit unzerstörter Liebe.

Kühn mag sich unserm Talisman

Die schwarze Nacht des Nichtseyns nah’n!

Gefreyet vor dem Hiebe

Der ewigen Vernichtung,

Wird blühen die Erinnerung

Von uns mit frischer Liebe.

Gesetzt, es kämpfe ein Orkan

Von Wollust Deine Sinnen an,

Ein fremder Hauch zerstiebe

Mein armes Bild wie leichte Spreu,

Vergesse mich, Ferhad! – es sey!

Vergiß mich nur mit Liebe.

Die Trennungsstunde hat getönt,

Von Dir mit Seufzern ausgestöhnt,

So wehmuthsvoll, so trübe!

Ach! Deine Zweifel drückten schwer,

Ferhad! – Nun zweifelst du nicht mehr;

Du denkest mein mit Liebe!

1798

Sieh nicht beständig fremde Fehler

Sieh nicht beständig fremde Fehler,

Auf deinen Kragen senk den Blick;

Wenn dir ein Spiegel kommt zur Hand,

Zerbrech’ ihn eh’ du dich anbethest.

Schmück wie der Frühling dich nicht selbst,

Damit der Herbst dich nicht entblättre.

Der eignen Fehler Kleid ist eng,

Darum hüllst du dich in neun Schleyer.

Wie soll der Reif zum Ringe taugen,

Wenn er kein Schild zum Siegel hat.

Der Pleias Halsband ist für Hunde

Und des Messias Last für Eseln.

Was ist das Reich, das voll von Motten?

Was ist die Welt voll Diebesfrucht?

Die ganze Welt so alt als neu,

Sie tauget nicht der Körner zwey.

Hier iß nicht von der Welt, sieh auf!

Den Antheil N i s a m i ’ s verschütt’!

1818

Friedrich Rückert

Die Aussteuer der Kauzentochter

Des Sultan’s Mahmud Sittenmeister

Versteht der Menschen und der Geister,

Versteht der Vögel Sprachen auch.

Das zeigt’ er, als im Abendhauch

Sie von der Jagd nach Hause ritten.

Zwei Kauze unterhalten sich im Strauch;

Was sagen sie? Der Meister läßt sich bitten,

Und horcht. „Was ists! berichte mir!“

Ich darf nicht alles wiedersagen.

„Warum?“ Sie sprachen auch von dir.

„Kein Wort sollst du mir unterschlagen.“

Wohlan! der eine Kauz (Gott schirme deinen Thron!)

Hat einen hoffnungsvollen Sohn,

Der andre schmuck ein Töchterlein,

Und heiratsfähig beide schon;

Die Väter kamen überein,

Daß sie ein Pärchen sollen seyn.

Der eine spricht: Ich bin’s zufrieden,

Wenn fünfzig wüste Dörfer zur

Aussteuer sind der Braut beschieden.

Was, spricht der andre, fünfzig nur?

Fünfhundert, Bruder, kann ich geben;

Gott schenke nur dem Sultan Leben,

Und wüste Dörfer gibts auf jeder Flur.

***

Merkt sich der Sultan die Betheurung?

Und wird er aus dem Sinn den neuen Krieg

sich schlagen,

Um nicht mehr Dörfer zur Aussteurung

Der Kauzentochter beizutragen?

1837

Die Rätsel der Turandot in symbolischer Fassung

Die Meisterin anmut’ger Spielerinnen

Begann das Spiel nun hinterm Vorhang drinnen.

Zwei Perlchen löste sie vom Ohrgehange,

Und gab sie einer Zofe zum Empfange:

„Bring unserm Gaste dieses hier in Eile,

Und bring zurück was Antwort er erteile.“

Die Botin hin zum Gaste kam geschwinde

Und zeigt ihm ihr gebrachtes Angebinde.

Der Mann die Perlchen legt’ auf Geisteswage,

Und merkte wohl, was ihr Gehalt besage.

Von andern Perlen, die dazu sich schickten,

Legt’ er drei gleiche zu den zwei geschickten,

Gab sie der Botin, die die Sendung brachte,

Daß sie zur Senderin den Rückweg machte.

Das Steinherz dort, als sie die fünf sah liegen,

Nahm den Gewichtstein und begann zu wiegen.

Als sie so und so viel fand an Gewichte,

Rieb sie die Perlen an dem Stein zu nichte;

Darauf sie eine Hand voll Zucker sprengte,

Und Perl’ und Zucker durcheinander mengte.

Das ließ sie hin zum Gast in Eile bringen;

Der wußt’ auch dieses Rätsel zu durchdringen,

Ließ von der Dien’rin ein Glas Milch sich reichen,

Vermischte Beides, und gab ihr dies Zeichen.

Die Dienerin dahin zur Herrin eilte,

Der sie den mitgebrachten Fund erteilte.

Die nahm die Milch und trank bis auf die Neige,

Die Neige knetete sie dann zum Teige;

Sie legt’ ihn auf die Wage wie zuvor,

Und fand, daß es kein Haar Gewicht verlor.

Gleich zog sie ihren Reif vom Finger nieder,

Und gab zu tragen ihn der Botin wieder.

Der Kluge nahm ihn von der Zofe Händen,

Und steckt’ ihn an, ohn’ ihn zurückzusenden.

Er gab ihr ein Juwel, das Nachts die Zelle

Der Welt erleuchtete mit Tageshelle.

Das Mägdlein, wie ein Kind aus Himmelsreichen

Trug das Juwel hin der Juwelengleichen.

Die Herrin hielt’s auf ihrer Hand nicht lange,

Brach auseinander ihres Busens Spange,

Wo ein Gestein sie fand, ein gleichgejochtes,

Ein Nachtlicht mit dem andern gleiches Dochtes;

Auf einen Faden zog sie die zwei Flinder,

Die beiden völlig eins, nicht mehr noch minder.

Die Botin trug die Schätze hin zum Meere,

Hin die Pleiaden zur der Sonnensfäre.

Der Kluge, da den Blick darauf er wante,

Das Zwiegespann nicht von einander kannte,

Und außer Zweiheit zwischen diesen Beiden

An Glanz und Pracht nichts fand zu unterscheiden;

Nahm eine Glaskorall’ aus Dienerhand,

Weil gleich den zweien sich kein drittes fand;

Aufs Kleinodpaar...

Erscheint lt. Verlag 31.8.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Anthologien
Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Lyrik / Dramatik Lyrik / Gedichte
Literatur Romane / Erzählungen
Geisteswissenschaften
Technik
Schlagworte Anthologie (1798-2021) • Anthologie (1798–2021) • deutschsprachige Orientalisten • Nisami • Orientalische Literatur in deutscher Übersetzung • Rezeption
ISBN-10 3-347-37832-6 / 3347378326
ISBN-13 978-3-347-37832-2 / 9783347378322
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